Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 48 (11.12.1908)
- Date
- 1908-12-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. Tie Wahrheit Nr. 48. Wie«. (Brigittenauer israel. Franen-Wohltätigkeits-Verein.) Die Generalversammlung dieses Vereines findet Sonntag, den 13. d. M., um 3 Uhr nachmittags in den Lokalitäten des Brigittenauer israel. Kindergartens. XX.. Klosternenburgerstraße 14, statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Erstattung des Tätigkeits- und Kassaberichtes. 2. Vortrag des Herrn Dr. Heinrich Schreiber. Wien. Sonntag, den 6. d. M., sand im türkischen Tempel die Trauung des Herrn Jacques Albachary, Sohn des Großhändlers Herrn Sam. Albachary, mit Frl. Else P i n c a s statt. Die Trauungssünktionen versahen Rabbiner P a p o und Oberkautor Bauer. Der verstärkte Chor mit Orgel- und Harfenbegleitung stand unter Leitung des Dirigenten Kantor L ö w i t. Wien. Der humanitäre Geselligkeits-Verein „Rudolfsbun d" zur Bekleidung armer Schulkinder, ohne Unterschied der Konfession, veranstaltete am 28. v. M. nn Saale der Börse für landwirtschaftliche Produkte, II., Taborstraße 10, seine diesjährige Kinderbekleidung. Der Verein, der seit nahezu 2 Dezennien bestehr, bekleidete auch heuer über 150 arme Schulkinder mit entsprechenden Winterkleidern und Schuhen. Die Feier wurde mit einem Präludium, sowie einen Festchor, unter Leitung des Herrn Chordirigenteu L ö w i t, eingeleitet. Hierauf folgte die Ansprache des Präsideuren Herrn Dr. Leopold Brady, der die Erschienenen, insbesondere die Ehrengäste herzlichst begrüßte, unter denen man u. a. bemerkte, Herrn Gemeinderat Ferdinand K l e b i n d e r, Herrn k. u. k. Major Brünow i. Familie. Herrn Kontrollor Feld bau er, sowie eine Vertretung des Vereines „Fürsorge", Herrn Bürgerschuldirektor Weiß, den Vorstand des Bethausvereines „Montefiore" Herrn E. Weiß, u. v. a. Herr G.-R. Kl e b in d er sprach dem Vereine im Namen der Komnlune für sein humanitäres Wirken den Dank aus und begrüßte es mit Freude, daß anläßlich des Regieriings-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers Franz Joses I., der Verein, der den hohen Namen vom Sohne des erhabenen Trägers der Krone im Schilde führt, am besten den Wünschen des Monarchcii, die Aufmerksamkeit dem „Kinde" zuzuweudeu, entsprochen habe. Nach einem mir großem Beifalle anfgenommenen Solovortrag des Ehrenmitgliedes Herrn Oberkantor Bauer, folgten Chorgesänge, welche der Gesangverein der Wiener Molkerei in glänzender Weise zum Vortrag brachte. Nachdem je ein Knabe und ein Mädchen dem Vereine den Dank ausgesprochen hatten, fand zum Schlüsse die Bewirtung der Kinder statt. Wir hoffen, daß der Verein auch in Zukunft seine Bestrebungen durch den gleichen Erfolg, wie heuer, gekrönt sieht. Wien. Auf Anregung des Präsidenten des Talmud-Thora-Vereines, Herrn Simon B u ch w a l d, finden im Tempel. Malzgasse 6, seit einigen Wochen, außer den täglichen Bibelvorrrägen des Herrn Rabbiner Schenk, Freitag abends, von Va 8 bis x/, 9 Uhr, populär wiffeuschaftliche Vorträge über jüdische Geschichte und Literatur statt. Es haben bis jetzt vorgetrageu: Herr Prof. Au ts ch er l über Sabbatgesäuge, Herr Rabbiner G o l d st e i n über Maimonides Leben und Werke, Herr Rabbiuats-Kandidat Bela Fischer über Bererbungstheorie im Judentum. Wien. (Bet-ha-Mid rasch, II., Ferdinandsstr. 