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Die Wahrheit · 1909-03-12 · Heft 11 (12.3.1909) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 11 (12.3.1909)
Date
1909-03-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ahrcheit «rbuftioii ». ridmiiiitti «ilioil: Wien. 11.', NvplN'N§lsts- 27. Trlrltbuu bfr f't'iirfert! InSHS Unabhängige Zeitschrift für Mische i ileiuiiin'Mei*: i (WitiijiilOrlii . . 1k 14 i ©.ilhirtbvia! . 1k 7 K. k. öslerr. Poslsvarkassa- Viveck-Konto Nr. 100.918. •lut civ.ti: Interessen^ Fiu Öiilt>i3briinite: Die i'ieiiiliil (jfjDiiltciu?toiiparriUe».>{«üe sä Helle:. JlDoitiirmeitl«- u. ^ulciuouibftriiq? und m ailieti iiibloav Erscheint jeden Ar ei tag. *4 If III Für VliiSliiuö : >M„„,t,Ih> ig . . H >01,11 I und fidtiöiu. Motto : „Das Hlegei Holte* lai Wahrheit!** K 'llnbrl obre I« SSt*. |lv. 11 Wie». 12 Mär; 1009. Inhalt: Eine ungehaltene Rede. — Zionismus und Palästina — Aus der Wiener Kultnsgemeinde. — Galizischer Hilfsverein. — Verschiedene Nachlichten. — Ein dringlicher Appell an die Kantoren Oesterreichs. — Feuilleton: Eine gebildere Fran. Eine nugehalleue Kede. D v k ii m ent zur g a l i z i s ck e u Indens r a g e. An die Gesetzes treuen! In der veiflossenen Wahlkampagne hat das gesetzesirene Judentum kein Lebenszeichen gegeben. Erschrecket nicht, meine Herren, ich leugne nicht, daß die gesetzestreuen Inden ihre bürgerliche Pflicht voll und ganz erfüllt haben; aber nicht als Glieder einer Zentrale gingen sie zur Wahlstätte, ausgerüstet mit einer leitenden Idee, kämpften nicht als Partei, Klaffe oder Organisation, betonten keine besonderen Interessen, — die Gesetzestreuen nahmen teil an den Wahlen, aber nicht das gesetzestreue Judentum als solches. Zwei Parolen hörten wir während der Wahlperiode: politische Assimilation, politischer Nationalismus; und diese zwei Gedanken stießen wider einander so heftig, daß zwischen beiden das gesetzestreue Judentum zerdrückt wurde. Ich übertreibe nicht, meine Herren. Jawohl! zerdrückt wurde das gesetzestreue Judentum. Haben wir wirklich keine besonderen Interessen zu vertreten? Haben wir wirklich keine eigenen Forderungen zu stellen? Gewiß haben wir beides. Woher also diese fremdartige Erscheinung, daß sich die orthodoxen Juden während der Wahlen um fremde Fahnen scharten, die einen um die Fahne der politischen Assimilation, die anderen um die Fahne des politischen Nationalismus? Und wo war denn unsere Fahne, die Fahne der Religiös-Nationalen? . .. „Neue Jeremiaden, neue Anklagen ewiger Nörgler," rufen die Nationalen. O nein, meine Herren! Ich komme nicht als! Leichenredner, auch nicht als Ankläger. Ich bin Hebräer, Nationalist, , Zionist, so gut wie ihr. Euere Ideale sind auch die weinigen; auch ich focht gegen die Aisimilanten mit meiner ganzen Kraft, auch ich vergoß Tränen des Zornes, als die Nationalen unterlagen. Aber, meine Brüder, ich bin „religiös", nicht Zionist und auch religiös, und nicht religiös und aitch Zionist, — ich bin Zionist, weil ich der jüdischen Religion angehöre, und ich bin jüdisch-religiös, weil ich Zionist bin. z Es tut mir herzlich weh, o, meine Brüder, wenn euere! Gedanken nicht die meinigen sind, und unsere Wege auseinander-! gehen. Könnte ich es. ich würde meine Gedanken anfgeben. um! euere anzunehmen. Aber ivas tun, ich kann nicht lügen. Ich j kann mir nicht vorstellen jüdischen Nationalismus ohne jüdische 1 Religion, unmöglich kann ich glauben an den Bestand eines jüdisch-politischen Nationalismus, der in seinem Programm das Gesetz, die Religion vermissen läßt. Recht oder Unrecht? Hier stehe ich, ich kann nicht weiter, ach, Gon helfe mir! Brüder! Ich habe euch mein ganzes Herz enthüllt, icb habe euch alle meine Sünden gebeichtet und ich ietze mein Vertrauen auf euere bekannte „Toleranz", daß ihr mich nicht vernrreilen werdet. Die jüdische Religion, welche Sprache, Lileralnr, Ethik und Gebräuche unseres Volkes umfaßt, ist für mich das Hauptmerkmal unserer Nationalität, und wenn ihr von diesem Standpunkte meine Worte betrachtet, werdet ihr mir gewiß meine Sünden vergeben. Uebrigens, ich will weder rechten noch anklagen, sondern diese fremdartige Erscheinung untersuchen, daß, obwohl wir Tausende haben, die sich selbst als streng religiös betrachten und auch von uns als solche anerkannt werden, obwohl es bei uns Tausende gibt, die an jede Erscheinung den Maßstab des religiösen Judentums anlegen. obwohl die Religiösen mit der Regierung Dinge anszutrageu haben, die die höchsten Ideale des Judentums berühren, — haben wir dennoch während der ganzen Wahlperiode von keiner einzigen Tat der Orthodoxen gehört, noch gesehen. Ist die Kraft des galizischeu Judentums bloß geschwächt, oder ist sie schon längst dahin? Befindet es sich im Stadium des Niederganges, oder ist es schon längst gefallen? Ist es das erste Mal, daß in einer allgemeiren jüdischen Frage das galizische religiöse Judentum kein Lebenszeichen von sich gegeben, oder ist aiich diese Erscheinung ein Ring in einer langen Kette?... Wo sind die Fehler zu suchen? Im galizisch-jüdischeu Organismus, d. h. in den Massen der Orthodoxie, oder in ihrer zahlreichen Führerschaft? Haben wir noch irgendwelche Hoffnung oder nicht? Wenn ja, aus welchem Wege sollen wir Heilung suchen? Ich will diese Erscheinung vom Standpunkte des religiösen Inden beurteilen, der dem Untergänge des Judentums nicht ruhig zusehen kann. Ihr glaubt, die jüdische Eigenart könne durch den Nationalismus allein erhalten bleiben. Auch das ist eine Theorie. Nicht hier ist der Platz, darüber zu streiten. Jedenfalls müßt ihr doch zngeben, daß die breiten jüdischen Massen trotz ihrem politisch-nationalen Erwachen in dieser Beziehung anderer Meinung sind, und auch ich stimme ihnen bei. Und von unserem Gesichtspunkte aus, wollen wir die Sache untersuchen. Ich wende mich nicht an die Nur-Nationalen und auch nicht an die „Chassidim" der „Starzynski" und „Glombinski". sondern an die tausende religiös-national empfindender Juden. Ich werde mit ihnen nicht vom hohen Sockel sprechen, ich kann ihnen nicht ein neues Amerika entdecken, — als simpler Jude frage ich euch, meine Herren: „Seid ihr mit dem gegenwärtigen

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