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Die Wahrheit · 1909-06-04 · Heft 22 (4.6.1909) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 22 (4.6.1909)
Date
1909-06-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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©eite 6. Die Wahrheit Nr. 22. auf die Gegend geworfen haben —, nicht zu erwähnen das; türkische Postamt. Sind die Inden schon ein so kleiner Bruch-! teil der Bevölkerung in Palästina, noch viel kleiner ist ihr j Landbesitz. Trotz aller der von Baron Edmund Rothschild und; so mancher Gesellschaft in Europa gegründeten jüdischen Kolonien besitzen die Juden nur zwei Prozent des Landes von Palästina; 98 Prozent gehören Nichijuden. Um die jüdische Macht in Palästina zu vermehren, arbeitet dort eine unter englischer Flagge handelnde kleine Bank, aber unglücklicherweise ist dies nicht die einzige Bank in Palästina. Die große französische Bank, der Kredit Lyonnais, eine bedeutende deutsche Bank, die Deutsche Palästina-Bank, und last not Isast die Ottomanbank, alle diese haben ihre Filialen, und die französischen und deutschen Interessen werden von mächtigen Flotten und Armeen und Konsuln geschützt. Die Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem ist eine französische Unternehmung und ebenso die meisten anderen Bahnen in Palästina und Syrien. Das sind nur einige von den Schwierigkeiten, die sich dem edlen Wunsche entgegenstellen, Palästina in ein öffentlich anerkanntes, rechtlich gesichertes Heimatsland für das jüdische Volk zu verwandeln. Was die Volksmeinung betrifft, daß diese Schwierigkeiten durch die türkische Konstitution plötzlich zerstreut oder wenigstens vermindert worden seien, so kann ich Sie nur bitten, den ofstzielleu Bericht in der „Welt" über die Versammlung des großen Aktionskomitees von Mitte März zu lesen. Dr. Tschlenow behauptete, daß die Zeit für die Gründung einer Agrarbank in Palästina gekommen sei. Präsident Wolffsohn entgegnet, daß sie ganz undenkbar wäre; daß alle alten Gesetze, die eine solche Bank unmöglich machen, noch in Kraft find. Aber ebenso wie Herr Wolffsohn eine Agrarbank gründen könnte, könnte ein Kind versuchen. die Pyramiden zu heben. Das Uebergewicht einer halben Million Araber und Christen und der unzähligen christlichen und mohammedanischen Heiligtümer mit ihren unzähligen fanatischen Pilgern lastet erdrückend auf dem jüdischen Lande. Ein Privilegium, von kaiserlichen Truppen geschützt, hätte der Anglo- Palästina Company etwas Autorität über die nichtjüdischen Elemente gegeben, aber mit der neuen türkischen Konstitution verschwand die Hoffnung auf ein Privilegium. Die so tapfer, wenn auch blind gegen diese verzweiflungsvolle Uebermacht kämpfenden Zionisten besitzen meine größten Sympathien. Aber im Interesse der tragischen Stellung ihres Volkes ist es heilige Pflicht, auf die tatsächliche Situation Rücksicht zu nehmen. Das Fehlen zionistischer Pläne. In dem „Jto"-Blaubuch, das ich in der Hand habe, sind zehn Kolonifationsplane in zehn verschiedenen Gegenden gesammelt. alle diese Pläne schließen große Schwierigkeiten in sich, aber alle erklären sich ehrlich, welche diese Schwierigkeiten sind, und zeigen in großen Zügen, wie es möglich wäre, diese Schwierigkeiten zu überwinden. Ein solcher zionistischer Bericht wurde nie verfaßt, nie wurde ein Plan zur Ueberwiudung der Schwierigkeiten in Palästina aufgestellt. Bis in die letzte Zeit war nicht einmal ein zionistisches Buch über Palästina zu bekommen. Jetzt gibt es deren zwei, — eins das ausgezeichnete Handbuch von Davis Trietsch und das andere der wunderbare Bericht von Herrn Kann, einem der Häupter der Bewegung, über seine Reisen in Eretz Israel. Aber keines dieser Bücher ist eine offizielle Veröffentlichung, noch erklärt es, wie die riesigen Scbwierigkeiten zu überwinden wären auf dem Wege, die arme kleine Priesterdonläue Palästina in eine öffentlich anerkannte, rechtlich gesicherte Heimat für das jüdische Volk zu verwandeln, und obwohl Herr Kann einen finanziellen Plan, der eine erfrischende Breite besitzt, entwickelt, legt er Gewicht darauf, zu erklären, daß er rein Privatmann und nicht autorisiert sei. Was „Syrien, einen anderen Teil Türkifch-Asiens, die Halbinsel Sinai und die Insel Cypern" betrifft, die