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Die Wahrheit · 1910-03-25 · Heft 13 (25.3.1910) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 13 (25.3.1910)
Date
1910-03-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 13. Die Heldenkämpfe jener Zeit, bekannt unter dem Namen Makkabäerkämpfe, endigen mit dem Siege des Judentums und mit der Einsetzung der Dynastie der Makkabäer oder Hasmonäer. Aber nicht lange währte die Unabhängigkeit des Judentums. Denn bald wurde Palästina durch die Römer zerstört und es hörte somit auch auf, der Schauplatz jüdischer Geschichte zu sein. Nun traten zu verschiedenen Zeiten verschiedene Länder in den Vordergrund, die sich als Zentren jüdischer Geschichte bezeichnen lassen. Und merkwürdigerweise sind immer gerade diejenigen Länder die Zentren jüdischer Geschichte, in denen die Kultur blüht, in denen eine neue geistige Bewegung ihre Schwingen regt. Wie in Babylonien, so ging dem Judentum auch in Spanien der neue Stern auf. Die arabisch-spanische Wissenschaft und Kunst war die Fackel, an der das Judentum seine neue Kultur entzündete. Wunderbar! Zn einer Zeit, da über dem christlichen Europa noch tiefe Nacht der Unbildung lagerte, da Asien schon hinsiechte, im arabischen Spanien die Kultur in hoher Vollendung stand, zu jener Zeit war Spanien das Zentrum jüdischer Geschichte. Aus der blühenden Kultur der Araber sog das Judentum frische Lebenskräfte, an der arabisch-spanischen Literatur rankte sich eine jüdisch-spanische Literatur empor, welche das Judentum veredelte und verjüngte. Aber auch Spanien ward altersschwach. Inquisition und Autodafes traten an die Stelle der Kunst und Wissenschaft. Spanien verkümmerte und verarmte, und die Juden mußten ein anderes Asyl aussuchen. Die Exulanten ans Spanien stüchteten sich zum großen Teile nach Südsrankreich und Holland, wo sie eine große geistige Regsamkeit entfalteten. Man kann in gewissem Sinne sagen: Was Spanien für die Juden, des Mittelalters war, ist Deutschland für das Judentum der neueren Zeit geworden, das Zelltrum jüdischer Kulturentsaltung. Allerdings befinden wir uns ja noch heute erst im Anfangsstadium, und wer die Zeichen der Gegenwart zu deuten vermag, der wird aus der wiederkehrenden Selbstbesinnung des Judentums, aus den zahlreichen sozialen und politischen Regungen der jüdischen Gegenwart den Schluß ziehen, daß wir an der Wiege einer hoffnungsreichen Zukunft stehen, daß sie ein Neues gebären will, daß wie in allen vergangenen Zeiten unserer Geschichte, so auch in unserer Zeit das Judentum seine bedeutendere Knlturkraft und Originalität für immer beibehalten wird. Moses Groß. Uerschredene Nachrichten. Wien. Da Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, der am 30. März seinen 70. Geburtstag begeht, derzeit von Wien abwesend ist, und erst in den ersten Tagen des Monats April hierher zurückkehrt, wurde für die Vorbereitung der geplanten Ovationen, der 9. April in Aussicht genommen. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle, XX., Othmarg a s s e 56.) Das Wocheuprogramm für die Schlußwoche der diesjährigen Toynbee-Halle-Saisou wurde wie folgt festgesetzt: S a m st a g, den 26.: „Palästina" (mit Lichtbildern), Dr. Ernst Müller; Sonntag, den 27.: Konzert, Arrangement Herr L. Kieschner; Montag, den 28.: „Aus der jüdischen Geschichte", Oberlehrer A. R i e s e n f e l d; Dienstag, den 29.: Thema Vorbehalten, Rabb.-Kand. Bela Fischer; Mittwoch, den 30.: „Ueber Wohnungswesen und Wohnungspoliik", Magistrats- Sekretär i. R. Dr. Wilhelm Löwy; Donnerstag, den 31.: „Ueber Optimismus", Univ.