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Die Wahrheit · 1909-08-21 · Heft 33 (21.8.1909) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 33 (21.8.1909)
Date
1909-08-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Die Wakryeil L eite 7. Nr. 33. l'ogar Bürger der Gemeinde zu werden. Sie befinden sich also wicht mehr in jener entwürdigenden Lage, welche ihnen kein Vaterland, sondern nur ans Duldung eine Stelle, zu welcher sie immer gehörten, zugestand, und die Christen haben keine Ursache mehr, sich ihrer zu schämen. Aber gerade durch diese Neugestaltung der Verhältnisse büßen die Indengemeinden Mährens die ergiebigsten Beiträge zu den Kosten der Schule und des Gottesdienstes ein; insbesonders werden die Armen darunter viel zu leiden haben, welche in nicht geringer Zahl unter der jüdischen Bevölkerung vorhanden sind, und deren Erhaltung sich die Gemeinden bisher in ehrenvoller Weise zur Aufgabe gemacht hatten. Das erwählte Komitee ist berufen, Maßregeln zu tresien, die den Uebergang LN den neuen Zuständen anbahnen sollen. Wünschenswert wäre es, daß es die Beratung über die Stellung der S t a a t s b ü r g e r jüdischen Glaubens zu denen des christlichen der öffentlichen Diskussion der Presse übergeben möchte; denn alles, was die Organisation der jüdischen Gemeinden betrifft, ist ferner nicht mehr eineAngelegenheitder Juden allein, sondern gehört dem Lande an. und eine exklusive Behandlung so wichtiger Dinge dürste nicht zu einem beiderseitigen guten Verständnisse fuhren. Die Antipathie gegen die Freiheit der Inden hat selten religiöse Bedenken zur Ursache. In der Regel fürchtet der Gewerbs- oder Handelsmann eine allzu große Konkurrenz, und der Landmann, daß der Jude allen Besitz an sich reißen werde. Aber die Konkurrenz in der Handelswelr und an der Börse wird nicht größer sein als zu jener Zeit, dader Jrtde ausschließlich ans den Handel angewiesen war, und was den Ankauf von Grundbesitz betrifft, so zeigt es sich, daß die mährischen Inden nicht die Reichtümer besitzen, die man bei ihnen vorausgesetzt hat. Jetzt wird der Jude jeden ehrlichen Erwerb ergreifen und führen, sich der härtesten Arbeit bei der notorischen Armut des größten Teiles der Juden nicht entziehen können. Vielfach wird dem Inden Vorsicht empfohlen, nicht allzu schnell die Früchte der erst erlangten Freiheit genießen zu wollen. Dies kann wohl für alle Staatsbürger gelten. Indessen der Reiche wird schnell sich den besseren Verhältnissen anzufügen verstehen; er bringt ein Privilegium mit, das ihm überall Vorteile sichert. Der Arme hingegen wird noch lange arm und — bloß Jude bleiben, gedrückt durch den Flttch der Armut und des herben Geschickes, das seil Jahren ans dem jüdischen Volke lastet. Daher mögen neben dem Ausschüsse auch die Wohlhabenden, die durch ihren Fleiß mit» ihre Intelligenz bald ehrenvolle Posten bekleiden und sich der errungenen Freiheit werden freuen können, ihrer armen, noch im Ghetto wohnenden Glaubensgenossen nicht . vergessen, insbesondere in der Uebergangsperiode ihres Familien-! ortes und der dort Gebliebenen gedenken. Ferner mögen die jetzt nicht mehr mißhandelten Juden Mährens, für tvelche Nationalität des Landes immer sie sich entscheiden, die andere schätzen und achten. O b w o h l deutsch erzogen, dürfen s i e n i ch t v e r g e s s e n, daß der größere Teil der Bewohner, unter denen f i e leben, slavischer .Z nnge sei, und daß sie manches Vorurteil, das ihnen i m V o l k e e n t g e g e n st e h t, durch ein aufrichtiges A n sch l i e ß e n an das Volkstümliche banne n." Dieser wohlgemeinte Rat eines Philosemiten wurde von den Juden viel zu wenig beherzigt, ein Mißgriff, der wohl mit der ihnen angestammten Tugend der Treue und Dankbarkeit sich rechtfertigen läßt, aber dennoch in der Folge sich bitter an ihnen rächte. Die Jndell in Böhmen und Mähren exponierten sich für die Sache der Deutschen, deren Kandidaten sie an vielen Orten mit dem Aufgebot aller Kräfte zum Siege über die Tschechen verhalfen. Durch ihre Opfer an Zeit und Geld wurde der deutsche Charakter mancher Stadt bewahrt. Ohne den zahlreichen Besuch jüdischer Schüler, die man an tschechischen Anstalten mit offenen Armen ausgenommen hätte, würde manche Mittelschule tschechisiert oder gar ansgelöst worden sein. Die biederen, treuen Deutschen dankten den Inden für ihre während 60 Jahre bewiesene Anhänglichkeit durch jenen fluchwürdigen, bestialischen Antrag, für welchen selbst Funktionäre des von Inden unterstützten Deuschen Schulvereines und Pro-; fessoren, die an den von Juden erhaltenen Handelsschulen ani gestellt sind, ihre Stimme gaben. Einen solchen Angriff gegen j das Judentum hat man nicht einmal zur Zeit des Konkordates - gewagt. Er ist ein Verstoß gegen Artikel XVIII des Staatsi