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Die Wahrheit · 1910-01-01 · Heft 1 (1.1.1910) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 1 (1.1.1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 1, Oesterr.-nngar. Kantoren-Zeitnng Seite 11. Indijch-lraditioncUe Kantor- Reptative. Herr Jakob Podvlsky, Solobassist am Leopoldstädler 'Tempel in Wien, überreichte uns zwei Hefte, enthaltend Rezitative für Samstag und hohe Feiertage (Manuskript), die ihrer Trefflichkeit wegen die Beachtung weiterer Kreise verdienen. Diese Arbeiten bekunden sorvohl die reiche und vielseitige Erfahrung, die der Herausgeber im Dienste seiner einstigen heimatlichen (russischen) Meisterchasanim gesammelt, als auch die geläuterte rationelle Selbstbetätigung, die er in spätern Jahren, fern von seiner Heimat gleichsam in fremder Atmosphäre sich .zu eigen machte. Die alten Meisterchasanim trugen fein Bedenken, die Textsilben sowie die Worte durch ihrer Töne Kunst vergewaltigen zu lassen — und das Schwergewicht ihrer Vorführungen in einem willkürlichen Hexenzanber von Koloraturen. Rouladen, Staccati re. zu erblicken, obwohl sie mit dem Inhalt ihrer Textesworte hinlänglich vertraut waren. Herr Podolsky verwertet all die atlgesührten Behelfe unverkürzt, ohne jedoch dem Textesworte irgendwie Gewalt anzutnn, ist vielmehr bemüht, durch die bekannten llnd vieleit noch unbekannten gesanglichen Behelfe dem 'vorzutragenden Worte eine inhaltliche Stütze zn verleihen, so daß die gesanglichen Ideale der alten Meisterchasanim gleichsam auch zur bedeittsamen Qualität unseres traditionell-modernen Synagogen-Rezitativs gestaltet erscheinen. Diese Betätigung verdient volle Anerkennung, die wir den vorliegenden Arbeiten unverkürzt angedeihen lassen wollen. Die Sabbath - Rezitative rasn .mys pnv “pcu *a, pan vr m» rc. sowohl als auch die umfangreicheren Darbietungen von rvrsböm:*."ir7» mi2*.r re. tragen allesamt das Gepräge sachgemäßen Zielbewußtseins, sind allesamt steigerrein gebaut und zeigen gerade durch interessauie Ablenkung nach fremden Sleigeritud Modulatiousgebieten unb endlich mühelose Rückkehr zum .Ursprungs-Steiger und zur Ursprungstonart eine solche — wir möchten sagen — liebeusivürdige Struktur, welche leider zu künstlerischen Ausschreitungen Veranlassung geben dürfte. Künstlerische Ausschreitung nennen wir die bedenkenlose Aneignung fremder Geistesprodukte und ihrer Verwertung unter eigener Devise. — Es gibt nämlich geist- und phantasielose Individuen jeden Standes, welche nach dem Ausspruche Schopenhauers die selbst zu genießenden Speisen „sich erst von Anderen vorkauen lassen"; — d. h. in unserem Falle, die von einem Anderen erfundenen Rezitative öffentlich vor tragen und daher als Ergebnisse ihres eigenen Könnens hinstellen. — Ein solcher Vorgang mitß ziunindest als verwerflich gekennzeichnet werden.*) Die vorliegenden persönlichen Darbietungen Pvdvlsky's. die in ihrer fachmännisch erschöpfenden und trotzdem leichtsaßlichen, zwanglosen Form pädagogische Hilfsmittel für das Studium zeitgemäßer synagogaler Traditions-Rezitative darstellen, werden hiemit als Vorlagsblätter zum Nacharbeiten, zur Befruchtung des eigenen Wissens sowie zur Kräftigung des eigenen Urteils aufstrebender junger Kantoren und Kantorats-Kandidaten bestens empfohlen. Singer. Gilt Kantorenverband in Frankreich. Ueber Anregung des Herrn Oberkantors Lambert Wolfs in Dijon beabsichtigen die Kantoren Frankreichs, auf ähnlicher Basis wie in Elsaß-Lothringen, eine Peusiouskasse sowie eine Wilwenversorgnngskasse zu gründen. Zn diesem Zwecke findet am 2. Januar 1910 in Paris eine Versammlung statt, an welcher außer den Pariser Kantoren die Herren Wolff-Dijou und Schwartz-Reims teilnehmeu werden. