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Die Wahrheit · 1908-12-18 · Heft 49 (18.12.1908) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 49 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrdeil Nr. 49. mir sagen müssen, daß ich ungeeignet sei, das amerikanische Volk zu repräsentieren. In meinem Kabinett sitzt gegenwärtig Katholik neben Protestant, Christ neben Jude, und jeder davon wurde ausersehen, weil ich ihn sür die Ausübung der Amtspflichten, mit welchen ich ihn im Interesse des ganzen Volkes betraute, besonders geeignet hielt. Das religiöse Bekenntnis beeinflußt die Erledigung seiner Pflichten in keiner Weise oder nur so, daß es ihn umso eifriger macht, in seinen Beziehungen zu allen gerecht und ausrichtig zu handeln. Die Prinzipien, welche obgewaltet haben bei der Ernennung der Kabinetismirglieder, der höchsten Beamten unter mir, und bei jeder wichtigen Politik meiner Administration, sind dieselben Prinzipien, nach welchen alle guten amerikanischen Bürger bei der Auswahl der Männer, durch Wahl oder Ernennung, für irgendein Amt, vom höchsten bis zum niedrigsten im Lande, handeln sollen. Achtungsvoll Ihr (gez.) Theodor Roosevelt." Mau har Roosevelt oft — zuweilen nicht ohne Grund wie bei der Trustfrage — den Vorwurf gemacht, daß seine Worte sich nicht immer mit seinen Taten decken. In der Frage der religiösen Gleichberechtigung hat er sich jedoch stets als Staatsmann gezeigt, der es mir deren politischer Durchführung und den Grundsätzen der Toleranz ernst meint. Nosevelt war es bekanntlich, der einen Inden, S t r a n s. der sich freilich als amerikanischer Gesandter in Konstantinopel, als permanentes Mitglied des Haager internationalen Schiedsgerichtes schon einen geachteten Namen geschaffen hatte, vor mehreren Jahren znm Handelsminister ernannte. Daß die Vereinigten Staaten mit diesem jüdischen Minister nicht schlecht gefahren sind, muß sogar die „Kreuz-Ztg." eingestehen, die vor einigen Tagen schrieb: „Dieser (Strauß) hat übrigens seinen Posten in anerkenne n swerter Weise ausgefüllt, zumal ais Ches der Einwanderungsbehörden, wo er sich bestrebt zeigte, den fremden, feindlichen Bestrebungen der JingoeS energisch entgegenzutreten. Wenn er das auch hauptsächlich mit Rücksicht ans seine osteuropäischen Glaubensgenossen getan haben mag — jedenfalls Hai er es getan, und dadurch zahlreichen Einwanderern viel Kummer und Leid erspart." Merkwürdig nur, tvie objektiv das Hanptorgarn der preußischen Konservativen über — ausländische Inden zu urteilen vermag. deren Verdienste es noch nicht einmal aus eigener Anschauung so genau kennen gelernt haben kann. Es unterliegt schon jetzt keinem Zweifel, daß der Nachfolger Roosevelts, Herr Taft, auch in dieser Frage dem Beispiel seines von ihm hochgeschätzten und verehrten Parteifreundes folgen wird. Wie verlautet, hat Taft die Absicht, sowohl Herrn I L o e b den langjährigen Privatsekretär Roosevelts, in das j Ministerium zu berufen, wie auch seinen Freund, den R.-A. j König, der als besonderer Vertrauensmann der jüdischen Be-! völkerung des Ostendes von New-Iork gilt. Als er jetzt als republikanischer Kandidat für den Posten des Ministers des Innern anfgestellt wurde, erhielt er sowohl von Roosevelt wie von Taft herzliche Begrüßungsschreiben. An der Spitze der amerikanischen Flotte, die jetzt nächst der englischen die stärkste ist, steht ebenfalls ein Jude. Unter keinem amerikanischen Bürger, auch solchen nicht, die für ihre Person vielleicht den Inden nichts weniger als sympathisch gesinnt sind, j fällt es auch nur im Traum ein. sich etwa über die Ernennung von Juden