Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 40 (15.10.1909)
- Date
- 1909-10-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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OuartaL ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Mattes keine Nntervrechnng erleide. Abonnements-Bedingungen: Kanzjährig Kr. 14.— Kalbjährig Kr. 7.—, ZZierteljahrig Kr. 3.5V. K. k. Poftsparkassen-Konto 1VV.S18. 7— Probenummern gratis zur Verfügung, Ans der Woche. In Bosnien ist die jüdische Kurie zur Tatsache geworden, in der Bukowina soll sie gegen das Staatsgrnndgesetz verstoßen. Wäre Oesterreich nicht seit jeher das klassische Land der politischen Unglanblichkeiten, der gesunde Menschenverstand könnte es wahrhaftig nicht fassen, daß ein und dieselbe Regierung die Juden, oder sagen wir allgemeiner, eine bestimmte Kategorie von Staatsbürgern im Süden des Reiches mit anderem Maße mißt, als im Osten. Und lvie aus den Erklärungen des Ministers des Innern hervorzugehen scheint, gebührt nebst den Hintermännern der „Neuen Freien Presse", den jüdischen Abgeordneten Hofrat K u r a n d a und Dr. L ö w e n st e i n der traurige Ruhm, die Regierung aus diesen Standpunkt sonderbarer Logik gebracht und die Inden Oesterreichs in der wirksamen Betätigung ihrer politischen Rechte vielleicht aus Jahrzehnte znrückgedrängt zu haben. Als neuerlicher Beleg für die von uns schon wiederholt konstatierte Tatsache, daß in gemischtsprachigen und durch Wahlkataster national abgegrenzten Bezirken die Juden, insolange sie dort nicht ebenfalls eine eigene politische Individualität bilden, stets die Zeche für den Nationalitätenkamps Anderer bezahlen werden, wird uns aus Kojetein in Mähren folgendes mitgeteilt: „Die bekannten Vorgänge in Unter-Themenau haben hier ihr Echo gefunden. Vor einigen Wochen wurde hier in einer großen Volksversammlung ans dem Ringplatze unter großem Applaus der tansendköpfigen Menge sehr heftig gegen die Inden losgezogen, welche als die Hanptschnldner bezeichnet wurden. Obwohl die wenigen Juden von hier, deren Zahl noch täglich zurückgeht, sämtlich im tschechischen Kataster figurieren, werden sie doch als Feinde angesehen. Nicht einmal der Rabbiner wirb ' verschont. Die ehemals nur von Inden bewohnte „Gasse" ist heute der Ansiedlungsort des niedrigsten und rohesten Pöbels, zwischen welchem ganz einsam und vonJuden verlassen der Rabbiner und der Kantor wohnen müssen, die deshalb täglich Gesahren aus-! gesetzt sind. Die zuchtlose Schuljugend schreit ihnerl fortwährend Schimpsworte nach, während ihre Eltern sich dabei riesig; unterhalten. Jüngsten Sonntag wurde der Rabbiner Dr. K.! Kupfer von den Großen angefalleu, beschimpft, und nur seiner! Flucht in die Wohnung hatte er es zu verdanken, daß er nicht! tätlich insultiert wurde. Die Behörden verhalten sich dabei sehr! passiv. Die Verhältnisse hier erinnern schon an Rußland, denn j Rabbiner und Kantor dürfen sich abends nicht über die Gasse j trauen und während des Gottesdienstes, allwöchentlich und l regelmäßig am Kol Nidre werden Steine in den Tempel hineingeworfen. So geberden sich die Tschechen, die für sich sämtliche j Freiheiten verlangen, aber eine jüdische Landgemeinde selbst i in ihrer Religionsfreiheit bedrohen." I * * Das „D eutsche V o l k s b l a t t" erhob jüngst ein Triumphgeschrei darüber, daß es bei den letzten Gemeinderats- I wählen in Odessa gelungen sei. „die Herrschaft der Judenliberalen i und Sozialdemokraten" zu brechen. Von rund 75 Gemeinderats-! Mandaten hätten jetzt die Antisemiten rund 60 erobert. Alsdann j werden — mit einem verschämten Seitenblick aus die analoge „verdienstvolle" Tätigkeit des Wiener christlichsozialen Gemeinderates — eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, durch welche die bisherige jüdische „Korruptiöns"-Wirtschast beseitigt werden soll. Merkwürdig nur, daß bis zum heutigen Tage nirgends, auch in keinem antisemitischen Blatte, von den angeblichen Schandtaten der jüdischen Gemeinderalsmehrheit in Odessa etwas bekannt geworden ist. Dahingegen wird — und zwar von sehr autoritativen Stellen — seit Jahren über d i e Korruption des russischen B e a m t e n st a u d e s geklagt. Erst vor wenigen Wochen noch schrieb M e n s ch i k o w in der „N o w o j e W r e m j a" — man denke, in dem Hauptorgane der russischen Antisemiten —: „W cnn Gott s i ch Rußlands erbarmen und uns einige ehrliche Leute schenken wollte, wäre es eine ganz einfache Arbeit (nämlich Petersburg zu schützen!)."