Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 16 (15.4.1910)
- Date
- 1910-04-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite ö. Die Wahrheit Nr. -16. Frankl, der Bethausverein im X Bezirk mit dem Obmann I. Straßj berg, der Simmeringer Tempelverein milk. R. Sigmund Kanders, | der Brigittenauer Tempelverein mit dem Obmann Hermann! Eltbogen, der Hietzinger Tempelverein mit dem Obmann Direktor j S. Krennberger, und der Döblinger Tempelverein mit dem Obmann Karl Flaudrak, als Führer der einzelnen Deputationen erschienen waren. — Einen kunstvoll gearbeiteten wertvollen Silberpokal Überbrachte die Vorstands-Deputation des Tempelvereines „Chewra-Bethatfilah" die vom Obmann Herrn Gottlieb Bettelheim geführt wurde und als deren Sprecher Herr Doktor Schnepp fungierte. Vom Oberkantor Kläger dieses Tempels wurde in künstlerischer Ausführung eine hebräische Gratulaüons-- widmnng dargebracht. Es gratulierten ferner die Bethausvorstände des XIL und XV. Bezirkes (Obmann Knltnsvorsteher S. Steine,-), XVI. und XVII. Bezirk (Obmann Ed. Pollitzer), XXI. Bezirk (Knltnsvorsteher Dr. Jakob König). Wertvolle Adressen.überreichten: die Abordnungen der Vereine Frauenhort mit Frau Präsidentin Rosa Zifferer, Kaiser Franz Josefs-Ferienheim und Oesterr. Seehospiz mit der Schriftführerin Frau Adele Zins, Verein zur Hebung der Gewerbe mit dem Obmanne S. Brod, und Bethausverein Talmnd-Thora mit dem Obmanne Bnchwald und Herrn Rabbiner Schenk an der Spitze. Das Diplom der Ehrenmilgliedschaft überreichte dem Jubilar 'der Verein zur Unterstützung armer israel. Knrbednrftiger, dessen Deputation vom Präsidenten Dr. Braun und Prof. Salzmann geführt war. Für das Hilfskomitee des Gleichenberger Hospitales für arme Israeliten gratulierte dessen Obmann Dr. Wahrmann. Frau Laura Goldschmidt führte die Deputation des Frauen-Wohltätigkeitsvereines „Zuflucht," Frau Anna Brand die des Frauen-Wohltätigkeitsvereines „Providentia," Frau Amalia Beck die des Rekonvaleszentenheimes „Philantropia," Frau Regine Landeis die des Ansspeisnttgsvereines für den XU.—XV. Bezirk, der Vorstand des Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhorts mir dem Präsidenten kais. Rat Dr. Krüger und der Vizepräsidentin Regine Mayer au der Spitze nberb,achte eine kalligraphische Adresse. Eine Deputation der Chorsänger des Stadt- und Leopoldstädter Tempels, geführt vom Chordirektor Prof. Snlzer, überbrachte nebst einer Glückwnnschadresse eine silberne Jardeniere mit eingravierter Widmung und schönem Blumenarrangement. Es gratulierten ferner die Bezirkskommissionen der einzelnen Bezirke, geführt von ihren Obmännern, sowie zahlreiche Bethaus-, Bildnngs- und humanitäre Vereine sowie Abordnungen der jüdischen Studentenv.ereine. Aus der Reihe der Gramlationsschreiiben und Glückwunschtelegramme seien hervorgehoben: Ministerpräsident Freiherr v. Bienerth. namens des Plenums des Landesschulrates Vize- Präsident v. Koß. die Repräsentanz der Laudesjudenschaft des Königreiches Böhmen, der Zeutralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag, die Kultusgemeinden: Baden, Brünn, Budweis, Eger, Graz. Karlsbad, Kremsier, Leipnik, Linz, Marienbad, Mistelbach, Nikolsbnrg. Prag, Sarajevo. Slockeran, St. Pölten, Tescheu, Triest, Wr.-Nenstadt. Der Dentsch-Oesterreichischer Bürgerschnllehrer-Bnnd, der Verein Reisender Kanfleute Oesterreich-Ungarns, der jnr.-pol. Leseverein, der Rechtsschntzverein für Hausierer, der Elternverein „Pestalozzi", das Wahlkomitee fortschrittlicher Bürger der Leopoldstadt, der Militär- Veteranen-Berein der israelitischen Sladtgemeinde Holleschan. Die Bstrai Brith-Eintracht, Humanihätsvereiu B'nai Brith, Wien, Königswarter-Stiftllng mtb Asylverein für mittellose Kranke israelitischer Kinder in Meran, der Lehrkörper der israelitischen theologischen Lehranstalt Wien, der Franen-Wohltätigkeits-Verein „Kaiser Franz Josef-Kinderhort", das Kuratorium der Baron Hirsch-Stiftung, Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien. Israel. Franen-Wohltätigkeitsverein in Wien. Verein „Osten". Verein zur Bekleidung armer alter Männer. Israel. Franen-Wohltätigkeits-Verein für Hansarme in Wien. Verein für Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten, die. Direktion