Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 41 (23.10.1908)
- Date
- 1908-10-23
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 41. Die Wahrheit. Sete 15. Die Eltern sind Sklaven, o, schmähliches Leben, Die Knaben ertränkt man im reißenden Nil. Doch wollen wir Frauen Euch trösten, nicht klagen, Es lebt noch ein Gott! Wir woll'n nicht verzagen. C h o r d e r Männer: Lebt noch ein Gott, der Gott unserer Ahnen? Der Abram gesegnet, der Jsak erkor? Der Jakob verheißen, den Weg ihm zn bahnen Gleich Sternen des Himmels rag' er hervor. Chor der F r a u e n : Gott unser Väter, sende den Retter. Sende den gütigen Helfer in Not! Moses (erscheint): Höre, mein Volk, ich komme vom Höchsten, Bringe Euch Rettung von Elend und Tod. Zn Midian, im brennenden Dornbusch erschienen Ist mir der Herr. Er hat mich gesandt. Ich bin gekommen, zn Gott Euch zn führen, Znm heiligen Berge, znm heiligen Land! Chor der Männer und Fr aue u : 0, wäre es möglich, wär's Wahrheit, gäb's Rettung? M o s e s : Es ist wie ich's künde. Dem Herrn glaubt allein! Chor: Wie nennt man den Herrn, durch den Dn gesendet? Moses: Er heißt Adonai: Er war, ist, wird sein! Chor: Er heißt Adonai: Er war, ist, wird sein. Wir beugen dem Gotte der Liebe das Knie. A h r o n (erscheint): Ja. danket dem Herrn, denn er ist gütig, Des Ewigen Liebe verlüsset Euch nie. Glaubet dem Bruder, erwählt als Propheten! Znm Licht der Erlösung Euch her hat geführt. Höret die Botschaft; sprich, Bruder Moses! Was sagte der Herr, dem der Welt-Ruhm gebührt? Moses: Groß ist der Herr, der Gott Eurer Väter, Der Allmacht und Liebe in sich vereint. „Geh nach Egypten, lautet sein Auftrag, Rette mein Volk, das dort nach mir weint. Ich zeige Dir Wunder, die keiner gekannt. Sie treffen den König, sie schlagen sein Land. Ich führ' Euch znm Berge^ ich mache Euch frei, Znm heiligen Lande aus Lchmach, Tyrannei. Chor: Wir beugen das Knie, er ist die Liebe, Wir glauben Dir, Moses, wir folgen Dir gern. Er schläft nicht und schlummert nicht, Israels Hüter, Die Wacht unserer Freiheit, sie ist nicht mehr fern! 2. Am roten Meere. Volk, Mirjam, Ahro». M i r j a m : Lobe Volk Gottes des Ewigen Namen! Volk: Wir preisen den Herrn in Ewigkeit. Amen! M i r j a m: Wer ist wie der Herr, dessen Thron hoch erhaben? Der von der Höhe der Irdischen beult. Volk: Der tief ans dem Staube erhebet den Armen. Des Dürftigen Los gleich des Edelsten lenkt. Mntter und Kinder frohlocken dem Ew'gen, Allen Bedrängten ist helfend er nah. Lobet den Herrn vom Aufgang der Sonne Bis zn ihrem Niedergang. Hallelnjah. Duett zwischen Ahrou und Mirjam. A h r o u: Erlöst aus der Knechtschaft, mein Volk ist entlassen! C Wunder, o Sieg, kaum kann ich es fassen. Der König, der lästernd gehöhnt Adonai, Er ist überwunden, er läßt Israel frei. M irjam: So gehen die Feinde des Herrn ins Verderben, Der Herr schlug Egypten durch furchtbares Sterben, Des Todes Gewürm, o wie es nagt' In Pharaos Hanse, im Hanse der Magd. Ahro u: Ich kund' es den Männern, Dn sag' es den Frauen, Den Tag der Erlösung soll Israel schauen, Das Passah der Freiheit im Frühlingsgewand. Der Herr, er regieret, es ivanket das Land. M i r j a m: Komm Fest des Lichtes im