Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 1 (1.1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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aßrßeit aifbrtftiou n. ftbmmiitiiUiou : Wien. II/, 5hnmrni]flfie 27.1 TflMiDmi brr firiuftrtt 153 lli |j fl. k. öftevr. Postsparkassai; Scheck-Konto Nr. 100.91S.;! ZNieVrktL I Die viermal gespaltene! NonvareiNe-Zeite 35 Heller. j rtvoiiiiciiicnlSu. Z»lc> lionr- > betrage sind in Svien znirlda: »nd klngoar. i Unabhängige Heiischrift für jüöische Ivtere^en. L r f ch e i n t jeden A r e i t u ij. Motto: „Das Siegel Gtocies ist Wntirliöit!* ij G»»zltihrig ... 11 »*.—! Haldjävrigi . ft. 7 Für ILiiltiiSdriiiiitr: )f in F»> AttSIiiiid: »niiiiiiHjvirt . . . a M..,c rt Nnvtl oder >6 ifcl. Nr. 1. Wien. 1. Jauner ISOÄ Inhalt: Abgeordneter Dr. Pergelt und die Inden. — Budget der Wiener Knltnsgeineinde. — Johann Gotklieo Fichces Nachlaß. — Ein Bortrag über Edoin. — Verschiedene Nachrichten. — Jüdische Nationalmelodien, traditionelle Gesänge, hebräische Melodien. Teinpeigesänge re. — Eingesendet. An unsere §eser! Bei dem Ernste der gegenwärtigen Zeiten bedarf das Judentum mehr denn je einer starken und unabhängigen Presse, die nicht nur nnttvoll und unerschrocken den Kampf nach Ruhen führt, sondern auch im eigenen Lagerstrenge Wache halt. Von dieser Ueberzengnng durchdrungen, hat „Die Wahrheit" auch im abgelaufeuen Jahre an ihrem Programme, das Intereste für die erhabenen Ziele des Judentums in allen Bevölkernngsschichten zu vrecken, sestgehalten, und ihr Bestreben wird auch fernerhin darauf gerichtet sein, jüdisches Leben irr allen seinen Erscheinungen zu pflegen, die innere Organisation mit allen Kräften zu fördern, die Vorfälle im Gemeinde- und Vereinsleben mit mahvoller und objektiver Kritik zu beurteilen und dabei gleichzeitig der: Kampf nach Ruhen mit Würde und Entschiedenheit zu führen. Diese publizistische Tätigkeit bitten wir durch Abonnierurrg unseres Blattes zu fördern. Abonnements-Bedingungen: Ganzjährig Kr. 14.— Kalvjährig Kr. 7.—-, Aierlet'jährig Kr. 3.50. K. k. Postsparkafsen-Konto 1V0.S18. Die geehrten Herren Aboilnenten werden ersucht, bei Einsendnng des Abonnementsbetrages den zngesandten Erlagschein zu benützen. c. «x- Dre Weöaktron. Abgeordneter Dr. Pergelt nnd die Inden. Nach Meldungen deutscher Prager Blätter soll der deutschfortschrittliche Dr. P e r g e l t im nächsten Koalitionsministerinm deutscher Landsmannminister werden. Lange dürste er allerdings als solcher nichl fungieren, denn es müssen ja auch andere, die mit ihm das gleiche Ziel verfolgen, an die Reihe kommen, immerhin aber dürste das bevorstehende Avancement des genannten Politikers zur Exzellenz — der Titel wird ihm ja bleiben — Grund genug sein, auf seine Aeußerungen betreffs der Juden in seiner letzten Reichsratsrede zurückzukommen. Herr Dr. P e r g e l t, von dessen Freigebigkeit früher wohl nichts verlautete, dessen schlecht verhehlter Antisemitismus aber bekannt war, har mit einemmale alle Inden den Tschechen geschenkt. Wahrlich ein sehr wertvolles nnd kostbares Geschenk! Denn die Inden zählen nicht bloß nach vielen lausenden, sondern repräsentieren auch eine große Geldmacht. Die Frage ist nun die. ob der Minister in sps nur die jüdischen Wühler, oder auch die jüdische Stenerleistnng aus das Konto der Tschechen stellen lassen will. Bisher haben die Deutschen in Böhmen — auch die radikalsten — wenn sie ihre Ansprüche ans gleiche Rechte mit den Tschechen in der Verwaltung des Landes geltend machten, den hohen Perzentsatz ihrer Stenerleistnng in den Vordergrund gestellt, nnd namentlich mußte die deutsche Steuerzahlung bei der Begründung für ihr Recht ans Gleichberechtigung in Prag herhalten. Nun fragen wir Herrn Dr. P e r g e l t. wie viel von der deutschen Stenerleistnng in Prag übrig bleiben wird, wenn er die jüdischen Stenergelder von ihr abzieht? Ein bei weitem noch viel geringerer Prozentsatz als bei Abziehnng der jüdischen Kinder von den die deutschen Volks-. Bürger- und Mittelschulen besuchenden Schülern Prags. Und doch weiß es jeder, auch jene, die gelegentlich auf die große Frequenz der deutschen Schulen in Prag Hinweisen, daß drei Vierte! dieser Anstalten geschlossen werden könnten, wenn jüdische Schulen vorhanden wären und die Inden ihre Kinder in diese schicken würden. Die deutschen Protestanten in Prag haben ihre eigene evangelische Schule (wird auch von Juden sehr stark besucht); nnd doch ist die Zahl der Inden in Prag zum mindesten zehnmal so groß als die der Protestanten. Gleichwohl gelten die Evangelischen auch bei den radikalsten Deutschnationalen als die besten Deutschen, und der Pfarrer der evangelischen Gemeinde hat im Prager Deutschtum eine führende Rolle inne. Nur die Inden, immer päpstlicher als der Papst, fürchteten, durch Gründung einer jüdischen Schule dem Deutschtum in Prag Abbruch zu tun. und zitm Danke dafür werden sie jetzt von den wahren Vertretern des Deutschtums den Tschechen geschenkt. Wer aber glaubt, baß die Offenbarung der inneren Gesinnung aller Deutschen gegen die am Deutschtum festhaltenden und für dasselbe sich aufopfernden Juden diese belehren wird, daß ihre bisherige Selbstverleugnung und Aufopferung vergeblich gewesen und daß sie ihren Weg ändern müssen, um auf den Platz zu kommen, der allein ihnen angemessen ist und ihren Interessen frommt, irrt gewaltig. Das scharfe Wort eines alten Propheten: »Verfettet ist das Herz dieses Volkes, seine Ohren sind taub, seine Augen verklebt, daß es mit seinen Augen nicht sieht, mit