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Die Wahrheit · 1910-06-10 · Heft 23 (10.6.1910) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 23 (10.6.1910)
Date
1910-06-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Mt 23. Oesterr.-ungar. Kantoren-Zeimng Seite 9. Kmd der Wiener Kantoren. Die allwöchentlichen Zusammenkünfte der Wiener Kantoren, Lei welchen nebst der Diskussion wichtiger Standes- und Fachfragen auch die Geselligkeit zu ihrem Rechte gelaugt, erfreuen sich trotz der sommerlichen Jahreszeit großetl Zuspruches. Am letzten Dienstag, wurde mit Bedauern konstatiert, daß einige, wenige Kollegen sich ferne gehalten haben, obwohl eine überaus wichtige, sämtliche Wiener und zumeist die in kleineren Stellungen befindlichen Kollegen betreffende Angelegenheit in Diskussion stand und jeder, der an derselben nicht teilnimmt. nicht nur die Gesamtheit, sondern mehr noch sich selbst schädigt. In Anbetracht dieses Umstandes, wird erwartet, daß bei der nächsten Zusammenkunft, die infolge des Schewuothfestes Mittwoch, den 15. d. M., 3 Uhr nachmittags, im Klubzimmer des Cafö Maendl, II., Praterstraße 33,1. Stock stattfindet, sämtliche Wiener Kollegen sich vereinigt sinden. Die Ausbleibenden müßten Don der geplanten Aktion ausgeschlossen werden. An die „Indische Uolksstinune" in Kenn»». Liebe jüdische V o l k s st i m m e! Du gestattest dir den Luxus, in der Nummer 21 (eine -ominöse Zahl, denn sie bedeutet im hebräischen yt) durch das Feuilleton „Der Herr Oberkantor" die heilige Institution des jüdischen „Scholiach-Zibbur“ herabznsetzen und damit auch das Judentum ein bißchen zu besudeln. Warum aber bleibst du bei den Kantoren stehen? Komme einmal, du liebe, brave jüdische Volksstimme, in andere Provinzgemeinden, dann wirst du dem Rabbiner, der deinen Artikel inspiriert oder geschrieben hat, sagen können, daß es dort Rabbiner gibt, die Doktoren sind, ohne je eine Schulbank gewetzt zu haben; die sich den Titel „Oberrabbiner" selbst beigelegt, ohne einen zweiten Rabbiner neben sich zu haben, ja einen solchen überhaupt gar nicht dulden würden; die aus keineswegs heiligen Gründen dem „Chasan“ seinen „Mi adir“ wegsinge n (!), in Kaffeehäusern den Gesang des Chasan verhöhnen und alle unmöglichen Sophistereien und Hanswurstiaden zusammenschreiben, um düs jüdische Kantorat herabzuwürdigen. Zum Schluffe frage ich dich noch, liebe „Jüdische Volksstimme", warum du in derselben Rümmer yt einen Artikel bringst mit der Ueberschrist „Vertragen sich Christentum und Antisemitismus?" Dein Feuilleton ..Der Herr Oberkautor", der dumm jüdisch — antisemitisch ist, berechtigt zu der Frage, wb sich Judentum tiud Antisemitismus vertragen? E i n w i r k l i ch e r O b e r k a n t o r, der nur am Schabbos einen Zylinder trägt. 23jirhriges Amtsfnvttinrin. Samstag, den 4. d. M. wohnte ich als Delegierter des kroatisch-slavonischen Kantorenverbandes der Feier an, welche die Agramer israelitische Kultusgemeinde ihrem Kantor und Chordirigenten, Herrn Siegmund W e i n t r a u b, aus Anlaß seines 25-jährigen Amtsjubiläums veranstaltete. Es war ein erhebendes und gelungenes Gemeindefest. Der Jubilar wurde als Maftir zur Thora gerufen, wobei der Chor-einen Jubelgesaug anstimmte und Oberkantor Rendi einen von ihm verfaßten Mi scrbsbsrLob, der von der gründlichen Kenntnis der hebräischen Sprache zeugte, weihevoll vortrug. Hierauf feierte Herr Oberrabbiner Dr. Jakobi den Jubilar in einer längeren; überaus wirkungsvollen Rede, als pflichttreuen Menschen, als Kantor, als. Beamten und 'Chordirigenten, die vier Fahnen in den vier Lagern Israels in geistreicher Weise auf die Tätigkeit des Jubilars anwendend. Nach dem Mussafgottesdienste, den der Jubilar in erhebender Weise abhielt, fantr im Gemeindesaale eine Fest- Versammlung statt, wobei der Vizepräsident der Kultusgemeinde, Herr Dr. Goldmanu, im Namen der Gemeinde und der Chewra Kadischa, Herr Oberrabbiner Dr. Jakobi als Schuldirektor im Namen des Lehrkörpers, Herr