Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 4 (21.1.1910)
- Date
- 1910-01-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 4. Wien. (Palästina-Komitee.) Herr Jakob Rosen heim, Delegierter des Palästina-Komitees in Frankfurt a. M., dessen Hauptzweck es ist, der beschäftigungslosen jüdischen Jugend in Palästina Erwerbsgelegenheit zu verschossen, wird D i e n st a g den 25. d. M. 8 Uhr abends im Festfaale des Hotel Central, II., Taborstraße 8 über „D ie Ausgaben des traditionellen Judentums in P a l ä st l n a" sprechen. Dieser Vorrrag dürste allen Freunden unserer gedrückten Glaubensgeuoffen und Palästinas berechtigtes Jntereffe, wertvolle Anregungen und Aufklärungen bieten. Gäste, auch Damen. willkommen! Spezielle Einladungen werden nicht versendet. Für das Polästina-Kountee. Bernhard Hofban er, Mo r i tz F e l s e n b n r g, Nathan Pollak. Wien. Mittwoch den 26. d. M. findet im kleinen Musikvereinssaale ein Konzert der Sängerin Frau Giza Leuart Vago statt. Die Künstlerin, eine Tochter des Oüerkautors Professor Adolf Lazarus in Budapest, hat im Vorjahre bei ihren Konzerten in Berlin und Breslau großartige Erfolge erzielt und ihre reiche Begabung fand überall seitens der strengsten Kritik vollste Würdigung. Wien. Samstag, den 8. d. M., fand im Stadttempel die Konfirmation des Knaben Stephan, Sohn des Kommerzialrates Ernst K l i n g e r und dessen Gattin, geb. von Weiß, statt Im Tempel hatten sich eingesunden die beiden Onkel des Konfirmanden. Herr kais. Rat Paul Lemberg e r und Herr Engel von I a n o s y und Mitglieder der beteiligten Fannlien. Nachdem der Vater des Konfirmanden, Herr Ernst K l i n g e r, (ein Sohn des verstorbenen Präsidenten der israel. Kultusgemeinde, Heinrich K l i n g e r), ebenfo Herr kais. Rar Lemberger und Herr Engel von Ianosy zur Tbora gernsen wurden und namhafte Beuräge den Wohllätigkeitsinstittiten der israel. Kultusgemeinde gewidmet hatten, wurde der Konfirmand als Mastir aufgerufen und trug die Haftora vor. Den üblichen Mischeberach sprach Herr Oberkantor Don Fuchs und den erhebenden Segensspruch Herr Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n. Wien. Sonntag, den 9. Jänner, fand im Neudegger-Tempel int VHI. Bezirk die Trauung des Herr» Leopold Pollak, Sohn des Herrn Sigmund Po l l a k, mit der Tochter des Herrn Edmund Mayer, Fräulein Therese Mayer statt. Herr Rabbiner Dr. Bauer hielt an das Brautpaar eine erhebende Ansprache, die auf die zahlreich erschienenen Festgäste tiefen Eindruck machte. Die kantoralen Funktionen versah Herr Kantor Josef Grob unter allgemeinem Beifall. Len Zwi. Wien Einer der begabtesten und zugleich sehr bescheidener Schüler des sel. Preßburger Obrrrabb. „Kethaw Szofer" ist im Alter von 62 Jahren von hinnen abberusen morden. Es ist der bekannte Polyglotte Samuel Brunner, der acht Sprachen fast durchwegs autodidaktisch sich angeeignet har. Einzelne erlernte er in der hiesigen oriental. Akademie als außerordentlicher Hörer. Teilweise verlverrete er sein immenses Wissen als Korrespondent der Buchhandlung Jos. Schlesinger, welche Stelle er durch volle 35 Jahre gewifieuhasr versah. Von einem tückischen Leiden heimgesucht, erlag er Montag nachts demselben, eine tieftrauernde Witwe und acht unversorgte Kinder hinterlassend. Seinem letzten Wunsche gemäß wurde er nach der Heimat Stampfen überführt. Im Tranerhanse hielten Dienstag Abend, bevor die irdischen Reste nach Stampfen überführt wurden, die Herren Rabbinats-Assefior Jos. B a n m g a r t e n und Rabbiner R o s e n s c l d dem Dahingeschiedenen einen ergreifenden Nachruf. Wien (Brigittenau). „Wem seine erste Frau