Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 21 (27.5.1910)
- Date
- 1910-05-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 21. Oesterr.-ungar. Kantoren-Zeitung Leite 9. Schiraus Z’wi. Gottesdienstliche Gesänge der Israeliten für gemischten Chor mit) Kantor-Solo, mit nnd ohne Orgelbegleitnng für das ganze Jahr und zu jeder Gelegenheit von Hermann B e r m a n n, Oberkantor in Böhmisch-Leipa Besprochen vom kaiserl. Rat Josef Singer, Wien. (Schluß.) Es wäre eine Versündigung gegen die ehrliche künstlerische Bestrebsamkeit B e r nt a tt tt s, wenn durch den im vorigen Aufsätze geschehenen bloßen Hinweis auf die geradezu immense Anzahl seiner Chorkomposittonen der Gedanke wachgerufen werden könnte, dieselbett verdienten es nicht, speziell besprochen zu werden; — einer solch unbegründeten Anschauung mttß entschieden entgegengetreten werden. Doch zur speziellen Besprechung jeder einzelnen dieser im Werke vvrfindlicheu 344 Nummern gehörte ein räumliches Verfngungsrechl, welches uns im Rahmen dieses Blattes leider nicht zu Gebote steht. — Allein so viel Löbliches nnd Anerkennendes wir auch dem Komponisten B e rntan n sagen müßten und könnten — wir können uns des Eindruckes nicht erwehren, daß Kollege B e r ttt a n tt uns erst Dann in seiner eigentlichen Bedeutung voll und ganz erscheint, wenn er als Kantor ztt uns spricht. — Wir sind dem Kollegen Bermann nie im Leben persönlich begegnet, der Werdegang seines Lebens ist uns vollständig unbekannt, ja wir besitzen nicht einmal eine Photographie von ihm; allein ans dieser Andacht erregenden, für tut» Kantoren geradezu ehrwürdigen Ghettoluft, die uns ans seinen nizm-Aufzeichnnngeu entgegenströmt, entnehmen wir, daß die Wurzeln des B e r ttt a tt n'schen chasanisch künstlerischen Stammbaumes mit seiner stattlichen Ahnenreihe weit hinauf ins Mittelalter, vielleicht noch weiter hinauf reichen. Man staunt über die Enthüllung dieses künstlerischen Familiengeheimnisses? — Ja, sollen denn unsere einstigen chasanischen Meistersinger, wie Iizekel K a n a r i k. Dowidel Brod, Herschele Kiew, K a s ch t a tt*) rc. nur insolange Bedeutung gehabt haben, als sie ihre Meistergesänge persönlich vorführten und soll von den letzteren, die den einstigen künstlerisch-religiösen Lebensnerv des jüdischen Volkes ausmachten und noch heute ansmachen, sich absolut nichts auf spätere Geschlechter vererbt haben? Nein! nein! Das nnn jener alten Chasanim-Heroen ist nicht verklungen, sondern vererbte sich von Geschlecht zu Geschlecht und fand in diesen Bermann scheu Aufzeichnungeu, sein Wiedererwecken ztt neuem Leben. Jedem, selbst dem unscheinbarsten ntnn-Teilchen, wendet Bermann seine ungeteilte Attftnerksamkeit in väterlichster Weise zu; der rwn: 12b am Selichot-Morgen, wie der stets etwas stiefmütterlich behandelte -pK rc. fanden eine solch hingebungsvolle Beachtung, wie die sonst bevorzugten Rezitative von ma-ct und rrnstr rc. Dabei ist jedem Objekte die heilige Einfalt vergangener Tage streng bewahrt und dem keuschen Musikgedanken unserer Altvordern durch überaus rigoroses Festhalten am Stile, das heißt, am Jntervallenverhältnisse erschöpfender Ausdruck verliehen. Bezüglich der Wahrung der Stilreinheit freuen wir uns, konstatieren zu können, daß Kollege Bermann in seinen vorliegenden Ausschreibungen das durch uns vor vielen Jahren theoretisch nachgewiesene jüdische Jntervallenverhältnis durch die praktische Tat, das heißt durch seine Aufschreibungen, vollinhaltlich bestätigt und hiedurch ebeitfalls befuitbet, daß der Stil auch ihm mehr gilt, als die melodische Wanderung, welch letztere selbstverständlich einem steten Wechsel unterworfen bleibt, während das Jntervallenverhältnis uns als ewige Wahrheit auch im Wandel der Zeiten erhalten blieb und erhalten bleiben wird. In diesem neidettswerten Festhalten an der ehrwürdigen Tradition wird der Schlüssel zum Verständnisse der B er m a n tischen Kompositionen gefunden. Der Komponist B e rm a n tt bleibt unter allen Umständen sin; er war |?n und ist es, inmitten der *) Den berühmten Bassisten Kaschtans namens Mordchaj Perez Weintranb lernte ich als meinen Vorgänger in Beuthen O.