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Bethausvereiii „Am Volkert".) Die Schulsektion des Bethausvereiues „Am Bolkert", H. Fugbachgasse 7, har die Eröffnung *) Uebrigens sind solche Annexions-Gelüste fremder Gedanken keineswegs Ergebnisse der Jetztzeir, sondern waren schon Gepflogenheit bei den älureu D'Jin.''—In dem Büchlein N!27>V N22 finden wir derartige Ausschreitungen schon mit den trefflichen Worten glossiert sppnöl» -♦“T7W irtw von B a r m i z w a h k n r s e n IN der Sprach- und Bibelichnle beschlossen. Hiebei soll nicht nur ans die Erlernung der betreffenden Hafthora und die damit verbundenen M.ifrir-Segensprüche ausschließliches Gewicht gelegt werden, sondern es soll durch die entsprechende Auswahl des benöcigten Lehrstoffes die somir der Schule entwachsende Jugend zur verständnisvollen Teiluahme an dem Gotresdienste Heraugebilder und durch eine zweckentsprechende Meldode in der Gone-lehre bestärkt nud in ihrem religiösen Sinne gefestigt werden. Hiedurch wird der derauwachsenden Jugend in ihrem jüdischen Empstudeu und Gefühle ein starker und unauslöschlicher Halt für den bevorstehenden Kampf im Leben gegeben, io daß sie anch durch Hingebung für die angestammte Religion, sowie durch unbeugsame Glanbensrreue eine künftige Stütze des jüdischen Glaubens werden kann. Die Einschreibttnaen für den dreimonarlichen Barmizwahkurs finden in der Vereinskanzlei (II. Fugbachgasse 7) S o n n r a g am 2. und Sonntag a m 9. I ä n n e r 1910, zwischen '10 n n d 12 ll h r vormittag s, starr. Das Schulgeld bleibt der Vereinbarung Vorbehalten, das bei Miciellosigkeit und Würdigkeit entsprechend ermäßigt oder ganz erlassen werden kann. Prag. (I ü d i i ch e s I II l e r II a c.) Es waren Stunden reinsten Genusses, welche die zahlreich versammelte Zuhörerschaft am 8. d. M. bei einer Veranstalrnng iin jüdischen Internat. Prag. Smeranagasse 23. zubrachte. Die Jncernacsränme waren dem Zwecke entsprechend dekoriert, und nach Begrüßung der Festgäste durch den Direktor Herrn M. M a n d l (deutsch) sowie durch den Jnternarskorreveritor Jur. Karl Fuchs (tschechisch) folgte das reiche Pvrrrags-Programm, das von Zöglingen und Lehrern der Anstalt absolviert wurde. Bon den Zöglingen seien erwähnt: Die Handelsakademiker Ernst Herzig (Prolog). Joses Kohn (Geschichte des Abendsi, Heinz Georg P v l l a k (d:e acht Channkalichter), die Realschüler Franz Josef Fried (Demvelweihsest). Ludwig C z n b a t a (Inda Makkabis Geber) und Karl Schulhof iZebräcka rodinai, der Glimnasiast Bernhard Mandl i Al Hamssim), der Bürgerschiller Karl Hermann lGlanben und Kämpfen), sowie die Bolksschüler Sigmund Mandl iDer Diener», Olga Mandl (Das Anzünden der L>chrer> und Franz Josef Brückner (Ich halt am Glauben sestl. Nach Al Haniasim sang ein Chor der Zöglinge das Moaus zur Teschussi. Die Festrede hielt das Mitglied der „Bar Kochba" Herr (Phil. E. E v st e i n. Eine angenehme Abwechslung in das Programm baachte der