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Die Wahrheit · 1909-05-20 · Heft 20 (20.5.1909) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 20 (20.5.1909)
Date
1909-05-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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afjrfjeit Jitbafllon li. iNbiumifti aiiou: j; OMeu, II/, 3hnuuni]a|ie 27 j! brr ^niifcrs! 15SUS j ü. k. öfterr. Postsvnrkassa- Scöccf-ftouto Dir. 100.918. | 3lU'CVatc || Die uicrmal geiüuUeite |j Noiivarkilte-Ztlie 26 Helirr. jj nboiiiiciiuui»- u. non».! betrübe ü»b tu IHMeii jitblDit; j| ■mb fliirtbut. ji nakhängtge Aeitschnft für jü5ische Intere^en^ Kr scheint jeden Ireitag. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 1 iH’mmn'Met#: jj ] t»iuMtaGtirt . . k »*.—! H.,IdiSl»ri»! » 7 j! ftiiv ÄiiltnSbkumte: ji it.uni.iOvij je tu Mir A»S1»»d: lUitii^li'IQi U ... X Ulli; i t ti illiiDtt obre m;sc» in . 20 Wien. 20. Mai 1000 Inhalt: Aus der Woche. — Der Haushalt der Wiener Kultusgemeiude. — Die jüdische Wissenschaft außerhalb des Jiwenlilills. — 36. ordentlich^ Generalversammlung der „Israelitischen Allianz zn Wien". — Verschiedene Nachrichten. — Die Stellung der Kantoren znr Gemeinde' organisation. — Zum traditionellen Gesang. — Bon der Anteilnahme nichrjüdischer Musiker am Synagogengesang. Ans der Woche. Als Nachspiel zn der keineswegs erquicklichen Illustration j galizischer Verhältnisse durch die Abgeordneten Dr. Gabel, j Stand nttd Dr. Brande am Gemeindebundestage hat letzten Samstag im Hotel Guth eine Protestversammlnng der j hiesigen Galizianer stattgesunden, die jedoch durch das turbulente j und gewalttätige Auftreten der jugendlichen Zionistengarde ge-! sprengt wurde. Wiener Galizianer wollten gegen Verunglimpfung | ihrer Landsleute Protest erheben, und westliche Studenten, die! die Sache doch blutwenig angeht, ließen -sie nicht zu Worte! kommen. Es mag dahin gestellt bleiben, ob die Einberufung | dieser Versammlung überhaupt taktisch richtig war, wir selbst I sind der Anschauung, daß diese nicht besonders appetitliche Suppe : in Galizien selbst hätte ansgekocht werden sollen, und daß unter ■ den trüben politischen Auspizien gegenwärtig mehr denn je alles; vermieden werden soll, was die Kluft zwischen West und Ost! erweitern könnte, aber trotzdem muß mau ganz entschieden Stellung ■ nehmen gegen den Terrorismus, der in allen jüdischen Versammlungen von unreifen zionistischen Studenten geübt wird, die wenn selbst ihre nicht unbeträchtliche Lungenkraft nicht aus- : reicht, rasch mit „schlagenden" Argumenten bei der Hand sind ' und jede ruhige Diskussion unmöglich machen. Gegen dieses Treiben wenden sich nicht nur alle jüdischen Kreise in Wien, die außerhalb der Partei stehen, sondern auch die ernsten Männer innerhalb derselben mißbilligen dasselbe, und die zionistische Parteileitung sollte da selbst Ordnung schaffen, wenn sie nicht jeden Boden und jeden ernsten Anhang in Wien verlieren will. * * * Alexander von Humboldt, der große Naturforscher und Apostel der Humanität und Glaubensfreiheit, ist vor nunmehr 50 Jahren (6. Mai 1859) ins Grab gesunken. Der vielseitige Gelehrte hat nicht nur in seinem klassischen Meisterwerk „Der Kosmos" seine ideale Auffassung der Postnlate einer höheren Kultur niedergelegt; auch als Staatsmann ist er mit Freimut und Unerschrockenheit für diese Forderungen eingetreten. Er war ein erklärter Gegner der Rassenüberhebung. Im „Kosmos" äußert er sich hierüber u. a.: „Die Gliederung der Menschheit ist nur eine