Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 45 (20.11.1908)
- Date
- 1908-11-20
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Leite 14. Die Wahrheit Nr. 45 i«:v -r 800 Zöglingen erfordern, haben den Vorstand des genannten Vereines zu dem Beschlüsse genötigt, die Aufnahme von Knaben während der Monate Dezember und Jänner zu siftieren. Wien Samstag, den 21. d. M., wird Herr Wodniansky- Wiener ein Orchester-Konzerr in der Toynbee-Halle, XX., Othmargasse 46, oeranfralreii. Wien Sonntag, den 6. Dezember d. I. veranstaltet der allgemeine jüdische Arbeiterverein „Pvale Zion" im Festsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße 4, euien Theodor Herzl-Abcnd. Ihre Mitwirkung haben zngefagr: k. k. Hofbnrgschanspielerin Frl. Lia Rose n, Herr Direktor Adolf W e i s s e und die Schriftsteller Hermann Bahr und Felix Salten. Der Abend verspricht ein künstlerisch-literarisch genußreicher zu werden. Karren a X 10, 5, 3, 2, 1 50 und 1 sind im Cafe Marienbrücke erhältlich. Wien. Das Bekleidnngsfest des „Vereines zur Bekleidung und Unterstütznng armer alter Männer", das Neuer unter dem Zeichen des durch ein Huldignugstelegrauim begrüßten a. h. Jiibilars stand, fand am 15. November d. I. unter Massenbeteiligung aller Kreise und osfiziellen Persönlichkeiten in den Sälen de- Horel Kontinental statt. Erschienen waren: der Präsident der Allianz David Ritter v. G u t in a n u. Geineinderal K! eb i n d e r, der Vizepräsident der landwirtschaftlichen Börse kais. Rat W e i l, in Berrrelnnq der Kultnsgemeinde die Vorsteher A. S ch r a ui e k null 5. Steiner, kcns. Rar Wilhelm P o l! a k, Chormeifter Rnter v. H e n r iq uez, Regiernngsrar Schlag, 3!abbiner Dr. David, die Oberkantvren Baue r und F u ch s, Vorsteher der Cheivra Kadischa Herr Otto, iveiters in Vertretung hninanirärer Vereine die Herren Gut m a u n und M ü h Ir a d (Montefiore), F e l d b a n e r (Selbsthilfe), Kleiner (Fürsorge), Vorstand Frankl (Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort), ferner Direktor K ö r n e h (Verein reisender Kaufleute) rc. In Vertretung des Herrn Direktor W e i s s e eröffnere Herr Paul A s k o n a s vom Deutschen Volksrhearer mir dem Vorrrage des von Herrn Rabbiner Dr. Schmied! verfaßten Prologes das Fest wirksam. Nach der 3iebe des lebhaft akklamierten Präsidenten Isidor Schwarz, welche mir einem Hoch auf den Kaiser ansklang, und nach Absingnng der Volkshymne stimmten 75 Sänger des Kailfmättnischen Gesangvereines ihre vielumjnbelteu Chöre an,- worauf Herr Rabbiner Dr. David eine von Gemüt und Geist getragene Festrede hielt. Herr Ritter v. ©litt m a n u richtete einen Appell an die Frauen, in deren Händen die Zukunft der Generation liegt, durch Bescheidenheit nach außen und weises Wallen im Hanse das Glück ihrer Familien zu befestigen. Oberkautor Don Fuchs schloß mit Vortrag einiger herrlicher und lebhaft applaudierter Lieder das Festprogramm überaus wirkungsvoll ab. In ihren neuen Gewändern (Großlieferant Adolf Weiler, I.. Quai) begaben sich hierauf die reichbejchenkteu 150 Greise zur Tafel und »ach Verlesung zustimnieuder Telegramme war die unvergeßlich schöne Feier zu Ende. Wie». (Jüdische Vorträge für junge Leute.) Ani Bel-ha-ulidrasch. „Talmiid-Thora", II., Malzgasse 16, trägt Herr Rabbiner Schenk für junge Leute vor: Sonntag, 11—12 Uhr vormillags, Dienstag j/29—1/210 Uhr abends und Samstag 11—12 Uhr vormittags. Außerdem sinder jeden Freitag-Abend von J/„8— 1/29 eine v o p u l ä r - w i s s e ns ch a f t l i ch e Vorlesung jüdischen Inhaltes statt. Am ersten Freitag, den 6. d. M. sprach sehr interesiant Herr 3iabbiner L. G o l d st e i n über den großen Verfasser des ..Dossalot-ckouitorv". — Am letzten Freitag las Prof. A n r s ch e r l über „Sabbat-Semirot“ und anschließend daran hebräische Dichrungen unseres langjährigen Mitarbeiters, des Herrn Rabbiners Dr. I. I. U n g e r in Jglau ans dessen „Higgajon bechirmor“, die begeisterte Aufnahme fanden. — Tie Schönheit dieser klassisch geschriebenen hebräischen Poesien, meisterhaft vorgetragen und erläutert, zeigte ad oculos, wie ein