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Die Wahrheit · 1908-12-25 · Heft 50 (25.12.1908) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 50 (25.12.1908)
Date
1908-12-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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♦ Im Interesse der Erhaltung des Fachblattes werden die geehrten Herren Kantoren dringendst ersucht, das Abonnement für den neuen Jahrgang, wie auch die eventuell restlichen Abonnementsbeträge umgehend einzusenden. Ovation des Cnntorenvercines für feine» Prnstdenten. Wie bereits in voriger Nummer dieses Blattes gemeldet wurde, hatte der Vorstand des österr.-ungar. Kantoren-Vereines beschlossen, dem Vereinspräsidenten Oberkantor Joses Singer, anläßlich dessen Ernennung znm kaiserlichen Rat, seine Verehrung und Sympathie durch Ueberreichung einer Adresse anszndrücken. Die Ueberreichung fand Donnerstag, den 17. d. M., 6 Uhr abends statt und waren zu derselben der gesamte Vereinsvorstand und die meisten Wiener Kantoren im Festkleide erschienen. Es beteiligten sich an derselben nachfolgende Kantoren: B a n e r. B a ß l, D n n m a n n. G u t t m a n n, I lt r b e r g e r, K n l k a. R e g n e r, Schleif e r. Schlesinger, Sch o r r, B a s s e r, E z n z k a, F r i e d l ä n d e r. Klage r, K o h n. K it b n e r, Lauda n, L v tv y, Menkes, P e k a r n i k,' P e t e r s e l k a, R o send e r g e r, S e r e b r e n i k. W e i ß. W e i ß m a n n itnd Witt m a u n. Der II. Vizepräsident des Vereines I. Schiller hatte sein Fernbleiben entschrtldigt und das Vorstandsmitglied I. L ö w i l war Irankheitshalber am Erscheinen verhindert. Die Herren versammelten sich im Bereinslvkale und begaben sich präzise 6 Uhr unter Führung des I. Vizepräsidenten Oberkantor I. Bane r in die Wohnniig des Präsidenten, der sie an der Seite seiner Gattin empfing. - . Vizepräsident I. B a n e r richtete an den Präsidenten folgende Ansprache: Hochverehrter Herr Kollege! . Mit freudig bewegtem Herzen sind wir heitte festlich vor Ihnen erschienen,, um Ihnen im Namen des Vorstandes des österr.-ungar. Kantorenvereines, wie auch im Namen der sv zahlreich erschienenen Kollegen in Wien zu Ihrer allerhöchsten Auszeichnung unsere herzlichsten Wünsche anszndrücken. Es ist das erste Mal, daß ein jüdischer Kantor eine solche Anszeichtinng erhalten hat. Wir betrachten auch dieselbe nicht tinr als Auszeichnung für Sie. verehrter Herr Präsident, sondern auch als eine Anszeichnnng für unseren Verein und den gesamten Kautorenstaud. Sie sind seit Jahrzehnten für die Interessen unseres Standes wacker in Wort und Schrift eingetreren. In Wort durch Ihre vornehme Leitung als Präsident des Vereines, in dem Sie jederzeit ein warmfühlendes Herz für alle kollegialen und beruflichen Angelegenheiten bekundet haben; in Schriftdurch Ihre ausgezeichneten wissenschaftlichen Arbeiten über die Entwicklung des Synagogengesanges imd die Wiederbelebung des traditionellen Gesanges. Diese Ihre Arbeiten und Bestrebtlngen sind auch in fachmännischen uub musikalischen Kreisen vollauf gewürdigt worden, und es freut uns daher und erfüllt uns mit Genngtnnng, daß diese Ihre Wirksamkeit auch von. allerhöchster Stelle belohnt wurde. Ich zitiere eine Stelle des Wocheuabschnittes, welche lauten rrbsa a-x m .