Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 14 (1.4.1910)
- Date
- 1910-04-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14. Die Wahrheit Seite 9. Bernhard Hofbauer gab seiner Befriedigung Ausdruck über den gedeihlichen Fortgang des Vereines, wies auf die glänzend arrangierten Borträge -es Vereines hin und beantragte schließlich Herrn Oberrabbiuer Dr. Güdemann für seine im Vereine der Sabbathfrennde abgehaltene Vorlesung, „Ueber den Sabbath", den wärmsten Tank auszusprechen. Dieser Antrag wurde von dem Gesamtvorstande lebhaft unterstützt und einstimmig .zum Beschlüsse erhoben. Herr Porges bemerkte, daß auch dem Bereinsworstande für seine uneigennützige, aufopferungsvolle Arbeitsleistung der Dank zu votieren sei (Bravo-Rufe) und wurde schließlich über Antrag des Schriftführers Herrn Moritz Nasch welcher Herr, sich der Propaganda nach Außen und dem Arrangement der Vorträge widmete, den Vorstandsmitgliedern und Herrn Nathan Pollak, welcher sich um die Geschäftsführung ches Vereines in jeder Beziehung ganz hervorragende Verdienste erworben hat, auch dein II. Obmannstcllvertreter Herrn Isidor L ö iv y für seine besonders der Stellenvermittlung geleistete Tätigkeit der spezielle Dank ausgesprochen. Die Herren P a p p e n h e i m und Nasch wiesen auf die nenneilswerten Erfolge hin, die der junge Verein bereits anfzuweisen hat. Es wurde das verdienstvolle Mitwirken jener Herren hervorgehoben, die vor einem zahlreichen Publikum am Vorrragstische erschienen, so der Herren: M. A. L o e b und Jakob R o s e n h e i m in Frankfurt a/M. und Rabbiner Jak. H o f s m a n u m Kosiei. Herrn Dr. E. B i e b e r f e l d in Berlin wurde der Dank für die Ueberlassung der Monatschrift „Der Sabbath" in mehreren Exeinplaren, votiert. Ferner wird an den heute in Berlin versammelten Delegiertentag der deutschen Sabbathfrennde ein Begrüßunstelegramm abgesandt. Zur internen Geschäfrsgebahrung nahm der Kassier Herr Nathan Pollak das Wort. Redner führte aus, daß die Mitglieder- .zahl im steten Wachsen begriffen sei. es sei jedoch die Anmeldung der offenen Stellen von Seiten der einzelnen Firmen noch immer eine relativ geringe, und es wäre zil wünschen, daß speziell diejenigen Firmenschefs, deren Betriebe am Sabbath ruhen, von der Stellenvermittlung des Vereines ausgibigen Gebrauch machen. Er appellierte schließlich bei Spenden auch des Vereines zu gedenken, und beantragte die Herausgabe einer Liste über sämtliche koschere Speisehäuser in allen gößeren Städten, sowie die Drucklegung eines Vereinskalenders. Für den Antrag bezüglich der koscheren Speisehäuser trat Herr P o r g e s warm ein und machte auch seine Mitarbeiterschaft bei der Herausgabe des geplanten Kalenders erbötig. Herr Leitner hob die Tätigkeit des Vereines rühmend hervor, konstatierte jedoch, daß gerade in den Kreisen jener, wo der Sabbath zu Hanse ist, das Interesse für die Bestrebungen des Vereines ein ziemlich flaues sei (Rufe: Sehr richtig!) und er könne es daher diesen, denen die Bedeutung des Sabbaths doch bekannt ist, nicht genug warm ans Herz legen, sich den Tendenzen des Vereines anzuschließen. Hieraus dankt der Vorsitzende im eigenen, als auch ini Namen der übrigen Vorstandsmitglieder den Anwesenden für ihr Erscheinen und erklärt die erste ordentliche Generalversammlung für geschlossen. H—r. Wien (Das Wohltätigkeitsfest des Brigittenauer U n t e r st ü tz u n g s v e r e i n e s.) Entgegen dem langjährigen Branche, stets am Pnrimabend eine Maskenredonle zu veranstalten, arrangierte diesmal dieser humanitäre Verein am Sonntag, den 27. März in den Festränmen des Hotel Savoy auf der Mariahilferstraße einen Theaterabend mit anschließendem Tanzkränzchen, wobei sich eine Schar von Kunstjüngern mit Begeisterung in den Dienst der Wohltätigkeit stellte. Einer ans dieser Schar, Heinrich E r n st. zeigte sich den zahlreichen Festgästen in dreifachem Lichte, als Dichter, Darsteller