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Die Wahrheit · 1909-08-06 · Heft 31 (6.8.1909) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 31 (6.8.1909)
Date
1909-08-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 31. Die Wahrheit Seite 9. Nachdruck betont wurde, daß im Gesetze außer der definitiven Anstellung des Rabbiners auch jene der Lehrkräfte, sowie der übrigen' Kultusbeamten ausgesprochen werden müsse, da diese leider in dem größeren Teile unserer Kultusgemeinden der Gnade, beziehungsweise der Willkür der Repräsentanz ausgeliefert sind. Es war daher nur eine natürliche Folge meiner bisherigen Bestrebungen, wenn ich anläßlich des am 19. November 1905 in Agram stattgefundenen Kongresses den Antrag stellte, daß die Fürsorge und Wohltat des Gesetzes in bezug auf definitive Anstellung sich auch ans die übrigen Beamten der Knltnsgemeinden, nicht nur auf die Rabbiner erstrecken möge. Mein Antrag fand beim verdienstvollen Referenten Herrn Dr. Spitzer, den sein vorzügliches Gedächtnis in diesem Punkte im Stiche ließ, den lebhaftesten Anklang und wurde znm Beschlüsse erhoben. Ich will diese Tatsache nicht deshalb hervorheben, um mir in den — wie ich voranssetzen darf — dankbaren Herzen der Herren Kantoren und Oberkantoren ein Denkmal zu setzen, sondern um auch für spätere Zeiten festzunageln, daß der Antrag in bezug auf die definitive Anstellung aller Kultnsbeamten in unserem Lande ein Erfolg, ans den unser Judentum stolz sein darf, von -einem Rabbiner ausgegangen ist. (Fortsetzung folgt.) Allgemeiner Deutscher Kautoren verbnnd. (Schluß.) Die Beratungen ergaben denn auch die einstimmige Annahme folgender Resolution: „Die G e n e r a l v e r s a m m l u n g d e s A. D. K. B. zu Breslau erklärt sich nach Anhörung des Referats über die Frage der Schaffung eines F a ch Organs mit den dari n z u m Ausd r n ck g brachten Standpunkt des Ausschusses e i u v e rst a n d e n. Sie hält d a u a ch d i e H e r a u s g a b e e i n e s periodisch erscheinenden Fa ch b l a t t e s in i rg end einerForm zurzeit für noch nicht g e b o t e n. Dag e g e n e r a ch t e t s i e e s f ü r w ü n s ch e n s w e r t, daß v o n Z e i t z u Z e i t g e e i g n e t e M i t t e i l u n g e n über wichtige A n g e l e g e n h e i t e n den B e r b a n d s Mitgliedern u a ch M a ß g a b e d e r s i n a n z i e l l e n Lage 1» e s Verbandes z u g ä n g i g g e m a ch t w e r d e n. F e r n e r spricht sie d e n W u n s ch a u s, d a ß die v o n M i t g l i e d e r u des Verbandes erscheinenden F a ch a r t i k e l nach vorheriger Prüfung durch e i n e n P r e s s e a u s s ch u ß in entsprechender A nz a h l von Abzügen aus b e u betreffenden Zeitungen den V e r b a n d s m i t g l i e d e r n z u a estellt werde n." Hierauf referiert Koll. Hofstei n-Dresden über „Stellenmachweis unb Auskunftei". Er vertritt in seinen Ausführungen den Standpunkt, für alle Provinzen Stellennachweise zu errichten, die nicht nur den Kollegen, sondern auch den Gemeinden ein Ratgeber sein sollen. Der Korreferent, Koll. Bella k-Zittau, hält es für zweckmäßiger, nur Auskunfteien da zu errichten, wo noch keine bestehen, damitsie die Stellesnchenden über alles Wissenswerte unterrichten können. Nach eingehender Aussprache erklärt sich die Generalversammlung mit der Errichtung von Auskunfteien einverstanden, überläßt aber dem Ausschuß die Ausarbeitung des Planes. Nun erhielt F a b i s ch-Göttingen das Wort zu seinem Vortrag: „Der Jugendgottesdienst". Da der mit großem Beifall ausgenommene Vortrag demnächst auf Wunsch der Versammlung veröffentlicht werden soll, so seien hier nur die Thesen wiedergegeben: 1. Der Jugendgottesdienst ift. a) ein Ersatz für den Gemeindegottesdienst, b) ein Mustergottesdienst, in dem das zukünftige Gemeindemitglied in seiner Eigenschaft als Synagogenbefucher herangebildet werden soll. 2. Der Jugendgottesdienft muß nach Form und Ausführung das getreue Bild des Gottesdienstes der betreffenden Gemeinde in mustergiltiger Weise sein. 3. Da das Erstrebenswerte für jeden Gottesdienst der Gemeindegesang ist, so hat der Jngendgottesdienst ihn. ganz besonders zu pflegen, um vorbildlich für den Gemeindegottesdienst zu werden. 