=icr ns* -n vt: „Gott war mit Josef, und Josef war ein glücklicher Mann." Auch unser Josef war stets mit Gott — in Folge feiner heiligen Amtstätigkeit, wie auch durch seine Lebensanschauung und Lebenssührnng. Mögen Sie ein irbsa arx bleiben und sich der Auszeichnung noch lange in vollster Rüstigkeit und Gesundheit erfreuen, zum Wohle und zur Freude Ihrer Familie, zur Ehre dieser großen Gemeinde und znm Ruhme des Vereines und des Kantorenstandes. Ich ersuche Sie, liebe Kollegen, mit mir in den Ruf einznstimmen: „Unser Präsident, Herr kaiserlicher Rat Oberkantor Josef Singer, er lebe hoch, hoch, hoch!" Als die Hochrufe verklungen waren, brachte Vereinssekretär Dr. L ö w i) die prachtvoll ansgesührle Adresse, deren Wortlaut bereits in voriger Nummer dieses Blattes wiedergegeben war. zur Verlesung, und hierans teilte Vizepräsident Bane r dem Präsidenten mit. das; die engeren Kollegen im Vereinsvorstande beschlossen haben, znm Ausdrucke ihrer besonderen Wertschätzung aus eigene Kosten das Bildnis des Präsidenten von Künstlerhand ansertigen zu lassen, das demselben nach Fertigstellung übergeben werden wird. Sichtlich bewegt, durch die ihm dargebrachlen Sympathiebeweise richtetete kaiserlicher Rat Oberkantor S i n g e r folgende Worte an die versammelten Kollegen: „Ich spreche Ihnen, verehrter Freund und Kollege Bane r, für die an mich gerichteten warmen Worte unb Ihnen allen, meine geehrten Herren Kollegen, die Sie so zahlreich erschienen sind, um mir Ihre El kenntlichkeil entgegenznbringen, meinen innigsten und herzlichsten Dank aus. Auch unserem langjährigen, verdienstvollen Sekretär, Herrn Dr. L ö w y, sage ich innigen Dank sür seine Mühewaltung und für das Arrangement dieser heutigen Veranstaltung. Gestattet! Sie mir nun, ineine verehrten Anwesenden, ans eine Pointe des Herrn Festredners etwas näher einzngehen. Herr Kollege Bane r betonte nämlich, ich wäre meinem Stammesbruder gleich ein n-paa. dem entgegen gestatte ich mir zu bemerken, daß ich wirklich diese Bezeichnung nicht verdiene; denn wenn ich in dieser Stunde meinen Blick ails den znrückgelegten Lebensweg von meinem kleinen Geburtsorte Hlinik in Ungarn, bis hieher richte, io kann ich mit Genngtnnng bekunden, daß ich wirklich mein ganzes Leben hindurch kein Leben der glücklichen Zufälle, sv'.tdern ein Leben schwerer Arbeit gelebt habe, also eigentlich kein r-paa a-x genannt werden kann. Nichtsdestoivelliger preise ich Gort, daß meine Ledeasbestrebnngen in -maßgebenden Kreisen Beachtung gesunden und ich der allerhöchsteir Anszeichnnng teilhaftig worden bin. Diese durch die Gnade unseres erhabenen, glorreichen Kaisers mir gewordene Auszeichnung kann ich jedoch keineswegs ausschließlich als eine persönliche bezeichnen, dieselbe bedeutet, meines Erachtens, eine bedeutungsvolle Etappe in der Entwickelnngsgeschiciue des jüdischen Kantorales. Sie werden es begretslich finden, meine geehrten Herren. wenn ich heute, wenn auch freudig, doch immerhin bewegt und erregt, außer Stande bin. diesen Gedankengang erschöpfend in Worten ansziibanen. deshalb will ich Sie für jetzt — im Hinblicke ans die mir gewordene, allerhöchste Anszeichnnng, die ja allenthalben als eine gemeinsame erachtet wird, auch nur noch ansfordern, an unserer gemeinsamen Arbeit mutig und zielbetvnßt sestznhalten und die Vereins- und Standesinteressen auch fürderhin zu wahren und zu kräftigen." Hierans brachte Oberkantor M. S ch o r r folgende von ihm verfaßte hebräische' Widmung znm Vortrage: nx irr: *::n ,-ar: r"?x av rx t t- : >"au -r-zv-iyacs,, n-irnr:1? ü-xt prr*s aa-rrr aaob a aaba -re-x - r:: -; =", a t TT-a p-xaya::,* "7:ran enxrr Try Tp-a .rinar:* rfr;: *rx* rxan: -a -rraa x-n T-aa (KainTar na;n~ e*a*r: a-n rar ^a-p paT a*acar a-ra-i a*ra-.x ‘ra-.-a -xa paa- *:->:a -nix -raaar xa:xp 'i"u-x;:*x "zr. -tci— a-an Tücher Rat) .'""C"p.— Nachdem kaiserl. Rat Oberkanlor Singer den Kollegen nochmals herzlich gedankt halte, lud er sie zu einem Glase Wein ein. wobei das erste Glas von Overkantor Gnttmann ans das Wohl der Hausfrau geleert wurde. Nach kurzem gemütlichen Beisammensein entfernten sich die Herren mit dem Bewußtsein, nicht an einem Akte bloßer konventioneller Ehrung, sondern an einer bedeutsamen und herzlich empfundenen kollegialen Kundgebung teilgenommen-zu haben.

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