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Die Wahrheit · 1909-07-02 · Heft 26 (2.7.1909) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 26 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 26. Oesterr.-ungar. Kantoren-Zeitung Seite 9. Schiraus Z’wi. T emp e l g e s ü n g e. Eine vollständige Liturgie für Solo, Chor mit und ohne Orgelbegleimug. (Manuskript.) Ein solches Werk hat Herr Oberkantor Beermann in Böhm.-Leipa als die Frucht jahrzehntelanger, unermüdlicher Arbeit und Hingabe geschaffen. Er bekundet damit einen Sammelfleiß, der nur dem der Biene vergleichbar ist und bietet geistige Nahrung der Fülle für alle, welche sich dem Gottesdienste weihen zur Ehre mtb Verherrlichung des Höchsten. Um sich aber von der Reichhaltigkeit dieses Werkes einen rechten Begriff zu machen, dazu gehört die vollkommene Vertrautheit mit der Liturgie. Vom Äorgengottesdienste beginnend mit Adon olom, wird selbst das kleinste Gebetstück in das Bereich des rhythmischen Elementes gezogen. Was nun die Art des! chorischen Teiles betrifft, so erinnert er mit seiner einfachen, , aber sehr sympathischen Harmonisierung sehr an Naumburg, nur! möchte ich glauben, daß das Beermann'sche Werk viel tradi-! tioneller gehalten ist. Da gibt es ganze Chorstücke, die förmlich! ans nationaler Grundlage eingebettet sind wie die Wiesenblumen, j die auf weichem Rasen hervorsprießen, so manigfaltig, so! interessant. Der Komponist ist ein geborener Russe, und daß j russische Kantoren sich auf dem Gebiete des liturgischen j Gesanges vollkommen versiert erweisen, wissen wir so gut als! es bekannt ist, daß sich der Fisch am wohlsten nur im Wasser! fühlt. Es ist demnach natürlich, daß hier der Komponist den! sogenannten polnischen Gesang mit seinen Vorschlägen, Fiori-! tnren rc. forciert, aber ihm sei kein Vorwurf gemacht, der Ruf > nach unverfälschtem Natioualgesang macht sich ja in unseren! Kreisen immer bemerkbarer. Wissen wir ja doch, daß mit dem ' Bestehen oder Aufgeben desselben das Kantorentnm steht; oder fällt. Also das Verschmelzen des rein Musikalischen mit dem ' Nationalen sei unsere Sache, nur müssen wir die richtigen : Grenzen enthalten und ein Zuviel würde eher schaden als nützen. Ich meine hier viele Rezitative, die durchaus nicht der harmonischen Unterstützung bedürfen. Ein ganz freier Vortrag des Vorbeters ist oft wirksamer als das unnütze, instrumentale; Bevormunden, das sich gar so simpel ausnimmt. Ein solches Umjedenpreis-Begleiten sinden wir hier z. B. bei dem Gebetstücke Ato jozarto. Das ist doch kein Gesangstück. Ueberhanpt sollte nicht alles ins Gesangliche übertragen werden. Zn Rußland kann es ja üblich sein, in deutschen und österreichischen Werken ffnden solche Absurditäten keinen Platz. Es dürfte also dem : Verfasser darum zu tun gewesen sein, seine Kenntnisse nach allen Richtungen hin zu beweisen und dürfte ihm vieles nur als Illustration behilflich gewesen sein. Herr Kollege Beermaun ist ein viel zu praktischer Mann, ' als daß er nicht wüßte, daß man z. B. in Böhmen, was die wirkliche Ausführung von Gesangstückeu betrifft, sich nur aus; das äußerste Maß beschränken muß. Da ist vor allem anderen j der Lecho dodi-Hymne ein erster Platz angewiesen. Hier hat; sich der Komponist in freier Eingebung als geschmackvoller j Musiker bewährt. Auch was die Keduschas betrifft, hat er ' eine auserlesene Zahl niedergeschrieben, wobei der seltene, aber; wohlbegründete Fall zu vermerken ist, daß die Solopiecen Naarizoch, Kewodo rc. immer mit einem Halbschlnsse enden - und — dem Texte entsprechend — immer eine Antwort des : Chores in der Tonica fordern. Sulzer hat eine solche halbj schlüssige Note mit großem Effekt bei der Hohenfesttags-LodnZoha! angewendet, indem bei den Worten Schma omrim des; Mimkomos@ajje§ ein verminderter Septimenakkord auf der! siebenten Stufe fragend, das Schma jisroel des Chores; heransfordert. Gut behandelte Stücke sind das Hallel in D-Dur mit! geschickt angewendetem Trugschlüsse nach L-Dnr, nur das! Plötzliche Herabfalleu bei rncabo wead olom in die Dominante! der ersten Tonart ist zu unvermittelt und beeinträchtigt. Das * „Ausheben" am Sabbath