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Die Wahrheit · 1910-03-04 · Heft 10 (4.3.1910) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 10 (4.3.1910)
Date
1910-03-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10. Die Wahrheit Seite. 11. Sigmund MUKomitlch . .; . ''' Oberkylltör iilchVarüsdin. Die Knltnsgemeinde zu- Warasdin - rastet sich'za einer -joleuneu,Feier,-zistn Mjährigeii ^Dienstjitbiläum ihres verdienstvollen Oberkantors,' welches am. (3k, März stattsind et. Ans diesem 'Anlässe'dürfte es besonders für die Kvllegenkreise von Interesse sein, Einiges -ans dem Lebens- und Studiengange des -Jubilars zn erfahren. ' Oberkantor Sigmund Wilkowitsch ist zu Kalwaria (Rußland) als Sohn eines frommen nnd gelehrten Mannes geboren. Schon im zartesten Alter, ausgestattet mit ungewöhnlich großen Stimmitreln, zeigte er viel Begabung für den Gesang. Im Elternhause sang er im Vereine mit seinem älteren Bruder Israel, welcher viele Jahre in den größten Gemeinden Ungarns als Chasan segensreich wirkte, am Ladbar Semirot nnd lockte viele Bewunderer seiner herrlichen Altstimme an die Fenster herbei. Und im Tempel hielten die Balebattim inne, so Reb Awroms Jnnglach Keduschah anstimmten. Der -Chasan der Nachbargemeinde (Mariampol) erfuhr bald von den kleinen Singvögeln und eilte herbei, das Süngerpaar um jeden Preis für sich zu gewinnen, was ihm auch gelang. Natürlich knüpfte der gottessürchtige Vater auch die Bedingung daran, daß die Knaben auch weiter ihre Talmndstudien fleißig fortsetzten. Der Chasan. der selbst ein frommer und gelehrter Mann war. hielt getreulich über seine Schützlinge Wacht, so daß der Vater außer Sorge sein konnte. Er ließ sie außer dem Talmnd auch in -pn und Dikdnk, was damals nicht Usus war. unterweisen. Unserem Jubilar gefiel es aber nicht lange an einem Orte. Er machte bald Reißaus; ging nach Snwalki, dann nach Kowno, nnd später kam er als Ältsolist an den Chortempel von Warschau. Ueberall fand er Bewunderer, überall -flogen ihm feite Bissen zu, bis endlich das teuere, edle Metall in der Kehle zerschmolz — und die Mutation eintrat. Aber auch während des Joweljahres sagte es ihm nicht zu. den Winterschlaf zu halten, und er studierte indessen Musiktheorie nnd übte sich im Klavierspiele. Kaum hatte er wieder Stimme erlangt, so flog er wieder aus nnd kam nach der Gonvernementstadt Kolisch, wo er beim dortigen -Chasan Ausnahme fand. Hier lernte er sehr viel; denn sein Lehrer war ein tüchtiger Chasan und ein ausgezeichneter Musiker zugleich — ein Schüler Weintranbs. Auch der Rabbiner fand Wohlgefallen an dem Knaben und wurde ihm ein Wegweiser in der talmndischen wie in der profanen Wissenschaft. Anläßlich eines Wohltätigkeitskonzertes sang Wilkowitsch eine Arie. Der Gouverneur, der dem Konzerte beiwohnte, beschied den jungen Sänger zu sich, drückte ihm die Hand nnd meinte: Du könntest ein ganz tüchtiges Bürfchlein werden, aber auf welche Art würdest Dn's meinen? Exzellenz, versetzte Wilkowitsch, wenn ich die nötigen Geldmittel besäße, um in Wien meine -Gesangsstndien sortznsetzen. Nach einigen Tagen händigte ihm der hohe Würdenträger ein ansehnliches Hänschen von Rnbelnoten ein nnd wünschte ihm Glück auf die Reise. Im lachenden Lenz des Jahres 1880 kam Wilkowitsch nach Wien. Da er während des Semesters am Konservatorium keine Aufnahme fand, nahm er bei den Gesangsprosessoren Schmitt und Löwenstamm Privatunterricht. Bald aber waren die schönen Rubel zn Ende und Schmalhans ward Küchenmeister. Da es dem jungen Manne au der nötigen Vorbildung nicht fehlte, entschloß er sich ans Anraten der Herren kaiserl. Rat Singer nnd Oberkantor Bauer, sich dem Kantorate zuznwenden und die beiden gingen ihm mit Rat und Tat an die Hand. Im Jahre 1883 sang er zn Probe in Mährisch-Ostrau und wurde als Oberkautor gewählt. Aber dem jungen Springinsfeld fehlte noch der Ernst und die Würde, die dem hehren Amte eines Kantors geziemen; er konnte den Posten nicht behaupten und kam dann nach Holicz, wo er kurze Zeit als Kantor amtierte, und endlich im Jahre 1885 nach Warasdin, als Oberkantor, - wo er seiner Wanderlust ein Ziel setzte. In seinem Berufe ist Wilkowitsch nie träge geblieben und suchte stets den Gottesdienst würdig zn gestalten. Er kam auch oft nach Wien, um hervorragende Sänger zu hören, und bildete sich , fortwährend weiter