23.) Bei der Wiederaufnahme seiner Vorträge, nach der anläßlich des Ablebens des Lektors Friedmaun im Bet-ha-Midrasch gehaltenen Tranerwoche, hielt Herr Rabbiner Dr. Kaminka am 3. d. einen Nachruf auf den Hingeschiedenen Gelehrten. Ausgehend vom Bibelworte in der Sidra „Die Engel Gottes stiegen hinauf und hernieder" und im Anschluß an die Deutung des Midrasch und die Erklärung Maimonides zu diesem Worte, wonach es sich auf die Weisen beziehe, die sich selbst, auf den Stufen der Wissenschaft emporsteigend, immer mehr vervollkommnen und zum Volke herabsieigend, die Lehren Gottes popularisiereu, gab er eine Charakteristik der Lehrmethode des sel. Lektor und ging dann zum Vortrage des Traktats Sanhedrin über, den er fortlaufend jeden Donnerstag 6 bis 7 Uhr abends hält. Damit die in weiten Kreisen des Publikums beliebten Pentateuch- Vorträge am Samstag keine Unterbrechung erleiden, hat der Vorstand bis zur definitiven Regelung das Provisorium eingerichtet, daß die derzeitigen Dozenten die Herren Rabbiner Dr. Gelbhaus, Dr. Kaminka und Dr. Rubin im Turnus abwechselnd diese Vorträge halten. Diesen Samstag, den 12. d., vormittags um 11 Uhr. wird Herr Rabbiner Dr. Kaminka den Bortrag halten. Wien. (Jubiläumskonzert des „Kaiser Franz Josefs-Ferien hei m".) Ein glanzvoller Abend, wie er sich in den Sofiensälen wohl noch selten vollzogen, war die Jubiläumsveranstaltung, welche am 28. November d. I. von dem rührigen Vorstande des „Kaiser Franz Josefs-Ferienheimes" mit Glück und Geschick den Gästen geboten wurde. Bis auf das letzte Plätzchen war der weire Raum von den besten Gesellschaftskreisen gefüllt und in andachtsvoller Stille lauschten die Festgäsie den durchwegs ausgezeichneten Darbietungen des reichhaltigen Programmes. Ein ansehnlicher Reinertrag fließt den Zwecken des „Kaiser Franz Josefs-Ferienheimes" zu, welches während seines 16jährigen Bestandes 7197 Kinder nut einem Kostenauswande von 530.000 Kronen in Ferienkolonien und Heilbäder entsendet hat und aus dessen Schoß im Jubeljahre das „Oesterreichische Kaiser Franz Josefs-Jubiläums-Seehospiz" erstanden ist. Alle Anerkennung gebührt dem rührigen Vorstände, insbesondere der Begründerin und Präsidentin des Vereines Frau Sofie Grünfeld, der Schriftführerin Adele Z i n s und den Damen Amelie Strauß, Frau Generaldirektor P o r g e s und Fran Dr. Jenny Schnabel, die in erster Linie zu dem Gelingen des Festes beigetrageu haben. Wien (Sechshäus). Samstag, den 28. November, hielt Rabbi Ch. Schwarz aus Minsk (Rußland) in der Synagoge, Storchengaffe' einen mehr als anderhalbstündigen geistsprühenden Bortrag und erntete allgemeinen Beifall bei der zahlreichen Zuhörerschaft. E. O. Wien. (Leich enbegängnis.) Eine große Anzahl von Trauergästen versammelte sich Sonntag um 10 Uhr vormittags im Allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummenlustitut, III. Bezirk. Rudolfsgasse Nr. 22, um dem am 3. Dezember verstorbenen hochverdienten Direktor kaiserlichen Rat Dr. Moritz Brunner die letzte Ehre zu erweisen. Es waren zu sehen: der Präsident der Kultusgemeiude Dr. Alfred Stern mit dem ersten Sekretär kaiserlichen Rat Dr. Lieben, denk zweiten Sekretär Dr. Adler und den Vorstandsmitgliedern Dr. Markus Spitzer, Emil Horner, Dr. A. K u r a n d a und S. Steiner, der Direktor des k. k. Bliudeninstituts Regierungsrat Dr. Mell, der Direktor des Jsr. Blindeuinstituts auf der Hohen Warte kais. Rat S. Heller, Professor Doktor U r b a u t s ch i t s ch, Bezirksschulinspektor H o m v l a, Direktor Fischer der Israelitischen Kinderbewahranstalt, die Religionsschulinspektoren Professor K a n i tz und Dr. L a n g f e l d e r, kaiserlicher Rat Stephan S k r e i u und Gemahlin, kaiserlicher Rat M. W a i z n e r und Sohn, Direktor Dr. K r e u b e r g e r, Bankier Maximilian Paul-Schiff, der Präsident der türkisch-israelitischen Gemeinde Licco Adutt, die Vorstandsmitglieder des Vereines der Pohrlitzer iu Wien, Vertreter des k. k. Taubstummen-, institutes, der Lehrkörper des Israelitischen Tanbstummeu-Jnstltntes mit einer Abordnung der Schüler und Schülerinnen der Anstalt, viele Vertreter von Lehranstalten, Freunde und Angehörige des Verblichenen rc. Oberkantor kaiserlicher Rat Josef Singer trug, begleitet vom Ersten Kantor Jnrberger und dem Chorpersonal, die Trauerpsalmen vor. worauf der Sarg zur Beisetzung auf den Zentralfriedhof gebracht wurde. Dort sprachen iu der Zeremonienhalle der israelitischen Abteilung Rabbiner Dr. David, der Präsident des Kuratoriums der Anstalt