Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 18 (6.5.1910)
- Date
- 1910-05-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063520-3063538--06653-3073673- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 18. Oesterr.-Ungar. Kantoren-Zeitung Seite 9. Kantorentag in Prag. Die Idee des sehr geehrten Kollegen O b e r k a nt o r Benedikt Singer in Jungbnnzlau, einen K a ulorentog in Prag einzubernsen, müssen wir alle nur lebhaft begrüßen und propagieren. Denn tief, leider sehr lies ist unser Stand, speziell in Böhmen gesunken, und je früher eine z i e l b e w u ß t e Organisation geschaffen wird, desto eher ist die Hoffnung und Möglichkeit geboten, daß sich derselbe aus den finsteren Tiefen wieder zu lichten Höben emporhebt und das wird, was er einst war. Der Hauptzweck des Kantorentages ist doch evident die Schaffung einer Organisation aller ö ft e r r e i ch i s ch e n Kantoren, einer Organisation, welche mit der Oeffentlichkeit in steter Fühlung steht.*) Weiters müssen S Landesfragen und S t a n d e s i n t e r e s s e n eine hervorragende Rolle spielen. Die Vogelstraußpolitik muß endlich ein Ende nehmen. Versteckenspielen ist nicht mehr angebracht, dazu ist die Zeit zu .ernst und unsere Lage zu triste. Und sonderbarer Weise haben wir vor der Oeffentlichkeit die größte Scheu. Nur einer Frage weichen wir ängstlich aus: unserer Standessrage. Dadurch allein, das heißt durch unser permanentes Schweigen über die Frage, die geradezu unsere Lebensfrage bildet, haben wir uns indirekt zu Mitschuldigen jener gemacht, die über uns zur Tagesordnung übergehen. Ich finde, geehrte Kollegen, daß wir die materielle Seite unseres Standes viel zu wenig beachten. In einer Zeit, in der alle Bernfsstäude -(selbst Taglöhner) an der Verbesserung ihrer Lage unablässig arbeiten, erzeugen wir durch unser Schweigen falsche Vorstellungen über unsere Lage bei denen, die gerne die Vogelstraußpolitik betreiben und dürfen wir uns nicht so stellen, als ob wir ans Rosen gebettet wären. Wir müssen daher unablässig schaffen, arbeiten und verhandeln über unseren Stand und Beruf, über unsere Lage, unsere Stellung und unsere Zukunft und müssen alles aufbieten und alle Hebel in Bewegung setzen, um die finanzielle Seite unseres Standes g ü n st i g e r, mensche n w ü r d i g e r zu gestalten. Aber auch unsere Stellung zu den Gemeinden bedarf dringend einer rationellen Reorganisation. Der Kantor ist bloß Funktionär, im besten Falle Beamter der Gemeitide, welcher an Händen und Füßen gebunden ist und von der Lault e und Willkür der Gemeind egew a ltigen abhängig ist. Solange wir nur zu Funktionären degradiert sind und die Vorsteher alles in der Gemeinde sind, werden wir unseren Berns im Sinne unserer Religion nicht erfüllen können. Für unsere Religion können wir nur daun mit Erfolg wirken, wenn wir die Stellung in unseren Gemeinden einnehmen, die uns von Rechtswegen als H a u p t t r ä g e r n des Gottesdienstes gebührt. Wenn wir aber darauf unisono bestehen würden, daß wir als H a n p t t r ä g e r jedes fü di scheu Gottesdienstes und jedweder Z erein o n i e (ohne Rabbiner ist ein Gottesdienst immer möglich, doch ein Gottesdienst ohne k a n t o r a l e Fu n k t i o u i st n u d e u k b a r), V i r i l st i m men i n den Gemeinde n, i m L a u d t a g un d P a rlame n l e rlan g e n, in ka n t o r ale n Angelegenheiten nur n n s e r a l l e i n i g e s Votum richtunggebend ist, dann wäre gewiß vieles anders. Der Herrschsucht der G e m e i n d e v o r st e h e r und Vorstandsmitglieder kann nur dann ein Ende gefetzt werden, wenn die Kantoren, wie bereits bemerkt, als persona gratis sima gelten und primo locoiit den Gemeinden ein Machtfaktor werden. Auf diese Weise wird der Kantorenstand zur Geltung kommen und es wird die Zeit gekommen sein, wo der Kantor als Hauptträger des Gottesdienstes als tos *) Die Organisation wurde wohl schon vor 28 Jahren im „Oesterr.