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Die Wahrheit · 1909-12-24 · Heft 50 (24.12.1909) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 50 (24.12.1909)
Date
1909-12-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14. Die Wohiheil Nr. 50. (Sitte Rechte Vorbehalten.) Ein uenes Licht. Bon Adolf Heinrich Landau (Wiener-Neustadt). (Fortsetzung.) IX. Eine Woche vor den hohen Feiertagen war es Dr. Fuchs gelungen, die „Friedenskonferenz" zustande zu bringen. Er hatte schon früher mit den einzelnen Herren verhandelt und jeden mit seiner ganzen Ueberzengnugskunst zu gewinnen gesucht: und tatsächlich konnte er sich schmeicheln, für die wichtigsten Forderungen eine Majorität zu besitzen. Der Bau einer Mikwa wurde schon früher vom Vorstande beschlossen und harrte nur noch der Genehmigung seitens des Großen Rates, die aber gewiß war. Ferner erhielten die Schlächter den strikten Auftrag, die Fleischhallen strenge zu beaufsichtigen, da sie sonst entlassen würden. Dr. Fuchs hatte auch den Kultus- Präsidenten privatim gebeten, am Samstag keine Knltussachen zu erledigen, was dieser bereitwilligst zusagte. Die Konferenz wurde von fünf Orthodoxen und fünf Reformierten beschickt, obwohl letztere in der Mehrheit waren. Das hatte Dr. Fuchs so arrangiert, der auch über allgemeines Verlangen den Vorsitz führen mußte, um bei Stimmengleichheit als Unparteiischer zu dirimieren. Er leitete die Sitzung mit einer herzlichen Ansprache ein, in der au die Friedensliebe und an das edle, jüdische Herz der Teilnehmer appellierte. Da saßen nun die Herren Bär und Weinmann und Mandel und Horn und Steiuherz und jeder bezog das „edle jüdische Herz" auf sich und die andern wieder auf sich und so wurde der erste Punkt ohne Debatte glatt erledigt. Die Bethausordnnng sollte dahin abgeändert werden, daß es jedem gestattet sei, den Tallith aufgerollt oder zusammeugelegt zu tragen. Dagegen mußte über Wunsch des Dr. Ehrlich ein neuer Passus ausgenommen werden, daß die Betenden an Feiertagen im F e st g e w a n d e zu erscheinen haben. Beim zweiten Punkte gab es schon eine größere Debatte. Gegen die Wiedereinführung des Laras madlikin hatten die Reformierten nichts einzuwenden, aber von den Piiitim wollten sie nichts wissen. Nach längeren Bemühungen gelang es dem Rabbiner und dem Sekretär, auch darin Einvernehmen zu erzielen. Die Forderung nach billigen Betsitzeu wurde dahin geregelt, daß die Sitze in den letzten drei Bankreihen um den Preis von 3 Kronen an all jene zu vergeben seien, die mindestens jeden Samstag das Gotteshaus besuchen. Nun kam ein wichtiger Punkt: Den Orthodoxen sollte es gestattet werden, laut mitzusagen und mitznsingen — das wollten die Reformierten unter keiner Bedingung zugeben. Das Schreien und Brummen sei unschön, sagten sie, es sei. unerträglich und mache auf jeden Fremden, der zufällig die Synagoge betrete, den peinlichsten Eindruck. Dr. Fuchs, bat um des Friedens willen nachzugeben, denn wegen dieses einen Punktes könnte das ganze, mühsam zustande gebrachte Werk in Brüche gehen. „Meine sehr geehrten Herren I" sagte er, „lassen wir unseren Alten diese Freude, denn sie fühlen nur dann ein Vergnügen am Gebete, wenn sie es laut mitsagen können. Warum wollen wir auf Andersgläubige und nicht auf u n f e r e Glaubensbrüder Rücksicht nehmen? Solange dieses Summet: und Sing en im Go ttes h au se zu hören ist, fo lan ge unsere Alten das „Amen" sagen, solange ist es uns um unsere Zukunft nicht bange; wenn aber auch dieses Singen und Sagen aufhört, wenn die Gemeinde kein Bedürftiis mehr fühlt milzubeten, dann, meine Herren, wird es mit unferm Gottesdienste sehr traurig aussehen, wenn es überhaupt noch Gottesdienst fein wird und nicht eine p r o g r a m mmäßige Schablone! Nehmen Sie, meine Herren, auch diesen Punkt an, damit sie die Früchte des Friedens voll und ganz genießen! Mit sechs gegen vier Stimmen wurde diese Forderung