und Rezitator. Er verfaßte einen stimmungsvollen Prolog für diesen Abend, spielte in Felix Saltens „Der Ernst des Lebens", den alles negierenden, von der Scheinmoral als Ausbund stigmatisierten Freiherrn von Nenstift in tadelloser Weise und rezitierte sodann das Gedicht. „Stnrm" von Morris Rosenfeld in der Berrhold Feiwelischen Uebersetzung mit Leidenschaft und schöner Empfindung. Fräulein Lia Stör, als Hermine in Ludwig Fuldas „llnter vier Augen" entzückte durch ihr diskretes und graziöses Spiel und auch die übrigen Mirwirkenden boren schöne Proben ihrer Talente. — Gegen Mitternacht trat der Tanz in seine Rechte und bei den Klängen einer Regimentskavelle schwebten zahlreiche Paare über das Parqnet des Ballfaales. X. Ch. Wien (Eine Purimfeier für n n s e r e I u g e n d.) Im XXI. Wiener Bezirke machte Herr Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n den ersten Versuch, das alte Pnrimspiel im Interesse unserer Jugend und der Befestigung derselben im angestammten Bätergtauben in der Residenz einzuführen und können wir diese Veranstaltung als vollkommen gelungen bezeichnen. Die Purimfeier des Jahres 5670 dürfte vom XXI. Bezirke aus bald auch in den anderen Bezirken Nachahmung finden. Unsere obenerwähnte Feier begann mit einer schönen Ansprache des Herrn Rabbiners Dr. Rosenmann, die tiefen Eindruck machte, Fräulein Grete Fleischm a n n svrach den herrlichen Prolog und 18 jugendliche Darsteller beiderlei Geschlechtes trugen das Esther-Stück vor, das Frau Rabbiner Dr. Rosenmann verfaßt und das von allen mit wahrem Jubel angehört wurde. Die „Meschumodim" werden in diesem Stück besonders „elektrisch beleuchtet" ilnd die ungeteilte Heiterkeit zeigte, welch große Stückes!) man auf sie hält, kurz, das Stück gefiel besonders, der geistvollen Berfasseriu und den jugendlichen Darstellern wurde, — auch den folgenden Vortragenden jüdisch-poetischer Stücke — reicher Beifall gezollt. Herr Kantor und Religiouslehrer E i b e n s ch ü tz hat sich um das Einstndieren besonders verdient gemacht. Der Andrang zu diesem Festspiel war so groß, daß dasselbe zweimal anfgeführt werden mußte. Außer Herrn Rabbiner Doktor Rosen m a n n sprachen noch die Herren : Vorsteher König, Religionslehrer Krug und Profefior A n t s ch e r l. Biele Honoratioren mit ihren Damen wohnten dem Feste bei. Die Vorsteherinnen ließen sichs nicht nehmen, die jugendlichen Festteilnehmer mit gutem Purimgebäck zu beteilen. Voller Befriedigung und srküdig gestimmt, verließ jung und alt die Stätte 'hier echtjüdischen. wahrest Purimfreude. Wien. Letzten Sonntag fand im Hofe des Hauses, II., Große Schiffgasie 6. unter ungemein großer Beteiligung die Trauung des Herrn Bernath Ka tz mit Fräulein Julie 28 e i ß. Tochter des Herrn Bernhard 28 e i ß, Schächter der isr. Kultusgemeinde, statt. Die Trauung vollzog Herr Rabbiner M. Maiersobn, die kantoralen Funktionen versah in überaus würdiger und meisterhafter Weise Herr Lberkantor I. Lewitin aus Nennkirchen. Unter den anwesenden Güsten bemerkte man die Herren: Rabbiner M. K r a m e r, I. B a u m g a r t e n, N. Fried m ann; die Herren Kantoren: Bassel, W i t t m a n n, Schmidt, S i l b e r m a n n, Dukes, Weiß, Roth und Feuer; die Herren Religiouslehrer S. S t e i it e r, H. Löw-Bogel. I. P i ck. Benedikt. Ferner die Herren Oberoifizial S. Stein und Dr. G. F r e n d m a n n von der Israel. Knltnsgemeiude, sowie sämtliche Schächter Wiens n. v. a. Mödling. Am 27. März fand die erste Pnrim-Unterhaltnng des ueugegründeten „Jüdischen Bildungs- und Geselligkeitsvereines" in Mödling statt, die einen über alles Erwarten schönen Verlauf nahm. Nach der gelungenen Rezitation zweier Gedichte Bedas durch Herrn Gustav Baue r, führte Herr Edi W a l l n e r seine Tanzkuilststücke vor nnd erheiterte das Publikum durch einen Vortrag in Mödlinger Mundart. Hierauf sang Herr Oberkanwr Falk in meisterhafter Weise „Die Uhr", den „Asra", „Noch sind die Tage der Rosen" und „Das Meei" und wurde ans dem Klavier von Frau Stein begleitet. Dann folgte der hinreißende Vortrag des „Jüdischen Mai" von Morris Rosenfeld durch Fräulein Gifa Siet ii, die das Publikum ganz besonders entzückte. Nach Schluß der Vorträge gab sich die Jugend bis in die frühen Mvrgenstnnden dem Tanzvergnügen hin. Prag. (Verband der i s r a e l. R e l i g i o n s l e h r e r an den Mittelschulen in Böhme n.) Am 3 nnd 4. 