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Die Wahrheit · 1909-12-03 · Heft 47 (3.12.1909) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 47 (3.12.1909)
Date
1909-12-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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Nr. 47. Oesterr.-nugar. Kantoreu-Zeitimg. Seite 1JL „Molen". Von Ed. Birnbaum. I. Der polnische R i t u § u n b sein Sy nag ogengesang im Kreise der mittelalterlichen Sy nagogen-Riten. Fortsetzung. *) In einem Vortrage „Die Verdienste der Gaonen um die jüdische Liturgik und den Synagogeugesang", von dem ein Auszug in Klausners „Israel. Wochenschrift", 1903, Nr. 4, erschienen ist, habe ich die historischen Momente ihrer Verdienste um die Liturgik zusammengetragen, so daß ich hier, um mich nicht zu wiederholen, auf die dortigen Ausführungen Hinweisen möchte. Am aber festzustellen, welche Stücke des polnischen Ritus g a o- | näischen Ursprunges seien, brauchen wir nur bei R. I e h u d i G a o it (756) stehen zu bleiben, da wir ihn bereits viel Liturgisches ordnen seben. So spricht er bereits vom tadelfreien Vorbeter (p3.i pp), ordnet die Vorlesung ans der Thora, sagt, man müsse aus den Vortrag des Vorbeters hinhören, um den Pflichten der Andachtsverrichtnng zu genügen, kennt die Ordnung der Morgenpsalmen cnaa), das iB’32n8 für den Neugeborenen, das nasV -pro für den Barmizwah, das Gebet abiyn 2"y “pba bewertet die S t i m m e des Vorbeters •(2-ij? ibipi 2-2 s'2!2 13’kip P"V). bestimmt die Fastenregeln, meint aber, Gott wolle die Buße, wenn auch ohne die vielen Fasten I u. s. w. R. Chaninai (765), Verfasser des Midrasch j Espho, erwähnt die Regel, iratra nach yoip leise zu sagen (Rokeach, Nr. 320), ebenso .-,2-1 ronx für den Morgen und! für den Abend. R. M o s ch e K o h e n (auch R. M e-! s ch a r s ch i a genannt, 830) bestimmt, die Gemeinde könne! sich in Bezug der Gebetverrichtnng auf den Vorbeter st ü tz e n, , berichtet, daß die Synagoge auch ara snpa genannt werde, j kennt bereits die Gebete ^arrrp -p-12 ,ni2n pa .pan nia. (Dieser j Modim war, wie später nachgewiesen werden soll, die Ursache, , daß der Wiener Rabbiner R- L i p m a n n Heller sein Nabbiuat! von Wien ansgeben mußte). Ebenso das p-rrr pna. R. Joseph! b. Chinen a (828) erwähnt, daß man ayi3 ’.ti am Sabbatabend; vor a"mn nicht bete. R. K o h e n Z e d e k (837) bestimmt, daß! man nur dann „Amen" sagen darf, wenn man den ganzen i S e g e n s s p r n ch vom Vorbeter gehört habe, daß man! die Beschneidung in der Synagoge zu vollziehen habe, daß; man in den zehn Bußtagen „8 e 1 i c h o t h", -3-127 rc. bete,! macht einen Unterschied zwischen ama niya und den n-bpip. Auch; er stellt bestimmte Fasttage in das Belieben des Einzelnen, i R. P a l t 0 i (855) führt die Opferverse für das Mnsaph-! Gebet ein, ebenso das Waschen der Hände, wenn man den Friedhof verläßt und erwähnt z 1111t e r st e n M a l e d a s n-,3 82 Gebet, über welches ich dieser Tage einen Vortrag hielt, der in den jüdischen Blättern im Auszüge erscheint und darum hier übergangen werden kann. R S a r S ch a l 0 m (847) erwähnt'die sabbatlichen „Periüopen der Väter" und das Privatlesen des Wochenabschnittes (maao, welche Sitte zur Verbreitung der Kenntnis der Tonzeichen und ihrer „T r 0 p e n" lrn3'33) viel beigetragen haben mag. (Ueber die Geschichte derselben vgl. „Israel. Wochenschrift". 