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Die Wahrheit · 1909-11-19 · Heft 45 (19.11.1909) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 45 (19.11.1909)
Date
1909-11-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 45 Die Wahrheit Seite 7. Mit Rücksicht auf die großen Ziele, die der angekündigte Kongreß für hebräische Sprache und Kultur zu erreichen strebt, hat das vorbereitende Komitee in einer besonderen BeramnK, an der u. a. auch Herr Achad-Haam teilnahm, auf Grund eigener Erfahrungen und verschiedener Zuschriften den ein^ stimmigen Beschluß gefaßt, für die Tagung des Kongresses statt des Dezembers den S o m m e r 1910 zu wählen und vorläufig für den 19. Dezember d. I. und die folgenden Tage eine große Konferenz in Berlin einznberufen, die nicht nur die Durchs führnng des Kongresses, sondern auch bereits alle Organisation^^ arbeiten in die Hand nehmen soll. Die Griinde für diefett wichtigen Beschluß lagen hauptsächlich darin, daß sich sowohl die Wiuterzeit als insbesondere der kommende Dezember für di^ Abhaltung eines hebräischen Kongresses als ungeeignet erwiesen haben. Wenn es uns anfangs schien, als ob sich die Zeit kurz vor oder nach dem Zionistenkongreß für den hebräischen besonders eigne, da ein erheblicher Teil der zionistischen Delegierten an ihm teilzunehmen beabsichtigt, so haben wir uns bald von den schweren Bedenken überzeugen müssen, die der Praktischen Verwirklichung unserer Absicht gerade zu dieser Zeit int Wege stehen. In Anbetracht der Dauer des zionistischen Kongresses und seiner landsmannschaftlichen und sonstigen Vorkonferenzen war für den hebräischen Kongreß, der für einen normalen und würdigen Verlauf und zur Erreichung praktischer Ergebnisse mehrere Tage braucht, ein solcher Zeitraum nicht sestzusetzen, ohne mit den Veranstaltungen der Zionisten zu kollidieren. Andererseits hat es sich ans Grund zahlreicher Zuschriften ans nichtzionistischen Kreisen heransgestellt, daß der hebräische Kongreß rm Winter auf eine Reihe bewährter Kräfte verzichten müßte. Mit unserem Beschlüsse glauben wir darum, die Ansichten der Majorität derer, welche für die Organisierung der nationalen hebräischen Bestrebungen wirken wollen, getroffen zu haben, und eine Rundfrage bei den Unterzeichnern des ersten Appells hat unsere Voraussetzung bestätigt. Die Konferenz jedoch, die vom 19.—21. Dezember (tu den Sofiensälen in Berlin, Sophienstraße 17/18) stattfiudet, wird die Allfgabe haben, bereits in diesem Winter zu einer großangelegteu organisatorischen Arbeit überzngehen, um dem -Svmmerkongreffe mehrere wichtige Unternehmungen zur Sanktionierung vorznlegen, für deren Verwirklichung wir schon setzt vorbereitende Schritte tun und in Unterhandlungen getreten sind. Die Aufschiebung des Kongresses bedeutet demgemäß ans keinen Fall einen Stillstand in der Arbeit, sondern nur ihre planmäßige Durchführung. Wir glauben mit Bestimmtheit, daß der Kongreß bereits vor einem fait accompli gewisser Leistungen stehen und das Werk in erhebender Weise krönen wird. Alle diejenigen, die mit uns in Verbindung getreten sind, werden wir von Zeit zu Zeit durch spezielle Mitteilungen vom weiteren Gange unserer Arbeiten auf dem Lanfenden halten. Verschiedene Uachrichten. Wien. Predigt im Leopoldstädter-Tempel, Freitag abends, den 19. November. Wien. Predigt im Floridsdorfer-Tempel, Freitag abends, den 19. November. Wien. (B e k l e i d n n g s s e st.) Die immer mehr zunehmende Würdigung, deren sich das ersprießliche Wirken des Vereines zur Bekleidung und II n t e r st ü tz u n g armer alter Männer israelitischer Konfession sowohl bei den maßgebenden Faktoren der öffentlichen Wohltätigkeitspflege, als auch im großen Publikum ersreut, fand in dem außerordentlich