neues, empfängliches Terrain für unsere alrehrwürdige, heilige Sprache geschaffen werden kann. — Dem greisen, aber noch immer mit jugendlicher Frische wirkendeu Meister und Gelehrten — aus dessen Feder soeben ein neues, sehr interessantes Werk: „Gesammelte Aufsätze", Prag, Brandeis, erschienen ist — wurde in seiner Abwesenheit von der großen begeisterten Zuhörerschaar eine spontane Huldigung dargebracht. Eine solche gab es auch für den verdienstvollen Vereins-Präses, Herrn Simon B n chw a l d. der unsere jüdischen Jünglinge fürs Judentum gewinnen und erhalten will und deren Herzen auch schon erobert hat. Wien. (Verein zur A b w e h r des Antisemitismus, II., Castellezgasse 1.) Sarusrag, den 21. November, 7*/2 Uhr abends, findet im Saale des niederösterr. Gewerbevereines, I., Eschenbachgasse 11, ein Vortrag des Schriftstellers Herrn Heinrich Port-Steiner über Artur Schnitzlers Roman „Der Weg ins Freie" statt. Gäste willkommen! Vor dem Vortrag wird der Delegierte der Vereines zur Abwehr des Antisemirismus in Berlin. Schriftsteller Herr Otto Strauß ans Frankfurt a. M., über einen Anschluß beider Vereine referieren. Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein „Die Szemtzer in Wien" veranstaltet am 8. Dezember d. I., 8 Uhr abends,' seine diesjährige Generalversammlung, verbunden mit einem gemütlichen Abend, in den Saallokalitäten des Cai's Concordia, I., Coucordiaplatz. Gäste willkommen. Wien. Am 29. d. M. begeht Isidor Kauf in a n n, der hochgeschätzte Meister und Künstler, der sich mit seinem genialen Pinsel die Pflege des jüdischen Sujets zur Lebensaufgabe gemacht hat, mit seiner Gattin Juliette, geb. Bauer, das Fest der silbernen Hochzeit. Die vielen Freunde und Verehrer des Künstlers werden diesen Tag gewiß iiicht unbeachtet vorübergehen laffen. Wien. Das 25jährige Schriftstellerjubiläum des illustren jüdischen Humoristen Schalom Alechem (S. Rabinowicz) wurde am 14. d. M. im Saale „zum goldenen Widder" durch den akademischen Verein „Jüdische Kultur" in solenner Weise gefeiert. Nach den Begrüßungsworten des Vorsitzenden stud. Gottlieb an das zahlreiche Auditorium hielt der Schriftsteller Herr Dr. A. C o r a l n i k eine Konferenz über die literarischen Schöpfungen des jüdischen Mark Twain. Sodann wurden abwechselnd Scholam Alechem-Skizzen durch Kantor Josef Grob und die Hochschüler H e l l ui e r. mib (Sott Heb vorgelesen. Die von stuck. Gottlieb meisterhaft rezitierte Skizze „Towie der' Milichiker", worin die Lebensschickiale eines jugendlichen russisch-jüdischen 3ievolutionärs wie. seiner erwählten Lebens- und Leidensgefährtin in ebenso künstlerischer wie packender Weise geschildert werden, löste bei der Zuhörerschaft eine nachhaltige Wirkung ans. Herr Kantor Josef Grob sang mehrere jüdische nationale Lieder mir tiefer Einpsindnng und erntete lebhaften ilnd wohlverdienten Beifall. X. Olr Baden. (L e i ch e n b e g ä n g n i s.) Das am 11. d. M., X/211 Uhr vormittags erfolgte Leichenbegängnis der Gattin des Herrn Sigmund Rausnitz, Vizepräsidenten der israel. Kultusgemeinde Baden, Frau Jenny 3t a u s u i tz, gestaltete sich durch die große und volle Teilnahme an demselben zu einer aufrichtigen Trauerkundgebnug fast aller Schichten der Sradtbevölkerung. In einer langen Reihe von Wagen bewegte sich der Kondukt vom Tiauerhause hinaus aus den israelitischen Friedhof und konnte der geräumige Zerenioniensaal kaum die große Menge der Tranergäste, unter welchen der Gesamtvorstand der Kultnsgemeinde und der Chewra- Kadischa mit seinem Präsidenten, Herrn Moriz Leitner, sich befand, fassen. An der Bahre hielt Herr Rabbiner W. 3t e i ch die Trauerrede, in welcher er die großen Tugenden und vorzüglichen Eigenschaften der Verblichenen in tief empfundenen Worten schilderte. Auch der gesangliche Teil der Trauerzeremonie durch Herrn Oberkantor M. Seifert machte auf die Anwesenden den ergreifendsten Eindruck. Nach der Bestattung wurde dem trauernden Gatten von allen Seiten tiefes Beileid zum Ansdrucke gebracht und unter den zahlreichen ihm zngekvinnienen Mitleidskundgebungen sind die Kondolenzichreiben