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Die Wahrheit · 1910-06-17 · Heft 24 (17.6.1910) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 24 (17.6.1910)
Date
1910-06-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Die Wahrheit i ... . .SMe 8 richte geht hervor, daß der Verein in dein ersten Halbjahre 1910 ungefähr K 3000 än Unterstützungen verteilte, ein noch vorhandener Reservefond wird dem Verein über die kritischen Sommermonate hinweghelfen: nach Tunlichkeit, in dringenden Fällen Unterstützungen zu gewahren und gibt schließlich bekannt, daß der Verein sorrab seinen ständigen Sitz in einem geweihten Hause, nämlich in den Räumen des Tempels in der Kluckygäpe haben wird. Bei der hieraus vorgenommenen Wahl wurden die folgenden Herren in den Vorstand gewählt: Isidor P o l i z e r, Ignaz Körner. Bernhard P p l l a k, Apotheker Rudolf A a l. Heinrich Hager, m6d. Dr. Redlich, Siegm. F r o m m e r, I. R o s u e r, Em. L u st i g. I. Oppoczinsky, E. Teichthal. Ludwig Schwarz, Geza K l i n g e r und Moritz Schick, durchwegs Männer, von denen bestimmt zu erwarlen ist, daß ste ihre besten Kräfte in den Dienst der guten Sache stellen werden. Am 9. d. M. fand die konstituierende Versammlung des Vorstandes statt, wobei in die Leitung des Vereines folgende Herren gewählt wurden : Isidor P o l i z e r als Obmann, I. R o s n e r, I. Obmannstellvertreter, mad. Dr. Redlich, II. Obmannstellvertreter, Siegm. Frommer, Kaffier, Geza K l i n g e r, I. Schriftführer, Moritz Schick, 31. Schriftführer. Möge es dem neuen Vorstande beschieden sein, der in diesem Bezirke unter der jüdischen Einwohnerschaft herrschenden erschreckenden Armnr Herr zu werden. LI. Oh. Wien. Sonntag, den 12. Juni, 2 Uhr nachmittags, fand im Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung des Herrn Salomon U r i ch. Oberkantor in Neutitschein mit Fräulein Julie L ö w statt. Wien. Samstag, den 11. Juni fand im Stadttempel, I. Seitenstettengasse, die Bar-Mizwafeier des schon so viel gefeierten Komponisten Erich Wolfgaug K o r n g o l d statt. Zum erstenmale zur Thora aufgerufen, sprach der jugendliche Komponist sein Bekenntnis zum Judentume aus. Hierauf richtete Rabbiner Dr. M. Bauer eine wunderschöne Ansprache an den jungen Künstler, dem er zu seiner großartigen Begabung und der getroffenen Berufswahl herzlich gratulierte. Für eine so schöne und mit so viel herrlichen Gottesgabeu ausgestattete Seele, gebe es nichts Edleres, als treues Festhalten au der angestammten Religion und Sitte. Die Ansprache verfehlte nicht ihre Wirkung ans den genialen Knaben, zumal auch Herr Oberkautor Don Fuchs durch seine kantorale Leistung zur Hebung des feierlichen Augenblickes sehr viel beitrug. Trenesrn-Teplitz. Im Schwefelheilbade Trencsiu-Teplitz. deren Heilquellen seit nahezu 500 Jahren mit Erfolg benützt werden, fing die Hauptsaison am 1. Mai an und es herrscht bereits ein reges Badeleben. Seit dem 1. Mai spielt außer dem Knrorchester und Zigeunerkapelle jeden Mittwoch nachmittag auch die Militärmusik. Was uns aber noch mehr interessiert, ist die Tatsache, daß die koschere Restauration vollkommen neu eingerichtet und einem bekannten koscheren Restaurateur Jakob Pinkas aus Wien verpachtet wurde. Diese Restauration wird nach streng orthodoxrituellen Satzungen geleitet und am 20. d. M. eröffnet. New-Vork. Ein jüdischer Admiral. „Kontreadmiral Adolf M a r i x ist jetzt im Alter von 62 Jahren aus dem aktiven amerikanischen Mariuedienst geschieden. Er ist im Jahre 1848 in Sachsen geboren, kam als Knabe nach Amerika und im Alter von 16 Jahren in die Marineakademie. 