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Die Wahrheit · 1908-10-23 · Heft 41 (23.10.1908) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 41 (23.10.1908)
Date
1908-10-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12. Die Wahrheit >Ur. 41 enormen Auswauderungsbedürfnisse gegenüber eine bebentenbere Rolle zn spielen beginnen, würbe sie zn einer gesnnben, breiten Bewegung werben. Bei ber Wechselwirkung zwischen Jnbnstrie unb Landwirtschaft wirb bas Anskommeu ber ersteren zweifellos auch ans bie agriknltnrelle Entwicklung befruchtend wirken, so baß auch ber Zweck, einen jüdischen Bauernstand zu schaffen, durch Grünbung industrieller Niederlassungen wesentlich gefördert werben würbe. Diese Umstänbe legen der neuen Kolonisations-Organisation nahe, ihr Augenmerk zunächst vornehmlich der industriellen Ausieblnng znznweuben. Die hier für sie erwachsenden Ausgaben unterscheiden sich wesentlich von denen der bestehenden jübischen Kolonisationsinstitntionen. Während letztere vornehmlich dazu bestimmt sind, völlig mittellose Elemente nach dem Ansiedlnngslanbe zu bringen, und ans p h i l a u t r o p i s ch e m Wege mit Grundbesitz ausznstatten, gilt es hier, für die Organisation und den Schutz der spontanen Kolonisation nicht unbemittelter Glaubensgenossen, sowie für eine Förderung ans geschäftlich e r Grundlage entsprechend zu sorgen. Der neuen Gesellschaft wird es obliegen, Jnsormationeu zu erteilen, ans Art und Ort aussichtsreicher Niederlassungen hinznweiseii, Expertisen dnrchznsühren, Konzessioneii gu erlangen, den Verkehr mit den Behörden zu erleichtern, mit einem Worte, die Bedingnugen zu schaffen, unter denen die Ansiedlnng wirtschaftlich selbständiger Elemente sich gedeihlich entwickeln kann. Hierzu gehört vor allem auch die Beschaffung eines zugänglichen, den E rf o r d e r n i s s e ii a n g e p a ß l e u K r.e dits. Durch entsprechende Handhabung des Kredits und geeignete organisatorische Maßregeln wird die neue Vereinigung auch dahin wirken können, daß soziale Auswüchse, wie sie die jüdische Einwanderung in anderen Ländern mit sich gebracht hat, hintan gehalten werden. Mit allem Nachdruck muß hervorgehoben werden, daß die neue Kolonisationsgesellschaft, weit entfernt, Glaubensgenossen, die in ihrem Geburtslande ein auskömmliches Dasein finden, durch Erleichterung der Niederlassung zur Auswandernng zu ermuntern, sich daraus beschränken wird, die in jeder Hinsicht geeignetsten Elemente unter den zur Auswanderung tatsächlich Gezwungenen bei der Begründung einer neuen Existenz in wirtschaftlich rationeller Weise zu unterstützen. Neben der Förderung der Ansiedlnng nach modernen Prinzipien und aus kommerzieller Basis wird es zu den Aufgaben der neuen Organisation gehören, jene großen jüdischen Kreise, die der Kolonisation bis jetzt fern standen, insbesondere aber die offiziellen Vertreter und sonstigen maßgebenden Faktoren der Judenheit für die Idee dieses unerläßlichen Rettnngswerkes zu interessieren; das jüdische Kapital, das an so vielen Kolonisationsunternehmnngen anderer Völker sich beteiligt, auch für die jüdische Kolonisation zu gewinnen. So soll die neue Organisation im wesentlichen eine vermittelnde Institution sein, die, falls ihre ersten Schritte mit dem erwarteten Erfolge gekrönt sein werden, die Bildung von Konsortien für größere Kolouisationsnnternehmnngen landwirtschaftlichindnstrieller Natur anregen wird. Ans Grund des Gesagten lassen sich die Mittel zur Verwirklichung der Bestrebungen der geplanten Organisation etwa folgendermaßen formulieren: 1. Die dauernde, geschlossene Ansiedlung der zur Auswanderung gedrängten Gruppen der jüdischen Bevölkerung. 