Jean Schön für das Festkomitee, Herr Oberkaulor Rendi für den Kantorenverband (die Familie Weinlraub, welche große Chasonim: Salomo Weintraub-Kaschtan, Weintraub-Königsberg u. s. w. hervorbrachte, eine mit köstlichen Weintrauben geschmückte Rebe nennend, die mit Fug und Recht „semoroh" heißen muß, weil ihr Panier und ihre Lebensbedingung „semer1. Gesang, ist) und Solist Mahalup im Namen des Chorpersonales an Kantor Weintraub Ansprachen hielten lind demselben kostbare Geschenke überreichten. Zum Schlüsse dankte der Jubilar iu einer sehr launigen Rede für die ihm erwiesenen Ehrungen. Nicht unerwähnt kann ich auch den mächtigen Eindruck des Freitagabendgottesdienstes lassen, der von Oberkantor Rendi zelebriert wurde. Oberkantor und Chor widmeten sich mit voller Hingabe ihren Aufgaben, und so wurden auch verborgenere Schönheiten des kunstreich gefügten Synagogengesanges gehoben. Der männlich-kraftvolle Tenor, die verständnisvolle, deutliche Vortragsweise wecken zur Andacht und begeistern die Zuhörer. Oberkantor Rendi ist eine Zierde der Kantoren als Scholiach-Zibbur und als Mensch! Oberkantor David M e i s e l. Karlstadt (Kroatien), den 7. Juni 1910. Anstritt ans dem Indentnm. Kominik Jda, Private, geb. 6. Februar 187t in Budapest, III. Hansalgasse 4. Wohlseiler Alfred, Kaufmann, geb. 1. Mai 1881 in Bielitz. Oe.-Sch., IX. Tendlergasse 6. Gut in a n n Ignatz, Sänger, geb. 21. November 1892 in Wien. IX. Nnßdorferstraße 5. F a ch e z i Auguste. Schneiderin, geb. 2. Februar 1872 in Jablunkau, Schlesien. VIEL Alserstraße 59. 31 e u m a n u Otto, Dr. jur., Hof- und Gerichts ad vokat, geb. 7. November 1878 in Wien, IX. Thurngasse 15 a. Engel Georg, Rudolf, Josef, Architekt, geb. 9. Februar 1881 in Wien, II. Weintranbengasse 11. S i l b e r w e r k Ignaz, Schriftsetzer, geb. 6. Juli 1871 in Budapest, VI. Stumpergasse 26. Barsch Mali, Private, geb. 11. Oktober 1883 in Budapest, IX. Peregrimgasse 2. König Sidona. geb. Thaler, Advokatenswitwe, geb. 3. November 1878 in Czernowitz. VI. Mariahilferstraße 1 a. Hirschbaum Hermine. Privat, geb. 24. April 1885 in Wien, XVIII. Hockergasse 13. Zucker Regina, geb. Wertheimer, geb. 30. Oktober 1877 in Essegg, V. Grüngasse 16 a. W-tiz. „Atlas", Lebens-, Militärdienst- und Rentenversicherungs-Aktiengesellschaft. Wien, I. Franz Josefs-Kai 1 (Atlashof). In der am 3. Juni a. c. abgehaltenen X. ordentlichen Generalversammlung wurde der Jahresbericht pro 1909 vorgelegt. Aus demselben geht hervor, daß 5840 Anträge über eine Bersicherungssumme von X 16.876.050 eingereicht wurden und 5239 Polizzen über X 13,847.556 Bersicherungssumme zur Ausstellung gelangten. Der Bersichernngsbestand am 31. Dezeniber 1909 umfaßte 16.252 Polizzen über X 37,467.665 Bersicherungssumme; außerdem waren noch X 19.340 Leibrente und X 24.637 Jnvaliditätsrenten mitversichert. Die Prämieneingänge stellten sich auf X 1,712.962.31 und sind gegen das Borjahr um X 149.665.76 gestiegen. Die Prämienreserve und die Prämienüberträge belaufen sich auf X 6,383.733.94 und weisen gegen das Vorjahr eine Erhöhung um X 1,053.030 auf. Von dem nach vorschriftsmäßiger Dotierung des Dividendenfonds der Versicherten im Betrage von X 31.281.38 vorhandenen Betriebsüberschuß per X 9.343.94 wurden weitere X 8000 dem Dividendenfond de rBersicherten überwiesen, der Rest von X 1,343.94 auf neue Rechnung vorgetragen. Die in den Berwaltungsrat kooptierten Herren Reichsrats- und Landtagsabgeordneten Doktor Roger Freiherr v. Battaglia und k. u. k. Kämmerer Feldmarschallleutnant Gustav Freiherr v. Go um o 6 ns wurden in ihrer Funktion bestätigt und die rurnusgemäß ausgeschiedenen Berwaltungsratmitglieder, die Herren Generalkonsul Alfons B r n ck m a n n, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Fritz Haas und Direktor Dr. Reiuhold Schultz wiedergewählt. Vereins-Zahnarzt Dr. Max Weisz. Wien, II., Circusgasse 47. Ordination von 9—6. Telephon 18690 m:' r '"n'" W.

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