gestorben, dem ist nach dem Worte unserer Weisen solch schweres Leid widerfahren, als ob der heilige Altar in seiner Zeit zerstört worden wäre!" An diese Talmudstelle knüpfte Herr Rabbiner Dr. A b e l e s seine Trauerrede am Sarge der im 50. Lebensjahre, nach etwa 30jähriger harmonischer Ehe, ihrem tiefgebeugten Garten entrifienen Fron Emilie Fischer, die, eine wahre Priesterin des Hauses, all ihr Glück nur in der Familie und in Betätigung ihrer Pfiichien erkennend, gleich der Prosetin Debore für das Gedeihen ihres Hauses gekämpft und gestritten hat, bis die Sonne ihres Lebens vor der Zeit dem Abend sich zuneigte. Die Verehrung, deren sich die edle Verblichene, eine Enkelin des sel. Rabbiners D u s ch a k in Austerlitz, in unseren» Bezirke zu erfreuen hatte, bekrmdete sich durch die so zahlreiche Beteiligung bei ihrer Beerdigung, bei welcher Oberkantor Bass er die Fuiiktion in erhebeiider Weise versah. Prag. Vom 27. bis 29. Dezember fanden in Prag die äußerst gut besuchten Ferialkurse für Religionslehrer statt, wofür den Veranstaltern wie Vortragenden und Förderer» der innigste Dank gebührt. Es trugen vor die Herren: Pros. Dr. Kisch über Genesis 1, Dr. Klotz über Trauerbräuche, Prof. Dr. Deutsch über Kalenderberechnung, Dr. K n ö p s e l m a ch e r jun. über die Psalmen und Dr. K. Feder aus Rauduitz über den hebr. Unterricht an Volksschulen und sein hebr. Lesebuch, das alle czechischen Kultusgemeinden aufs wärmste ob seiner auf Erfahrung beruhenden Darstellung, Einteilung und Auswahl des Stoffes empfohlen sei. Es dürste sich auch für kroatisch-slavonische Gemeinden vorzüglich bei entsprechender Abänderung in sprachlicher Beziehung eignen und die vollste Würdigung wäre hier der beste Dienst, fürs Judentum! Die Fortsetzung dieser Ferialkurse und ihr dem frischpnlsierenden Leben angepaßter Ausgleich ist allgemeiner Wunsch der Teilnehmer, die hier öffentlich danken. Budapest. Vor einigen Tagen wählte die Generalversammlung der Hauptuud Residenzstadt Budapest die Magistratsräte, und zum ersten Male wurde auch ein Jude — Dr. Franz Deri — zum Magistratsrat gewählt. Dr. Deri ist ein so hervorragender Fachmann, daß er gewiß auch in seiner neuen, hohen Stellung eine segensreiche Tätigkeit entfalten und hiedurch auch dem Judentum, tvelchem er treu anhängt, Ehre bringen »vird. Budapest. Die Ausnahmen bei der hiesigen Chewra Kadischa nehmen einen unerwartet günstigen Verlaus. In den letzten Tagen meldeten sich so viele Aufnahmswerber, daß die Aufnahme bis zum 20. Jänner' hinausgeschoben werden mußte. Bisher sind 2000 neue Mitglieder ausgenommen worden, welche über 200.000 Kronen an Aufnahnisgebühren gezahlt haben. Das Komitee mit dem Präsidenten Winterberg an der' Spitze, und der unermüdliche Sekretär Dr. Franz M e z e y können auf ihre bisher geleistete Arbeit stolz sein. Wir kommen aus die Sache noch zurück. Galgocz. Herr Jakob Feßler. Lehrer und Rabbinerstellvertreter in Singhofen (Deutschland), hat sich mit Fräulein Therese David, Tochter' des verstorbenen Dr. B. David in Galgocz, verlobt. Havasmezö. Mit schmerzlicher Wehmut wird alleirthalben die Kunde vernommen »werben, daß ein Großer in Israel “vtt Israel Traub^. der Sohn des großen N'N Schemaje T r a n a, seine irdische Laiifbahn vollendet hat. Sein ganzes Leben war dem Studimn der heiligen Thora gewidmet uud seine Familie genoß wegen ihrer großen Frömmigkeit in der ganzen Umgebung das größte Ansehen. Bei dem Leichenbegängnisse war die ganze Stadt amvesend, und im Stempel hielt Rabbiner M. Stern ein Hesped über den Verstorbenen. .b'2'1 gitnntm*. Indische Universalbibliothek. Von dieser im