zahlreichen Besuche des am 14. d., 3 Uhr nachmirtags, im Festsaale des „Hotel Continental" stattgehabten Bekleidungsfestes, beredren Ausdruck. Unter den Anwesenden bemerkre man den Präsidenten der Kultusgemeiude Dr. Alfred Stern mit dem Vizepräsidenten Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, Gemeittderar Ferdinand K l e b i n d e r in Vertretung des Bürgermeisters. Bezirksrar Heß in Vertretung des Bezirksvorstehers des II. Bezirkes, Rabbiner Dr. S ch m i e d l, die Kultus- Vorsteher Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer, kaiserl. Rat^Jonas Weil, kaiserl. Rat Wilhelm P o l l a k, Adolf Schrämet, S. s t e i n e r und Emanuel G r ü n w a l d, Bethausvorsteher W a s s e r v o g e l, die Vorsteher der Chewra Kadischä S. Simon und Leopold Otto, Vorsteher Franz Frau k l vom IV. Bezirke, Oberlandesgerichtsrat Dr. «s v i tz k o p f. Regierungsrat Dr. Schlag, Rabbiner Dr. Friedländer. Oberkautor Baue r, Oberkantor G u t t m an n, Kantor L ö w i t, Amtsleiter F r eist a d r l, kaiserlicher Rat W a i z n e r, Armenrat Mens ch, Delegierte der Vereine „Nächstenliebe" (Obmann R o s e n b l a t t). „Monkefiore" (Vorsteher Arnold G u t t m a n n), Witwen- und Waisenverein „Montefiore" (Vorsteher M ü h l r a d), Leopoldstädter Frauenverein rc. Ihr Fernbleiben hatten entschuldigt: Oberrabbiner Dr. Güdemann. die Rabbiuen Dr. Feuchtwang und Dr. Rosen m a n ii. der Präsident der Chewra Kadischä Salo Cohn, Reichsratsabgevrdneter Dr. Ofner rc. Die Feier begann mit der Absingunq des Chores „Die Ehre G o r t e s" durch den Wiener Kaufmännischen Gesangsverein unter Leitung des Chormeisters Ritter von H e u r i g n e z: die Harmoniumbegleitung hatte m bereitwilligster Weise Proseffor S. Storch übernommen. Hierauf trug Herr Theodor Weiß vom Deutschen Volkstheater mit überaus seiner Pointiernng und künstlerischer Vollendung ein von Herrn Rabbiner Dr. Adolf S ch m i e d l verfaßtes Festgedicht: „Was die Bäume sich erzählen", vor. das zn Ovationen für den anwesenden greisen Dichter und den Vortragenden Anlaß gab. Stürmische Begeisterung erweckten die hierauf folgenden geistreichen Erläuterungen des Herrn Dr. Schmied! zn seinem Festgedichte. Als der Beifall sich gelegt hatte, begrüßte der Bereinspräsident. Herr Isidor Schwarz, die Festgäste und zeichnete in knappen Umrissen die Wirksamkeit des Vereines, die von der Devise geleitet werde, in diskretester Weise möglichst rasche und ausgiebige Hilfe zu leisten. Die hierauf folgenden gesanglichen Darbietungen des Wiener Kaustnännischen Gesangsvereines, der in drei Chören seine schon oft bewunderte Sangeskunst unter der trefflichen Leitung seines umsichtigen Chormeisters neuerlich bewies, wurden lebhaft akklamiert. Die beiden Solisten, Herr Eduard N e u m a n n (Bariton) und Herr Kanror Gotthold F r i e d l ä u d e r (Tenor), überraschten durch ihre schöneu Stimmen und besonders der einschmeichelnde Ton des letzteren Sängers kam trefflich zur Geltung. Am Klavier saß das Bereinsuntglied Herr Nevtou B e r r e l h e i m. Herr Oberkautor G u t t m a n u, der das „Gebet des Valentin" ans dem „Faust" zum Bortrage brachte, harte einen besonders guten Tag und seine glänzenden Stimmittel, wie auch sein empfindungsvoller Vortrag fanden stürmischen Beifall. Die Klavierbegleitung besorgte in diskreter Weise Frau RegrneS chrvager. Nachdem das künstlerische Programm absolviert war, schloß die erhebende Feier mit Worten der Anerkennung seitens des Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, des Gemeinderares K l e b i n d e r und des Regierungsrares Dr. Schlag für das hnmamläre Wirken des Vereines, der in feinfühliger Weise auch bei dem heutigen Feste seine Schützlinge nicht zur öffentlichen Schaustellung