1902, Nr. 26, meine „einleitenden Worte zu den liturgischen Uebuugen. II."). Er kennt auch: -jnpnx, Ordnungen für Fasttage und Piutim, Segenssprüche für Hochzeiten, die Mnsaph-Lednscha auch für Neila, das feierliche Ein- und A.nsheben der Thora, das jam -|8a, bestimmte Zeremonien beim Lulaw, das Schwören in der Landessprache, daß der Leidtragende den ersten Sabbath seiner Tranerwoche das Gotteshaus besuche. Auch erklärt er ein Musiki n st r ii m e n t (s. Arnch: snp). R. Nitro n a i (857) läßt selbst einen Barmizwah zum Vorbeterdienst zn, kennt für die verschiedenen Feste (Purim und 2-2 eingerechnet) verschiedene Piutim, eine Schacharith- und eine Musapli-Keduscha, das ns3ap .abiyp *n -p-12 .raiasi na« mit anderer Lesart, die Art, beim Taclianun das Haupt zn neige N13-NL —p=nn, Einführung der n->'V nach den Morgenpsalmen -inrr nn« »ina mxr, Zeremo- *) In Nr. 44, S. 11, 1. Sp., Z. 6 v. u. lies: Boigt; das. 2. Sp. Z. 29 lies: „feierlichen" (nicht „feindlichen"); Z. 40 lies: '8322; Z. 52 lies: „aller" nicht „alter". nien bei. der nb-on, die a-v rm-r, die Uebersetznng der n:rmi na, Süßigkeiten für Neujahr und die „L apar a"-Zeremonie vor 2“T, die A b o d a und Selichoth (7 für Schacharith, 5 für Musaph, 3 zn Mincha), eine Gemeinde-Laubhütte für fremde Gäste u. s. w. Aber erst R. Amram Gaon (865) haben wir ein „Gebetbuch für das ganze Jahr" rubaa na> (nba N3L7 bv 872821 mit einer Auswahl von Pi nt i IN rc. zn verdanken, auf das näher eingegangen werden muß, bevor wir auf den „polnischen Ritus" in seinen einzelnen Bestandteilen zu sprechen kommen. (Fortsetzung folgt.) Kiteratnr. Sammlung preisgekrönter Märchen und Sagen. In reicher und überaus gefälliger Ausstattung har die Jllgendschrifteiikommisfion des U. O. B. B. diese Sammlung herausgegeben. Sie ist bei Löwe in Stuttgart erschienen. Kein jüdisches Haus, in dem Kinder sind, sollte versäunren, dieses reizende Buch anznschaffeu. Der Jnhalr ist des prächtigen Gewandes würdig. Die meisten der Märchen haben Jakob Lewy zum Verfasser. So Isaak; Der Talisweber; Die Wunder des Lichts; Durch den Erdball; Die Hawdolohwunder; Das Haus zu den zwei Löwen; Die Kamee; An den drei Eichen. Das sind durchwegs ganz prächtige, liebliche, duftige, sinnige und an Lehren reiche Dichtungen. In allen weht tiefe Poesie und auch der Geist jüdischer Tradition. Die Sitten, heiligen Gebräuche, die Feste und Feiern sind in ihrer wahren, verklärten Gestalt gesehen und gezeichnet: da kommen die Lewjathan- und Sambarjonsagen zn plastischem Ansdruck und alle Figuren jüdischer Sage und Legende werden bewegt und lebendig. Wie herrlich ist die Erzählung der alten Lehrer und Dichter vom Lichtgewande Gottes im „Talisweber" verwendet! Wie rauscht das Meer mit dem Urtier Lewjathan und wie brausen die Steinwellen in dem Sambatjon in „Durch den Erdball"! Wie leuchtet das Hawdolohlicht und die Meuorah in den Erzählungen vom „Hawdolvhwunder" und im „Wunder des Lichts"; wie schön ist die Wirkung des wahren Gottvertranens in „Die Kamee" zum Ausdrucke gebracht. Fast keines der jüdischen Feste bleibt unberührt und alle geheiligten-tGebränche werden, wofern sie dessen bedürfen, in der voesievollsten Weise