Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 43 (5.11.1909)
- Date
- 1909-11-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3063469-3063512--06339-3073335- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 43. Oesterr.-nngar. Kantoren-Zeitnng. Seite 9. Im Interesse der Erhaltung des Fachblattes werden die geehrten Herren Kantoren dringendst ersucht, das Abonnement für das am 1. Oktober begonnene 4. Quartal umgehend einznsenden. Die Redaktion. Gin vierzigjähriges Amlsjnbiliinm. Am 3. Oktober l. I. feierte Herr Oberkantor Josef Steiner in Gr.-Meseritsch das Jubiläum feiner 40jährigen Amtswirksamkeit in dieser Gemeinde. Ans diesem Anlasse hatten schon lange vorher Beratungen der Knltusgemeiude-Vertretung und sonstige Zulüftungen seitens der vornehmsten Frauen stattgesunden, um die Jubelfeier würdig begehen zu können, welche gemäß Beschluß des Kultnsvorstandes mit einem feierlichen -Gottesdienste eröffnet und mit einem Bankett beschlossen werden sollte, bei welchem dem Jubilar in Anerkennung seiner hochverdienten, langjährigen und ehrenwerten Tätigkeit als Ober- 'kantor. Sekretär nnd Religionslehrer an der Volks-, Bürger¬ und Oberrealschnle ein Ehrengeschenk nebst Ehrendiplom überreicht werden sollte. In Vertretung des mährischen Kantoreuvereines, dessen langjähriger Schriftführer Herr Steiner ist, hatten sich hierorts eingefunden: dessen Präses Herr Oberkantor Heller aus Brünn mit seinem Quartett, dann der Präses-Stellvertreter Herr S t ö ß l e r-Nen-Ranßnitz und die Ausschnßmitglieder Löwy - Mähr.-Ostran, L ö w e n s o h u - Eibenschitz und F u ch s- Trebitsch, ferner die Familienangehörigen, Verwandte und Freunde des Jubilars, dem im Lause dieses Tages zahlreiche Glückwünsche persönlich und telegraphisch zukamen. Der Knltusvorstand eröffnete die Feier, als er unter Führung des Knltnsvorstehers Herrn I. G. Müller den Jubilar ans seiner Wohnung abholte und in den in allen Räumen festlich beleuchteten und dicht gefüllten Tempel zu seinem mit Reisig. Kränzen und Blumengewinden reich dekorierten Sitze geleitete. Im Tempel waren anwesend: der k. k. Statthaltereirat Frei in Vertretung der k. k. Bezirkshauptmannschaft, der Bürgermeister Cer m a k in Vertretung der politischen Ortsgemeinde, mehrere hohe Militärs, der gesamte Kultus-, Tempel- und Chewra-Kadischa-Vorstand, sowie die Vereinsvorstände, der Ortsschnlrat mit seinem Obmann Herrn Emil K a l l a b, Alfred ,Kallab und Familien, Schüler und Lehrer der Volks-, Bürgernnd Realschule, Beamte, Honoratioren und ein großer Teil der Bevölkerung. In gewohnter, meisterhafter Weise intonierte Oberkantor .Heller mit seinem Quartett das Mah. towu, trug das Abendgebet vor und schloß mit einem von ihm selbst komponierten vierstimmigen Psalm, der ans alle Anwesenden einen mächtigen Eindruck übte. Tief bewegt ergriff nun der Jubilar das Wort zu folgender Rede: „Hochgeehrte Festversammlung! Ueberwältigt von der Wucht der aus mich einstürmenden Gefühle, vermag ich es kaum, meinen Gedanken entsprechend Ansdruck zu verleihen, und nur die meine Angen überströmenden Tränen können die Tiefe der Empfindungen bekunden, die in diesem erhebenden, weihevollen Augenblicke mein Herz und Gemüt beherrschen. Ich werfe einen Rückblick auf die Vergangenheit, auf jene Zeit, da ich diese geheiligte Stätte — den Ort meiner langjährigen Wirksamkeit — als Jüngling freudig und hoffnungsreich betrat. Vier Jahrzehnte sind darüber hinweggegangen. Wenngleich ich mit Wehmut der entschwundenen Jugendzeit gedenke, wenn auch mein Haar vor Alter gebleicht und meine Kraft geschwächt ist, so erfüllt dennoch Befriedigung meine Seele; denn ich habe den edlen Beruf erwählt und ansgeübt, von dem es in der heil. Schrift heißt: "i n*w\ Gott zu dienen im Heiligtum itnd in der Schule durch Pflege und Förderrtng der religiösen und patriotischen Gefühle bei Jung und Alt. Meinen Brüdern zil dienen, war mir beschieden, denn meine Fähigkeiten und Kräfte habe ich dieser Gemeinde gewidmet, der ich