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Die Wahrheit · 1909-07-16 · Heft 28 (16.7.1909) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 28 (16.7.1909)
Date
1909-07-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 28. Die Wahrheit Leite 9. dieses Mittels, um hiermit den ärmeren und konservativeren Elementen das Stimmrecht verweigern und so die Gemeinde ohne jegliche Hemmnisse im Fahrwasser der Neologie führen zu können. Während die zweite Entscheidung ihre Ursache in der, durch das wüste Treiben der Nationalitäten in Ungarn ans das höchste gesteigerte Furchtsamkeit der ungarischen Regierung vor frenlden Elementen hat, die aber in Bezug auf die ans dem Auslände stammenden Juden jedenfalls als eine übertriebene genannt werden kann, da sich diese gewiß nimmer zu den Feinden des ungarischen Staates gesellen werden. Budapest. Den Brüdern Alexander, Josef und Karl v. Hatvany- Deutsch in Budapest wurde vom König die Baronie verliehen. Die so Ausgezeichneten haben sich zweifellos auf dem Gebiete des Handels und der Industrie Verdienste erworben, ebenso sind dieselben, wenn es sich um Wohltätigkeitsakte handelt, sehr freigebig. Lugos. Kantor I. G e l l m a n n erfreut sich in unserer Gemeinde allgemeiner Beliebtheit, weshalb sein Vertrag erneuert wurde und das Definitivnm nach den Feiertagen beschlossen werden dürfte. Tarnopol. In dem nahegelegenen Dorfe Burka wurde dieser Tage ein frecher Mädchenraub verübt. Zwei Bauern ergriffen des Nachts die achtzehnjährige Tochter des dortigen jüdischen Insassen David Bleich und entführten sie gewaltsam in ein Tarnopoler Nonnenkloster. Der Vater des Mädchens verfolgte die Räuber, die jedoch im Dunkel der Nacht seinen Blicken entschwanden. Nach einigen Tagen erfuhr Bleich, daß seine Tochter sich im Tarnopoler Kloster befindet, und begab sich dahin, um sein Kind zurückznfordern. Weinend bat er um Einlaß und wünschte seine Tochter zu sehen. Der arme Mann wurde barsch von der Klosterpforte gewiesen, indem ihm beschieden wurde, daß das Mädchen angeblich bereits nach Lemberg gebracht worden sei. Helfingfors. Der finnische Senat hat die Einfuhr von koscherem Fleisch ans Rußland nach Finnland unter folgenden Bedingungen gestattet: 1. Jedem Fleischtransport ist eine Bescheinigung beiznfügen, daß die Tötung des Viehes nach jüdisch-ritueller Vorschrift erfolgt ist. 2. Das eingeführte Fleisch darf bei Strafandrohung nur an Inden verkauft werden." Böse Jungen behaupten, der Senat hätte die Erlaubnis deshalb-erteilt, damit er bei der bevorstehenden Beratung des Schüchtverbots im Landtag erklären kann, daß den finnischen Inden der Genuß von koscherem Fleisch ja gar nicht entzogen ist. Teheran. Anläßlich der persischen Unruhen haben sich zahlreiche verfolgte Juden in das Amthaus des türkischen Konsulats geflüchtet, woselbst sie Schutz fanden. Diese Schützlinge der türkischen Regierung wendeten sich nun an den Chacham Baschi nach Konstantinopel mit dem Ersuchen, er möge ihre möglichst schleunige Uebernahme in den türkischen SraPsverband durchsetzen. Die meisten von ihnen, die auch einiges Kapital gerettet haben, haben sich bereit erklärt, im Falle ihnen die ottomanische Staatsbürgerschaft zugesichert würde, sich in der Türkei niederzulassen. New-Aork. In New-Iork starb der Bankier Lazarus S i l v e rm a n im Alter von 70 Jahren. Silverman hat seinen Namen zuerst berühmt gemacht, als er während des Bürgerkrieges ein Infanterie-Regiment organisiert und auf eigene Kosten erhalten hat. Im Jahre 1873 begab er sich persönlich nach Washington, um dem Senator Sherman sein Projekt zur Sanierung der amerikanischen Finanzen vorznlegen. Der Plan wurde dann auch im Kongreß angenommen und ist seither als lex Sherman bekannt. — In Portland, Staat Oregon, wurde der frühere Senator Joseph S i m o n zum Mayor der Stadt gewählt. Er trug gegen den früheren Mayor den Sieg davon. Simon, der aus Deutschland stammt, steht im 59. Lebensjahre und ist nicht nur der erste jüdische Bürgermeister im Staate Oregon, sondern auch einer der ersten jüdischen Senatoren in den Vereinigten Staaten. Feuilleton. Eine gebildete Krau. Von Babette Fried. (Fortsetzung.) Das von ihm augebetete Mädchen verdankte ihre behagliche Existenz und ihre Geistesbildung jener Jüdin, in deren Armen ihre Mutter den letzten Seufzer ausgehaucht, welche nicht achtend der Gefahr für das eigene Leben, der fremden Christin in der letzten Stunde beigestanden und dann dem von aller Welt verlassenen Waisenkinde eine mütterliche Freundin, Beraterin und Beschützerin geblieben ist. Und diese Frau, eigentlich doch nur eine Handwerkersgattin, besaß eine so hervorragende, gediegene