der k. k. Staatsrealschule im II. Bezirk. . Aus der schier endlosen Zahl von Einzelgratulanten seien hier angeführt: Baron Albert Freiherr von Rothschild, Baronin Königswarter, Adele Edle von Mises und Nahida Ruth Läzarus, Herretthausmitglied Hofrat Prof. Grünhnl, die Reichsratsabgeordneten Baron Hock, Hofrat Knranda. Dr. Julius Ofner; die gewesenen Abgeordneten Dr. Ludwig Vogler, Konstantin Noske und Karl Wrabetz; die Gemeinderäte Almeder, Dr. von Dorn. Dr. Reisch;. Gremialpräsident Leopold Pollak von Parnegg. die Generalmajore Ulrich Edler von Trankheim und Alexander Ritter von Eiß, Generalstabsarzt Dr. Zuckermann, Superintendent Dr. Szeberiny, Sekretär des evangelischen Oberkirchenrates Dr. Haase, Konsul Hartwich, Alfred Freund vom brasilianischen Konsulat, Konsul Schwarzkopf aus Odessa, Viktor von Ephrussi, Karl von Anspitz, Hermann von Goldschmidt. die Univ.-Prof. Hofrat Oser, Reg.-Rat Jerusalem, Dr. Ehrmann, Prof. Leon Kellner, Prim. Dr. Fleischmann; die akad. Maler Horwitz, Isidor Kaufmann und David Kohn; Kammervirtuose Alfred Grünfeld, Komponist Oskar Strauß; Geheimrat Dr. Bachrach. Hofrat Scheindler, die Oberlandesgerichtsräte Dr. Spitzkopf und Dr. Preuß, Statthaltereirat Dr. Schlager, die Regierungsräte Gayer, Pisling, Direktor Kleibel, Generalsekretär Dr. Horvitz, Dr. Schlag und Dr. Heinrich Steger; Oberfinanzrat Berstl, die Bankdirektoren Reg.- Rat Dr. Banmfeld, Dr. Hammerschlag, Dr. Mikosch, Ranmaun. Weißhnt, Landesberger, Kux, Sigm. Löwy; Prokurist Hönig der Verkehrsbank, Kassendirektor kais. Rat Pollak der Länderbank; die Publizisten kais. Rat Wilhelm, kais. Rat Lichtenftadt, Schriftsteller Fritz Singer (S. Fritz), Julius Stern, Siegfried Löwy, Ludwig Klinenberger. Sieg. Skrein und Ernst Klebinder, Major Bardach von Chlnmberg, Oberinspektor Fr. Engel und viele andere. Im Kprmgerschen Marsenhans. Wir faßen beisammen, nahmen unfern Tee und plauderten. Und weils ein Jonr war, sprach man alles Mögliche, nur nichts halbwegs Vernünftiges. Das ist eben ein selbst staatlich anerkanntes Privileg und in aller Herren Ländern patentiert. — Während wir au unseren Sandwichs kanten, erzählte mir die hübsche Tochter des Negieruugsrates, daß sie morgen Rollschuh lause. „Können Sie dies auch?" „Nein, verehrtes Fräulein." „Schade! Es entgeht Ihnen da ein hübsches Vergnügen. Ueberhanpt, morgen ist ein lustiger Sonntag; nachmittags eingeladen und abends Premiere im Volkstheater. Da kommen Sie doch auch hin?" „Leider nicht, Fräulein Hilda, ich habe fi'tr morgen etwas anderes vor." „Gewiß etwas ganz Besonderes, morgen ist ja das große Fest in den Sofiensälen." „Davon wußte ich wirklich nicht das Mindeste; verzeihen Sie meine Unwissenheit. — Ich gehe morgen—ins Springersche Waisenhaus." Bei Gott, ich werde Hildas Blick, ein Gemisch von Erstaunen, Entrüstung und leisem Spott, nicht vergessen. „Auch ein Sonutagsvergnügen," sagte sie fein ironisch und ließ mich allein mit meinem Sandwich, das ich noch immer bearbeitete. Dann hörte ich sie noch eifrig zu einer Gruppe junger Leute sprechen, die verstohlen auf mich blickten, ein helles Anflachen und dann war alles ans. Dieweil Fräulein Regierungsrat Zweischritt links tanzte, gingen wir hinaus in die „äußeren Gründ'", das heißt in den vierzehnten Bezirk. Es war gleichsam eine Entdeckungsreise. Die meisten kommen ja nicht aus dem Bezirk heraus, in dem sie wohnen, und vielleicht ist es nicht einmal zu kühn behauptet, aus den Straßen, durch die sie das tägliche Brot führt. Unb wenn man nicht genauer hi,flieht, merkt man vielleicht gar keinen Unterschied. Asphaltierte und holprige Straßen, vierstöckige, mit unzähligen Fenstern geschmückte Häuser, und weils Sonntag ist, geputzte Menschen. Möglich, daß ein wenig Voreingenommenheit uns erfüllt, aber wir haben das Empfinden, als.ob diese Menschen sich freier, ungenierter bewegen, als seien sie natürlicher. Währenv wir noch in solchen Betrachtungen vertieft sind, stehen wir schon vor dem Springe,scheu Waisenhaus; uns schien der Weg nicht endlos weit, wie man ihn. uns geschildert hatte. Mit einiger Mühe finden'wir die Glocke und während wir des Pförtners harren, betrachten wir mit Wohlgefallen das schmucke Haus mit seinem wohlgepflegten Garten.