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Die Wahrheit · 1909-03-19 · Heft 12 (19.3.1909) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 12 (19.3.1909)
Date
1909-03-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 12 Lemberg. Der langjährige geschätzte Mitarbeiter dieses Blattes, Herr Llsck. Dr. Rüben Vierer, begeht am 22. März d. I. seinen 70. Geburtstag in vollster körperlicher und geistiger Frische. Der Jubilar, einer der ersten Propagatoren des Zionismus und bis heute noch einer der feurigsten jüdischen Patrioten, erfreut sich in den weitesten Kreisen der größten Wertschätzung, die audiesem Anlässe gewiß auch in den mannigfachsten Formen zum Ausdruck gelangen wird. Berlin. Der königl. General-Musikdirektor Dr. Richard Strauß ist zum Mltgliede der Akadamie der Künste ernannt worden, ebenso Profesior Hugo Lederer für die Abteilung der bildenden Künste. Bekanntlich ist letzterer der Schöpfer des Bismarck-Monumentes in Hamburg. Kirre geöildete Irarr. Von Babette Fried. (Fortsetzung.) Siebentes Kapitel. Diese vorher erzählten Begebenheiten hatten sich im Herbste des Jahres 1866 ereignet, des für Oesterreich so unglücklichen Kriegsjahres. Am 3. Angnst wurde der heiß ersehnte, mit schweren Opfern erkaufte Frieden geschlossen, und Volk und Reich atmete erleichtert aus, sich neuen Hoffnungen auf bessere Zeiten hiugebeud. Ein dauernder Frieden sollte die Wunden heilen, welcher dieser unheilvolle Krieg allen Schichten der Bevölkerung geschlagen. Doch alsbald näherte sich ein anderer Feind, der nicht wie jener, Mann gegen Mann, Heer gegen Heer, austrat, sondern heimtückisch im Verborgenen heranschlich und gleich Amalek in der Wüste die Armen, Schwachen rind Ohnmächtigen überfiel und erbarmungslos hinwürgte: die Cholera. Aber auch diesen Feind halte das schnell gekräftigte Oesterreich überwunden, und lvenige Jahre nachher rüstete es sich, der staunenden Mitwelt das glänzende Schauspiel einer Weltausstellurlg zu bieten. Doch da hatte das Wort vom „glücklichen Oesterreich" (felix Austria) gelogen. Am ersten Tage des Wonnemonates wurde die Ausstellung in Gegenwart des Kaisers, des Kronprinzen und vieler illustrer Persönlichkeiten eröffnet und schon am 6. desselben Monates brach der Börsenkrach über das erschreckte Wien ein. der große, große Krach, wie der Refrain eines damals in Mode gekommenen Couplets lautete, der Börsenkrach. der den Erfolg der Ausstellung wenn nicht vernichtete, io doch in Frage zu stellen schien. In eingeweihten Kreisen kam die Krise nicht so ganz unerwartet und waren von berufener Seite so manche Warnnugsrufe ausgegangen. Aber wirkungslos verhallten diese Kassandrarufe. Ein Taumel der widerlichsten Art hatte die Bevölkerung der Haupt- und Residenzstadt ergriffen, und die sozialen Verhältnisse waren durch die unnatürlichen Zustände an der Börse geradezu auf den Kops gestellt. Leute, welche vor kurzem noch einen schwerbeladenen Handwagen schweißtriefend vor sich hergeschobeu, fuhren jetzt in eigener, eleganter Karosse und gingen mit dem Gedanken um, sich eilte der prächtigen Villen zu kaufen, welche die Landstraßen in der Umgebung der Stadt einsäumten. Besonders des kaufmännischen Nachwuchses hatte sich das Börsenfieber bemächtigt. Gewöhnliche Kommis, welche anfangs spaßhalber ihre mühsam erworbenen Sparpfennige an die Börse trugen, bekamen gar bald Geschmack an der Sache, spielten weiter, und hatten alsbald ein Vermögen erspielt, welches sie so verwegen machte, den bisherigen, wenn auch mauchesmal nicht glänzenden, so doch ehrlich nährenden Posten auszugeben, und als privilegierte Pfiasiertreter, als neugebackene Gigerl, ein Bnmmelleben zu beginnen. In alle Kreise war diese verderbliche Epidemie eingedrungen, überall gab es Leute, und sonst nicht die Unvernünftigsten, welche aus diese leichte Art nicht nur Reichtümer zu erwerben suchten, sondern auch mit dem leicht erworbenen Vermögen einen Luxus zu führen begannen, den sie sonst nur von fern, mit kaum unterdrücktem Neide sich entfalten sahen. Aber sie alle ahnten nicht, diese betrogenen Betrüger, daß diese kolossalen Werte, die an der Börse spielend gewonnen wurden, tatsächlich nur aus dem Papier bestanden, und als eine Realisierung ftatlfinben sollte, da zerfielen diese ausgeschriebenen Geldsummen wie