schöne Vortrag von Rnbinsteliis Asra durch Frau Direktor M a n d l. Nicht minderen Genuß bvr der Septianer Herr Ernst K r a n S, ein Schüler des Orchestermitgliedes Herrn Karl Klei n, welch ersterer durch seine Leistung (Romanze von Svendeen und Serenade von Sierne, Violine) ans ein seltenes Talent anfmerksam machte. Den Glanzpunkt des Abends bildere die Solonummer des Anstalcslehrers Herrn Karl Klein, der durch die Beriociche Sreue de Ballette die Anwesenden ganz in seinen Bann zn ziehen wußte. Laurer Beifall folgte seinem V vlinvorrrage. Die Klavierbegleitung besorgte die Anstaltslehrerin Frau Hilda K a n t n r e k. die sich ihrer Aufgabe glänzend zn entledigen wußte, und die. sowie alle Mirwirkenden überhaupt, mit seltenem Eifer und Begeisterung sich in den Dienst dieser guten Sache gestellt hatte. Der laute Beifall, der nach jeder Programmnummer sich wiederholte, war ein deutlicher Beweis dafür, daß das, was geboten ivnrde, anch wirklich gefiel. Die Feier fand ihren offiziellen Abschluß durch eine kurze Ansprache des Herrn Direkcors der Bolksvorichußkaffa Karl R e s e k. welcher namens des Vorstandes den Veranstaltern für die Veranstaltung dankte und an die Anwesenden appellierte, das Internat werktätig zu fördern. Gr.-Meseritsch. Fräulein Helene S re in er. die Tochter unseres Oberkantors Herrn I. Steine erhielt dieser Tage folgende überaus ehrende Zuschrift der k. k. BezirksWuptmannschafc Gr.-Meseritsch: „Es gereicht inir znm besonderen Vergnügen, Ihnen über Weisung des k. k. mähr. Stacchalrereipräsidiunis vom 17. November 1909. Zl. 9675 Pr. initzuteilen, daß zufolge Zuschrift des Oberstkämmereramtes Seiner k. und k. Avostolischen Majestät vom 12. November 1909. Zl. 3159, Ihnen für die Vorlage zweier von Ihnen verfaßten Gedichte „Dank und Lobgesang" (anläßlich des Allerhöchsten 60jährigen Regiernngsjubiläums Sr. Majestät und „Willkvmmensgrnß an Seine Majestät den Kaiser Franz Josef I." der Allerhöchste Dank mit dem Beifügen bekannt zn geben ist, daß die Einverleibung der beiden Gedichte in die k. und k. Familien-Fideikomiß- Bibliorhek veranlaßt wurde. Der k. k. Statthaltereirat Frey na. p." Kolin. (Goldene Hochzeit.) Unser verehrter Kollege. Herr Oberkantor Moritz Kulka, und seine Gattin, Frau Marie Kulka geb. K n ö p f e l m a ch e r, feierten am 26. Dezember 1909 das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Wir können diese seltene Tatsache um so weniger unbeachtet vorübergeheu lassen, als der Jubilar, der über 40 Jahre unserem heiligen Berufe in ausgezeichneter Weise Vorstand (Urig. Hradisch, Ung. Ostra und zuletzt in Kolin) zn den renommiertesten Kantoren zählte und auch einer renommierten Kantorensamilie angehört. Der Vater war schon ein ausgezeichneter prr und der uns Allen tödlichst bekannte verantwortliche Redakteur dieses Blattes. Herr Alois Kulka, wirkt ja noch heute in unserer Mitte; ja selbst die Mutter des Jubilars galt schon als treffliche Sängerin. Herr Kollege und Jubilar Moritz Kulka ist nun seit zwei Jahren in den wohlverdienten Ruhestand getreten. — Wir Alle insgesamt wünschen dem verehrten Jubelpaare, daß es in Seelenruhe und unangetasteter Gesundheit noch viele ungezählte Jahre erhalten bleibe znm eigenen Heile und zur Freude all derer, die ihnen im Leben nahestehen. S . . .

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