Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 11 (11.3.1910)
- Date
- 1910-03-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3062972-3063520-3063531--06570-3073583- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Oesterr.-nngar. Kantoren-Zeimng Nr. 11. Seite 1k. 23 jähriges Amtsjnvilänm des Oderkantsrs Sigmund WUlromitlch in Wurusdin. In erhebender Weise feierte um 6. d. M. die Warasdiner Knltnsgemeinde das Fest des 25-jährigen Amtsjubilänms ihres verdienstvollen Oberkantors W i lkv witsch. Um 11 Uhr begann die Feier in dein sestlich beleuchteten, dicht gesüllten Tempel. Der Chor stimmte das Na town an, woraus der Jubilar den Psalm. „Ni jaleh. beliar adonoj^ mit Orgelbegleitnng zn Gehör brachte, hieraus bestieg Herr Oberrabbiner Dr. Ernst die Kanzel und entrollte ein glätizendes Bild, das die Geschichte des Synagogengesanges verherrlichte und die glänzenden Verdienste des Jubilars trefflich veranschaulichte. (Diese Rede veröffentliche ich nächstens.) Den Schluß der Feier bildeten Festchöre, gesungen vom Warasdiner Münnergesangverein, dessen Ehrenmitglied Herr Wilkvwitsch ist. Nach der Tempelseier sand eine Festsitzung im Gememdesaale statt. Es sprachen Herr Vorsteher Adolf P lachte im Namen der Knltnsgemeinde, die Herren Direktor Samuel P lachte und Löwenstein im Namen der Chewra Kadischa, Frau Wilhelm -D e n t s ch für den Franen-Verein, Herr Oberrabbiner Dr. Ernst in gelungener, launiger Weise das harmonische Verhältnis zwischen Rabbiner und Kantor betonend, Herr Oberkantor Ren di ans Agram im Namen des kroalischilavonischen Kantoren-Verbandes. Herr Julius Schwarz im Namen des Festkomitees und der Bruder des Jubilars Herr Oberkantor A. Wi lko witsch ans Eger, wobei alle Redner Geschenke überreichten. Zum Schluffe dankte der Jubilar gerührt für alle Knndgebnngen. Die Rede des Oberkantors Ren di, der mit dem Gefertigten in Vertretung des Kanlorenverbandes erschienen war, hatte folgenden Wortlaut: Lieber Kollege! Der Verband der Kantoren Kroatien-Slavoniens hat auch das Wort erbeten, um die dreifache Ausgabe, die Sie als Mensch, als Sänger und als Musiker zu erfüllen hatten und haben von sachmännlschem Standpunkte zu beleuchten, um die drei echten Lorbeerblätter zn zeigen, die in dem Kranze prangen, der heute Ihr Haupt schmückt. Die dreifache Aufgabe! „Leolom jihejeh odom.u Der jüdische Kantor ist in erster Reihe verpflichtet nicht als „Sulossi kol,“ nicht als nur wandelnde Stimme zn gelten, sondern ein mnstergiltiger Mensch zn sein. „Harini ess marajichu singt das Lied, dann „Weliaschmiim ess kolech.u Zeige vorerst, ob du dich sehen lassen kannst, nur wenn dein Lebenswandel ein makelloser, dein Betragen ein gott- und menschengefälliges ist, daml singe an heiligen Stätten, in Synagogen zur Ehre Gottes „IQ kolech orew, umarecli noweh,u denn nur dann klingt deine Stimme Gott und Menschen angenehm, wenn dein Handel und Wandel ein biederer, dein Tun und Lassen ein lobenswertes ist. Mit großer Genugtuung haben wir Ihre Führung stets rühmen gehört und freudig bringt Ihnen unser Verband seine erste Lobeshymne für die Erfüllung dieser Ihrer ersten Aufgabe, die Sie würdig macht, an jener Stätte zu stehen und zn wirken, von der ans das Gebet und der Lobgesang der Gemeinde zu dem Gottesthrone emporsteigt. Ihre zweite Mission besteht darin, durch die Gabe, die Ihnen Gott der Allgütige verliehen und die Sie, dank einer gründlichen Ausbildung zu hegen und zn pflegen verstanden, durch die Macht der Töne die Herzen zu erschließen, Seelenharmonien zu schaffen. Eine schwere Pflicht. Denn täuschen wir uns nicht. Unsere heilige Sprache, die Sprache unserer Gebete ist dem großen Publikum, leider, leider zur toten Sprache geworden. Dazu kommt der Ausspruch Rabbi Eliesers: „Wer nach einem vorgeschriebenen Muster betet, dessen Gebet strömt nicfjt nn» dem Herzen." Unsere hebräischen, immer gleichlautenden Gebete bedürfen daher für die Mehrheit der Beter einer Anregung, sollen sie keine Lippenarbeit