vorgeführt. Und alles in selbstverständlicher, im Zusammenhänge der leicht hinfließenden Erzählung sich selbst ergebender, tendenziöser Form und Weise, die man schon meisterhaft nennen darf. Und wie prächtig klingen da die echchebräischen, klassisch-biblischen Namen der kleinen und großen Helden und Heldinnen dieser Sagen nnd Märchen. Würdig schließen sich Lewy's Dichtnngen die von Heinrich Reuß an: Salomo und das Heimchen; Ammi nnd Ruchamah; Bür Schoferbläser und der Riese Og. „Im Trödelkeller" von Else Urg gehört zu den allerfeinsten Stücken nach Aufbau nnd Jnhalr. Man sieht, es läßt sich aus dem alten Judentnme und dessen Ueberliefernugen, die in den Kreisen der Frommen noch lebendig sind, wahrhaftige Poesie gestalten. Nur schade, daß diese Poesie den meisten der kleinen Leier und Leserinnen wirklich nichts anderes ist als Märchen aus alten Zeiten, das sie im wirklichen Leben niemals kennen gelernt haben, noch auch kennen lernen lverden. Ich möchte das Buch nicht allein den Kindern, sondern auch den Eltern wärmstens als Lektüre empfehlen. Vielleicht werden manche daraus den Eigenbesitz schätzen lernen, den übereifrigen Tradillonsverächtern. denen das ganze alte Judentum Plunder und Trödelkram ist und denen wir Beobachter nnd Hüter dieser Ueberliefernng als so possierliche Narren, Haarspalter und Mückenseiher erscheinen, daß s l e sich himmelhoch erhaben dünken über solch' erbärmlichen Zwergen nnd mnfsigen Menschlein, die nicht würdig sind, in den glorienumflosienen Kreis der Auserwählten zu treten — diesen möchte ich die Frage vorlegen, ob es möglich gewesen märe, diese lieblichen Dichtungen ohne Tradition zu dichten; nnd ferner, ob man dieses praktisch-ideale Rüstzeug sich vielleicht aus der blankgepntzten Rüstkammer des eisigen Rationalismus besser zu holen vermöchte, als wie aus dem erprobten Vorrat der alten Zeit. Diese Zagen und Märchen sind mehr als das. Sie sind — insbesondere für die jüdischen aufgeklärten Absolutisten — ein kräftiger Mahnrns aus dem deutschen Reiche, wo man es versteht, die Inden zn erziehen und mit ehrlichen Mitteln zn gewinnen. Dr. F e n ch t w a n g. Geschichte der badischen Inden seit der Regierung Karl Friedrichs (1738—1909) von A d 0 l f L e w i n. Kommissionsverlag der G. Brannschen Hofbuchdruckerei ln Karlsruhe, geb. 6 Mark. Für die Jahrhundertfeier der badischen Landessynagogen hat der Großherzogliche Oberrat der Israeliten die Herausgabe einer Geschichte der badischen Juden im neunzehnten Jahrhundert beschlossen und dem Freiburger Rabbiner ihre Abfassung übertragen. Herr Dr. Lewin hatte bereits durch seine Schrift „Inden in Freibnrg" die Aufmerksamkeit ans sich gelenkt nnd er hat auch durch das vorliegende Werk das in ihn gesetzte Bertranen glänzend gerechtfertigt. Eine der interessantesten und folgereichsten Perioden in der Geschichte der deutschen Juden hat hier eine Bearbeitung gefunden, die jedem Gebildeten hochwillkommen sein wird. Gründliche Benützung der Quellen, schöne, fließende Sprache, objektives, reiches Urteil — alles ist hier vereint, um das Werk belehrend und genußreich zn machen. Dr. K a h a n, Znaim. Vereins-Zahnarzt Dr. Max Weisz. Wien, II., Circuegasse 47. Ordination von 9—6. Telephon 4157/VH 1.

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