glänzende, hoch in die Lüfte schwebende Seifenblasen. Dann aber, als ihnen diese Erkenntnis kam, war es zur Umkehr zu spät. Die Meisten hatten die Brücken hinter sich verbrannt. Selten war einer so vorsichtig gewesen, in der Zeit des Ueberflnsses an spätere ungünstigere Zeiten zu denken, wo diese unerschöpflich scheinende Quelle des Reichtums versiegelt werde. Es ist die alte Geschichte des ägxptischen Königstraumes gewesen, daß den fetten Jahren die magereii folgen werden, doch war den Wiener Börsianern kein Josef erschienen, welcher dem betörten Volke die Angen geöffnet und einen Vorrat für die Zeiten der Not aufgespeichert hätte. _ (Fortsetzung folgt.)_ Aufruf! Au das wohltätige jüdische Herz! Die gefertigte Vereiusleitung, welche alljährlich zu nvs (Oslerseiertage) eine große A n z a h l armer, hilfsbedürftiger Glaubensgenossen mit beit irötigen Lebensmitteln beteilt, erlaubt sich auch diesmal mit der höflichen Bitte an Euer Hochwohlgeboren heranzutreten, es der gefertigten Vereiusleitung möglich zu machen, den an Sie gestellten Bittgesuchen nur teilweise Rechnung tragen zu können und zu diesem edlen Zwecke eine gütige Spende zu führen zu wollen. Der humanitäre Hilfsverem „Treue Brüder", welcher getreu seiner Tendenz, Armen in allen ihren mißlichen Lagen hilfreich beiznstehen, hat sich auch den in unserer tz a g a d a befindlichen Satz 'wi w psan ba („Der Hungrige soll sich satt essen ") zur Aufgabe gemacht und erwartet mit Zuversicht Ihre gütige Unterstützung. Hochachtungsvoll Salo Straus, Präsident. Adolf Biber, Schriftführer. Literatur. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Herausgegeben von Leo Winz. Verlag von O st und W e ft, Berlin 8. 42. Organ der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der „Alliance Jsraslite Universelle". 9. Jahrgang. Heft 3. März. 1909. Inhalt: „Das Moses MeudelSsohn-Denkmal in Berlin": a) Weihrede deS Geh. Reg.-Rates Prof. Dr. Ludwig Geiger, b) Ansprache des Justizrates Berthold Time nd o r f e r. c) Antwort des Sanitätsrates Dr. Julius Stern. „Rudolf Marcuse." (Mit 13 Illustrationen.) Von M. R a p s i l b e r. „Im Ainsterdamer Ghetto." Von B. G u t t m a n n. „Londoner Bilder." Von Max S ch a ch e r l. „Heimreise znm Passah-Fest." Von Scholaum Aleichem. „Revue der Revuen." „Wiegenlied." Von B. Zepler. — Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der „A l l i a u c e I s r a ö l i t e Universelle": I. Die sechste Tagung der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Jsraslite Universelle. II. Die Juden in Argentinien. III. Eine Kundgebung in Smyrna. IV. Notizen: a) Hundertjahrfeier des Badischen Oberrates der Israeliten, b) Marokkanische Justiz, c) Brandunglück in Konstantinopel-Galata. d) Bleicherode. e) Spenden, f) Neue immerwährende Mitglieder. — Inserate. Austritte ans dem Judentum. Wöllstein Rudolf, Versicherungsbeamter, geb. 11. Juli 1880 in Wien, derzeit München. Im Wege des k. k. österr.-ung. Konsulates in München. Pickholz Reise l, Private, ledig, geb. 17. Mai 1881 in Lemberg, XL., Wallensteinstraße 161. S t e i u i tz Termine, Private, ledig, geb. 15. Jänner 1884 in Wien, III., Strohgasse 3. Rosen thal Dorothea, Schauspielerin» ledig, geb. 5. Juli 1876 in Wien, IV.. Margaretheilstraße 50. Fischer Leo. Privatbeamter, ledig, geb. 11. April 1890 in Wien, X., Gudrunstraße 142. Bett Max Karl, Photograph, ledig, geb. 19. April 1878 in Wien, VIII., Lercheufelderstraße 48. G y ö r i Elsa (früher G r o ß). Privat, ledig, geb. 31. August 1882 in Budapest, IX., Glasergasse 4. Kohu Antonie Therese geb. I a n i t s ch e k. verwitwet, geb. 25. Juli 1853 in Wien, V., Wiedener Hauptstraße 90. Fischer Klara, Private, verheiratet, geb. 19. Juni 1881 in Preßburg, I., Schottenring 35. Marsik Mathilde, Goldstickerin, ledig, geb. 6. August 1878 in Tomic (Bez. Ledeczin, Böhmen), XIV., Johnstraße 47. Rosenzweig Henriette, Kleidermacheriu, ledig, geb. 8. Juli 1864 in Wien, X., Waldgasse 47. R o s e u t h a l Bernhard E r n st, Journalist, verheiratet, geb. 15. Oktober 1877 in Gladbach, München (Rheiuprovinz), VIII., Florianigasse 38. R o s e u t h a l T h e r e s e g e b. G r o ß m a n u, Journalisteusgattin, geb. 15. Mai 1877 in Klobouk (Mähren), VIII., Florianigasse 38.

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