Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 23 (11.6.1909)
- Date
- 1909-06-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3063469-3063492--06115-3073091- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
m. Die Wahrheit Helte 9 Wien. (T a l m u d - T h o r a t e m p e I, II., Malzgasse 16.) Samstag, den 12. Juni 1909, nachmittags 3 Uhr, findet im Speisefaale -er Talmnd-Thoraschnle ein Vortrag des Rabbinatskandidaten B e I a Fischer statt. Thema: „Die drei Störer der sirrlichen Weltordnuug". Wien. Frl. Vally Markus, Tochter deim II. Bezirke bekannten Juweliers Herrn Sigmund Markus, hat sich mit Herrn Heinrich Schafrauik, Beamrer der Oesterr. iKordwestbahn, verlobt. Wien. Dienstag, den 8. d. M.. ist Frau Katharina Szanto, die Witwe nach dem ehemaligen Eigentümer und Redakteur der „Neuzeit", Simon Szanto, nach längerer Krankheit im 80. Lebensjahre gestorben. Wien. Dem soeben zur Ausgabe gelangten Berichte des „Verein -für u n e n t g e l t l i ch e A r b e i r s v e r m i t t l u n g für jüdische Hochschüle r", IX.. Liechtensteinstraße 11, entnehmen wir folgendes: Die Tätigkeit unseres Vereines war im Henrigen Jalire eine höchst ersprießliche. Die Leitung kann mit Befriedigung auf das abgelaufene Vereinsjahr zurückblicken. Es haben sich 345 btiibeiiteii gemeldet und 126 Wurden gut untergebracht, das sind über 36°g oder noch besser ausgedrückt: wir konnten Heuer um 9°'0 der angemelderen Arbenssucher mehr als in den früheren Jahren versorgen. Die Zahl der Parteien, welche nach Studenten fragten, betrug 192 und davon wurden 126 befriedigt. Auch die Zahl der Arbeitgeber wuchs, und zwar um 82 gegen das Vorjahr, um 73 gegen das 1. Jahr! Ferner verzeichnen wir mit besonderer Genugtuung die Teilnahme, welche die Kuliusgemeinden der Provinz unserem Unternehmen entgegeilbringen. Im Vorjahre waren nur 6 Kulrusgemeinden uns beigetreteu, Heuer sind es 15! Und auch die Zahl der Einzelmitglieder stieg von 45 auf 56. Somit können wir auf Grund von Zistern und Tatsachen einen besouderen Aufschwung imseres Vereines konstatieren, ein Moment, das den gesamten Vorstand mit hoher Befriedigung und mit Dank gegen alle erfüllt, ivelche uns helfend zur Seite stehen. Namentlich sei hier der beiden israelitischen Humauilätsvereine „Eintracht" und „Wien" gedacht, welche wieder ihren edlen Intentionen gemäß Gutes fördern, dann des Leiters des stiidenlischen Exekutivkomitees, Herrn cand. phil. Josef Thieberger, der mit Elfer die Organisation und die 'Werbung leitete und mit Beharrlichkeit die Interessen des Vereines überall vertrat. Ein noch deutlicheres Bild von der Tätigkeit unseres Vereines erhält man, wenn man sie mit der gleicher Vereine oder Einrichtungen in Parallele gestellt wird. Wir beziehen uns hiebei aus das „Statistische Jahrbuch der Stadt Wien für das Jahr 1905" Wien, 1907. Der Allgemeine Studenten-Untersti'itznngsverein an der Wiener Universität hat bloß fünf Mitglieder unterg erbracht, der Unterstützungsverein für Hörer der Rechte ebenda von 490 Arbeitnehmern keinen, der Pbilosophen-Unrerstützungsverein von 163 — 61. Dagegen sehen wir, daß der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis in Wien fast 50°/, unterbringt, die gewerblichen Genossenschaften Wiens versorgen durch ihre Stellenvermittlung über 65%, die städtischen Arbeits- und Dlenstvermitrlnugsümrer 7ö°/0. Das lehrt uns, daß die Vermittlung für die Berufe der Handwerker leichter arbeitet, aber die freien Berufe, beziehungsweise die Lekuonenverinittlnilgen. nur einen geringen Prozentsatz versorgen. Sv hatte der Verein der Lehrerinnen und Erzieherinnen in Oesterreich 1905 353 Srellensuchende und brachte 56 unter. Der erste Verein katholischer Lehrerinnen und Erzieherinnen in Oesterreich verzeichnet 512 Stellensuchende und 103 Untergebrachte, das sind wieder