Gliederung in Abarten, die man mit dem, freilich etwas unbestimmten Worte Rassen, bezeichnet. — — Indem wir die Einheit des Menschengeschlechtes behaupten, widerstreben wir auch jeder unerfreulichen Annahme von höheren und niederen Menschenrassen. Es gibt bildsamere, höher gebildete, durch geistige Kultur veredelte: aber keine edleren Volksstämme. Alle sind gleichmäßig zur Freiheit bestimmt: zur Freiheit, welche in roheren Zuständen dem Einzelnen, in dem Staatenleben bei dem Genuß politischer Institutionen der Gesamtheit als Berechtigung zukommt." Dem Ministerium Eichhorn, das 1847 das berüchtigle Judenedikt erlassen, gibt er in einem Briese an Karl Jvsias von Bunsen (28. 7. 1847) eine bittere Pille zu schlucken: „In dem Judengesetz hat uns das Kultusministerium eben gelehrt' daß Juden nicht einmal extraordinäre Professoren der Geschichte, der heidnischen und griechische Mythologie und der orientalischen Sprachen sein können. Es ist ein trauriger Z n st a n d. wenn ein ganzes Volk in seiner geistigen Bildung hoch über d e r d e s M i n i st e r i n m s st e h t." Ju einem Briese an den Grasen Stollberg geht er ans die rückschrittliche Tendenz dieses Jndengesetzes noch näher ein: „Ich habe mit einem Schmerze, dessen Motive und Richtung Sie mit mir teilen, die Anlage („Journal des Debars" vom 10. Mürz 13-12 gegen das unter Eichhorn erlassene preußische Judengeiey) gelesen. Ich hoffe, daß viele» sehr falsch und hämisch abgefaßt ist, wäre es nicht, so halte ich die beabsichtigten Neuerungen nach meiner innigsten lleberzeuguug für höchst aufregend, mit allen Grundsätzen der S r a a t s k l n g h e i t st r e i t e n d, zu den bösartigsten Interpretationen der Motive veranlassend, Rechte raubend, die durch ein menschlicheres Gesetz des Paters bereits erworben sind und der Milde unseres jetzigen Monarchen entgegen. Es ist eine gefahrvolle Anmaßung der schwachen Menschheit, die alten Gesetze Gottes auslegen zu wollen. Die Geschichte sinsterer Jahrhunderte lehrt, zu welchen Abwegen solche Deutttngen den Mut geben. Die Besorgnis, mir zu schaden, muß Sie nicht abhalten, von diesen Zeilen Gebrauch zu machen; man muß vor allen Dingen den Mut haben, seine Meinung zu sagen." Ja, „man muß den Mul haben, seine Meinung zn sagen." Diese Mahnung ist auch heute noch — ein halbes Jahrhundert nach dem Tode dieses ausgezeichneten Gelehrten und Staatsmannes — in der Tat sehr am Platze. * „Sauter Juden!" so heißt es immer in den antisemitischen Blättern. Wieviel Juden gibt es eigentlich in der Well? Die Statistik spricht von 7 Millionen. Das ist natürlich jüdischer Schwindel, um die Wahrheit zu verschleiern. In Wirklichkeit gibt es mindestens 100 Million Juden ans Erden. Sa sind in Deutschland von den 60 Millionen Einwohnern mindestens 40 Millionen Juden. Sicher ist eigentlich nur, daß die. die sich durch antisemitische Heldentaten, oder wenigstens durch judenfeindliche Gesinnung legitimieren können, keine Juden sind. Zahlen sie auch noch Beiträge für die Partei, dann sind sie natürlich reine Germanen, und wenti auch ihr Name echt polnisch klingt. Bei den anderen ist die Abkunft schon ein wenig zweifelhaft. Die aber liberal denken, sind sicherlich Inden. Die „Deutschsoz. Bl." haben ein besonderes Bureau zur Entdeckung der Juden errichtet und das Geschäft geht glänzend. Jede Woche werden Dutzende, ja oft Tausende neuer Juden entdeckt. Das Verfahren ist ebenso genial wie einfach. Führt einer einen

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