2. Alle anderen Maßregeln, die zur Förderung des Zieles geeignet erscheinen und den Landesgesetzen entsprechen. Punkt 2 hat den Zweck, die neue Institution vor jener statutarischen Knebelung zu befreien, die die bestehenden Organisationen bei der Entfaltung ihrer gemeinnützigen Tätigkeit zuweilen in empfindlicher Weise beschränkt. Für die Verwaltung der neuen Organisation dürfte folgender Modus vorznschlagen sein: Die Organisation setzt sich aus koordinierten, in jeder Hinsicht gleichberechtigten Landessektionen zusammen. Jede Landessektion wählt ein beratendes Komitee (Konseil) und einen Arbeitsausschuß (Exekntiv-Komitee). Gleichzeitig wählen die Mitglieder der Organisation in allen Ländern durch ihre Delegierten einen Zentralrat. Diesem wird einerseits ein ans jüdischen Notabeln, sowie ans Vertretern jüdischer Großgemeinden und Organisationen zusammengesetztes Kuratorium, andererseits ein mit einem Burean verbundenes Zentral-Exekntiv-Komitee beigegeben. Als Bezeichnung für die neue Vereinigung schlägt das vorbereitende Komitee vor: Allgemeine jüdische Kolonisations-Organisation. Unerbanliches ans unseren Kethänjern. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redakteur! Eine Leserin Ihres geschätzten Blattes erlaubt sich Sie um Aufnahme folgender Zeilen zu bitten, die als Illustration der Zustände in den verschiedenen Tempeln und ganz besonders im IX. Bezirke, während der S eelen an da ch t, dienen sollen. Die meisten Tewpelbesucherinnen, die keine festen Plätze haben, besonders solche, die nicht nur wegen des Maskir kommen, erscheinen schon ziemlich früh, um sich ein Plätzchen zu sichern, wo sie ihre Andacht in Ruhe und ungestört verrichten können. Die Besitzerinnen der Plätze hingegen erscheinen vielfach erst wenige Minuten vor oder oft auch während des Maskirgebetes, und wenn sie nicht gerade etwas feinfühliger sind, weisen sie die Beterin barsch oder verdrängen sie sogar mit Brachialgewalt von ihrem Platze. Trotzdem ließe sich dagegen nichts einwenden, wenn es nicht eine Kategorie von Frauen gäbe, die ohne ein Anrecht auf einen Betsitz zu haben, es verständen, so zu tun, als ob sie tatsächlich einen bezahlten Sitz hätten und die dann in rüder und unfeiner Weise ihre Vorgängerin verdrängen. Freilich wäre es Sache der Tempeldiener da Ordnung zu schaffen, aber sie haben dazu weder Verständnis noch Takt oder es gilt bei ihnen nicht das Recht, sondern die Höhe des Douceurs. Nun sind gerade solche Vorgänge nur dazu geeignet, den etwas feinfühligen Damen, die sich solche Beleidignngen nicht gefallen lassen wollen, die Tempelbesnche gänzlich abzngewöhnen. Gewiß kann die Tempelverwaltnng nicht für die Qualität ihrer Besucherinnen verantwortlich gemacht werden, noch weniger für ihr Benehmen, hingegen müßte sie ihre Diener besser instruieren, wie sie das Publikum vor Insulten schützen sollen. Um aber solche unerquickliche Vorgänge auszuschließen, erlaube ich mir folgenden Vorschlag zu machen: Es müßten, ebenso wie zu den hohen Feiertagen, die Besitzerinnen der Plätze verhalten werden, zu Maskir mit ihren Karten versehen in die Tempel zu kommen, und nur in diesem Falle dürften sie den Anspruch auf ihren Platz erheben, der ihnen zweifellos sofort eingeräumt werden würde; es würde dann genügen, einfach die Karte vorznweisen, anderenfalls müßte sie auf ihr Recht verzichten. Ich spreche bloß von den Damen, da bei den Herren solche Unznkömmlichkeiten nicht Vorkommen, da Männer, es muß das offen gesagt werden, vernünftiger sind. Dies wäre, denke ich, die beste Lösung, die eine gründliche Remedur schaffen würde. Mit bestem Dank für die freundliche Aufnahme dieser Zeilen. E i n e L e s e r i n. Wien, 19. Oktober 1908. Ansmandernng nach Amerika. Dem Deutschen Bureau der Alliance I s r a e I i t e Universelle verdanken wir folgende Mitteilung über die Auswanderung nach Amerika im August dieses Jahres verglichen mit der Auswanderung nach Amerika vom August 1907

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