Berlage von Richard Brandeis in Prag erscheinenden und bisher 94 Nummern umfassenden Bibliothek »verden demnächst einige neue Bändchen, »welche u. a. Rom uud Jerusalem von M. Heß, Airsgelvählte Geschichten und Skizzen von Perez, Gedichte von Morris Roseufeld enthalten, ausgegeben. Wie uns gleichzeitig mitgeteilt wird, bereitete die genannte Verlagsfirma für' das Jahr 1910, 50 neue Bändchen vor. Ewige Weisheit. Sprnchpoesie des Talmud und der rabbinischen Literatur nebst Fabeln, Parabeln und Sagen derselben, übersetzt von Max Weinberg, Halle a. S. Verlag von Otto Hendel. 1 Mk., geb 1.35 Mk. Ein entzückendes Büchlein, dessen Besitz jedem getviß viel Freude bereiten, wird. Die Weisheitssprüche der rabbinischen Literatur in wohlgelungene, zierliche Verse gebracht — »wahrlich, das sind „goldene Aepfel m silberner Fassung"! Manches Kernlvort koinmt in Weinbergs Fassung zu erhöhter Geltung. Nicht, wer nichts hat, nein, »wer nichts kann, Der ist ein »wahrhaft armer Mann. Wie schön ist hier das Talmudische nyns tibx pK wiedergegeben! Den Spruch ,-qp ION 'Sb nöbn&’ä npns prr gibt Weinberg mit folgendem schönen Ren» wieder: Nicht, w a s er gibt, nur »wie er reicht die Gabe, Bestimint der Wohltat Wert, der Armen Labe. Manchinal erscheint die Uebersetzung als eine Umdichtung, so die Worte: Der Glaube soll Dich stets beleben: Wer Leben gab, gibt auch zu leben. Oder: Wer nie beim Nachbar kehrte ei»», Muß doch ein schlechter Nachbar sein! Nun, hier steht deines Gottes Haus, ' Du aber gingst nie ein noch ans, Was Wunder, »wenn der Weltregent Dich seinen schlechten Nachbar nennt. Aber wer »wollte da mit dem liebenslvürdigen Verfasser rechten?^ Jeder, der sein Büchlein zur Hand nimmt, »wird ihm vielmehr freudigen Dank zollen für seine köstliche, herzerquickende Gabe! Dr. K a h a n, Zuaim. Moderne Liturgie in unseren Synagogen in Rußland, von P. Minkowsky, Oberkanror der Brodyer Gemeinde in Odessa. An der Hand der modernen Liturgie eutlvirft hier der gelehrte Verfasser ein getreues Knlturbild der Inden in Rußland,'und dieses Bild ist sehr traurig! Minkoivsky zeigt eine staunenswerte Belesenheit in der talmudische»» und profanen, namentlich der musikalischen Literatur, dabei ist seine Darstellung von solcher dramatischer Lebendigkeit, von so köstlichem Witz und beißender Satire, daß es zu den interessantesten Werken dieser Art gezählt »werden muß. Es ist für Rußland bestimmt und daher im Jargon abgcfaßt, »wodurch es leider dem Westjuden meist ein Buch mit sieben Siegeln ist. Sein trefflicher Inhalt ruft förmlich nach einer deutschen Uebersetzung. Vielleicht »werden »wir einiges daraus unseren. Lesern nächstens vorführen. Dr. K a h a u, Zuaim. Ost und West. Jllilstrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum.- Heransgegebeu von Leo W i u z. Verlag von O st u n d W e st, Berlin 8. 42. Organ der Deutschen Koufereuz-Genieinichaft der „Alliance Jsraeliie Universelle". 10. Jahrgang. Heft 1. Jänner 1910. Inhalt: „Das Jahr 1909." Von A. Klausner. „Alfred Grütze»." (Mit 8 Illustrationen.) Von Karl S ch »w a r z. „Schachkoryphäen." Von Erich Cohn. „Im alten Haus."' Von Bicki Bau m. „Lina Morgenstern." (Mit Porträt.) „Schach." Von Dr. Emauuel Lasker. „Hermann Senator." (Mit Porträt.) „Literarische Rundschau." (Mit 3 Illustrationen.) „Revue der Revuen." Mitteilungen ans dem Deutschen Bureau der „Alliance I s r a ö l i t e Universelle: I. Bekan»»tmachung. H. Die Allianceschulen in Beirut. (Mit 11 Illustrationen.) HI. Griechische Umtriebe. IV. Das Laubhüttenfest in Mossul. V» Notizen: a) Frankfurt a. M. b) Die- Juden in Jemen, c) Die Intervention in Marokko.