Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 30 (29.7.1910)
- Date
- 1910-07-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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akrcheit Redaktion und Adininisiralion: Wien, II/, Novaragasse 27 Televho»: Redaktion 5107/VII1. Anabhängige Zeitschrift für Mische Gejngspreis: 0>!a»zjäheig.K 14.— Halbjämig.K 7 — Administration 4938,11. fl. k. önerr. Postsparkassa- Zcheck-floiuo Nr. 100.918. Interessen. Für ttnltiisbeaiiite: «Ganzjährig.X 10. — Inlerato: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile W Heller. Erscheint jeden Kreitng.! Für Ausland: Abonnements- »nd IniertionS- (Aaiizlährig.8 Mark betrage sind in Wien zahlvar und klagbar. Motto: „Das Siegel (Lottes ist Wahrheit!*1 | 6 Rnvet oder >6 Frc». Ar. BO. Wien. 39. giili 1910. in Oesterreich in vormärzlicheu Zeiten, aus dem Judentum. Das Leben und Wirken der Juden Inhalt: Aus der Woche. — Adolf Sonnenthal als Bekenner. — Baurat Wilhelm Stiaßuy. — Jndentansen. ..- Berschiedene Nachrichten. — Literatur. — Feuilleton: Moosröschen. — Eingesendet — Austritte Ans der Woche. Wie richtig wir in unserer letzten Wochenschau die Taktik der Christlichsozialen beurteilten, die gerne in der Jndenhetze eine Ablenkung des ihrer Partei drohenden Debakels suchen möchten, beweist die Rede des Gemeinderates K u n s ch a k, der in einer Versammlung der christlichsozialen Bezirksorganisation in Hernals unter anderem folgendes erklärte: „Die liberale Partei hat noch so manchen Christen in ihren Reihen, aber keiner von diesen hat es gewagt, in die Arena gegen uns zu steigen. Den Inden Stein und Dr. Granitsch blieb es Vorbehalten, gegen uns ins Feld zu ziehen. (Stürmische Ruse: „Hinaus mit den Juden!" „Nieder mit den Inden!" „Hinaus aus O e st e r r e i ch!") Wir quittieren dankend die Konstatierung der Tatsache, daß der Jude unverbesserlich i st. Die Juden w e r d e n d i e Folgen davon noch verspüren, daß sie sich jetzt wieder ins Vordertreffen gedrängt haben. Der Krieg, den Juda gegen uns eröffnet hat, w i r d frisch und fröhlich ausgenommen w erde n. (Stürmischer Beifall.) Wir werden wieder hinausgehen und als Antwort auf die jüdischen Verleumdungen gegen unsere Partei die Bevölkerung daran erinnern, wer der ist, der das Brot, das Fleisch, die Kohle u. s. w. verteuert. (Lebhafte Zustimmung.)" Das „Hepp-Hepp"-Geschrei ist wohl heute schon stark abgenützt und selbst der dümmste Kerl in der christlichsozialen Partei weiß es, daß nicht die Juden sondern ein antisemitischer Führer die Korruption aufgedeckt hat, aber die lügenhaften Verdrehungen sollen uns Juden doch einen Fingerzeig für unser weiteres Verhalten bieten. Niemand kann uns zumuteu, daß wir in dem Prozesse, der sich jetzt abzuspielen beginnt, vollkommen untätig bleiben, aber das Vordertreffen im Kampfe gegen die christlichsoziale Herrschaft müssen wir unseren christlichen Mitbürgern überlassen. Nur wenn es ihnen Ernst ist, die Schädlinge, die jahrelang das Volk betörten, von sich abzuschütteln, und wenn der Wille hiezu aus eigener Erkenntnis erwacht und zum allgemeinen Bewußtsein gelangt, dann kann die Heilung der Volkskrankheit von dauerndem Erfolge sein. sagen, daß der Gedanke, die Inden der Landwirtschaft znznführen und ihnen die Bodenkultur zugänglich zu machen, einmal doch zur Realisierung kommen wird. Die erste zu diesem Zwecke eiuberufene Versammlung, die Montag, den 18. d. M. im großen Saale des jüdischen Hauses in Czernowitz stattsand und zu welcher aus allen Teilen des Landes zahlreiche jüdische Gutsbesitzer, Gutspächter und andere Interessenten erschienen waren, nahm einen sehr würdigen Verlauf. Nachdem sowohl der Einberuser Dr. S t r a u ch e r, sowie die nachfolgenden Redner auf die zunehmende Verelendung eines großen Teiles der jüdischen Bevölkerung hingewiesen und die Mittel zur Bekämpfung derselben erörtert hatten, wurden folgende von Dr. Vierer (Radantz) gestellten Anträge angenommen: 1. Die Versammlung begrüßt aufs herzlichste die Anregung des Dr. Straucher, die Juden der Landwirtschaft zuzuführen, 2. es werde ein Zentralkomitee in Czernowitz gebildet, dem °/z Landwirte und J/3 Mitglieder anderer Berufe angehören sollen und die die Frage im Detail erörtern soll, 3. aus dem Lande werden Lokalkomitees gegründet, an deren Spitze die jeweiligen Kultusvorsteher stehen sollen, 4. es werde eine Anffordernng an alle Juden gerichtet, welche sich der Landwirtschaft widmen wollen, genaue Angabe ihres Vermögens und ihrer sonstigen Verhältnisse zu machen. In das Zentralkomitee wurden gewählt: Dr. Straucher, Dr. Ausländer, Josef Blum, Dr. Diamant, Simon F l i e g I e r, Goldner, Michael K u u st a d t, Direktor Kindler, Dr. Lupul, Horowitz, S o ko l, Weiß glas, Goldenberg, Niederhofer. Dr. Vierer und Hellmann. Dem Komitee wurde die Ermächtigung erteilt, im Sinne und nach Form der „Jewish Assoziation" eine Bank zu gründen, welche Aktien herausgeben und das nötige Kapital für die Saniernngsaktion beschaffen soll. Unter lebhaften Ovationen für Dr. Straucher wurde die Versammlung, die einen denkwürdigen Tag in der Geschichte der Juden in der Bukowina bedeutet, geschlossen. Die vom Abgeordneten Dr. Straucher gegebenen Anregungen zur Einleitung einer Sanierungsaktiou behufs Verbesserung der Lage eines Teiles der Juden in der Bukowina, die durch die Aufhebung der Propinationen in unseliges Elend gestürzt wurden, ist, wie die'„Volkswehr" berichtet, glücklicherweise auf fruchtbaren Boden gefallen. Man kann schon heute Aus Anlaß der hundertsten Wiederkehr des Todestages der Königin Luise sei auf ihr Urteil über Mendelssohns „Phädou" hingewiesen, welches wir in dem Zeit- und Charakterbild „Königin Luise von Preußen" von Dr. E. Mensch finden. Königin Luise hat als jugendliche glückstrahlende Braut des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen Mendelssohns epochemachendes Werk „Phüdon" oder „Ueber die Unsterblichkeit der Seele" gelesen. Wie lebhaft sie sich von dem Buche angezogen fühlte, zeigt ein Brief an ihren Religionslehrer und £- 4 t. M- V r ■UM IT'