20 Jahre alt, trat er in den Flottendienst und avanzierte sehr schnell. Er diente auf der Marine, dem im amerikanisch-spanischen Kriege auf der Reede von Havanna in die Luft geflogenen Schlachtschiff, welches er kurz vor der Katastrophe verlassen hatte, um das Kommando des Skorpion zu übernehmen. Eine enge Freundschaft verbindet ihm mit dem Präsidenten T a a f t, unter dem er, als dieser Generalgouverneur der Philippinen war, als Militärattache funktionierte. In den ersten Jahren des XIX. Jahrhunderts war Uriah P. L e v y ein Kommodore in der Flotte der Bereinigten Staaten-und außer diesem sowie dem ebenfalls jetzt aus dem aktiven Dienst geschiedenen Konteradmiral E. D. T a u s s i g ist Admiral M a r i x der einzige Jude, der eine so hohe Stellung in der amerikanischen Marine erreichte. Die schlichte Synagoge der jüdischen Gemeinde von Portland, Maine, sah an einem Sabbath im Sommer des Jahres 1906 zufällig fünf hervorragende Juden gleichzeitig in ihrem Gottesdienste. Zwei waren amerikanische Konteradmirale M a r i x und und Taussig, einer Mitglied von Roosevelts Ministerium. Oliver Straus, einer, der ein Ministerportefeuille unter Präsident Cleveland ansgeschlagen hatte, Isidor Straus, und einer der Richter von Portorico, Adolf Grant W o l f." Literatur. Oskar Roseufeld: Die Vierte Galerie. Ein Wiener Roman. 1910. Wien. Hugo Heller u. Cie. Umschlagzeichnung von Gustav Roehm. Preis gehest. K 3.—, in Pergament geb. L. 4.80 Ein junger jüdischer Philosophie-Doktor schreibt seinen ersten Roman. Ein Erstlingswerk. Wir gratulieren. Mit geschicktem Wurfe weiß er die prächtigsten Bilder auf die Leinwand zu werfen. Welch' bunt'schillernde Szenen werden uns vors Auge geführt. Mit geübtem Beobachterblick ergreift er einzelne Typen, fixiert sie aufs Papier und ruft: Sehet Herl Wer einmal das Treiben der jüngeren Opernbesucher selbst beobachtet hat, dieses Sich-Balgen und Raufen, dieses Stoßen und Drücken vor der noch geschlossenen Kaffa, der wird zugeben müffen, daß Rosenfeld dies Getriebe nicht nur gesehen, daß er es selbst erlebte. Und wir erleben Alle alles mit: den Enthusiasmus der „vierten Galerie", ihre Kritik, ihr Verständnis. Nur die vierte Galerie versteht! Die oberen Zehn der Knust! Alle anderen, so im Opernhause sitzen, sind Banausen, sind Bildung- Philister, hier oben sitzt die richtige Musik-Aristokratie, hier stürzt man Größen, hier hebt man sie empor! In die aufregenden Tage werden wir versetzt, als Mahler von der Oper scheiden sollte. Die Kunst dieses Dirigenten, seine säst zauberisch scheinende Wirkung, hier oben fühlt man sie. Und wie ein Rausch überkomint es uns, wenn Rösenfeld chie Wagneropern vorführt. Ein Rausch: wenn'wir mit ihm lieben, ein -Rausch: wenn wir mit Ihm -die Wiener Umgebung aufsnchen. Das. ganze Buch iberauscht: die Schilderung, die .Handlung, die Sprache.- .Alles, ist Mttsiki ... " Michael Jrrgang, ein junger Student, ist der ' Held des Romans,. Michael, den wir als den Typus moderner Studenten'hinstellen möchten: wäre er nicht. Dichter. Das Unstäte,. das Suchende, das; Unzufriedene an ihm, der fortwährende-Drangt nach Neuem, nach Erlebnissen. Und dann der Zweifel! Eingebildet aüf. sich selbst, dann wieder skeptisch; gegen alle und auch gegen.sich. Begeisterüngsfähig, begeistert,;;Mfterk'.,liitB;"sogar zynisch: Und doch in seiner' Ganzt mit leidenschäftlichenk Drange nach Harmonie, nach Einheit. JrrgaNg gehört zu den ständigen Besuchern der vierten Galerie, die sich an den Wagneropern berauschen. Hier liebt er bald Bussin Hanna, der er Freund sein will, bald die blonde „Germanin" Diiia, die sich ihm hingibt, selbst berauscht von beit mystischen Klängen des großen Zauberers Wagner. Seine Brunhitde, seine Walküre. Er sieht sie zu erstenmale und . ist gebannt. Dnrch ihn wird sie „Weib". Liebt die Jüdin Agnes, die schwarze, bleiche Agnes! Agnes die „Heilige", Agnes, an die er Briefe schreibt, die sie nie erreichen, weil sie zerrissen werden^ nachdem sie mit Schmerzen geschrieben wurden. Und so schwankt er in seinen Gefühlen, denn er weiß nicht, wohin sein Herz ihn zieht. Dessen Sehnen, dessen Schrei istund bleibt-Agnes! — — Er flüchtet in die Heimat: Der Dichter ist ihm geboren. In die Heimat, die ihm fremd geworden. Fremd mit ihren Menschen, fremd mit ihren Wünschen, ihrem Leben und Treiben Nur die Natur ist ihm nicht fremd. Die ist ihm auch hier nahe. In diesem stillen Orte, mit seinem großen herrschaftlichen Garten und Schlosse, deren die mährische Heimat so viele hat. — Es ist nicht schwer, die mährischen. Landschaft zu erkennen. — Und so kehrt er zurück nach Wien. In seinen Kreis, zu seinem Meister und dessen Jünger; kehrt zurück in sein Stammcafs.