Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 7 (12.2.1909)
- Date
- 1909-02-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7. Die Wahrheit Seite 11. Eine gebildete Krau. Bon Babette Fried. (Fortsetzung.) „Wie viel brauchst Du?" fragte nach einigem Nachdenken Die treue Freundin, „ich kann mehr leisten, als Du glaubst." „So viel denn doch nicht, Lu Gute! Und wenn auch, ich könnte es doch nicht annehmen. Dies mühsam ersparte Lehrergeld wurde mir zeitlebens auf den Fingern brennen." „Rösl! Jetzt spricht wieder das unpraktische Bücherweib aus Dir. Wenn Du eine Schwester hättest, welche Dir freiwillig'den Dir notwendigen Betrag anbieten würde, welcher es lein Opfer, keine Entbehrung kosten würde, Dir und Deinem fleißigen Manne ans der Verlegenheit zu helfen, würdest Du Dich dann weigern, es anzunehmen?" „Das ist was anderes!" „Nichts anderes-es ist dasselbe. Denke daran, Rösl, daß Du mir stets wahre, treue Schwesterliebe bewiesen hattest. Schon als kleine Kinder spielten wir als Nachbarskinder am liebsteit mit einander, und schon damals waren Küsters Gundel und das Jndenrösl unzertrennliche Freundinnen gewesen, welche ihre kleinen Leiden und großen Freitden redlich mit einander teilten. Wie oft brachtest Du mir in der Schürze die besten Bissen, die Du Dir daheim vom Munde abgespart hattest, und welche sonst in der armen Knsterwohnung keinen Eingang gefunden hätten. Was damals recht und in der Ordnung war, sollte es heute nicht sein, bloß darum, weil der Fall ein umgekehrter ist, und ich die Gebende, statt Empfangende sein soll? -Still, unterbrich mich nicht. Ich habe Dich auch ausreden lassen. Als dann Deine Eltern starben und Du ins Waisenhaus gekommen, da hat ein reger Briefwechsel unsere Freundschaft nicht nur aufrecht erhalten und gefestigt, sondern Deinem Rate und Deiner geistigen sowohl als materiellen Unterstützung verdankte ich es auch, daß ich mich aus meinen dürftigen Verhältnissen ausraffen und eine Lebensstellung erringen konnte. Und als dann das schwere Leid, der furchtbare Schlag über mich gekommen, daß meine beiden Eltern durch den Tod von mir gerissen wurden, da hat Dein Zuspruch mich von einer geplanten Verzweiflungstat znrückgehalten. Deßwegen ließ ich mich ja in Deine Nähe hierher versetzen. Bin ich also nicht im wahren Sinne des Wortes Deine Schwester? Habe ich also nicht das Recht, zu verlangen, daß Du meine Hilfe annimmst? Drum noch einmal: Wie viel brauchst Du? Sage nur nicht zu wenig!" „Viel, Du gutes Mädchen! — — 300 Gulden!" „Die sollst Du haben. Aber ist es auch genug?" „Fischer sagt, daß ihm mit dieser Summe geholfen wäre." „Fischer sagt es," meinte Gundel, „ist es aber auch wahr, daß ihm damit geholfen wird?" ..Fischer lügt nicht." „Ich weiß, liebe Rösl, daß Dein Mann nicht lügtaber könnte er sich nicht verrechnet haben, verrechnet, wie damals, wie Du selbst es soeben erzählt? Darum ist es besser, wir sprechen von einer größeren Summe. Wir nehmen also 500 Gulden an. Natürlich als Darlehen. Womit willst Du es aber abzahlen?" „Mit Fleiß und Sparsamkeit." „Mit Fleiß und Sparsamkeit arbeitet Ihr schon viele Jahre und habt es trotzdem nicht weit gebracht. Drum höre meinen Vorschlag. Um der gegenwärtigen Konkurrenz entgegen- .zutreten, müßte Euer Geschäft auf einer anderen Basis bestehen, als auf der bisherigen. Es muß noch ein einschlagender Erwerbszweig dazu kommen, der dessen Ertragssähigkeit steigert, der es ermöglicht, nach und nach Euer Warenlager, Euren Umsatz, Euren Kredit zu vergrößern, ein Erwerbszweig, welcher Dir selber zufallen muß, der Deiner Fähigkeit, Deiner Individualität entspricht. Denn Meister Elias muß unbedingt bei seinem Handwerk bleiben. Nichts soll an seiner Ruhe rütteln, sein ihm liebgewordenes Gewerbe muß er weiterbetreiben, soll er glücklich sein. Drum höre ans mein Projekt, dessen Ausführung nicht nur Euren Lebensweg ebnen würde, sondern auch meinen Lieblingswunsch in Erfüllung brächte, mit welchem ich mich seit jener Zeit getragen, seit mir unerwartet ein Teil jener Erbschaft zugefallen, die mir von Kindheit au bestimmt war, und die ich schon als für mich ganz verloren betrachtet hatte. Seit damals verfolgt mich der Gedanke, wie ich das mir unvermutet zngesallene Erbe derart anwenden könne, daß es in weiteren Kreisen