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Die Wahrheit · 1908-12-18 · Heft 49 (18.12.1908) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 49 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 49. Oesterr.-nugar. Kantoren-Zeituug Seite 11. Die Allerhöchste Anszrichuung des Oderkantors Josef Singer. Die Allerhöchste Auszeichnung, die dem Oberkantor der Wiener Knltnsgemeinde und Präsidenten des österr.-ungar. Kantoren-Vereines, Herrn kaiserlichen Rat Josef Singer, anläßlich des, 60jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers zuteil wurde, hat in den iveitesten in- und ausländischen Kollegenkreisen ein freudiges Echo gefunden, und allseitig wird darauf hingewiesen, daß seine Ernennung zum kaiserlichen Rat nicht nur eine bisher niemals einem jüdischen Kantor verliehene Auszeichnung ist, sondern auch eine Ehrung des gesamten Kantorenstandes bedeutet. Singers Wirken und seine Verdienste sind zu sehr bekannt, als daß es in diesen Blättern, in welchen sich ja so oft seine hervorragende schriftstellerische Individualität kuubgab, eines besonderen Hinweises auf dieselben bedürfte. Aber ans dem Chorus der Kollegenschaft wollen wir einer Stimme hier Raum geben, die Zeugnis geben soll, mit welcher Freude und Genugtuung die Auszeichnung Singers allgemein ausgenommen wird. Oberkantor Benedikt Singer ans Jungbunzlau schreibt Folgendes: „Dem Kantorenstaude ist dnrch die Gnade Sr. Majestät des Kaisers ein herrliches Jnbiläumsgeschenk zuteil geworden. Dem Präsidenten unseres Vereines und ausgezeichneten Kollegen Oberkantor Josef Singer in Wien wurde der Titel eines kaiserlichen Rates verliehen. Wohl selten sind die Verdienste eines Mannes so ehrlich belohnt worden und wenn es ja überhaupt schon an der Zeit war, dem Kantorenstande ein sichtbares Zeichen der staatlichen Anerkennung zu geben, so ist Josef Singer geradezu prädestiniert, Anspruch auf eine solche kaiserliche Auszeichnung zu erheben, denn er hat in jeder Beziehung zur Stärkung unseres Standes, zur Förderung der Solidarität in unserem Berufe beigetragen, als Präsident des österr.-ungar. Kantoren-Vereines hat er überall teilgenommen, wenn Mängel abzustellen waren, hat Hilfe angedeihen lassen, wo solche notwendig war, und bei allen Ereignissen familiärer und genossenschaftlicher Natur sich als Freund und Gönner eingefunden. Ueberall sahen wir ihn auf dem Platze als wahrhaft humanen Mann, dessen Bildungsgrad, rechtlicher Sinn und ordnender Geist weit über die Grenzen Wiens hinaus betannt sind. Die Vorsehung hat nun zu diesem Wirken und Streben ihren Segen gegeben, denn in unseren Gebeten heißt es: ,Seine Gerechtigkeit ist wie die Berge Gottes hoch und seine Rechtsprechung wie die Untiefen des Weltmeeres so unergründlich tief? Mögen diese Zeilen als ein schwaches Echo gelten ans dem Sängerwald der österreichischen Kantoren." * * * Der Vorstand des österr.-ungar. Kantoren-Vereines hat in einer unter dem Vorsitze des I. Vizepräsidenten Jakob Bauer stattgehabten Sitzung, den einstimmigen Beschluß gefaßt, dem dnrch die kaiserliche Auszeichnung geehrten Präsidenten unter Ueberreichung einer Adresse eine besondere Ovation zu bereiten und außerdem noch seiner Sympathie dadurch Ausdruck zu leihen, daß er auf eigene Kosten das Bildnis Singers von Künstlerhand anfertigen läßt. Die Adresse des Vorstandes an den kaiserlichen Rat Oberkantor Josef Singer hat folgenden Wortlaut: Sr. Ehrwürden Herrn kaiserlichen Rat Josef Singer, Oberkantor der israel. Kultusgemeinde, Präsident des österr.