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Die Wahrheit · 1910-06-17 · Heft 24 (17.6.1910) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 24 (17.6.1910)
Date
1910-06-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Jnsolange der Prozeß Hilsner nicht einer Revision nnterzogen wird, bleibt die österreichische Justiz mit einem Schandsieck behaftet. Alle bisherigen Bemühungen, die Wiederaufnahme des Prozesses herbeizuführen, sind wohl erfolglos geblieben, aber trotzdem wird immer von neuem der Bersnch gemacht, der Wahrheit und Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen, und so hat vor einigen Tagen eine Abordnung des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus, bestehend aus dem Präsidenten Professor Dr. Szeberinyi und ben j Vorstandsmitgliedern Gemeinderat Dr. v. Dorn, Regierungs- > rat Löhner und Oberinspektor Engel bei dem Herrn > Generalproknrator Geheimrat Dr. v. Schrott vorgesprochen,! um ihm unter eingehender Begründung die Bitte um Wieder-! aufnahme des Prozesses Hilsner, eventuelle Erwirkung der Bej gnadigung des letzteren zu unterbreiten. Der Herr Generalproknrator! wies in seiner Erwiderung auf die großen Schwierigkeiten hin,! welche einer Wiederaufnahme des Prozesses in formeller und - sachlicher Beziehung im Wege stehen, erklärte sich aber bereit,! eine allfüllige schriftliche Eingabe in dieser Sache entgegeni zunehmen und einer genauen Prüfung 511 unterziehen. * 2-! Die Juden haben bei den jüngsten Wahlen in Ungarn sehr schlecht abgeschnitten urld während dem vorigen ungarischen ' Reichstage 24 jüdische Mitglieder angehörten, sind diesmal nur; 11 jüdische Abgeordnete gewählt worden. Es sind dies: Doktor i Samuel Bak 0 nyi (Debreczen), Baron Julius B e ck de Madaras j (Mezö-Kaszony). Dr. Philipp D a r v a i (Szaszsebes), Franz! Heltai (Okland), Dr. Alexander Nagy (Nagy-Jda), Doktor : Siegmnnd Nemes (Facset), Dr. Alexander P e t ö (Budapest HI), > Ignatz R 0 s e n b e r g (Hatszeg), Dr. Julius R 0 senberg; (Abrudbanya), Paul Sand 0 r (Budapest V) und Dr. Wil- "\ Helm Vazs 0 uyi (Budapest V). Aus dem Wahlresnltat Schlüsse auf die Stellung des Judentums in Ungarn zu ziehen, j tväre verfehlt und die Minderzahl der Juden im gegenwärtigen! Abgeordnetenhanse ist einfach damit zu erklären, daß die frü-! Heren jüdischen Abgeordneten zumeist der Justh- und Kossuth- Partei angehörten und daher auch von der Niederlage dieser beiden Parteien stark betroffen wurden. Von den gewählten jüdischen Abgeordneten gehören acht der Regierungspartei und einer der Justh-Fraktion an, während die restlichen zwei Juden (P e tö und V a z s 0 n y i) die „D em ok r a te np a r t ei"! bilden, deren Anhängerschaft sich fast ausschließlich ans Juden zusammensetzt. Das „Zeutralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen", bringt statistische Mitteilungen über das höhere U n t e r r i ch t s w e s e n in Preußen. Wir lassen die Zahlen hier fort und registrieren nur die Schlußfolgerungen, die die ..Köln. Volks-Ztg." aus dem Zahlenmaterial zieht: „1. Der Anteil der Evangelischen an der Schülerzahl der höheren Schulen Preußens entspricht bei den humanistischen Gymnasien beinahe der Bevölternngsziffer und gehl bei den realistischen Anstalten, besonders den Oberreatschnlen, weit darüber hinaus. 2. Die Katholiken, deren Anteilziffer an der Gefamlschülerzahl aller höheren Schulen Preußens bedeutend hinter der Bevölkerungsziffer zurückbleibt, sind in normaler Zahl an den humanistischen vertreten; sehr gering dagegen ist ihre Anteilziffer bei den realistischen Anstalten. 3. Die Israeliten schneiden bei allen Arten der höheren Schulen am b est en a b. Ihr Anteil schwankt zwischen dem Drei- bis Fünffachen ihrer Bevölkernngs Ziffer. * * * Alles ist verjudet; selbst in die höchsten Höhen der Herrscherthrone dringt das schreckliche Gist, und so hat die antisemitische „Nene Bayr. Land. Ztg. die furchtbare Entdeckung gemacht, daß ein Jude — man denke nur das Schaudern eines antisemitisch empfindenden Herzens — Ahuher r der jetzigen spanische Dynastie sei. Und das ist folgendermaßen gekommen:- die Königin Ena. bekanntlich eine Battenbergerin, stammt angeblich von einem simplen sächsischen Gntssekretär Haugk, der in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts auf dem Gute Seifersdorf als Verwalter fungierte. Ueber die Karriere der Nachkommen dieses braven sächsischen Verwalters hat man dann folgendes ausbaldowert: „Der Verwalters f 0 h n trat in die p 0 l n i f ch e Armee ein, zeichnete sich ans, und die Zaren beförderten ihn rasch. 1809 heiratete er die Tochter eines wohlhabenden Petersburger Zuckerbäckers, ein Fräulein Lafontaine. 1825 wurde er als Generalleutnant und kgl. polnischer Kriegsmiuister in den polnischen Adel ausgenommen, 1829 zum Grafen erhoben. 1830 fiel er durch meuternde Truppen in Warschau. Seine Tochter Julie, 1825 geboren, wurde im kaiserlichen Katharinenstift erzogen und Hofdame der russischen Kaiserin Maria. Als solche heiratete sie 1851 in morganatischer Ehe den Bruder der Kaiserin, Prinzen Alexander von Hessen, und erhielt den hessischen Fürstentilel von Battenberg. Ihre Nachkommen sind die Prinzen und Prinzessinnen Battenberg mit dem Titel Dnrchlaucht, und eine dieser Prinzessinnen, eine

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