Bildung, wie erste bei keiner aller jener Damen gefunden, welche durch Geist und Witz in den Salons glänzten und deren Besucher blendeten und bezauberten. Sie war jetzt blind, diese ausgezeichnete Frau; wie erst, wenn der äußere Scharfblick dem inneren zu Hilfe kommen würde? Er sollte da einen schlichten Handwerker kennen lernen, welcher es durch Fleiß und Redlichkeit zu einem gewissen Wohlstände gebracht hatte, der es ihm ermöglichte, die Wohltätigkeit, Hie er früher während seiner beschränkten Verhältnisse ausgeübt. nun in größerem Maßstabe zu betreiben, ohne hierbei einen Unterschied des Standes und der Nationalität zu machen. Er sah diesen Mann aus dem Volke mit seiner ihm geistig so überlegenen Frau in musterhafter Ehe leben und die Kinder dieses ungleichen Paares nach jeder Richtung hin gedeihen, diese ganze jüdische Familie aber in innigster Freundschaft mit einer christlichen Lehrerin verbunden. Wenn er seinen Komilitonen von der hier gemachten Beobachtung Mitteilung machen würde, wie würden sie lachen, ihn höhnen, sie, welche mit Schimpfwörtern bei jeder sich bietenden Gelegenheit bei der Hand waren, weit ihnen vermutlich die jüdischen Kollegen, welche, statt mit ihnen zu kneipen, lieber studierten und sich auf ihren ernsten Beruf vorbereiteten, im Wege waren. Mit diesen und ähnlichen Restexionen war dem jungen Doktor die Nacht vergangen. Die Verwandten, bei denen er als Gast verweilte, waren nicht wenig erstaunt, den Langschläfer sobald aus den Federn zu sehen. Er machte sehr sorgfältig Toilette und bereitete sich vor, zur Besuchsstunde, die aus dem Lande früher als in der Großstadt beginnt, im Hause der Lehrerin vorzusprechen, und in aller Form um die Hand ihrer Pflegetochter anzuhalten. Erschütternd rvirkte ans die arme Lehrerin die Mitteilung, daß es der Sohn ihres verräterischen Jngendsrenndes ist, welcher da in innigen Worten seine Werbung vorbrachte. Lange, lange dauerte der innere Kamps der Lehrerin, doch ihr Edelsinn blieb schließlich Sieger über alle Bedenken. Nicht kleinliche ihrer edlen Seele ferne Rachsucht war es. welche dieses Zögern veranlaßt hatte, sondern wohlbegründete Bedenken, ob der junge Bewerber um die Hand ihres Lieblings auch Manns genug sei. sein Wort einznlösen. damit das Lebensglück der jungen Waise nicht an denselben Klippen scheitere, an denen ihr eigenes zugrunde gegangen. Was die feurige Beredsamkeit des Doktors nicht vermocht hatte, das brachte der flehende Blick zustande, den das junge Mädchen ans die ernst dreinblickende Pflegemutter geheftet halte, und dem dieselbe nicht zu widerstehen vermochte. Als glücklicher Bräutigam verließ Hugo Müllner nach, einigen Stunden die Wohnung seiner Braut, und er lenkte seine Schritte direkt dem Hause zu. wo die Buchbindersamilie wohnte. Tränen traten der guten Rösl in die erloschenen Augen, als sie die freudige Mitteilung vernommen, und Meister Elias vergaß in seiner freudigen Erregung sogar, seinen Rock anzuziehen und beging den in seinen Angen unverzeihlichen Etikettefehler, den vornehmen Gast, der ihm persönlich von seiner Verlobung Mitteilung 311 machen kam, in Hemdärmeln zu empfangen und ihm in diesem unpassenden Aufzuge zu gratulieren. Den Schwall von Entschuldigungen, den der Meister vorbrachte, als er diesen Etikettefehler bemerkte, unterbrach Müllner freundlich mit der Bemerkung, daß er sich als Freund des Hauses betrachtete, dem gegenüber keine Umstände gemacht werden dürfet!. Der Doktor hatte seinen ganzen llrlaub in der Nähe seiner geliebten Elise zugebracht. Nur allzubald näherte sich dieser seinem Ende, und die Zeit rückte heran, wo er seine Braut und deren Pflegemutter, sowie deren auch ihm liebgewordenen Freunde verlassen sollte. Bevor er wegging, hatte er noch eine wichtige Lache zu erledigen, die er von Tag zu Tag ausgeschoben hatte. Er konnte immer nicht den rechten Ton finden, um sein Ziel zu erreichen, ohne eine Taktlosigkeit zu begehen. (Schluß folgt). Austritte ans dem Judentum. Hersch Treiber, geb. 4. Februar 1882 iu Lubyezannnsto» ledig. II., Sternekplatz 18. Emilie Palme geb. Popper, geb. 5. März 1865 in Haindorf, verheir., Kellnersgartin. V., Schönbrimnerstraße 94. Gisela Kreilisheim geb. Hahndl. geb. 10. Dezember 1879 in St. Pölten, verheir.. Polizei-Oberkommiffärsgattin, XVIII., Hofstattgaffe 14. Hans Gardony (früher Singer), geb. 19. Dezember 1888 in Wien, ledig, Privat, IX., Thurngasse 11. Dr. Phil. B e l a B e i g, geb. 15. März 1883 in Befzprem, ledig. Privat, IX., Porzellangaffe 24 a. Leni Guttmann, geb. 20. November 1883 in Wien, lt. Zuschrift des Rabbinates Budapest ckcko. 6. Juli 1909.

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