Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 48 (10.12.1909)
- Date
- 1909-12-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3063469-3063517--06394-3073395- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
aßrßeit Redaktion und Ildmiiiisiration: Wien, II/, Nvvaragasse 27 Telephon: Redaktion 5107/VIII. Druckerei 1530-2. Anaöhängige Heitschnft für Mische K. k. öi'terr. Nosisparkassa- Scheck-Konro Dir. 1000.918. Interessen. Inserate: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. - Aboiinenieuts- und Jnsertionsbeträge sind in Wien zahlbar und klagbar. Erscheint jeden Areitag. . Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ Vezngspeeis: i Ganzjährig .K 14.- I Halbjährig .K 7.— i Für Knltnsbeauite: j Ganzjährig .K 10.- Für Ausland: j Ganzjährig ■ .8 Mark | 6 Rubel ober 18 Frcs. Ar. 48. Wie», 10. Dezenrber 1009. Inhalt: Chaiiuka. — Aus der Woche. — Die Zukunft. — Heimstätten für jüdische Kinder. — Das Leben und Wirken der Juden in Oesterreich in vormärzlichen Zeiten. — Die russischen Juden in Paris. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Austritte aus dem Judeutume. — Feuilleton: Ein neues Licht. Channlr». So oft die glorreiche Geschichte der Makkabäer uns erzählt wird, erfüllen Gefühle der Freude und des Stolzes unser Herz; denn fast beispiellos sind in der Weltgeschichte solche Heldentaten eines kleinen, aber in seiner Gottesliebe und Glattbensstärke großen Volkes. Wohl hören wir von Leistungen großer Männer und Völker, doch gerade in den Kämpfen Matthisjahus und seiner Heldensöhne zeigt sich deutlich wahrnehmbar der wundersame Schutz Gottes. Das stammverwandte Syrien ließ sich öfter verleiten, gegen uns mit List nnb Gewalt vorzugehen, doch der Erfolg war weder zur Zeit des Nord- und Südreiches noch in der nachbiblischen Zeit von Dauer. Die hellenistische Strömung war für -den Orient wie besonders für Israel in kultureller Beziehung von mannigfachem Nutzen, aber mit Rücksicht ans ihre Tendenz, alles zu nivellieren, wirkte sie höchst schädlich. Israel wehrte sich auch damals nicht gegen die schöne Sprache Griechenlands, doch gegen die Vernichtung seiner religiösen und natio-! naleu Kultur mußte es sich wehren, wollte es sich nicht selbst! begraben. Ein Volk, das als Träger des Gotlesgedankens die heiligste Sendung hat, kann unmöglich sich selbst und seiner Sendung soweit untren werden, daß es bei Abschätzung und Vergleichung zweier Kultnren, so ganz geblendet vom äußeren Glanze, seiner eigenen unschätzbaren Kulturgüter sich begeben könnte! Darum halfen des Königs Antiochus Epiphanes List und Drohungen nichts, Israel zog den leiblichen Tod dem geistigen Untergänge durch Götzendienst vor. Israels gesunder Sinn und Erhaltungstrieb hat auch! damals (166) Rettung gebracht und Matthatias und seine Söhne | reihen sich würdig den großen Männern in Israel an, die ihres j Volkes Größe und Bestgnd als suprema lex betrachteten. Diese j großen Männer haben tinsim Rate der Völker Achtung und j Liebe erworben, da sie allen großen Gütern der Menschheit j Achtung und Liebe bezeugten, eitlem Wahne aber, als der > Wahrheit Zeugen, unerbittlich entgegentraten.Nach mancher Verräter Meinung hätten sie wohl damit gefehlt und ein „Unrecht" an der Menschheit begangen, doch vor der Weltgeschichte und dem Sittentribnnal stehen sie rein da, da sie nur ihre Pflicht gegen Gott und ihre Väter getreulich erfüllten. Dieselbe Geschichte in allen Jahrhunderten! Wie damals, so will man uns heilte von unserem Volkstum, unserer Lehre und Kultur abbringen und lockt uns und droht und hetzt. „Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt." Auch heute ist der Abfall groß, doch entmutigen darf uns dies nicht, und sollten alle untreu werden, so bleiben wir treu unserem Stamme, unseren Vätern, die für uns gelitten und gestorben. Warum sollten wir uns denn selbst verloren geben und verzagen, zn.u Wohlgefallen unserer Gegner? Einst versprach mir ein hervorragender Theologe und Sprachforscher eine glänzende Zukunft, Stellung und Versorgung, falls ich geneigt wäre, eine „kleine" Bedingung zu erfüllen, und er bot mir gleichzeitig eine Karte an einen hervorragenden Mann an, der heute in Ungarn Bischof ist. Ich hatte damals bittere Zeiten zu durchleben, aber da gab es für mich kein Zögern, trotz der Verhältnisse Mißgunst erklärte ich dent von mir hochgeehrten Meister klipp und klar, um diesen Preis gäbe es für mich kein Glück und keine Zukttnft. Ich erwähne diese Episode ans meinem Leben hier nur zu dem Zwecke, um den Eifer dieses großen Mannes zu zeichnen, einen Eifer, den ich gar oft vergebens bei utlseren Brüdern suche. Unsere großen Männer sollten mit aller Macht ihres Einflusses nach oben und unten für die großen Ideen unseres Judentums eintreten, ausklärend und versöhnend, ausgleichend und beruhigend wirken, sie sollen für die Erhaltung des Judentums, seine Gleichstellung und Förderung in jeder Weise eintreteit. damit eilt chanukkas hamisbeacli eine Wethe unseres Gottesaltars gefeiert werden könnte im Bewußsein einer Zukunft des Judentums! Leider müssen wir aber gar traurige Dinge sehen und für die Zukunft unseres heiligen Glaubens ernstlich fürchten, einmal bei der Unkenntnis im eigenen Lager, dann der Umgebung, die uns aufzusaugen sucht und alle Mittel der Gewalt und List, oft ohne den Vorwnrs der mala fides hiezu benützt. Gibt es doch genug gottesfürchtige Leute unter den anderen Konfessionen, die in der „Bekehrung" der Juden das gottgefälligste Werk sehen. Können und sollen wir diese Leute darüber belehren, daß wir gerade jenen Glauben Hochhalten und bewahren, von dem auch nicht ein „J-Tüpselchen" geändert werden soll! Können wir sie zu der Wahrheit briugeu, daß wir die religiösen Satzungen und Gesetze so halten, wie es nur möglich und tunlich ist und wir den wahren Glauben, jenes Judentum haben, wie es uns seit den ältesten Zeiten in unseren Schriften und auch in denen des neuen Bundes geschildert wird. Wir können, um nicht in eine erfolglose Polemik zu geraten, uns den vielerörterten Begriff des „wahren Israel" ersparen. Nur um aus die große Bedeutung der Begeisterung für des Glaubens Ausbreitung hinzuweisen, erwähnte ich obige vielsagende Tatsache, die in meinen Augen auch für uns viel Nachahmenswertes hat, obgleich Proselytenmacherei uns ferne liegt. Doch im eigenen Lager sollten wir den tiefen, ewigen Wert unseres