Tr. Artur K u r a n d a, namens der Anstaltslehrer Lehrer F r l e d e l, Dr. K r e n b e r g e r und der Obmann des Vereines österreichischer Taubstummeulehrer Herr D r u s ch k a. Sie ließen den großen Verdiensten Dr. Brunners um die Taubstummenerziehung und seinem humanen Wirken Gerechtigkeit widerfahren. Wiener - Neustadt. (Seltene B a r m i z w a h f e i e r.) Samstag, den 4. d. M.. feierten die Zwillingssöhne unseres beliebten Kultnsrates, Herrn Adolf Ehrenfest, und seiner Gemahlin Paula, geb. Grünhut, A r m i u und Richard, gemeinsam das Fest der Barmizwah. Der eine wurde als Lchischi aufgeruseu und sprach ein schönes, deutsches Gebet, während der andere die Hafthara mit vollem Verständnis rezitierte. Beide hatte Herr Oberkantor Landau konfirmiert,, der auch ein Gebet und deu Segen sprach. Rabbiner-Stellvertreter Herr Weiß hielt eine kleine Ansprache, mit der die seltene Feier ihren Abschluß fand. Herr Ehrenhaft hat aus Anlaß der Barmizwah seiner beiden Zwillingssöhne die hiesigeu Wohltütigkeitsinstitute mit namhaften Spenden bedacht. Jrrugbunzlau Unter den Ausgezeichneten anläßlich des 60jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers ist auch dem Industriellen Herrn Friedrich Eisler der Titel eines kaiserlichen Rates verliehen worden. Mit großer Befriedigung wurde diese Nachricht iu allen Kreisen ausgenommen. Herr Friedr. Eisler steht allseits durch sein vielseitiges Wirken auf humanitärem Gebiete in höchster Achtung, denn er ist nicht nur Vorstandstellvertreter unserer Kultusgemeinde und Präses des Tempelchorvereines, sondern auch Stadtrat. gründendes Mitglied des Vereines zur Bekämpfung der Tuberkulose, Mitglied des vom Oberbanrat Hlavka gegründeten Studeuten-Unterstützungsvereines rc. rc. In allen diesen Zweigen hat er sein liebevolles Streben dem Dienste der guten Sache gewidmet. Möge es ihm noch lange gegönnt sein, dies tun zu können. Nagy-Kanizsa. Die Jubiläumsfeier unseres Chordirigenten Hrn. Moriz E ck st e i n am 28. November hat sich in solch ehrender Weise abgespielt, daß wir sie im Jntereffe des isr. Beamtenstandes der Veröffentlichung wert halten. Das Gotteshaus war voll beleuchtet, und der Jubilar, dem für den ganzen Gottesdienst ein Ehrenplatz eingeränmt worden war. wurde mit seinem vollen Namen als Maftir vom Oberkantor Kartschmaroff zur Thora gerufen. Nach den üblichen Benedictionen wurde vom Oberkantor und dem diesmal verstärkten Männer- und Damenchor ein Festpsalm glänzend exekutiert und vom Oberkantor Kartschmaroff, der dem Feste anpassende Mischeberach rezitiert. Der Jubilar trug selbst die Haftara vor und nach dem Einheben der Thora bestieg der Herr Oberrabbiner Dr. N e u m a n n die Kanzel und würdigte in gediegenen Worten die vielen Verdienste des Jubilanten, die er sich durch Amtsliebe und unermüdlichen Fleiß um die Hebung des Chorgesanges hier erworben hat. Nach beendigter Tempelfeier erfolgten im Hause des Jubilanten die Jubelgeschenke, und zwar: die Gemeinde ein wertvolles Cadean mit Zuschrift: „Das Chorpersonal" unter Anführung des Oberkantors, ein volles silbernes Eßbesteck für 6 Personen, und eine Lyra — Brustnadel vom Oberkantor Kartschmaroff selbst, die er mit einer ergreifenden Ansprache überreichte. Die Tempelbeamten mit einem Luxusgegenstand und Zuschrift, sowie mehrere namhafte. Angebinde von Freunden und Bekannten aus Nah und Fern. Besonders erwähnenswert ist, daß die jahrelang ad honorem im Chore mitwirkende, vor kurzem verehelichte Frau Dr. Waldmann in Kaposvar, ihren alten Meister mit einem schönen Geschenk und Zuschrift bedachte. — Nachmittags konnte die kleine Wohnung des Jubilanten die vielen Gratulationsbesuche kaum fassen. Es erschienen unter anderen: Der Präses der Tempelsektion Herr Alex. S o m m e r, in Begleitung des Chevra-Kadischa- Präses und des Obmannes der Wohltätigkeits-Sektion, ferner Oberrabbiner Dr. Neumann und beglückwünschteu das freudig gestimmte Jubelpaar. 6-.