4. Der Jngendgottesdienst ist Gottesdienst, nicht Uebungsstunde. Daher hat er alle liturgische Anforderungen, wie sie für den Hauptgotresdienst maßgebend sind, zu beachten. 5. In jedem Jngendgottesdienst muß eine deutsche Ansprache (Predigt) an die Kinder, ihrer Auffassungskrafl gemäß, gehalten werden. 6. Um den Jngendgottesdienst in den Augen der Kinder dem Gemeindegottesdienst gleichwerrig erscheinen zu lassen, ist er sowohl in bezug ans den Gesang der Gemeinde wie auch des Vorbeters musikalisch ganz wie der Hauprgottesdienst auszugestalien. 7. Da erfahrungsgemäß Kinder nicht längere Zeit leise mit Andacht beten können, empfiehlt es sich, alle Gebete laut vortragen zu lassen. 8. Mittel, den regelmäßigen Besuch des Jugendgottesdienstes seitens aller Altersstufen zu fördern, sind: a) der Jngendgottesdienst muß als ein Bestandteil des Religionsnnlerrichles organisch mit der Religionsschule derart verbunden sein, daß Leitung, Beaufsichtigung n. s. w. in den Händen der Religiouslehrer liegen. b) Um auch die erwachsenen, über 14 Jahre alten Schüler für den Jngendgottesdienst zu interessieren, empfiehlt es sich, daß ältere Schüler das Vorsteheraml der Jngendgemeinde versehen, indem sie wie der Vorsteher des Gemeindegottesdienstes die üblichen Ehrenämter als Segan, Verteiler der Mizwoth rc. versehen. Im Anschluß an diesen Vortrag hielt dann der Vortragende einen diesen Forderungen entsprechenden Jngendgottesdienst, bei dem die versammelten Kantoren als Jngendgemeinde milwirkten. Weihevoll erschallten die Gesänge aus den sangesgeübteu Kehlen der Kollegen und mancher wünschte sich, immer einen solchen Gemeiudechor hinter sich zu haben. Jedem Teilnehmer der Generalversammlung war von dem Vortragenden der musikalische Teil in einem gedruckten Nvtenhest überreicht worden. Der Tagesordnung gemäß sollte sich nun der Vortrag des Koll. D a v i d s o h n-Gleiwitz über „Die beruflichen und sozialen Pflichten des Kantors" anschließen. Da aber die Zeit zu weit vorangeschritten und alles zu erschöpft war, wurde auf Wunsch des Referenten der Vortrag von der Tagesordnung abgesetzt. Bei dem letzten Punkt der Tagesordnung, „Verschiedenes", brachten mehrere Kollegen, wie Feldman n-Posen, Jacobs o h n-Friedenau, M e i s e l-Danzig, Neustadt-Berlin, verschiedene dankenswerte Anregungen in bezug auf spätere Tätigkeit des Verbandes, die mit Dank von dem Vorsitzenden zur Kenntnis genommen wurden. Nachdem Koll. Zivi dem Vorsitzenden den Dank der Versammlung für die glänzende Leitnng der Generalversammlung ausgesprochen hatte, einen Dank, dem sich in den anerkennendsten Worten über die mannigfachen Anregungen, die er hier als Gast der Versammlung empfangen, der Vertreter des Lehrervereins für Schlesien und Posen, Koll. Hainburger- Brieg, anichloß, erklärte der Vorsitzende die Generalversammlung um 6 Uhr für geschlossen. Der ernsten Arbeit folgte dann in den Räumen der „Lessing-Loge" das fröhliche Mahl, vom Orlskomilee den Kollegen gespendet. Manch launige Rede würzte das Mahl und zeigte die Kollegen all in der schönsten Harmonie, zu der der glänzende Verlauf der Tagung, die Freude über die vielen Anregungen, die alle Teilnehmer der Generalversammlung empfangen hatten, sehr viel beitrugen. Am folgenden Tage wurde unter der liebenswürdigen Führung der Koll. C e ri n i-Breslau und M o o p s-Breslau manche Sehenswürdigkeit der schlesischen Hauptstadt besichtigt, dann aber trennte man sich mit dem Wlmsche auf ein fröhliches Wiedersehen nach drei Jahren in Berlin. G ö t t i n g e n, im Juni 1909. I Heinrich Fabisch, 1. Schriftführer.

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