selbst entstamme und die mir über alles lieb und teuer ist; denn es ist ja meine Heimatsgemeinde. Und frage ich mich: Bist du deinen vielseitigen Pflichten in dem langen Zeiträume von 40 Jahren auch gerecht geworden? so gibt mir der heutige Tag hieraus die klare und unzweideutige Antwort. Denn was bedeutet dieser Festtag mit all seinen Begleiterscheinungen anderes, als die ehrende Anerkennung, die Schätzung und Würdigung meiner bescheidenen Verdienste? Und all die Ehrungen, die mir in erster Linie von meiner mir lieben .Heimatsgemeinde, dann von nah und fern in überaus herzlicher Weise zuteil wurden, sie erfüllen mein Herz mit Freude und Befriedigung, sie sind für mich erhebend lind beglückend. Und dankbar wende ich meinen Blick zu Gott dem Allmächtigen, ,-ir.i arn '-iiFv «m nmn, der mich behütet, seitdem ich bin, bis ans diesen Tag. avn •’papaai und aus der Tiefe meines Herzens rufe ich ans: runtrb» "b ’nm ra -pn«. Ich danke dir, daß du mich erhört und mir Hilfe und Beistand warst." Der weitere Inhalt der Rede enthielt Danksagungen an den Kulms-, Synagogennnd Chewra-Kadischa-Vorstand für das bisherige Wohlwollen; an die hochherzigen Damen für die Opfer an Zeit, Mühe und Geld; an den durch Stellung und Leistungen hervorragenden Oberkantor Heller für Veranstaltung des feierlichen Gottesdienstes; an die erschienenen Kantoren für die betätigte kollegiale Gesinnung; an die Funktionäre und Chormädchen für werktätige Unterstützung des Jttbilars in Ausübung seiner Berusspflicht; an alle, die sich um Veranstaltung dieser Festesfeier bemüht nnd alle, die hieherkamen, ihn zu ehren. Der Jubilar versprach auch fernerhin pflichteifrig zum Wohle der Gemeinde zu wirken, so lange ihm Gott Kraft nnd Gesundheit verleihe, und beschloß seine Rede mit einem inbrünstigen Gebet um göttlichen Segen, Glück und Wohlergehen dieser Gemeinde, dieser Stadt, ihrer Vorstände, Behörden rc., des Gesamtvaterlandes, zum Heile des Reiches, zum Heile Sr. Majestät des Kaisers. Abends fand sich eine illnstre Gesellschaft im „Hotel Wachtl" zum Bankett ein, bei welchem Herr Kultusvorsteher I. G. Müller unter einer ergreifenden Ansprache, die ihn selbst tief bewegte, dem Jubilar in Anerkennung seines langjährigen. verdienstvollen Wirkens im Namen der Gemeinde ein wertvolles Geschenk in Gold überreichte. Weitere Ansprachen nnd Ehrengeschenke erfolgten: vom Oberkantor Heller im Namen des mährischen Kantoreuvereines, vom Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Moritz W a ch t l als Präses des humanitären Vereines der Groß-Meseritscher in Wien nebst einem ehrenden Geleitschreiben; von den Chormädchen, welche dem Jubilar ihre Photographie in einem prachtvollen Bilderrahmen überreichten. Gekrönt wurde die Feier des Tages mit der Auszeichnung, welche dem Jubilar durch Verleihung der „Morenu" seitens Sr. Ehrwürden des mährischen Landesrabbiners, Herrn Dr. P l a c z e k, zuteil wurde. Während des Banketts erschienen Schüler und weißgekleidete Schülerinnen, und das Schulmädchen Olga Löffler überreichte dem Jubilar in einem unter Schluchzen vorgelragenen Gedichte, das alle Anwesenden zu Tränen rührte, ein prachtvolles Blumenbukett. Sodann folgte die Verlesung der zahlreich eingelangten Glückwunschtelegramme, Gratulationen rc. Toaste, Ansprachen und Gesangsproduktionen brachten in die illnstre Gesellschaft, die bis lange nach Mitternacht beisammen blieb, eine recht animierte Stimmung. Rühmend hervorzuheben ist das harmonische Zusammenwirken aller Faktoren, insbesondere die dankenswerte Tätigkeit der hochgeschätzten Frauen, wodurch das Jubelfest zu einem wahrhaft glänzenden sich gestaltete. ♦ Gesunden Magen haben wir und kein Magendrücken, keine Schmerzen, seit wir Feller's abführende Rhabarber Hillen m. d. N. „Elsapillen" benützen, wir sagen Ihnen aus Erfahrung, versuchen Sie diese auch, sie regeln den Stuhl und fördern die Verdauung. 6 Schachteln franko $ Kronen. Erzeuger nur Apotheker E. v. Feiler in Stubica Elsaplatz Nr. \ös (Kroatien).