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Die Wahrheit · 1909-03-05 · Heft 10 (5.3.1909) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 10 (5.3.1909)
Date
1909-03-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 10. Die Wahrheit Nr. 10 Vater, der sonst immer ernst und traurig war, fröhlicher werden, sorgloser atmete er an diesem Tage aus; denn reichliche Gaben bekamen sie da von allen — es sei nämlich Sitte, die Armen am Purim zu beschenken. — Und dann habe der Rabbiner mit dem langen, weißen Barte so wunderschön vom Purimfeste erzählt, so schön, daß sie immer habe weinen müssen. Am Abend des Purims seien sie lange zusammen gewesen, lustig war es immer zugegangen und der —-" Da unterbrach Else die Erzählende. Sie konnte sich nicht länger gedulden. „Papa, ich möchte auch ein Purimgeschenk von dir. Du wirst es mir geben! Nicht wahr, Goldväterchen! Laß Ruth mein Schwesterchen sein, sie soll immer bei mir bleiben! Wie hätte da der Vater die Bitte seines geliebten Kindes abschlagen können, da er doch den wohltuenden Einfluß Ruths auf die Kranke merkte? „Gut, Elschen, dein Wunsch soll dir erfüllt werden!" Und er selbst, der reiche Bankier, hatte nicht auch er ein Geschenk erhalten, das schönste und kostbarste, das er überhaupt bekommen konnte? War nicht auch für ihn das Purimfest ein Freudentag? — Die erste Besserung im Befinden seines Kindes nach so vielen Wochen der gefährlichen Krankheit. — Seinem geliebten Kinde ging es besser! Dieser Gedanke machte ihn glücklich. Ruth blieb! — Und Else ward gesund! Im Hause des reichet! Bankiers ist seit jener Zeit das schönste Fest im ganzen Jahre ein jüdisches Fest, das Purimfest — ja sogar schöner noch als Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Uurim-Hrinktied. Frei nach Dr. llnge r's „S’mir ha-Bachurim“ *) von Moritz Antscherl in Wien. „Der Wein erfreut des Menschen Herz." Pf. 104, 1b. Den Becher, voller Wein, Liebt heute groß und klein Und jeder singt voll Lust, Festfreude in der Brust, Beim heitern Zimbelton Ruft unsres Volkes Sohn: „Am Purim, ohne Wein Soll keiner von uns sein!" Das Knäblein, lieb und zart, Ihn schlürft nach seiner Art In weihevoller Srnnd', Am achten Tag denn Bund. Zweimal vom Wein, der blinkt, Das gute Söhnlein trinkt, Drum heut' auch ohne Wein Dürft, Brüder, ihr nicht sein! Wenn fromm die keusche Braut Dem Mann wird augetraut. Dann trinken beide auch Vom Wein nach altem Brauch; Das bringet ihnen Segen Auf allen ihren Wegen. Daher soll ohne Wein Nicht Mann, noch Frau heut' sein! So Trauer füllt das Herz, Und groß sind Leid und Schmerz, Dann soll nach unsren Weisen Man trinken Wein beim Speisen; Der Wein mög' bringen Trost, Wenn Leid uns rings umtost — Erst recht beim Purim-Essen Darf Wein man nicht vergesien. Der König Ahasver Tat jedem große Ehr', Wer zusprach gutem Wein, Der sollt' ein Freund ihm sein. Auch uns sei lieb und wert, Wer heut' den Becher leert. Drum können ohne Wein Wir Purim nimmer sein! *) Aus ,.Higgajon bechinnor“ (Dichtungen), 2. Auflage, Jglau 1885, S. 96 ff. Vom Wein war auch ein Freund Der größte Judenfeind. Für Mardechai, sehr hoch, Der Galgen stand — jedoch Bald hing der Haman oben, Die Feinde all' zerstoben. Daher merkt euch es fein: „Kommt Purim, trinkt mau Wein." So konimt nun, Freunde, her, Nicht länger zögert mehr! Den Mut laßt ja nicht sinken, Mit Jugendkraft zu trinken! Nach Art der frommen Zecher Leert bis zum Grund den Becher Und ruft laut: „Ohne Wein Darf's Purimfest nicht sein!" Nun höret noch zum Schluß, Was ich euch sagen muß: Beim Wein die' wahren Helden Heut' Esther'» Tugend melden, Im Geist den Oheim schauen Der edelsten der Frauen, Zu Ehren beider Wein Sich schmecken lassen fein; Doch merkt: „Den besten Wein Schenkt allen heute ein!" Aufruf! Hochverehrte Landsleute! Das gefertigte Komitee beehrt sich, Ihnen die vorstehende Gründung eines „V e r e.i n e s der H o l l e s ch a u e r" in Wien zur Kenntnis zu bringen. Zweck und Ziel des neuen Vereines ist die Organisation aller in Wien und dessen Umgebung lebender Holleschauer Juden behufs Unterstützung wahrhaft bedürftiger Landsleute, welche gar oft im Getriebe der Großstadt der stützenden und aufrichtenden Hand bedürfen. Daneben soll der Verein Geselligkeitszwecke fördern und durch Veranstaltung von Vorträgen auf. dem Gebiete der Wissenschaft, Kunst und Literatur seinen Mitgliedern wertvolle Anregungell bieten. Daß die angedeuteten Bestrebllngen einem. realen Bedürfnisse entsprechen, erhellt daraus, daß zahlreiche jüdische Gemeinden Mährens uns in der Gründung solcher Landsmannschaften auf Wiener Boden voransgegangen silld. Die kostbaren Jugenderinnerungen, die altehrwürdigen Familientraditivnen, welche viele von Euch mit der Holleschauer jüdischen Gemeinde verknüpfen, werden Euch, hochverehrte Landsleute, hinter den anderen jüdischen Gemeinden nicht zurücksteheu lassen. Wir erwarten, daß auch die außerhalb Wiens wohnenden Landsleute unserem Verein als Mitglieder eine werktätige Unterstützung angedeihen lassen werden. Das V o r b e r e i t n n g s - K o m i t e e: Dr. Friedrich Berg, David G r ä tz e r, Dr. Theodor Grätzer, Albert L ö w, Moritz R o s e n b l a t t. Beitrittserklärungen brieflich an Herrn Albert L ö w, Wien, IX., Schulz-Straßnitzkigasse 13. Anstritte ans dem Indentnm. Arie Eduard, Kaufmann, verheiratet, türk. Ritus, geb. 12. März 1672 in Bukarest (Rumänien), VIII., Alserstraße 57. Fried Erwin, absolv. Jurist, ledig, geb. 29. Juli 1882 in Wien, VI., Gnmpendorferstraße 12. Deutsch Wilhelm Hans, Student, ledig, geb. 16. Dezember 1893 in Wien, XVIII., Karl Lndwigstraße 52. Vale nta Wilhelmine geb. Flach, Magazineursgattin, geb. 5. Jänner 1684 in Konskan (Schlesien). XX., Dresdnerstraße 53. R a p p a p o r t H e r m a n n, Einspännerkutscher. ledig, geb. 1. Februar 1882 in Wien, IX-, Nußdorferstraße 73. H a u d e k I o s e f, Beamter, ledig, geb. 11. Juli 1874 in Wien, XIX., Heiligenstädterstraße 12. Zöllner P e p i, Köchin, ledig, geb. 11. Dezember 1880 in Nagy- Jöka (Preßburger Komitat), IX., Garnisongasse 24. Singer Hugo, stmcl. jur., ledig, geb. 27. Juli 1885 in Mistelbach, IX., Schubertgasse 26.

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