lehnt sich an Sulzer an, vertrüge aber eine vollere Harmonie. Von Traditionsgesängen ist sehr gelungen der Ni komaucho von Sukoth und ein Weseorew. Letzterer ist in doppelter Form komponiert, einmal für Kautor mit obligater Orgelbegleiiung, das zweitemal mit bloßer Chorbegleitung. Ich möchte der ersteren Form den Vorzug geben, die zweite zeigt uns mit seinem „Znhalten" das Meschorrerimwesen in seiner Blüte. Der Styl dieses Tonstückes ist echt national, und zwar nach dem System des di8chtadach-Sleiger, bei den Worten aber: Weschom naawodchu geht es nach der modernen Dnrtouart und schließt bei Uchschonim kadmonijos mit einem kleinen Anlehen aus der Haydnsi'chen Epoche. Obwohl kaum anznnehmeu ist, daß unsere „Kadmonim" so gesungen, so ist gerade dieser Teil der beste Beweis, daß die Chasonim des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts sich die Motive der klassischen Meister zu Nutze machten, was aus wissenschaftlichen Quellen, unter anderen ans der kulturhistorischen Skizze „Von der Musik der Inden" von Dr. Jan Branberger, welche, wie bekannt, in böhmischer Sprache erschienen, ersichtlich ist. Branberger sagt hier treffend: „Unsere böhmischen Volkslieder haben mit den „modernen" jüdischen Gesängen eine gemeinsame Seile, so oaß mehrere ihrer Melodien aus der Musik der Barockzeit entnommen wurden. Wir hören in ihnen (den Gesängen) die Erinnerung an die Werke der Wiener Klassiker Haydn und Mozart nach einfacher Art der Menuette und ähnlicher, leichtatmender Kompositionen." Da ich gerade von diesem ausgezeichneten Gelehrten schreibe, so möchte ich meinem Bedauern Ansdruck geben, daß dasselbe Merkchen noch nicht, dem Wunsche vieler Fachgenosseu entsprechend, in deutscher Sprache zu «haben ist. Es ist leider das Los aller in die jüdische Literatur einschlagenden Werke, daß sie nur schwer in der Oeffentlichkeit ihren Absatz finden, also auch unsere vom Kollegen Beermann besprochenen „Tempelgesänge", die noch im Manuskript des Gönners harren, der in hochsinniger, finanzieller Unterstützung demselben Eingang in die jüdische Oeffentlichkeit verschaffen könnte. Vielleicht gelingt es unserem Vereine. Wandel zu schaffen im Interesse der humanen Sache, als Anreger für Förderung jüdischer Produkte in Kreisen, die noch Sinn und Herz fürs Judentum besitzen. Benedict Singer, Jungbnnzlan. Austritte ans dem Judentum. Kann D r. Emil, geb. 6. Februar 1872 in Wien, verheir., Advokat» 1.. Lichtenfelsgasse 7. Kann Edith Elsa, geb. Lederer, geb. 14. Jänner 1890 in Wien, verheiratet, Advokatensgacrin, I., Lichtenfelsgasse 7. Grotte Dr. Friedrich, geb. 27. Juli 1882 in Wien, ledig, Arzr, 11.. Schütte lstcaße 15. Klein Irene., geb. Neumann. geb. 10. Juni 1881 in Wischan (Mähren), verheir., VI., Stumpergasse 2 a. Ipkar Elsa, geb. 28. November 1892 in Wien, ledig, Private, VI., Loqnaiplatz 12. Kornfeld H e r m t u e, geb. 19. August 1881 in Budapest, ledig. Private, VI., Usergasse 8. R o s e n z w e i g Karl, geb. 29. Oktober 1873 in Wien, ledig, Bersicherungsbeamter, Krakau, Blich 24. Broch Friedrich, geb. 17. Dezember 1889 in Wien, ledig, stud. techn., I., Gonzagagasse 7. Rotten berg W ä n k o, geb. 4. Juni 1895 in Wien, ledig, lt. Zuschr. Bezlrkshauptmaunschafr Melk. Mayerhosen 19. Stößt Berta, geb. 10. November 1882 in Wien, ledig. Bursauleiterin. XII., Schiveukgasse 25. Hoffen reich Katharina, geb. 27. Februar 1881, ledig, Private, XIII., Hietziuger Kai 5. Hoffen reich Karoline, geb. 7. September 1876 in Wien, ledig, Private. XIII., Hietzinger Kai 5. U l l m a n n v. E r e u y geb. Löwy Bilma. geb. 24. Mai 1849 in Budapest, oerwictlvet. Private, IV.. Wohllebengasse 19. S t i a ß n y M a r i a F r a n z i S k a. geb. 23. August 1887 in Wien, ledig, Private, XVIII., Pötzleinsdorfersir. 90. Broch Hermann, geb. 1. November 1886 in Wien, ledig, Privater, 1.. Gonzagagasse 7. Eißler Stefan, geb. 11. Mai 1891 in Wien, ledig, Hochschüler, I.. Rath ans straß e 7. Verein Tefillath kau’orim sucht für seinen Jugendgottes dienst au den hohen Feiertagen geübte Kantoren. Lehrer (bevorzugt.,) Mautner II., Obere Augartenstrasse 38.

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