-Prof. Dr. Josef Pollak; Freitag, den 1. April: Bibelvortrag, Lehrer H. L ö w - V o g e l; Samstag, den 2.: Schluß- Kouzert. Wien. (Jüdisches Theater, Regie M. Siegler, Hotel Srefanie, II., Taborstraße 12.) Ab S o u n t a g, den 27. März : „Der Ge r" von Z a l a t a r o w s k y. Sonntag, *^4 Uhr nachm.: „D i e g o l d e n e C h a s s e n e" (Halbe Preise). Mittwoch, den 30. März: Benfize-Vorstellung des beliebten Duettisten-Paares M. und P. Weinberg. Zur Aufführung gelangt: „D a s X. Gebot" von A. Goldfaden. Wien. Die XHI. ordentl. Generalversammlung des Vereines „K i n d e r h e i m," Verein zur Gründung und Erhaltung von Heimstätten für verkrüppelte, rekonvaleszente und schwache Kinder jüdischer Konfession fand Samstag, den 19. März, abends halb 8 Uhr unter Vorsitz des verdienstvollen Präsidenten kais. Rat Dr. Krüger im Restaurant Tonello, II., Obere Donaustraße 99 statt. Die segensreiche Wirksamkeit des Vereines sinder am besten in der Tatsache Ausdruck, daß im abgelaufenen Jahre 76 Kinder mit 6483 Verpflegstagen im Vereins-Kinderheim in Laa bei Neulengbach interniert waren, von denen fast die Hälfte geheilt und ein großer Teil gebessert entlassen wurde. Leider hat der Verein noch immer mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen und ist seine Unterstützung seitens edler Menschenfreunde dringendst geboten. Nach Erledigung der Tagesordnung fand im Anschlüsse an die Generalversammlung ein interessanter Vortrag des bekannten Schriftstellers Herrn Pank Wilhelm über das „Kind" statt. Wien. (B e t h H a m i d r a s ch Talmud Thora, H., Ai alzgasse 16.) Samstag, den 26. März, nachmittags 3 Uhr, findet daselbst ein Vortrag des Herrn Rabbinatskandidaten Böla Fischer statt. Thema: „Jbn Esras Exegese zur Megilat Esther. Sonntag den 27. März 1j2l Uhr Vortrag Sr. Ehrw. Herrn Gemeinderabbiner Dr. M. Rosenmanu: „Die Anussim oder Marranen des spanischen Judentums". Wien. Der Brigittenauer isr. Unterstützungsverein veranstaltet Sonntag am 27. März im „Hotel Savoy," VII., Mariahilferstraße 81, einen Theaterabend mit Tanzkränzchen. Beginn präzise 8 Uhr. Ballmusik des k. u. k. bosn.-herz. Infanterie-Regimentes Nr. 1. Eintrittskarten ö. X 2.— sind bei den Vereinsmitgliedern sowie in den Kaffee- und Gasthäusern des XX. Bezirkes erhältlich. Wien. (Israel. Tempel- und S ch n l v e r e i n, VI., Stumpergasse 42.) Montag, den 26. März, 2J/2 Uhr nachmittags, sinder im Vereinslokale, VI., Stumpergasie 42, die XVH. ordentliche General-Versammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Verifizierung des Protokolls der XVI. ordentlichen Generalversammlung vom 14. Februar 1909. 2. Jahresbericht des Vorstandes. 3. Vorlage der Rechnungsabschlüsse und der Bilanz pro 1909. 4. Bericht der Revisoren. 5. Bestimmung der Jahresbeiträge der Mitglieder pro 1910. 6. Wahl der Revisoren pro 1910. 7. Ergänznngswahl von drei Vorstandsmitgliedern nach § 31 der Vereinsstatuten. 8. Anträge. Wien. (Verein der S a b b a t h f r e u u d e „S ch o m r e S ch a b b o s".) Sonntag, den 27. März, halb 3 Uhr nachmittags, findet in dem Turnsaal der Talm'ud-Tbora-Schule, II., Malzgasse Nr. 16. die erste ordentliche Generalversammlung mit folgender Tages-Ordnung statt: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Bericht der Revisoren. 3. Vvrstandswahlen und Wahl zweier Revisoren. 4. Anträge und Interpellationen. Dem uns vorliegenden Jahresberichte entnehmen wir, daß der Verein trotz seines kurzen Bestandes eine sehr rege Propaganda entwickelt hat und auch bereits auf schöne Erfolge zurückblicken kann. Am 31. Dezember 1909 zählte der Verein, der sich auch die Stellenvermittlung für am Sabbath geschlossene Betriebe zur Aufgabe gemacht har, 303 Mitglieder, davon 152 in der Gruppe der Chefs und 151 in der Gruppe der Angestellten. Von 218 Stellensuchenden koiinten 57 placiert werden. Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein „Bn ei-Zion", zun Bekleidung armer Schulkinder des 2. und 20. Bezirkes (Sitz: II., Stefaniestraße 2), veranstaltet Sonntag, den 27. März 1910, im großen Souterrainsaal des Cafe „Concordia", I., Concordiaplatz 4 (Salzgries 21), eine Purim-Feier unter Mitwirkung beliebter Kunstkräfte mit Festrede, ernsten und heiteren Rezitationen, Gesangs- und Musikvorträgen uud anschließendem Tunzkränzchen. Entree im Vorverkauf X —.60. an der Kassa X —.80, (für Mitglieder X —.40). Beginn präzise 9 Uhr abends. Eintrittskarten sind im Vorverkauf zu haben im Cafe Concordia, sowie bei allen Ausschußmitgliedern des Vereines „Bnei-Zion". Wien. (Jüdischer S ch u l v e r e in für den IX. Bezirk, IX/r, Grüne Torgasfe 19, IX. Schuljahr.) Die Aufnahme für den Bar-Mizwah-Kurs findet Montag und Mittwoch von 1j2b bis 7 Uhr; Dienstag und Donnerstag von 1/35 bis 1/2& Uhr und Sonntag von 10 bis 12 Uhr statt. Wien. Am 16. d. M. fand zur Feier des 70-jährigen Bestandes des „Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" unter dem Vorsitze des Kommerzialrates Leopold Simon, eine Generalversammlung statt, welcher eine Anzahl Delegierter von Behörden und Korporationen anwohnten. Nachdem er die als Vertreter verschiedener Körperschaften erschienenen Herren namentlich begrüßt hatte, erstattete der Schriftführer, Magistrats-Sekretär i. R., Herr Dr. Wilhelm Löwy, den Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Dezenniuni 1900—1909, dem wir u. a. entnehmen, daß seit dem Bestände des Vereines 5848 Zöglinge zu Gehilfen freigesprochen wurden. Hierauf ergriffen die Herren Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, der Präsident der Kultusgemeinde, Dr. Alred Stern, Hosrat Franz M i g e r k a, Carl R e i s e n l e i t n e r als Vertreter der N.-Oe. Handels- und Gewerbekammer, Carl Reichert als Vertreter des N.-O. Gewerbevereines, ferner der Gemeinderat Dr. von Dorn und Sekretär der Oesterr.-Jsrael. Union, Herr Siegfried Fleischer das Wort, um das segensreiche Wirken des Vereines hervorzuheben und ihm weiteres Gedeihen zu wünschen. Der ehemalige Vereinszögling, Herr S. Friedmann, sprach der Vereinsleitnng seinen Dank aus und richtete au die anwesenden Zöglinge den Appell, dem Vereine stets Ehre zu machen. Auf Antrag des Herrn Dr. Wechsberg wurde der gegenwärtige Vorstand wieder gewählt, der sich folgendermaßen zusammensetzt: Präsident: Leopold Simon; Vizepräsident: Dr. Richard Reis; Schriftführer: Dr. Wilhelm Löwy. Vorstandsmitglieder: Albert B r a n d e i», Wilhelm Hirs ch, Leopold Langer, Edmund Melcher, Adolf Neumann, Felix Reifer, Leopold Sachs. Adolf Straßmann und Julius Stern. Znm Schluffe erhielten 10 Zöglinge wegen guter Aufführung in der Lehre und in der Schule, Prämien. Unter den Anwesenden bemerkte man noch die Witwen der ehemaligen Vereins- Präsidenten, Frau Rosa Z i f f e r e r und Frau Helene Horner, ferner die Herren Vereiusspiritual Moritz A n t s ch e r l, Dr. Adler, S. B r o d (Verein zur Hebung der Gewerbe), Franz G a l e u (Zentralverein für Lehrlingsunterbringung), Dr. Lieben, Laudtagsabgeordneter Cornel Spitzer, Isidor S p i r a (Gremium der Wiener Kaufmannschaft), Zentral-Gewerbeinspektor R. v. Stach und Dr. S ch n e p p (Tempelverein für den IX. Bezirk).

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