Zeichen, die unsere Tätigkeit mit hellem Licht bestrahlen. Wir glauben zufrieden sein-zu könueit und werden mit Recht ans der bestehenden Basis weiter arbeiten. Es mag vielleicht an unserer Organisation liegen, bei der Bürger und Hochichüler zusammenwirken, daß unsere Jnstitntlon so erfolgreich ist. Das drückt sich auch in folgenden Ziffern aus: Mit einem Budget von rund 990 Kronen per Jahr schaffen wir Verdienst von m i n d e st e n s 60000 Kronen jährlich, wenn wir nur 10 Arbeirsmonare und einen durchschnittlichen Monatsverdienst von 50 Kronen per Kopf annehmen. Zahlen sprechen! In der Leitung des Vereines trat keine besondere Veränderung ein. Wir wünschten freilich, daß auch jeder einzelne unserer Kollegen die Ersprießlichkeit und Notwendigkeit der Arbeitsvermittlung an jüdische Hochschüler als einen weisen Akt sozialer Fürsorge anfehe, der mit geringen Mitteln viel erreicht, der Almosen verschmäht und durch Arbeit die Armen hebt. Herrn Bankier Lncian B r u n n e r sei auch heuer wieder für seine Gastfreundschaft besonders gedankt. Wien. (G o l d s ch w i n d l e r i n R n ß l a n d.) Die Wiener k. k. Polizei-Direktion verlantbart folgende W a r n u n g vor Betrügereien und s ch w i ii d e l h a f t e n - V o r s p i e g e l u n g e n, welche von unbekannten Tätern in Rußland herrühren. Seit jüngster Zeit erhalten verschiedene Personen Briefe, die durch ihre nahezu gleichlautende Fassung an die beim sogenannten SchatzgräberiEntierro-) Schwindel in Gebrauch stehenden Briefe erinnern Der Betrug wird in folgender Weise inszeniert: Das auserkorene Opfer bekommt zunächst den erwähnten Brief, in welchem der Absender mit „Jl:a Gurland, Adresse Wilna postlagernd Gnrlaud" zeichnet, bekannt gibt, er habe 60 Pfund Berggold, die Probe in Srüininchen geschmolzen. Er verspricht die Ware dem Adressaten mit 25°/0 Nachlaß. alles zum Goldknrse, eventuell unter Einräumung von Kredit, zii verkaufen. Der Schreiber, welcher die Adresse des Empfängers von einer in Oesterreich lebenden Person erfahren haben will, fordert den Adressaten ans, selbst die ganze Ware zu kaufen, oder einen kaufkräftigen Bekannten namhaft zu machen und verlangt telegraphische Mitteilung von der Annahme, angeblich um dem Reflektanten sodann den Ort des Geschäftsabschlusses bekanntgeben zu können. Hiebei wird der Adressat speziell anfgesordert, nach Rußland zu kommen und sich mir allen nützlichen und notwendigen Mitteln, sowie mit Probierzeug zu versehen. Das ausgewählte Opfer noch sicherer zu machen, rät der Offerent auch zur Mitnahme von „Scheidewasser" behufs Prüfung der Ware, erklärt sich auch bereit, die Stämmchen von Reflektanten zerschneiden und einschmelzen zu lassen. Als Adreffe, an welche das oberwähnte Telegramm abzusenden ist, wird regelmäßig „Rußland, Mir Minski Gub, Dowostrebowacice 49, Jlia Gnrland" angegeben. Wird dieses Telegramm wirklich abgeschickt, so bekommt das Opfer einen zweiten Brief, worin der Schreiber ersucht, von dem Einverständnisse niemandem etwas zu sagen; gleichzeitig wird dem Reflektanten die Reiseroute bekanntgegeben. Als den Ort des in Aussicht genommenen Zusammentreffens bezeichnet er die Stadt „Resitze", wohnt der Reflektant über Warschau, Petersburger-Bahnhof oder über Deutschland via Mirballeu reisen solle. Entschließt sich ein Briefempfänger tatsächlich zu der Reise, so muß . er am Wege noch telegraphisch an die avisierte Adresse den erfolgten Reiseantritt bekanntgeben. Der Endzweck aller dieser komplizierten Machinationen besteht offenbar darin, das Opfer nach Rußland zu locken und ihm, sobald es russischen Boden betreten hat, sein. Geld abznnehmen. worauf es, aller Mittel und Hilfe entblößt, an dem ihm fremden Orte seinem Schicksale überlassen wird. Hiebei ift zu bemerken, daß auch eine Inanspruchnahme der russischen Behörden an Orr und Stelle