-ungar. Kantoren-Vereines Wien. Hochverehrter Herr Präsident Die seltene, nicht nur Ihre Persönlichkeit, sondern auch den gesamten Kantorenstand hochehrende Auszeichnung, die Ihnen durch die Gnade Sr. Majestät des Kaisers verliehen wurde, lenkt unwillkürlich unser Augenmerk auf die hervorragende, richtunggebende, praktische und literarisch-wissenschaftliche Tätigkeit, die Sie, aus hoher Warte des Berufes stehend, seit Jahrzehnten im Dienste des jüdischen Synagogengesanges entfaltet haben, wie auch ans die unschätzbaren Verdienste, die Ihnen in der Leitung des österr.-ungar. Kantoren- Vereines und in der unermüdlichen Förderung der idealen, sozialen und materiellen Bestrebungen des Kantorenstandes zuerkannt werden müssen. Daß dieses vielseitige, stets hohe Ziele und das Wohl der Allgemeinheit anstrebende Wirken auch an Allerhöchster Stelle Würdignng und Anerkennung gesunden hat, und daß diese Anerkennung dem Manne zuteil ward, den wir als nnsereu Führer verehren, erfüllt uns mit Stolz und freudiger Genugtuung, und indem wir diesen Gefühlen hiemit Ausdruck leihen, fügen wir noch den Wunsch an, daß es Ihnen noch lange gegönnt sein möge, die schönen Früchte Ihres reichen Lebensinhaltes zii genießen, zum Ruhme des Kaulorenstandes und zur Freude Ihrer Familie und der großen Kollegenschar, die Ihnen in hoher Werlschützling ergeben ist. Der Vorstand des österr.-ungar. Kautoreir-Vereiues. (Folgen die Unterschriften des gesamten Vorstandes.) Die in reicher Kalligraphie atlsgesührte Adresse ruht in prachtvoller Euveloppe und wird Donnerstag, den 17. d. M., 6 Uhr abends, vom Bereinsvorstande unter Führung des I. Vizepräsidenten I. B a n e r und unter Zuziehung der Kantoren Wiens überreicht. Ueber die näheren Details der Ovation wollen wir in nächster Nummer berichten. Danksagung. Ganz ausserstande, die uns zugegangenen Sympathie- Kundgebungen einzeln zu beantworten, sprechen wir allen geehrten Gönnern, Freunden und Bekannten, die Veranlassung nahmen, gelegentlich meiner allerhöchsten Auszeichnung, sowie zur Vermählung unserer Tochter Clara uns zu beglückwünschen, hiemit auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank aus. Kaiserlicher Rat Oberkantor Josef Singer und Frau, Wien. Konkurs. Bei dem Betverein „Bnej Emunah“ in Dzieditz (Oest.-Schlesien) ist die Stelle eines zu besetzen. Gehalt K 1400,— nebst freier Wohnung, K 200.— für die Erteilung des Religionsunterrichtes an der deutschen Schule und Schechitageld für Geflügel. Das Einkommen erhöht sich durch Erteilung von Privatunterricht, wozu Gelegenheit geboten ist. Offerte sind an den Vorstand des Vereines zu richten. Reisespesen werden nur dem Akzeptierten bewilligt. Retverein „Bnej Emunah“: Der Vorstand: Leopold Fuchs. KONKURS. Tenorist mit schöner, klangvoller Stimme, hoher Lage, tüchtiger Kotenleser, wird sofort akzeptiert. Gehalt K 80—90 monatlich. Nebeneinkommeu K 30. Ferner ein Brustsopran und ein Altist, die schon bei Kantoren mitgewirkt haben und auch für Solo geeignet sein müssen. Gehalt laut Uebereinkommeu, nebst ganzer Verpflegung und gratis Unterricht sowohl in der Bürgerschule als in der . Talmud Thora. Offerte nebst Angabe des Alters und Familienstandes sind zu richten an Emanuel Riff, Oberkantor Nagyvärad. Reisekosten nur dem Akzeptierten.??"!

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