ans. Vor einiger Zeit wurde,im Tempel zn . Warasdin eine Tranerandacht veranstaltet. Der Banns, Baron Rauch, der zugegen war, ließ sich den Jubilar vvrst'ellen und sagte ihm : ich war noch nie. in einem jüdischen Tempel, dieser Gottesdienst aber hat mich außerordentlich gerührt nnd muß ich Ihnen meine Anerkennung anssprechen. Der Banns, der selbst mnsikalisch ift> ließ sich von Oberkantor Wilkowitsch die Rezititätioe abschreiben und honorierte sie glänzend. Zur Seite des Jubilars waltet eine gebildete, umsichtige Frau und der glücklichen Ehe entsprossen vier Kinder, von denen der älteste, Erwin, die Universität zn Agram und eine Tochter das Konservatorium in Wien besucht. Möge es den Ettern vergönnt sein, an ihren Kindern recht viel Freude zn erleben und möge es dem Jubilar beschieden sein, noch lange sangeslustig und sangeskräftig in seinem Amte zu wirken. A. W. Austritte ans dem Judentum. E £) r e u ft e i u Margarethe, geb. 21. Sept. 1886, IX., Hernalsergürtel 24. Frankel Helene, Private, ged. 12. Juni 1856. IV., Gußhausstraße 12 Kuhn Margarethe, geb 9. Levrember 1883, II., Reinbrandstraße 9. H a l a s y Julius, Haudelsakadeullker, geb. 19. Juli 1891. VI., Laungrubeugasse 27. Deutsch Joses. Privar, geb. 14. Juni 1876, VII.. Kaiserstroße 12. Sander Alfred, Privatbeainter, geb. 21. Mürz 1880, V.. Wehrgasse 9. Vereins-Zahnarzt Dr. Max Weisz. Wien, II., Circusgasse 47. Ordination von 9—6. Telephon 18390. Allgemeine Depositeii-Bauk. Der Verwaltungsrai beehrt sich hiemit, die stimmberechtigten Aktionäre der Allgemeinen Depositenbank zu einer ausserordentlichen Generalversammlung, welche Donnerstag den 10. März 1910, vormittags 11 Uhr, im Sitzungssaale des Anstaltsgebändes (I., Schottengasse lj stattfindeu wird, einzuladen. Tagesordnung: 1. Beschlussfassung zur Erhöhung des Aktienkapitals bis zur Höhe von 30 Millionen K>onen und Ermächtigung des Verwaitungsrates, nu eigenen Wirkungskreise diese Kapitalserhöhuug von 20 Millionen auf 30 Millionen Kronen im Ganzen oder in Teilbeträgen durchz aführen. 2. Antr-g auf Aenderung der Statuten §§ 3, 18 und 21. Die Herren Aktionäre, welche ihr Stimmrecht ausüben wollen, werden eingeladen, nach § 18 der Gesellsehaftsstatuteu ihre Aktien wenigstens 8 Tage früher, d. i. bis spätestens iukl. 2. März 1910, bei der Allgemeinen Depo*it-n-Bank in Wien (I. Schottengasse 1) zu hinterlesren. Kais. Kfiii; Privilegirt« Oest'ireickLche Lünderbank. Kundmachung:. Die neunundzw.-Mizigste ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Kais. Kön. privilegierten Oesrerreichischen Länderbank findet Mittwoch den 30 März d. J., 6 Uhr abends, im Anstalt-gebäude (I., Hohenstaufengasse Nr. 3) statt. Gegenstände der Verhandlung sind: 1. Bericht des Gouverneurs über das abgelaufene Geschäftsjahr. 2. Bericht der Zensoren über die Geschäftsgebarang im Jahre 1909. 3. Beschlussüber die Verwendung des Reingewinnes des Jahres 1909. 4. Bestimmung des Wertes der Auwesenheitsmarkeu für die Verwaltungsräte (§ 35 der Statuten). 5. Wahlen in den Verwaltungsrat (§§ 21, 22 und 24) 6. Wahl der Zensoren und deren Ersatzmänner für das Jahr 1910 (§ 38) sowie Wertbestimmung der Anwesenheitsmarken für dieselben 41.) Die stimmberechtigten Aktionäre (§§ 42, 43), welche an der Generalversammlung teilzunehmen wünschen, werden hiemit eingeladen, ihre Aktien spätestens am 16 März d. J. zu deponieren und zwar: in Wien bei der Kais. Kön. privilegierten Oesterreichischen Länderbank; in Prag bei der Filiale der Kais. Kön. privilegierten Oe-terreiehischen Länderhank; in Graz bei der Filiale der Kais. Kön. privilegierten Oesterreichischen Länderbank; in Ferlin bei der Deutschen Bank sowie deren Filialen und bei der Dresdner Bank; in F r a n k f u r t a. M. bei der Deutschen Vwreinsbank und Deutsch»-u Bank, Filiale Frankfurt; in Stuttgart bei der Württembergischen Vereinshank; in London bei der Kais. Kön. privilegierten Oesterreichischen Länderbank, 120. Bishopsgate Street Witkiu; in Paris bei der Banque Imp. Roy. Privilegiee des Pays Autrichieus. Succursale de Paria, 12 rue du 4 Septembre und bei der Societe Generale pour favoriser le developpement du Commerce et de l’Industrie en France, 54 rue de Provence; in Lyon bei der Socidte Lyonnaise de Depots, de Comptes Courants et de Credit Industrie!.

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