ebenfalls in dem zionistischen Programm augedeutet sind, so kommen sie noch weniger unter dem Titel von Projekten vor. Denn obwohl in Palästina kein Plan bestand, so gab es doch Tätigkeit. Aber mit Ausnahme des torgeborenen Projektes von El-Arisch (das eine entsetzliche Wüste ist) bestand nach diesen anderen Richtungen nicht einmal die Absicht, eine Tätigkeit auszuüben. In kurzem: Es ist heute unmöglich, aus einen einzigen zionistischen Plan für irgend einen Teil des dem Jüdischen Kolonial-Trust offenen Gebietes hinzuweisen. Hätte so ein Plan existiert, so hätte die „Jto" die Zionisten schon längst eingeholt, oder vielmehr die „Jto" wäre nie gegründet worden. Infolge des Fehlens eines solchen Planes war die „Jto" gezwungen, sich nach einem solchen umzutun. Das jüdische Volk kann nicht von einer Liste geographischer Namen leben. Die geographische Kommission. Aber bei der Ausschau nach diesem Plan betrachtete sich die „Jto" nicht als ein privates Syndikat. Sie nahm die Stellung als Organ des jüdischen Volkes auf, die der Zionismus verlassen hatte, und berief zu ihrem Beistand einen Aeltestenrat, um über ihren Plan zu urteilen, falls sie so glücklich wäre, einen solchen zu finden, so daß der Plan vor der Welt nicht als der verhätschelte Plan einer Clique, nicht als ein „Jto-Plan" sondern als ein Plan zu gelten hätte, der von den scharfsinnigsten Kritikern geprüft, und erwogen wurde, — ein Plan, der hoch erhaben über Eigensinn und Vorurteil steht, ein Plan, der vom ganzen jüdischen Volke ruhig ausgenommen werden kann. Zu den fünf Aeltesten, die ursprünglich die Kommission bildeten, wurden jetzt Herr Daniel Guggenheim, der amerikanische Silberkönig, und der Richter Sulzberger hinzugenommen, dem neulich die Stelle eines amerikanischen Gesandten in Konstantinopel angeboten wurde, eine Stelle, die gerade von einem anderen unserer geographischen Kommissionsmitglieder angenommen wurde. Die sieben Männer nehmen alle in der Achtung ihrer Mitbürger die höchste Stelle ein, sowohl bei Juden als bei Christen; alle sieben sind aufrichtig bemüht, das jüdische Problem zu lösen und die „Jto" ist überzeugt, daß das jüdische Volk Vertrauen zu ihrem Urteil haben wird. Der eine Plan wird — wenn wir ihn finden können — das einige Volk schaffen. Deshalb haben wir von der „Jto" das Werk ruhig in Angriff genommen, ohne die Meinungsverschiedenheiten des jüdischen Volkes oder die Angriffe der Feinde ernst zu nehmen. Wir haben weder mit dem, noch mit jenem gestritten. E i n Problem steht vor uns und nur eins. Das einzige P r o b l e m. Gibt es ein Land? Gibt es ein Land, so groß, so unbewohnt, so fruchtbar und für die Juden so offenstehend, daß der Auswandererstrom ruhig dahin gelenkt werden kann mit der Aussicht, dort eine Heimat für Millionen unseres Volkes zu errichten? Gibt es ein Land? Sie sehen nun, das ist die Frage einer einfachen Tatsache, wie etwa sind Berge in Mile End oder nicht. Sie können darüber nicht abstimmen. Sie können das nicht vor einen Kongreß bringen. Entweder sind Berge in Mile End oder nicht. Redner mögen jubeln, Journalisten schreiben, Gesellschaften ihre Präsidenten wechseln — die Tatsache kann nichts ändern. Wenn in Mile End nicht Berge sind, so sind eben keine. Wenn dort nicht Land für die Juden ist, so ist keins. Wenn in der Welt kein Raum für die Wiedergeburt eines jüdischen Volkes aus jüdischem Boden ist, nun, umso schlimmer. Aber wenigstens wollen wir nicht unsere Chancen verringern, indem wir jedes Land mit Ausnahme eines wegwerfen. Der amerikanische jüdische Humorist Bernard Richards erzählte neulich eine Geschichte von einem Juden, der in Berlin auf den Bahnhof kam, ein Goldstück niederlegte und ein Lillet verlangte. „Aber wohin denn?" fragte der Bahnbeamte. „Es ist mir ganz egal", antwortete der Jude. Das ist die Wahrheit über den Juden. Stellen Sie irgendwo ein Zentrum ans — ein Zentrum, wo er sein Brot verdienen kanll — und er wird dorthin gravitieren. Er will sogar nach Palästina gehen. Das C y r e n a i k a - P r o j e k t. Unter den zehn im „Jto"-Blaubuch entworfenen Plänen! griff der britische Sektionsrat zwei als die besten heraus und I erklärte sie für gleichwertig. Welcher von den beiden besser war,

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