zu Ministern zu entrüsten. Verschiedene Nachrichten. Wien, Freitag-Abend, den 18. Dezember, Predigt im Leopoldstädter Tempel. Wien. Zum zehnjährigen Bestände der Baronin H i r s ch-K a i s e rju b i l ä u m s-W ohltärigkeitsstiftung. die am 2. Dezember 1898 gegründet wurde und zugleich als Kaiserjubiläumsfeier galt, gab der Präsiden! des Kuratoriums, Herr Guido E l b o g e u im „Hotel Metropole" persönlich ein Bankett, zu der« etwa siebzig Gäste erschienen waren. Der Gastgeber brachte einen sinnvollen und begeisterten Toast auf den Kaiser aus. Kaiserlicher Rat Rar Wiener hielt eine von Wärme erfüllte Gedenkrede ans Baronin Hirsch. Namens der „Rechercheure" — angesehener Persönlichkeiten aus allen Teilen des Reiches — hielt Oberlandesgerichtsrat Dr. S v i tz k o v f einen mit Enthusiasmus ausgenommenen, gehaltvollen Trinkspruch aus das Kuratorium der Stiftung, in dem er, dessen humanitäre Wirksamkeit rühmend, zugleich der hochbeglückendenden Anrede gedachte, mit der der Kaiser an die Huldigungsdeputation der israelitischen Kultusgemeinde die Worte richtete: „Ich schätze auch Ihren Familiensinn und Ihre Freude am Wohltun." Universitätsprosessor K ö u i g st e i n toastierte auf das verdienstvolle Bureau der Stiftung. Wien. Der „WienerSynagogensängcr-Verein" veranstaltet Samstag, den 26. Dezember 1906, um 9Y, Uhr abends, im Festsaale des Hotel Post, I., Fleischmarkt (Eingang Drachengasse 1) ein Kaiserjubiläüms- Konzert unter gefälliger Mitwirkung der Herren Bela G u t t m a n n und Don Fuchs, der k. k. Hofopernsänger Josef Schwarz und Juan S p i w a k, des Komponisten Leon E r d st e i ii, des 11jährigen Pianisten Felix Hupka, des Herrn M. Mentzer. eines Horn-Quartettes und mehrerer anderer namhafter Kunstkräfte. Zur Aufführung gelangen außer den solistischeu Darbietungen der Genannten, Männerchöre von Brahms. Grieg, Haydn, Goldmark und Heuberger. Das Reinerträgnis dieser Veranstaltung stießt dem Unterstützungsfonde für kranke Wiener Tempelsänger zu. Karten ä K 3, 2, 1 sind erhältlich beim Obmanne S. L e in b e r g e r, II., Schmelzgasse 7, beim Kassier Dr. Leo L e in p o r t, II., Malzgasse 4, bei allen Mitgiiedern und in, Cafe Reklame, II., Praterstraße 34. Wien. Mittwoch, den 2. d. M-, hielt der Vorstand des Vereines „Tomech Ewjonim“ zur Ausweisung armer jüdischer Zugereister anläßlich des 60jährigen Regieruilgsjubiläums unseres erhabenen Monarchen eine Festsitzllng ab. Der Obmannstellvertreter des Vereines, Herr Sigmund F i g d o r, begrüßte den Ehrenpräsidenten Herrn Rabbiner F ü r st soivie die erschienenen Ehrenmitglieder, worauf der Obmann, Herr Oberkantor Mayer S ch o r r, in schwungvoller Weise die Festrede hielt, die in ein dreifaches Hoch auf Seine Majestät ansklang, und den Beschluß des Vorstandes mitteilte, wonach bestimmt wurde, nebst der üblichen Ausweisung alljährlich am 2. Dezember zur Erinnerung an das 60jährige Negiernngsjubilänms unseres allgeliebten Kaisers 60 Personen Freitisch zu gewähren. Schließlich wurde an Seine Majestät ein Huldigungstelegramm abgesandt. Wien. Sonntag, den 13. d. M., 7 Uhr abends, fand im Wiener Beth-Hamidrasch eine Trauerfeier für Lektor M. Friedmann °?'> statt. Außer der Familie des Verblichenen und den ständigen Besuchern, sowie dem Vorstande des Beth-Hamidrasch waren anwesend: der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Ster lt, die Knltnsvorsteher Dr. Markus Spitzer und Adolf Schramek, der Präsident des Tempelvereines im IX. Bezirk Gottlieb B e t t e l h e i m, Vorsteher Straßberg vom X. Bezirk, kaiserl. Rat Dr. Lieben. Sekretär Dr. Adle r, der Rektor der theologischen Lehranstalt Prof. Dr. Schwarz mit dem Sekretär Ortsschulrat Fuchs, Dr. I. S. Bloch, die Rabbinen Dr. S ch m i e d l, Dr. David, Dr. F e n ch t w a n g, Dr. G e l b h a n s, Dr. Bach, M a y e r s o h n, Kramer, Dr. Bauer, Dr. M a u d l, R e i ch. Dr. Rubi n, Oberkantor Bauer. I. Kantor I u r b e r g e r, die Kantoren Landau und P e k a r II i k u. v. a. Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n hielt den Hesped. indem er mit bewegten Worten in seiner bekannten plastischen Darstellung die Bedeutung des dahingeschiedenen, unvergeßlichen Gelehrten schilderte. Die Rede übte einen nachhaltigen Eindruck auf das gesamte Auditorium ans. Mit dem herzbewegenden Vortrage des „El mole rachamim“ durch Oberkantor Guttmaun endete die würdige Trauerfeier. Wien. Am 10. Dezember 1908, 7 Uhr abends fand im Saale des Tempelvereines, VI., Schmalzhofgasse 3, die 41. ordentliche Generalversammlung des i s r. Hum a u i t ä t s v e r e in e s für die westlichen Bezirke Wiens statt, welcher zahlreiche Mitglieder beiwohnten. Als Vertreter der israelitischen Knltusgemeinde mar Herr Kultusvorsteher Samuel Steiner erschienen. Den Tcmpelverein vertrat der Gesamtvorstand mit dem Präsidenten Dr. Jakob Engel an der Spitze, den Frauen-Wohltätigkeitsverein die Präsidentin Frau Frida Strauß und Frau Josefine Engel, ferner befanden sich unter den Anwesenden das Ehrenmitglied des Vereines, Herr Dr. I. S. Bloch, der Rabbiner des Bezirkes, Herr Dr. Israel T a g l i ch t. Freudig wurde auch das einzige noch lebende Mitglied des Vorstandes, Herr Philipp Naschitz begrüßt. Nachdem der Präsident, Herr Dr. Carl Löwy alle erschienenen Mitglieder und Ehrengäste herzlichst begrüßt hatte, ergriff Herr Knltnsvorsteher Samuel Steiner das Wort und erklärte, daß der Kultusvorstand dem Vereine die wärnisten Sympathien entgegenbringe und ihn zu seinem vierzigjährigen Bestände auf das herzlichste beglückwünsche. Der Präsident, Herr Dr. L ö w y, erwiderte, daß er, so angenehm ihm die Anwesenheit des Herrn Steiner als Repräsentanten der Knltnsgemeinde sei, doch bei dem heutigen Anlasse eine st ä r k e r e Vertretung desselben erwartet hätte. Unbegreiflicherweise erblickte Herr Steiner in dieser Bemerkung eine persönliche Beleidigung und entfernte sich zur allgemeinen Verwunderung aus der Versammlung. Der Präsident sprach sein lebhaftes Bedauern über diesen Vorfall aus, erklärte jedoch nochmals seine E n t r ü st u n g über das Verhalten des Kultusvorstandes, der die Bezirksvereine, die Aufgaben auf sich nehmen, welche eigentlich in den Pflichtenkreis der Knltusgemeinde gehören, in so geringschätziger Weise behandle. (Lebhafte Zustimmung.) — Sodann erstatteten Herr Dr. L ö w y den Jahresbericht, Herr König den Kassabericht und Herr L i e b e r m ä n n den Bericht der Revisoren, auf deren Antrag dem Vorstande das Absolutorinm erteilt wurde. In einer überaus herzlichen Rede feierte Herr Dr. Engel den jubilierenden Verein. Herr Ignatz Fröhlich, langjähriges Vorstandsmitglied, der wegen Kränklichkeit resigniert hatte, wurde einstimmig znm E h r e n m i t g l i e d e ernannt. — Die aus dem Vorstande ausscheidenden Herren Hermann König, Dr. Ludwig Landau. Samuel Steiner wurden einstimmig wieder-, die Herren Dr. Maximilian S a x l und Adolf Hirsch neugewählt, auch die Revisoren Hermann Lieberm a n n und Ernst Schüller wurden wiedergewählt. Zum Schlnsse der Versammlung stellte Herr B a r k a n den einstimmig angenommenen Antrag, anläßlich des vierzigjährigen Vereinsbestandes ein Huldigungstelegramm an Se. Majestät den Kaiser abrusenden.

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