Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 2 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ahrchsit sif batüou u. Slbmuulti altem : j Wien, JJ/i ühnmra^afje -7.1 Tfl'tit)»!! b-r Duick-r-! 15SUS |J K. k. öftevr. Postsparkajsa- | Scheck-Konto Nr. 100.91S. |j ünrevate || Divirrnial geiv»ilc,l-!.?ionvar-ill--Zeile Heile:. rivoinicin-ul»- ii. ^»Ic>rioiis- | beirnge fmb m Wien jiiblbar j und (lnobitt. Unabhängige Aeitschrift für jüSifcfi Interessen. erscheint jeden A r e i t n Sotto: „t)r»s 8i»Livl <-«oll«» ist WnIn-heit!*1 •>»uiijiat)ntj ... 51 14.-- ÖnihiiiOviui >k 7 '«■imiiiDna if tViu Vlii^lmiö : ij tUiiiljllilDnil . .!* 'in II. r l| n!>k»vel iibri >!<;lc«. || Wie«. 8. Zauner »SOS. Inhalt: Doppeltes Maß. — Die Verpflichtung Ausgetretener zur Kultussteuer. — Zu Fichtes Nachlaß. — Tempelnerem für Mariahilf und Neubau. Leitende Ideen der allgeiueiueu jüdischen Kolouisationsorgauisatiou. — Verschiedene Nachrichreu. — Lirerarur. — Feuillervn: Eine gebildete Frau. — Die Ehrfurcht iiu (öotteshause. An unsere §eser! Bei dem Ernste der gegenwärtigen Zeiten bedarf das Judentum mehr denn je einer starken und unabhängigen Presse, die nicht nur inutvoll und unerstrhrvckrn den Kampf nach Nutzen führt. sondern auch iln eigenen Lagerstrenge Wache hält. Von dieser Ueberzengnng durchdrungen, hat „Aie WatzrHeit" auch im abgelanfenen Jahre an ihrem Programme, das Intereste für die erhabenen Ziele des Judentums in allen Bevölkerungsschichten zu ivecken, sestgehalien, und ihr Bestreben wird auch fernerhin daraus gerichtet sein, jüdisches Leben irr allen seinen Erscheinungenzu pflegen, die innere Organisation mit allen Rrästen zu fördern, die Vorfälle im Gemeinde- und Vereinsteben mit matzbvller und objektiver Kritik zu beurteilen und dabei gleichzeitig den Kampf nach Nutzen mit Würde und Entschiedenheit zu führen. Diese publizistische Tätigkeit bitten wir durch Abvnnierung unseres Blattes zu fördern. Abonnements-Bedingungen: Kanzjährig Kr. 14.— Katöjäfirig Kr. 7.—, vierteljährig Kr. 3.5V. K. 1. Postsparkassen-Konto 1VV.S18. Die geehrten Herren Abonnenten werden ersucht, bei Einsendung des Abonnementsbetrages den zugesandten Erlagsch-n. z„ b-„»tz-n. mbamon Doppeltes Matz! Es bebt und zittert das Herz ob der schrecklichen Kunde, die ans dem Süden des herrlichen Italien zu uns dringt. Welch ungeheuere Wirkung der Naturkrüsle, die in einer Zeit von kaum hundert Sekunden blühende Städte uiederwarfen, Menschen töteten und verwundeten, Familien trennten, Elend, Hunger und Pest an Stelle von Fülle und Pracht setzten! Wer kann die entsetzliche Angst schildern, die die Unglücklichen aussteheu mußten, ehe sie der Tod erlöste? Welche Schrecken, welche Qualen mußten die Ueberlebenden dieser einzig dastehenden Katastrophe durchmachen, bis sie halbnackt und fast entseelt ein schützend Obdach fanden? Da sucht ein zärtlicher Gatte seine liebevolle Gattin und findet sie t v t unter Trümmern, dort ruft eine jammernde Mutter fast wahnsinnig nach ihren Lieblingen, die im Schutt begraben liegen! Weinende Kinder, heulende Säuglinge sind in eine m schrecklichen Augenblicke ihrer Beschützer und Erhalter beraubt! Es ist wohl selbstverständlich, daß allenthalben nur eine Stimme des Mitgefühls erschallt, daß jeder sprachlos vor diesem Naturereignis steht, das dem Jahre 1908 den traurigsten Abschluß gab. Große Hilfe tut not und überall öffnen sich die Hilfsquellen, keiner will zurückstehen, Fürsten und Bürger schicken reichliche Spenden, um dem Jammer zu steuern, den die Welt noch nicht gesehen. Wie? Sollte sie ihn wirklich noch nicht gesehen haben? Ist es denn solange her, daß in Kischinew, in Homel, in Odessa, Tausende gepeitscht, gemartert und getötet wurden? Da waren es nicht blind wütende N a l n r k r ä s t e, die Vulkane, Feuer und Wasser verheerend wirken ließen, d a waren es bezahlte, a u s g e h e tz t e Massen, die unter den Augen der bestochenen Polizei, Hab und Gut und Menschen ungestraft vernichten durften! Da stand nicht die gesamte zivilisierte Menschheit schaudernd und zitternd vor diesem grauenvollen Schauspiel. Es waren j a n u r Inden? Ja, es gab sogar im Herze n E nropas zahllose Leute, die diese Greuel auch bei uns herbeiwünschten und sie sogar audrohten! Da unten waren es N a l n r k r ä f t e, gegen die es keine Beschwerde gibt; da oben aber gibt es eine herrschende Gewalt, die Menschen herzlos hinmorden ließ. Har es jemand gewagt, ihr dieses Treiben vor Augen zu hallen oder zu verbieten? Nein! Es wareri ja bloß Juden! Gibt es ein doppeltes M a ß, mit dem die Menschheit gemessen wird? Wer har sich der unglücklichen Opfer der russischen Horden angenommen, wer hat ihnen Hilfsmittel geschickt? Nur die eigenen Glanbensbrüder haben ein kleines Sümmchen ausgebracht, das zur Steuerung der Not lange nicht hinreichte. Keine Fürsten, keine Parlamente, keine Minister haben ihr Mitgefühl ausgesprochen. Denn es waren ja nur Juden! Keine Schiffe haben die Flüchtenden aufgenommen, keine Paläste wurden ihnen zur Verfügung gestellt, keine Trostesworte bekamen sie zu hören, kein Labetrunk wurde ihnen gereicht. Voll