-Sch. kennen nnd erhielt durch ihn so manche wertvolle Anregung und Belehrung. mannigfach leichtfertigen Reformbestrebnngen Unberufener geblieben. Dieses zielbewußte Festhalten an der Tradition, beziehungsweise des ihr iunewohuenden Stiles, drückt dem verehrten Herausgeber des Werkes die Signatur des Bedeutettden auf und mttß ihm von jedem redlich Urteilenden auch rückhaltslos zugestanden werden. Noch auf einem anderen, einschlägigem Gebiete offenbart sich die Anhänglichkeit B e r ttt a n n s an dem patriarchalischehrwürdigen Synagogengesang, nnd zwar in der Behandlung der Orgel. — 93 er tun tut ist ein entschiedener Freund der Orgel — denn allenthalben auch in seinen mehrstimmigen Gesängen macht sich der Einfluß des Organisten geltend — doch nicht der ch r i st l i ch e n Choral-Orgel mit ihren ganzen und halben Noteuköpfen, bei deren Anblicke oder besser gesagt, bei deren Anhören man unwillkürlich Weihranchdüfte verspürt und an die heilige Messe erinnert wird. — Die Hobe Bedeutung des Chorals llnd der ihm dienenden Orgel braucht nicht erst von uns zugestanden zu werden — allein eine Dienstdarmachnug dieser christlichen Orgel für religiös-synagogale Gesattgszwecke muß auch an dieser Stelle, wie schon öfters aufs entschiedenste zurückgewiesen werden. — Zudem verträgt der hebräische Text mit seinen kurzen Silberi (Dagesch und Schwa) keine weiten Notenkopswerte. Alle diese Gesichtspunkte sind Bermann erschöpfend bekannt nnd fanden in ihrer Nutzanwendung für den Synagogengesang dadurch gebührenden Ausdruck, daß er die Orgel nicht als Trägerin, sondern bloß als Begleiterin des Gesanges verwendet; — ja bei einzelnen Stellen will es uns bedünken, als ob dieser B e r ttt a tt n schett Orgel mit ihren stinttnuugsvvllen, streng im Steigen gehaltenen Ruornellen ^t8bors8, siehe narrt »trc S. 71, die Mission des einstigen Meschorer zngewiesen worben wäre. Das wäre ein geistvolles Nivellieren der Gegensätze und das wäre der eklatanteste Beweis hiefür, daß B e r m a n n insoferne als synagogengesanglicher Reformator bezeichnet werden müßte, indem er das Alte der modernen Geschmacksrichtung anpaßt. — In dieser Orgelbegleitnng zum traditionellen Gesänge lüge auch der Ansatlgsversnch zur Harmonisierung traditioneller Gesänge im allgemeinen. — Dieser Teil unseres altehrwürdigeu Gesanges liegt noch im argen, weil sich bis nun kein hervorragender Tonkünstler (Rubi n st e i tt nnd G o l d m a r k miteingerechnel), mit dieser Spezialität beschäftigte, trotzdem die beiden letztgenannten spezifisch jüdisch-geschichtliche Opern komponierten. — Vielleicht ist die von Bermann unternommene Harmonisierung jüdischer Weisen als erster Versuch auf diesem Gebiete ztt erachten. Wir sind am Ende unserer Besprechung. Möge das vorliegende Manuskript nach nochmaliger rigoroser Korrektur einer baldigen Drucklegung entgegettgefübrt werden. Die nach jeder Richtung umfassende Arbeit birgt eine Summe von überaus gefälligen und interessanten Anfführungsnumtneru, wird aber auch insoferue ihrer didaktischen Misson gerecht werden, indem dieselbe als Schulbuch für Kantoralskandidaten jedoch auch in kulturhistorischer Beziehung als zuverläßliches Nachschlagebnch in kritischen Fällen treffliche Dienste leisten dürfte. Austritte uns dem Judentum. MarkovicS David. Privatbeamter. geb. 4. November 1370 in Budapest. II. Kronprinz RndolfSplatz 8. I o k l Max. Privatier, geb. 16. Jänner 1869 in Göding. Mähren, II. Prarerstraße 26. Oppenheim Auron. Handelsagent, geb. 18. Oktober 1885 in Orajava, Rumänien. II. Schiffamtsgasie 4. B e r k o w i tz Heinrich, k. k. Armeediener, geb. 15. Oktober 1851 in Nagyeieb, Komuat Zemvlsn in Ungarn, XVIII. Weißgasse 5. Berdach Felix, Ober-Realschüler, geb. 23. Oktober 1894 in Wien, II. Praterstraße 56. B r u n ro a l d Eduard. Buchbindergehilse. geb. 17. September 1883 in Warschau. XX. KlosterneuburgerNraße 47. Schmied Angnste. Herm ne. Schneiderin, geb. 17. August 1885 in Wien. IV. Schönburgsrraße 15. Sonnlechner Theresia. Rosa, geb. Pollaczek. Private, geb. 5. Jänner 1869 in Prag, Böhmen, IV. Lunengasse 13. M o r g e n st e r n Hedwig, geb. Beutel, Eisenbahnbeamtensgattin. geb. 3. Februar 1872 in Polaun, Böhmen, IX. Liechtensteinstraße 78. K o h n Paul, Dr., geb. 23. Mai 1880 in Wien, wohnhast in Prag.