gleichfalls genehmigt — die sechste Stimme war die des Doktors Süß. Die Forderung der Llakoxüotk, das heißt am Tage der Thorafreude die heiligen Nöllen bei den sieben Umzügen tragen, zu dürfen, wurde im Kompromißwege genehmigt. Nur im ersten Umzuge sollten die Vorstände die Thorarollen tragen, dann aber abwechselnd die älteren Gemeindemitglieder. Damit war die große Enquete zu Ende. Als dann der junge Rabbiner die hergestellte Einigung! konstatierte, den Herren dankte lmd gratulierte, da war der Jubel und der Beifall allgemein. Der alte Steinherz hatte sogar Tränen in den Augen. Der Sekretär fertigte hierauf ein Protokoll ans, das von sämtlichen Herren unterschrieben und vom anwesenden Vorstände sofort ratifiziert wurde. Alle Anwesenden schüttelten einander freudig bewegt die Hände, dann nahm Dr. Süß das Wort: „Hochgeehrte Herren! Als ich vor einem halben Jahre das Glück hatte, jene denkwürdige Sitzung zu leiten, in der die Wahl eines neuen Rabbiners beschlossen wurde, da hatte, ich die Worte gesprochen: „Würde es dem kommenden Manne gelingen, den Frieden in unserer Gemeinde h e r z u st e l l e n, es wäre dies s e i n e b e st e, seinegrößte Tat. Nun, da diese große Tat, wider alles Erwarten, ohne den geringsten Mißton zur Wirklichkeit geworden, nun, meine werten Herren, lassen Sie uns unserem verehrten Herrn Rabbiner aus ganzem Herzen Dank sagen. Dank sagen für seine aufopferungsvolle Mühe, mit der er Tag und Nacht für die Verständigung arbeitete, Dank sagen für die zielbewußte Leitung dieser Versammlung, Dank sagen für den vollen Erfolg, den sein rastloser Eifer erzielte. Euer Ehrwürden! Im Namen aller Herren gratuliere ich Ihnen herzlichst zu Ihrem Friedenswerke; möge Ihnen Gott der Herr diese Tat reichlich lohnen, denn Sie haben damit meine Bitte verwirklicht, die ich an Euer Ehrwürden gerichtet: Der Gemeinde die höchsten Güter zu verleihen, innere Stärke und F e st i g k e i t, Eintracht und F r i e d e 1 Und so rufe ich Euer Ehrwürden im Namen der ganzen Gemeinde aufrichtig zu: Jejascher Kochacho!"*; Tosender Beifall folgte diesen herzlichen Worten. Um den Frieden vollständig zu machen, versprach Dr. Süß. bei den nächsten Wahlen von den fünfzehn Ratsstellen f ü n f den . Orthodoxen ohne Kampf zu überlassen. Wie ein Lauffeuer hatte sich die große Neuigkeit im Städtchen verbreitet inib überall sah man konversierende Gruppen. Natürlich gab es auch einige Nörgler und Spötter, aber im allgemeinen waren beide Parteien vollauf befriedigt, denn e s g a fr keinen Sieger u n d feinen Besiegten. (Forts, folgt.) Austritte uus dem Judentum. Thnrmanil Salamoil, Fotograf, geb. 10. Juni 1875 in Lemberg, II., Arnetzhoferstraße 13. Wilhelm Elsa geb. Spitzer, Inspektors-Gattin, geb. 3. April 1875 in Wien, II., Ünt. Angartenstraße 37. Wilhelm Friedrich, Jnsvektor der k. k. Nord-Westbahn, geb. 7. April 1864 in Wien, II., Unt. Augartenstraße 37. F e l d m a n n Elisabeth Josefa, Fabriksarbeiterin, seit 24. August 1908mosaisch, geb. 19. Mai 1879 in Wien, XIII., Aichhorngasse 13. Frisch David. Handelsagent, geb. 14. Jänner 1867 in Tapolcza, Kom. Zala, Ungarn, IV., Scheleiugasse 52. Schwarz Rudolf, Fabriksdirektor, geb. 25. Februar 1870 in Wien, V., Schönbrunnerstraße 70. Kaff Elisabeth, Lehrerin, geb. 27. November 1876 in Blansko, Mähren,- IX., Peregringasse 1. Fürth Katharina geb. Eisler, Arztens-Gattin, geb. .10. Mai 1875 in Wien, IX., Hörlgasse 18. Hahn Franz, Privatbeamter, geb. 25. Juli 1885 in Wien, IX., Hörlg. 4. Bürger Friedrich David, Privatbeamter, geb. 27. Mai 1878 in Wien, IX., Brünulgasse 3. Spitzer Olga. geb. 17. Juli 1881 in Wien, VI., Mariahilferstraße 99- Kärpel Caroline, Buchhalterin, geb. 28. Februar 1882 in Wien, H., Nembrandtstraße 26. F i s e r Stefanie, Schneidergehilfin, geb. 17. Februar 1894 in Wien^ XX., Treustraße 47. *) Ein Dank und Wunsch „Gott stärke Dich."

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