Frühlingsmond, O, singet dem Herrn, der die Liebe belohnt. Fremder Chor: Frohlockt nicht zn früh, der Feind hat bereut, Schon folgt er Euch nach. Es flattern die Fahnen, Es klirren die Waffen, es schnauben die Rosse. Volk: Entsetzen ergreift uns, o Gott unserer Ahnen! Wir hoffen auf Licht, wird'» wieder denn Nacht? Fremder Chor: Rust Euren Führer. Beweis er die Macht! Volk: Uns schaudert'», o Grauen! Vor uns das Meer, Zur Rechten, zur Linken nur Felsengestein Und hinter uns Wüste, der Feind hinter her. £ Moses, o rette, vernichte die Pein! M i r j a m : Vertrauet dem Herrn, der „Alliebe" sich nennt! Seht Ihr nicht, was vom Feinde uns trennt? Die Feuersäule — wie sie glüht, wie sie brennt? Fremder Chor: Was kann sie Euch Helsen? Wer Pharao kennt. Der fürchtet die Feinde. Was habt Ihr getan? Moses und Ahrou, wir klagen Euch an. Volk: Verzagt und verzweifelt klagt Israel Euch an, Ihr wollt uns verderben. Ihr wollt unser Sterben. Hat Egypten nicht Gräber? Was zogen wir her, Zn sterben in Wüsten, git sterben im Meer! Moses (erscheint) : Kleinmütiges Volk, wo ist nun Dein Glaube An Gott den Erlöser! Seid stark und vertrant. Der Herr ist mit Euch, er wird es vollbringen. Daß Ihr der Feinde Untergang schaut. Mirjam: Hört Ihr den Sturm? Was ist dir, o Meer, Daß du fliehest vor seinem Toben? Was zitterst Dn Volk vor Geschöpfen aus Staub. Die Gott erst zum Dasein erhoben! A h ron: Höret ans Moses, fein Stab vollbringt Wunder, Schon hebt er die Hand, es teilt sich das Meer. M i r j a m : Der Seeweg ist trocken, o Wunder, o Wunder! Moses: Was zögert Ihr? Vorwärts! So will es der Herr. M i r j a m : Diese durch Wagen, jene durch Rosse, wir nur mit Gott. Der Engel des Herrn, er glättet die Wogen. Vorwärts, mein Israel, vorwärts zum Licht. (Man hört Kriegsfanfaren, Wagengerassel, Lärmen und Flüstern durcheinander, und ein dumpfer Chor singr im Hintergrund: „Ich muß fliehen vor Israel, der Herr kämpfet für sie. Einige Male wiederholt. Es legt sich der Wind, das Trockene wird naß. Es schlagen die Wellen zusammen ums Haupt. O wehe uns, wehe, wehe!") Volk: Wir furchten Dich, Herr, wir seh'n Deine Hand, j Wir glauben an Dich, an Moie. Deinen Knecht.! Moses: Laßt mich singen dem Herrn, denn hocherhaben ist er,! Der Feinde Roß und Wagen, er stürzt sie ins Meer,! Mein Sieg und mein Sang ist Iah, j Er ist meine Hilfe. Hallelnjah. j Chor: Der Herr ist ein Kriegsheld, er stürzet die Feinde, | Es türmte die Flut sich, die Tiefe erstarrt. Ein Hauch Deines Mundes, sie sinken vernichtet, Dein Volk ans den Fluten gerettet nun ward. Moses: Wer ist Dir gleich, o Herr, unter Mächten? Wer Dir nur ähnlich, heilig wie Dn? Furchtbar im Lobe, Wnndervollbringer? Volk: Dn führst die Erlösten znm Berge des Heiles, Dahin zieht Dein Volk, geheiligt durch Dich. Moses: Der Herr wird regieren in Ewigkeit! I Volk (wiederholt): M I r j a m (mit der Pauke den Frauen voran): Stimmt, an Ihr Frauen, mit Pauken und Reigen, Das Lied, das ich künde: Singel dem Herrn, erhaben ist er. Roß mit) Reiter stürzt er ins Meer! $ r a ll e n wiederholen es. dann Alle: Nicht die Toten loben Gott, doch uns laßt ihn preisen, l Von nun an bis in Ewigkeit! Hallelnjah! (Fortsetzung folgt.)