brachte. Beitrittserklärungen und Spenden werden in der Bereiuskanztei, II. Bezirk. Zirkusgasse 30, entgegengenommen. Wien. Samstag» den 13. d. M.. fand in der Toyubee-Halle ein Konzertabend statt, der den Mitwirkenden wohlverdienten Beifall brachte. Das geschmackvoll gewählte Programm wurde vou den Damen: Fräulein Heller und Frl. Kirchhoser (Gesang), Frl. Wodniansky (Klavier) und die Herren: Adolphe Wiener (Violine) und M. Ankini (Gesang) bestritten. Das Accompagnement der Gesangsvorrräge besorgten in dankenswerter Weise Frau Else Freund-Funk und Frl. Ringelheim. — Das nüchstwöcheutliche Vortragsprvgramm wurde wie folgt festgesetzt: Samstag, den 20. d. M.. Konzert, Arrangement Frau Gesaugsmeisteriu Else Freud- Funk. Souiltag, den 21', Jilgenieur Josef W e i ß m a n u : „Die Lyrik ui der Literatur der ostjüdischen Volkssprache." Montag, den 22., Dr. Heinrich G r ü u: „Medizinisches des Alltagslebens." Dienstag, den 23.. Oberlehrer M. G r ü n s p a u : „Elternabend." Mittwoch, den 24., Proseffor Otto Simon: „Zufall und Notwendigkeit." Donnerstag, den 25.. Kantor I. Grob: „Jüdisches in Literatur und Musik." Freitag, den 26.. Dr. G. F r e u d m a u u : „Bibelvortrag". Wie». (I. G e s e l l s ch a s t S k o n z e r t). Die Siegeshymue. die der Prophet Moses und die Kinder Israels nach ihrem Auszüge aus Egypten und nach dem Verderben ihrer sie verfolgeudeu Feinde durch die Wässer des Meeres anstimmren, bildet bekanntlich den Text zu dem großen Oratorium vou G. F. Händel „Israel in Aegypten", das im I. Gesellschaftskonzert zur Wiedergabe gebracht wurde. Die Erläuterung, die die k. k. Gesellschaft der Musikfreunde jedem Besucher einhäudigte, enthält unter anderem den Passus, daß das Werk in diesen Konzerten zuletzt am 16. November 1890 ausgesührt wurde, nachdem es früher 1870 zu Gehör gebracht worden war. Während der 20 Jahre, die es den Schlaf des Gerechten schlief, har das Oratorium au Interesse nichts gewonnen, trotzdem es vielfache Schönheiten aufiveist; da aber die Mängel die Ueberhand behaupten, konnte der erhoffte Erfolg nicht erzielt werden. Der Hauptmangel liegt in dem Umstande, daß jeder Chor, jedes Solo als Emzelnummer uns elltgegenklingen, statt, wie gewohnt, sich gegenseitig zn ergänzen. D:e vielen Kunstpausen stören den Eindruck, man wird von der Handlung abgelenkt. zumal diese auch nur auS dem Gebetstücke herausgerissen erscheint und hiedurch wird die Aufmerksamkeit sehr herabgedrückr. Zu alledem gesellt sich noch der Umstand, daß die Solopartie» nicht mit erste» Kräften besetzt waren, welche Beobachtung wir leider bei diesen Konzerten alljährlich machen. Diese Partie» haben keinen bedeutenden Umfang, verlaugeu aber doch tüchtige Interpreten. Sollte es einer musikalischen Körperschaft von dem Range der k. k. Gesellschaft der Musikfreunde wirklich nicht möglich sein, für ihre 6 oder 8 Konzerte Namen von Klang und wahrhafter Größe zu finden und für diese Konzerte zu gewinnen? Am besten und jedenfalls stimmungsvoll erklangen die mächtigen Chöre, die Studium verrieten. Gleich der erste Chor „Und die Kinder Israel schrien in ihrer harten Knechtschaft" wirkte trefflich; die Schwierigkeiten der. Fugen und Fugetten wurden mit Leichtigkeit überioältigt. Ebenso die andereir Chöre, z. B. der reizende Fliegeuchor, dessen ppp Bewunderung erregte, oder das 1. Finale, der Dank des geretteten Volkes, das namentlich durch seine Steigerung immer imvonieren wird. Die große „Lcüiro" fand im 2. Teile ihre hochdramatische Fortsetzung, allein die Wiederholungen und der sich immer mehr fühlbare Mangel an allen Anforderuiigen entsprechenden Solisten ließen nach und nach einer Abspannung Umfang gewinnen, so daß die Schlußuummeru

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