grundgesetzes, laut welchem es jedem freisteht, für seinen künftigen : Beruf wo und wie immer sich vorzubereiten und seine Vorbildung zu genießen. Er zeigt uns die Liberalität der sogenannten . Fortschrittspartei in ihrem wahren Lichte.! Um die Rückständigkeit dieser Antragsteller zu bemessen,; sei auf folgendes Hofdekret von Kaiser Joses ddo. 14. September : 1782 hingewiesen: „Judenkinder sind gleich den Christenkindern; ohne Ausnahme in die lateinische Schule zuznlassen. Sie sollen; reinlich gekleidet und ohne äußere Unterscheidungszeichen erscheinen! und von den Lehrern und der Schuljugend liebreich behandelt! werden." Ein Erlaß vom 17. April 1803 lautet: „Als Beweis, wie sehr Sr. Majestät die religiös-moralische Bildung der studierenden Jugend am Herzen liege, wird die zur Beförderung! derselben wohltätige Anordnung getroffen, daß zur Erreichung , dieser Absicht, die das Gymnasium besuchenden Jünglinge der! Israeliten einen fortschreitenden Unterricht in der Religionsj und Sittenlehre genießen sollten." (Gymnasialarchiv, Kremsier, ' S. 221.) Tatsächlich besuchten viele Israeliten schon am Anfänge j des vorigen Jahrhunderts die Mittelschulen. Wohl mußten sie! damals, wie viele andere Beamtensvhne. um Bewilligung an-! suchen, doch wurde vom Kaiser Franz Jo'ef am 19. Dezember 1849; die Verordnung, daß Inden znm Besuche des Gymnasiums der! Bewilligung der Landesstelle bedürfen, ganz aufgehoben. Nun i wollen die Deutschen in Oesterreich vorjosesinische Zustände eini führen, die Bildung der Inden herabdrücken. um ihnen nach! der geistigen die materielle Emanzipation zu entziehen. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten.! Wien Anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers! fanden am 18. August in sämtlichen Gememdetempeln der Wiener Knltus-! gemeinde, sowie in den Tempeln aller Synagogen- und Bethausvereine | feierliche Festgottesdieuste starr, die Heuer mit Rücksicht auf das 60jährige Regierungsjubiläum des Kaisers mit besonderer Solenuirär abgehalten wurden. Wien. (Kaiserfeier des Tempelvereines des 13. Bezirkes der S t a d c Wie u.) Schon am Abend des 17. d. M. fand im festlich geschmückten Bethunse dieses Vereines ein feierlicher Gottesdienst statt, bei dem Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d in erhebender und bewegender Weise die Hobe Bedeutung des Tages hervorhob und Kantor Gvtthold Friedländer musterhaft die Festgesänge rezitierte. Wien. Der Präsident der israelitischen Knltusgemeinde Herr Dr. Alfred L> ter u, feiert am 29. d. M. in vollster Rüstigkeit seinen 77. Geburtstag. Wien. (K a i s e r - I u b i l ä u m s - Fr e i p l ä tz e.) Die Direktion des Institutes Bauer, vormals „Simon", I.. Hoher Markt 3. hat ans Anlaß des Kaiserjnbilünms au der mit dem Pensionate verbundenen Privar-Volks-und Bürgerschule mit Oeffentlichkeitsr e ch t zwei Freiplätze für Söhne von Offiziers- und Beamtenswitwen kreiert. Dieselben (je einer für die Volks- und Bürgerschule) gelangen mit dem nächsten Schuljahr zur Vergebung: Gesuche sind vor Beginn des Schuljahres an die Direktion zu richten. Mödling. Anläßlich des Geburtstages Sc. Majestät des Kaisers wurde in dem festlich beleuchteten und mit Blumen geschmückten Tempel der hiesigen Gemeinde ein feierlicher und erhebender Gottesdienst abgehalten, bei welchem Rabbiner und Kantor vollendete Leistungen boten. Nachdem unter Leitung des stimmlich begabten Kaurors Herrn Falk ein gemischter Chor, bei welchem besonders die Damen L ö w. Löwe nst e i n ulld Pollitzer sich hervortaten, äilßersr exakt zu Gehör gebracht worden war, bestieg Herr Rabbiner Dr. B a r d o w r tz die Kanzel und hielt eine formvollendete Festrede, die in ein Gebet für den geliebten Monarchen ausklang. Dem Gottesdienste wohnte ein zahlreiches Publikum, darunter die Vertreter der Behörden und viele Staatsbeamte in Galauniform. bei. Um das Gelingen der schönen Feier har sich nebst den erwähnten Funktionären Herr Kultusvorsteher B e l a i besonders bemüht. Baden. (K a i s e r - F e st g o t t e s d i e n st.) Am 18. August, 11 Uhr vormittags, wurde im Tempel der israel. Kulrnsgemeinde Baden das Geburtssest Sr. Majestät des Kaisers in einer besonders erhebenden Weise gefeiert. Die Andächtigen, welche das hell beleuchtete und mit Pflanzen geschmückte Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen füllten, rekrutierten sich aus allen Schichten der Stadrbevölkerung. Die Feier begann mit einem vom Chormeister L ö w i t vom türk. Tempel in Wien komponierten und vom Oberkantor der Badener Knltusgemeinde Herrn M. Seifert unter Assistenz des türk. Chores äußerst exakt vorgetragenen „Matowu“, worauf Herr Rabbiner W. Reich die Festrede hielt, die ein fein skizziertes Lebensbild

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