2lpril findet im „Hotel Bristol" in Prag die IV. ordentliche V o l lversa m m l n n g statt. 2lm 3. 2lpril, um 1 28 Uhr abend?, findet im „Hotel Bristol" ein B e g r ü ß n n g s- und DiSknssionSabend statt, zn welchem folgende Herren Referate übernommen haben: 1. Herr Dr. A. Kisch, k. k. Professor. Prag: „Die Resultate der modernen Naturwissenschaft und die Bibel"; 2. Herr Professor Dr. I. Hirsch, Karolinenrhal: „Inwiefern kann nnd soll der jüdische Geschichtsunterricht konform mit dem Unterrichte der allgemeinen Weltgeschichte in den einzelnen Klaffen eingerichtet werden?"; 3. Herr Professor Dr. 2l. Deutsch, Prag: „28ie ist der hebräische Unterricht erfolgreich zn gestalten?"; 4. Herr Dr. S. A r j e. Imichow: „Inwiefern soll man die apologetischen, elhifchen und knltnrhistorischen Momente des Jndeiitnius beini Religionsnnrerrichre heranziehen?" Tagesordnung für den 4. April, Beginn um ^9 Uhr morgens: 1. Tätigkeitsbericht; 2. Kasiabericht °, Ersatzwahlen nnd Wahl der Revisoren; 4. Freie Anträge. (Erster Mädchenausstattungsverein als Genossenschaft, Kinder- und Lebensversicherungs-Anstalt.) Die 47. ordentliche Generalversammlung dieser Anstalt hat am 20. d. M. bei zahlreicher Beteiligung der Mitglieder stattgei’unden. Vizepräsident Dr. Moritz Wittmaun eröffnet die Sitzung und meldet, dass der greise Präsident Armin Schwarz durch sein hohes Alter und durch Krankheit heute verhindert ist, zu präsidieren und der Genei-alversammlung, in der er 41 Jahre hindurch den Vorsitz führte, seinen Gruss entbiete. Zur Authentikation des Protokolls wurden entsendet die Herren Simon Gross und Hugo Hazai. Aus dem Generalberichte und der Bilanz geht hervor, dass auch das Verwaltungsjahr 1909 ein günstiges war, indem um 2,080 100 Kronen mehr Versicherungen abgeschlossen wurden als im Vorjahre und sich der Versicherungsstock auf 69,878.073 14 K erhöhte. Die Prämien- und Gebühreneinnahme hat sich von 3,405.069 auf 3,529.288 65 K, die Zinseneinnahme nach Effekten und Spareinlagen von 581.626 21 K auf 622.787 81 und die reine Hauszinseinnahme der drei Anstaltsgebäude von 110.963 55 K auf 111.109 04 Kronen erhöht. An Fälligkeiten der verschiedensten Titel wurde im Verwaltungsjahre 1909 die Summe von 1,140.219 92 K an die Mitglieder ausbezahlt. Die Prämienreserve erhöhte sich von K 14,892 514 43 auf K 16,032.734 35, der Prämienerhöhungsfond hob sich von 471.11413 Kronen auf K 502.716 21, die Spezialreserve von K 227.246 08 auf K 258.848 16, der Versicherungsfond aber verblieb, dem Gesetze entsprechend, in seiner früheren Höhe von K 200.000. Der Efiektenstand von Iv 9,703.288 ergab am Schlüsse des Jahres einen Kursgewinn von K 43.268 und wurde dieser Betrag zu einer neuen Kursdifferenzenreserve angelegt, für Prämienüberträge, Aerarialgebühren, für im voraus bezahlten Mietzins pro 1910 und für schwebende Schäden wurde der Betrag von K 246.64687 in Reserve gestellt. Die für Acquisitionskosten verwendete Summe von K 377.115 92 wurde gänzlich aut Konto der laufenden Rechnung in Ausgabe gestellt, vom Gebäude und Inventarkonto aber wurden K 38.357 93 abgeschrieben. Der Verwaltungsüberschuss des Jahres 1909 beträgt K 63.204.16 und wurde derselbe zur Hälfte dem obeherwähnten Prämienerhöhungsfond, zur anderen Hälfte aber der Spezialreserve zugewiesen. Dem Beamtenpensionstond, welcher von K 305.652.44 auf K 339.646.49 stieg, wurden von der Generalversammlung in Anerkennung der eifrigen Dienste des Beamtenkörpers. K 6000 votiert.