keine Aussicht auf Hilfe bietet, da nach russischem Gesetze das Unternehmen des Geschädigten, sich auf d:e geschilderte Weise in den Besitz von Geld zu versetzen, als Versuch einer strafbaren Handlung sich darstellt und die Gewährung eines Schutzes von behördlicher Seite daher nicht gewärtigt werden kann. Prag, 6. Juni. Heute Vormittags hat in der Klaussynagoge eine Trauerfeier für den verewigten Oberrabbiner Markus Hirsch i. A., der vor seinem Abgänge nach Hamburg nahezu 10 Jahre in Prag gewirkt bat. über Veranlassung der Repräsentanz startgefundeil. Herr Oberrabbiner Dr. N. E h r e n f e l d hob in schwungvoller Rede die edle Menschlichkeit und große talmudische Gelehrsamkeit seines hier noch im besten Andenken stehenden Amtsvorgängers hervor. Die kantoralen Funktionen verrichtete Herr Oberkantor Schwarz in vorzüglicher Weise. Ploni. Teplitz. Am 1. Jlmi fand hier die Vermählung des Frl. Elly K u r r e i u mit Herrn B. L i ch l e n st e i n ans Wien statt. In der ganzen hiesigen israelitischen Gemeinde, der Professor Dr. K u r r e i n durch 21 Jahre als ein glänzender Kanzelredner angehört, zeigte es sich, daß man gern die Gelegenheit wahrnahm. bei diesem Familienfeste einen Mann zn ehren, dessen hervorragendes Wirken der Religionswissenschaft und der ans ihr resultierenden Ethik gewidmet ist. Unter Führung des ersten Knltusvorstehers Dr. med. Stein erschien zur Gratulation eine Deputation der Repräsentanz und überreichte als Ehrengabe ein silbernes Prunkstück für die Tafel. Tie Ergänzung für das Hanptobjekt spendeten die Vereinsvorstände. Im Namen des Rabbinerverbandes in Böhmen, erschien Herr Professor Dr. B i a ch aus Brüx unD überreichte ein dein Brautpaar gestiftetes kostbares Andenken. Herr Tempel-Vorsteher Dr. Krauß ließ für die Trauung den ganzen Altarranm mit herrlichem Blumenflor umgeben und das Trifolium von Solo- Violine, Harfe und Orgel, das mit seinem idealisierten Klanggepräge der weihevollen Stunde ein vom Herkömmlichen gesondertes Gepräge gab. ging dem eigentlichen Tranungsliede voraus, das in Verschmelzung von religiöser Melodie und modern-harmonischer Gliederung eine Talentprobe des Oberkantors Engen D a w i s o u bedeutet. Vom Komponisten erhielt die Braut das Lied in Prachtband als Widmung. Mir einem Daiikgebet an Gort begann Professor Dr. K n r r e i n seine Trannngsrede; er sprach wie der Vater zn seinen Kindern, utib gerade der Znsammenklang von eigenster Empsindnng mit dem religiösen Inhalt der Rede wirkte ergreifend. Doch die Beweise von Sympalie und Hochschätznng ehren nicht bloß den Empfänger. Darin dokumentiert sich das Dankbarkeitsgefühl, das eilte vornehme Gemeinde treu geleisteten Diensten entgegenbringt. Berlin. (M i 11 e; l u u g aus dem Deutichen Bureau der A l l i a u c e I s r a e l i t e Universelle.) Das Zenrral-Komitee der Alliance Jsraelite Universelle in Paris hat in seiner Sitzung vom 2. Juni als Beitrag zn den Einrichlungskosten des von dem Verein für Obdachlose in Hamburg erworbenen und umgebauten Hauses eine Subvention von 2500 Mark votiert. Austritte ans dem Judentum. Borges L i n d a. Prag, ledig. Porzellangasse 36. Or. Viktor Krüger. Kapellmeister. Wien, ledig. Obere Douaunraße 99. G o r l i tz e r C h r e z e n z l a. geb. Feiffer Rab, verheiratet, Rennweg 5. W o l l n e r Josef, Adjunkt, Wien, ledig. Jnlienstraße 11. Weiß Stefanie, geb. Obinger. Bedienerin, Wien, geschieden, Mariahilferstraße 102. Klare Ella, geb. Baumgarten, Raab, verheiratet, Leisgasse 7. Bauer Felix, Kaufmann, Wien, ledig, Liechtensteinstraße 53. Bi ach Emma. Privat. Wien, ledig. Obere Donanstraße 19. R o n s p e r g e r M a r i e r r e. Baden, ledig, Hohenstausengasse 2. H a n d l Samuel, k. f Professor. Prerau. Verb., Auron Frankgasse 5. Ro usperger Eugenie, geb. Fischer, Private. Wien. Hohenstausengasse 2.