Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 34 (26.8.1910)
- Date
- 1910-08-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ahrcheil Redaktion nnd Administration: Wien, II/, Novaragasse 27 Telephon: Redaktion 5107/VII1. Unabhängige Zeitschrift für jnöische Nerngsprei»: Ganzjährig.K 14.— Halbjährig.K 7 — Administration 4938/U, K. k. österr. Postsparkasia- Scheck-Konio Nr. 100.918. Interessen. Für Kultusbeamte: Ganzjährig.K 10. - Jnitrate: i Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 2ö Heller. Erscheint jeden Kr eilag. Für Ausland: j Abonnementsnnd JnsertionölAaazjährig.8 Mark 1 benage und in Wien zahlbar nnd klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!11 t> Ravel oder IN Frc». Ur. 34. Wie«, 26. Augnst U»L6. Inhalt: Rüsten! — Erziehung znm Abfalle in jüdischen Familien. — Hofrat Prof. Dr. Leopold Oser. — Die Judenpogrome in Rußland. — Verschiedene Nachrichten. — Kaiserliche Gnade. — Kantor Glücksmann-Lipine. — Austritt aus dem Judentum. Wiste,,! Von I. Mendel. III. Ich wollte meine Ausführungen mit dieser Fortsetzung beschließen. Nun aber geschah etwas, das mich zwingt, schon jetzt IV anzukünden. „Ein Christ, der es ehrlich mit Juda meint!" schickte der Redaktion einen von Jnvektiven und Judenhaß triefenden Artikel als Entgegnung und die löbliche Schriftleitung stellte es mir anheim, ob ich erwidern wolle. Hier meine Antwort. Großer, anonymer Freund Judas! Wir feigen, mit alten Hosen handelnden Jllden sind gewöhnt, offen zu kämpfen, nicht aus dem Hinterhalt. Jede Verheimlichung ist verdächtig. Die Redlichkeit scheut bekanntlich das Sonnenlicht nicht. Ich muß also aussprechen, was mein Herz bedrückt, d. h. wofür ich Sie halte, oder verdächtige: für einen Semiten aus Radzubow, oder aus Koloszvar. Wie ich so las: „Sie werden mir mit dem jüdischen Massenelend kommen. Ich kenne auch die Verhältnisse im XX. Bezirk! Dort wohnen meist „Polnische," diese Eiterbeule am jüdischen Volkskörper. In Galizien waren sie „Lustmenschen," hier sind sie „Berufsschnorrer" — da sagte ich mir: Donnerwetter noch einmal, ich wette meinen Kopf, der Mann ist beschnitten. Denn so schimpfen auf ihre polnischen Brüder, das tun nur Juden, und zwar entweder die, die als Beamte jüdischer Stiftungen fungieren, oder solche, die aus Kosten Galiziens leben — als Reisende oder als Händler und Fabrikanten von Schund. Ein wirklicher Arier spricht nicht diese Sprache — ein wirklicher Christ sicher nicht. Wenn Sie, mein Lieber, weder Sekretär einer Stiftung sind, noch Bethausvorstand, oder Schames, kann ich mir Ihre Psyche nicht erklären. Aber eines steht bei mir fest: Mögen Sie formal dem Judentum nicht angehören, mögen Sie getauft sein, ein Jude, ein Renegat, ein schlechter, verräterischer Jude sind Sie — ein Christ waren Sie nie, können es nie werden. Wissen Sie. mein Wertester, warum die damaligen Inden die Lehre Jesn ablehnten? Weil sie ihnen zu entsagend, zu jenseitig, zu milde und versöhnend schien, weil sie in derselben eine Umwälzung des Bestehenden, eine Umwertung aller Werte erblickten, weil sie die Realisierung des Messianismus für unmöglich hielten. Es war der Protest des Normalen. Gewöhnlichen gegen das Außerordentliche, Große. Sagt aber jemand, ich bin ein Christ, so heißt dies, ich bekenne mich zum Messianismus, ich glaube an das Verschwinden der Lüge, der Bosheit, der Heuchelei, der Verleumdung, des Egoismus, des Ehrgeizes, der Gewalt, kurzum: ich glaube an die Aufrichtung des Gottesreiches ans Erden, wie es die Propheten und Jeius verkündet. Sehen Sie, das ist in kurzen Zügen das Wesen des Christentums, und daß Sie kein Recht haben, sich dazu zu zählen, werden Sie nach dem Vorangeschickten besser wissen. Noch etwas kann ich Ihnen mitreilen: daß es unter den von ihnen so geschmähten, polnischen Inden nicht wenige gibt, die in ihrem langen Kaftan, mit Seitenlocken, das Christentum — wohlverstanden das ursprüngliche — und Jesus tief verehren und daß, wenn jemand ein Recht hätte, sich Christ, Messianist, zu nennen, es die polnischen Schnorrer sind, und nicht Sie, wenn Sie auch das jüdische Volk verlassen, oder weil Sie es taten. Doch, ich muß die geehrten Leser um Entschuldigung bitten, daß ich vom Thema abgewichen und sie in das Labyrinth der Theologie geführt. Es ging aber nicht anders. „Mit Staunen und Verwunderung", schreibt der geehrte Freund Israels, ..las ich neulich den Artikel ..Rüsten I" in Ihrem geehrten Blatt. Rüsten?? Ja, wozu denn? Geht es denn den Juden in Wien schlecht? Beweis, die Juden der Leopoldstadt und der Inneren Stadt tun nicht mehr, als alle ihre Zeit in den Cafös verludern, ihre Frauen und Töchter sitzen in den Cafös und sind für Geld zu haben. In den Kurorten findet man nur Juden und Jüdinnen in Seidenkleidern". Soll ich Ihnen, lieber Freund unserer Nation, sagen, daß Sie ein seiger, ruchloser, abgeschmackter Verleumder sind? Soll ich auf die jüdische Geschäftsfrau, die Sie, als geborener Leopoldstädter, doch besser wie ich kennen müssen, Hinweisen, soll ich Ihnen sagen, daß die Cafös vielen Branchen die Börse und den Markt ersetzen, und daß die Leute dorthin kommen müssen, um redlich zu arbeiten, soll ich Sie auf die judenreinen Sans-, Trink- und Perversitätslokale verweisen, soll ich Ihnen erzählen, daß andere Freunde Israels unseren Frauen und Töchtern vorwersen, sie sind kalte Rechenmaschinen, sind für den zu haben, der sie heiratet, sind keusche Egoistinnen, soll ich Ihnen das Geld der arbeitenden jüdischen Jugend weiblichen Geschlechtes aufzählen, als geborener Wiener wissen Sie es sicher besser. Sie wissen ja, daß Sie darauf in Ihrer Jugend spekuliert, zwischen 6 und 7 Uhr, wenn die angestellte Welt nachhause geht, um in ein paar schwarze semitische Augen zu sehen nnd sie zu verführen. Und wer weiß, wie viel solche Verführungen Sie aus Ihrem „ehrlichen" Gewissen haben?? Wozu weiter reden. Sie wissen ja selbst, daß Sie uns verleumden, nur geht Ihre Frechheit so weit, das Sie auch den Juden weiß machen wollen, sie verdienen den Haß! Verehrtester, lassen Sie sich gesagt sein: Ihre Zeit ist vorüber. Juda ist erwacht, Inda fürchtet sich nicht mehr, weder vor