sein, sondern aus den Herzen kommen und eine solche Anregung schafft die Macht der Gesangsknnst. „Wekoli el bene odom.u Das tönende Geber, es belebt den schlummernden Funken, es umglüht fesselnd die Zuhörer, es wird immer neu empfunden, es erweckt neben dem gesprochenen Worte des Predigers einen mächtigen Widerhall in den Seelen, es ist der Wegweiser der Herzen. Daß Sie auch dieser Aufgabe gewachsen, das ist, daß Sie ein vorzüglicher Kantor sind, das j ist wohlbekannt und wurde heute neuerdings erwiesen durch die j warmen Worte der Anerkennung, die Ihnen von maßgebender i Seite gezollt wurden, durch die Jnbeltöne, die Sie umbrausten j und unser Verband bringt Ihnen hiemit sein zweites Preislied! für die gewissenhafte Lösung dieser Ihrer zweiten Aufgabe, j Das Dritte ist eine ebenso schwierige als großartige Knltnr-! Mission. Der moderne Kantor hat die Pflicht, die Mnsik-! Wissenschaften zn beherrschen, um, getragen von den ge-! wattigen Firtigen eines großen Aars, einer göttlichen Knust, in! der Lage zn sein, dem mnsikalischeit Teile des Gottesdienstes! der Juden jenen Ehrenplatz unter den gottesdienstlichen Verani staltnngen der anderen Konfessionen im Lande zn gewinnen, der! ihm gebührt. | Ich empfehle den hochverehrten Anwesenden die Lektüre; von Richard Wagners Pasquill „Das Jildentnm in der! Musik". Sie werden daraus ersehen, daß unser Freund Wagner! den Kunstsinn der Inden nach dem Geschmacke der früheren i Chasanim beurteilt. „Wehinecho agowim jefeh kol. umetiw! nagen,u der Kantor ist seiner Gemeinde die tonangebende Ver-! körpernng der lieblichen Sprache, die Synagogengesang heißt, ' er ist gewissermaßen der personifizierte Gesang der Inden, er i muß fühlen, daß von seiner Auffassung, von seiner Bortrags- : weise, von seiner Wahl der Kompositionen das Urteil der andersglänbigen Bevölkerung über den Kunstsinn der Inden,, über Ihren Geschmack bezüglich Ihres Gottesdienstes abhängt, er muß demnach, in tieferem Begreifen, diesem Gottesdienste die würdigste, feierlichste, erhabenste Form zn verleihen verstehen, um jenen Urteil zn einem glänzenden zn gestalten — zur Ehre des Jndenrnms und der Jltdenheit. Und auch hier drängen sich ans die Lippen eines jeden Fachmannes nur Worte des Lobes für Sie, Worte, die Ihnen das dritte Vorzngszengnis ansstellen. Unser Verband bittet Sie! daher, versichert zn sein, daß Ihre Tätigkeit auch in den Blättern seiner bescheidenen Geschichte mit goldenen Lettern verzeichnet : sein wird. Er bittet Sie ferner, als schrvaches Zeichen unserer Anerkennung unser Angebinde, diesen Pokal anznnehmen. Kossi rewojoh! Unser Becher möge die Vorbedenmiig einer unbegrenzten Fülle von Glück und Segen sein, die Ihrer harrt, er möge Ihrer Znknnfl das Symbol eines „Los jeschuoss“ eines Bechers des Heiles, eines Freudenbechers sein, in den kein Wer-; mntstropfen falle; es möge Jhiten Ihr Lebenshimmel stets nnumwölkt, stets so heiter entgegenlachen, wie dieses glänzende Metall, ans daß es Ihnen vergönnt sei. noch sehr lange in ungetrübter Schaffenslust Ihre erhabenen Aufgaben zn erfüllen — zur Freude Ihrer Gemeinde. Ihrer Familie und Ihrer Mitmenschen. Diese Rede des Oberkantors R e n d i war von faszinierender Wirkung und wurde von den zahlreichen Anwesenden mit einer Applanssalve beantwortet. Sie war den ganzen Tag Gegenstand des Stadtgesprüches in Warasdin. Karlstadt, den 8. März 1910. Oberkanlor David M e i s e l. Vereins-Zahnarzt Dr. Max Weisz. Wien, II., Circusgasse 47. i Ordination von 9—6. Telephon 18399. An stritte ans dem Judentum. ,! Kelsen Gertrude, Privatbeamtin, geb. 8. Jänner 1886 in Wien, III., j Marokkanergasse 20. i Stransky Moriz, geb. 27. Jänner 1872 in Wien, XVI , Brunneug19.! K o b n Jnlins. Geschüftsleiter, geb. 31. März 1869 in Wien, IV., Große! Neugasse. > Pohl Adolf, Privatbeamter, geb. 18. August 1843 in Prag, X.,! Alxingergasse 21.! Jung wirt Josefa, Fabriksarbeiterin, geb. 30. Dezember 1895 in Wien,! laut Zuschrift der k. k. Bezirkshauptmaunschast Gmund.