des Badener Dekanates und Bürgeriiieisteraiules mir besonderer Anerkennung zn verzeichnen. Szenitz. Am 25. d. M. findet hier die Trauung des Frl. Etelka Mar m o r st e i n, Tochrer des Bezirksrabbiners Dr. M a r m v r st e i n. mit Herrn Sandor Klein aus Wien statt. Budapest. (A b s ch i e d s f e i e r.) In sehr ehrender Weise vollzog sich am verflossenen Sabbath, gelegentlich des Mädchengottesdieustes, die Abschiedsfeier des seit 56 Jahren als Lehrer und seit 38 Jahren als Direktor an der hiesigen israel. Mädchenschule wirkenden Herrn Nathan H a l L s z. Zu diesem Behufe waren erschienen: das 3tabbinat, der Vorstand, der I. Sekreiär der Religionsgemcinde, Dr. Julius W e i ß b n r g und der Lehrkörper. Herr 3teligionsprofcssor Scheider würdigte in seiner Predigt die Bedeutung der Feier und des abiretenden beliebten Direktors hohe Verdienste. Der Schulvorsteher, Herr Dr. Moriz Stiller, der Schnlinspektor, Herr Dr. Bernhard 9Jt nnkücsi, der Direktor der Knabenschule, Herr Abraham Stern, sowie der Direktor-Stellvertreter, Herr Armin Schickranz. schilderten in ausgezeichneten 3teden die großen Verdienste des scheidenden Pädagogen und gaben dem Wunsche Ausdruck, daß es ihm noch lange gegönnt sein möge, mit Stolz und Freude auf feine zurückgelegte Tätigkeit blicken zu können. — Tiefbewegt dankte der Gefeierte für die ihm bereitete Ovation, der. dem Drängen seiner Familie nachgebend, sich nnnniehr von seiner Wirksamkeit in den wohlverdienten Ruhestand begibt, obgleich er, dank der körperlichen und geistigen Frische, deren er sich erfreut, noch fernerhin in seinem Amte verbleiben könnte. A. L a z a r n s. Literatur. H. A Dcgenerer, Z e i t g e n v ss e n l ex i ko n „Wer ist's?" IV. Ansg. 1909. Preis Mk. 12-50. Geb. In der Reihe jener Bücher, die sich im Laufe weniger Jahre zunr unentbehrlichen Rüstzeuge aller Gebildeten entwickelt haben, gehört ivohl in erster Hinsicht das von H. A. D e g e n e r im gleichnamigen Leipziger'Verlage in bereits IV. Ausgabe vorliegende Werk „Wer ist's?" Es ist staunenswert, mit welcher geradezu vorbildlicher Genauigkeit der Mitherausgeber G. S t e g e in a n n Interessantes aus der deutschen und internationalen Statistik zusammenzustellen wußte. Eine Münztabelle über die Währungsverhältnisse der ganzen Erde dürste zahlreichen Besitzern dieses bereits erprobten Handbuches eben so willkommen sein, wie die große Anzahl der in umfassender Weise aufgehellten Pseudonyme der namhaftesten, zeitgenössischen, deutschen und österreichischen Schriftsteller. Sehr erfreulich ist ferner, daß durch Mitarbeit zahlreicher selbstloser Männer auch die gesamten deutschen, österreichisch-ungarischen und Schweizer Universitäten und sonstigen Bildungsanstalten dieser drei Reiche einer so eingehenden Würdigung unterzogen wurden. Auch sämtliche Oberhäupter aller Staaten der Erde und die europäischen regierenden Fürstenfamilien fanden genaueste Berücksichtigung. Der wichtigste Teil dieses Zeitgeuossenlexikons. das den Schreibtisch unserer Regentenhäuser ebenso ziert, wie den des einfachen Privatgelehrten, dürften wohl die bis ins Detail eingehenden Lebensbeschreibungen unserer im gesamten Geistesleben noch in voller Frische wirkenden und bekannten Persönlichkeiten bilden. Es ist also nur dem Dilettantentum jedwede Aufnahme verwehrt worden. Dieses wertvolle Hausbuch unterscheidet sich von dem bekannten Kürschner scheu L i t e r a t u r k a l e n d e r schon dadurch, daß letzterer, ausschließlich die deutsche Schriftsteller- und Verlegerwelt berücksichtigt. In obigem Werke sind aber nach amerikanischem und englischem Muster nicht nur die Vorfahren der allen Kulturvölkern entnommenen jeweiligen Geistesheldeu angeführt, sondern es ist auch ihr gesamter Entwicklungsgang, ja sogar ihre Lieblingsbeschäftigungen, sowie die politische und religiöse Parteizugehörigkeit in strengster Objektivität hervorgehoben. Nicht weniger als rnnd 20.000 Biographien, die infolge eigener Korrektur der meisten Aufgenommeuen den Stempel der vollen Wahrheit ausgeprägt erhielten, sind in diesem Bande vereinigt, der durch