nutzbringend wirke. Nun entschloß ich mich, am hiesigen Platze eine Volksbibliothek zu gründen, denn auch ich habe bisher den Mangel eines solchen wohltätigen Institutes mit empfunden. Die Bevölkerung dieser Gegend ist ein aufgeweckter Menschenschlag und überaus bildungsfähig, wenn ihr nämlich Gelegenheit geboten wird, sich ans eine bequeme, wohlseile Weise gute Bücher zum Lesen zu verschaffen. Jetzt nähert sich diese Idee ihrer Realisierung, und verbinde ich dabei einen mehrfachen Zweck. In erster Reihe fördernd auf die geistige Bildung und Entwicklung der hiesigen Bevölkerung zu wirken, zweitens Dir einen lohnenden Nebenerwerb zu verschaffen, und endlich Meister Fischer ans Wochen hinaus wohltätige Beschäftigung zu verschaffen, nachdem leider durch Krieg und Seuche sein Gewerbe lahm gelegt wurde. Ich habe von einer preiswürdig zu veräußernden Leihbibliothek vernommen. Gleich nach Schluß Eures Lanbhultensestes, dessen Feier ich durch diese Reise nicht stören will, fahren wir beide nach der Landeshauptstadt zur Besichtigung und hoffentlich Erwerbung derselben. lFvrrietzuna fötal.'' Kundmachung. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre cler Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft werden hiemit zu der am 1. März 1. J., um 5 Uhr abends, im Gebäude der Gesellschaft, Freiung Nr. 8, stattündenden sechsundfünfzigsten ordentlichen G e u e r a 1 - V e rsammlung eingeladen, in welcher folgende Gegenstände zur Verhandlung gelangen werden. 1. Vortrag des Rechenschafts-Berichtes des Verwaltungsrates und Vorlage des Bilanz-Abschlusses pro 1908. 2. Berichterstattung des Revisions-Ausschusses. 3. Beschlussfassung über die Verwendung des Reinerträgnisses. 4. Wahl von Mitgliedern des Verwaltuugsrates. 5. Wahl von vier Mitgliedern in den Revisions-Ausschuss. 52 der Statuten.) Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche als solche drei Monate vor dem Zusammentritte der Versammlung in den Aktienbüchern der Gesellschaft eingetragen waren und an der General-Versammlung teilzunehmen beabsichtigen, werden hiemit eingeladen, ihre Aktien vom 6. Februar I. J. angelängen bis längstens 15. Februar, 4 Uhr nachmittags bei der Liquidatur der Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft zu erlegen. Die Aktien sind arithmetisch geordnet mittelst einer einfachen Konsignation einzureichen, und dem Einreicher wird hierüber eine Empfangsbestätigung erfolgt, gegen welche nach abgehaltener General-Versammlung die Aktien rückgestellt werden. Je zehn Aktien geben das Recht auf eine Stimme. Wünscht ein Aktionär sein Stimmrecht durch einen anderen stimmberechtigten Aktionärauszuüben so hat er die betreffende, auf den Namen des gewählten Vertreters lautende Vollmacht auf der Rückseite der Legitimationskarte auszustellen. Wien, am 6. Februar 1909. Der Verwaltungsrat. Allgemeine Depositen-Bank. Der Verwaltungsrat beehrt sich hiemit, die stimmberechtigten Aktionäre der Allgemeinen Depositen-Bauk zur welche Mittwoch, den 24. Februar 1909, vormittags il Uhr. im Sitzungssaale des Anstalts-Gebäudes (I , Schottenga.sse 1) stattiinden wird, einzuladen. l’a.g-es-Orcä.n.-u.in.g-: 1. Rechenschaftsbericht und Bilanz für das Geschäftsjahr 1908. 2. Bericht der Revisoren 8. Beschlussfassung über die Verwendung des Reingewinnes. d Wahl eines Mitgliedes des Verwaltungsrates. 5. Wahl des Revisionsausschusses, bestehend aus drei Mitgliedern und einem Ersatzmanne. Die Herren Aktionäre, welche ihr Stimmrecht ausübeu wollen, werden eingeladn, nach § 18 *) der Gesellschafts-Statuten ihre Aktien wenigstens 8 Tage früher, d. i bis spätestens ink!. 17. Februar 1909 bei der Allgemeinen Depositen-Bank in Wien (I., 8chottengasse 1) zu hinterlegen. Der Rechnungsabschluss pro 1908 wird den zur Generalversammlung legitimierten Herreu rechtzeitig zugesendet werden. Wien, am 4. Februar 1909. Der VerwaitungaraV *) | 18. — Jeder Aktionär ist in der General-Vers immlung zn so vielen Stimmen berechtigt, so vielmal er 10 Aktien besitzt. — Aktien, auf Grund deren in einer General-Versammlung ein Stimm»echt ausgefibt werden soll, müssen samt den noch nicht fälligen Coupons wenigstens 8 Tage vor dem Tage der Versammlung an einem vom Verwaltungsrate kundgemachtan Orte deponiert werden. (Nachdruck wird nicht honoriert.)!"! *"!!