- ungar. Cantvren-Bereine" geschaffen, aber an den separatistischen Bestrebungen. die sich in einzelnen Kronländern znm Schaden der Gesamtheit des Kantorenstandes geltend machten, sind die besten Absichten gescheitert, und es wäre daher frendigst zu begrüßen, wenn Mittel und Wege gefunden würden, um die Einigkeit und Harmome unter der ö st e r r r e i ch i s ch e n Kollegenschaft wieder herzustellen. (Die Redaktion.) geachtet und geschätzt wird, wie es von altersher der Fall war. Mit dem Momente, wo die Kantoren einig und solidarisch dastehen .werden, dann wird die Pascha Wirtschaft in vielen (sogar den meisten) Gemeinden aufhören. An manchen trostlosen Zuständen sind jedoch die Kantoren selb st schul d, denn sie sind untereinander nicht zielbewußt organisiert, es herrscht in ihren Reihen auch Zwiespalt. Egoismus, Konkurrenzneid, einer ist reformiert, der andere konservativ ltsw. Gegen dieses System anzukämpsen. es mit allen Mitteln zu bekämpfen, sollte Ehrenpflicht jedes honnetten Kollegen, namentlich aber die Hanptpflicht jedes Verbandes sein. Ich bin felsenfest davon überzerlgt: würden die Kollegen so organisiert sein, wie sie schon längst in ihrem eigenen Interesse hätten sein sollen, würden die Großen mit den Kleinen, die S t ü d t e k a n t o r e n mit den L a n d k a n t o r e n m i tfühlen und Mitempfinden, würden wir alle einig und geschlossen dastehen, nufere Rechte wahren, auf unser Ansehen bedacht sein und unsere Interessen wirksam vertreten und unablässig fördern — dann würden wir heute anders dastehen und die Gemeindepaschas würden es nie nnd nimmer wagen, sich als die despotischen Herren der Gemeinde aufzuspielen und uns so behandeln. Geehrte Kollegen! Wollen Sie siegen und i m K a m p f nicht unterliegen, dann m ü s s e n wir einander u n t e r st ü tz e n, e i n i g sein u u t e r e i u a n d e r. Lassen wir die kleinlichen Zwistigkeiten beiseite und schließen wir einen Bund. Unsere Devise soll lauten wie der W a h l s P r u ch unseres erhabenen Monarchen: „Viribus u n i t i s.u M i t vereinten Kräften w o l l e n w i r alle unablässig an unseren S t a n d e s i n t e r e s s e n arbeiten und „so" werden wir siegen. Kollegen! E r s ch e i n e.t bei d e m K a n t o r e u t a g e in Prag vollzählig. Je früher derselbe abgeh a l t e n w i r d, d e st o vernünftiger w ü r e e s, d e n n wir kommen schon znr M i t t er n a ch ts st u n d e. Die Weihnachten wären meiner Ansicht nach' hiezn am geeignetsten, und es wäre angezeigt, daß schon ausgearbeitete Referate znr Sprache kommen. Der sehr geehrte Herr Kollege Singer hat mich durch feine vortreffliche Idee in Frühjahrsstimmung versetzt und wahrlich mich dünkt meine Hoffnung nnd Erwartung nicht ohne Aussicht. M ü u ch e n g r ä tz, im Mai 1910. Gustav Bla n. Austritte ans dem Judentum. Epstein Anna, Erzieherin, geb. 30. Oktober 1863 in Wien, II. Blumanergaffe 23. Weil Alfred, Edmund, Ingenieur, geb. 10. November 1877 in Wien. II. Franzensbrückenstraße 3. Hirsch Hans, Privatbeamter, geb. 24. Juni 1885 in Wien, III. Hetzgasse 34. Zeller Biktorine, Bankdirektorswitwe. geb. 22. Oktober 1870 in Wien, IV. Theresianumgaffe 23. Mandl Jnlianna, Jnspekrorswitwe. geb. 1346 in Klein-Zell, Bezirk Hainfeld, N.-Oe., III. Hainburgerstraße 27. S i e g e l b a u m Helene, Kontoristin, geb. 10. Dezember 1884 in Wien, VI. Mariahilserstraße 112. K o fi n Robert. Federhändler, geb. 20. Oktober 1884 in Wien, VII. Schotrenfeldgasse 17. T a u s k y Jda, geb. 19. Jänner 1875, VII. Hermanngasse 33. Weihs Jakob, Dienstmann, geb. 27. Mai 1866 in Damboritz, Mähren, XVIII. Geutzgasse 19. N a g e l st o ck Hedwig. Private, geb. 15. Jänner 1876 in Wien, VIII. Feldgasse 13. L ö w y Johanna, Private, geb. 10. August 1888 in Budapest, I. Schönlaterugasse 11. M a tz a l Robert, Tapezierersgattin, geb. 13. Juni 1885 in Wr.-Neustadt, XVIII. Standgaffe 62. Weiß Kathi, Private, geb. 1871 in Szered, Ungarn. II. Ruevpgasse 4. H i r s ch l e r Hermann. Friedrich. Private, geb. 17. Dezember 1876 in Wien, VIII. Lederergaffe 25. Krahaner Josefine, Private, geb. 30. August 1882 in Nikolsburg, H. Scerneckptatz 5._ Vereins-Zahnarzt Dr. Max Weisz. Wien, II., Circnsgasse 47. Ordination yon 9—6. Telephon 18399.