-— Wir können Roseiifeld die Anerkennung nicht versagen. Um so weniger als er seine Personen so wahrheitsgetreu schildert, daß sie jeder, der diese Kreise kennt, lebendig sieht: Wer die Wiener Universität besucht, nicht nur, um zu studieren, sondern auch, um zu beobachten: kennt - die „Beethovenmaske", kennt des „Oskar Wilde" Baron, kennt die kalte „heilige" Agnes, kennt Michael. Wir sind dem Künstler dankbar, daß er nnssolch' lebendiges Bild geschaffen hat von studentischen Kreisen, ihrem Leben und Treiben. Von Wien mit seinen Gassen und Gäßchen, seinem Prater, seinem Theater, seiner herrlichen Umgebung. Hoffentlich wird der Erfolg den Künstler lohnen, der starker Aufmunterung bedarf. Wir wissen seine Tat zu würdigen, sein starkes Wollen und Können. Um so mehr als es großen Mut voraussetzt, heute als Unbekannter in die weite Oeffentlichkeit zu treten, den Kampf anfzunehmen mit literarischer Kliqne und literarischer Zunft. Rosenselds Roman will nicht gelesen werden in Leihbibliotheken, er will und soll gekauft werden. Jetzt, wo alles für die Sommerfrische rüstet, möge jeder, der sich einige Stunden berauschen mag, dies Bnch kaufen. Jüdische Frauen, die I h r s o v i e l G e l d a u s g e b e t für französische, englische und nordische Bücher, kaufet das Erstlingswerk eines jungen Juden, der den Schritt znm großen literarischen Wettkampf antritt. Erleichtert, ihm diesen Kampf! Wien, im Juni 1910. Gustav K o h n. Jüdische Universalbidliothek. Nr. 98—99: Rom nnkr Jerusalem. (Die letzte Nationalitätsfrage.) Briefe und Noten von M. Heß. 40 Pfennig, 48 Heller. Verlag von Richard Brand eis in Prag. Unter den Männern, welche die Ideen der neujüdischen Bewegung ailbahnten und die eigentlich erst heute verstanden werden und durch und durch modern wirken, nimmt M. Heß eine, der vorzüglichsten Stellungen ein. Sein berühmtes Werk „Rom und Jernsälem" behandelt die jüdischnationale Frage mit einer bewunderungswürdigen Geistesschärfe, deckt ihre Begründung auf und zeigt den Weg zur Lösung mit höchster Klarheit. Dabei umfaßt Heß ein ungeheueres Wissensgebiet abstrakt-p ilosophischer, ästhetischer, künstlerischer, literarischer, geschichtlicher, kultureller, ^soziologischer Natur, und all dies durch vieljähriges Denken geprüft und verarbeitet. Das Werk ist heute nicht nur eine Fundgrube für jeden, der sich irgendwie mit der jüdischen Frage beschäftigt, sondern es bleibt für alle Zeiten das Denkmal einer" Epoche, ein document huinain ersten Ranges. Dianabad. Früher als sonst und mit großer Intensität hat sich Heuer die sommerliche. Hitzeperiode eingestellt und da können die Wiener wieder einmal empfinden, wie wenig die löbliche Kommunalverwaltung auf das Badebedürfnis der Bevölkerung, gewiß ein wichtiges Gebiet der öffentliches Gesundheitspflege, Rücksicht nimmt. :Die Donaubäder, zum Teile noch nicht eröffnet und im allgemeinen schwer erreichbar und dürftig eingerichtet, das „Gänsehäusel" nur für jene in Betracht kommend, denen der Wert von Zeit und Geld ein unbekannter Begriff ist und die die alte, gute Sitte für einen überwundenen Standpunkt halten — und so ist der einzige Trost der Bewohner der inneren Bezirke das herrliche Dianabad, das nahe am Zentrum der Stadt gelegen, in jeder Beziehung allen Wünschen und Bedürfnissen des Publikums Rechnung trägt. - Strengste Reinlichkeit und komfortable Bequemlichkeit zieren die Babeanlagen sowohl im offenen Bassin für Herren als iu der gedeckten Schwimmhalle für Damen Lud der große Fassungsraum derselben, bietet Gewähr, daß demjenigen, der von der glühendheißen Straße in das vornehme, kühle Vestibüle des Dianabades eintritt, der erwartete Genuß, nicht durch stundenlanges Warten vergällt wird. Jedoch nichtnur zUr Sommerszeit, sondern das ganze Jahr hindurch ist das Dianabad durch seine beliebten Vollbäder und Wannenbäder, sowie durch die angegliederte Wasserheilanstalt, in welcher: unter ärztlicher Leitung ' alle Gebiete der Hydro- Und Elektrotherapie gepflegt werden, em Lieblingsort der Erholung'für bie Gesunden und eine Stätte der Genesung für die Leidenden. UBi

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