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Die Wahrheit · 1908-10-02 · Heft 39 (2.10.1908) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 39 (2.10.1908)
Date
1908-10-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6. Die Wahrheil Nr. 39. Beschlüsse, der Versammlung am 29. März d. & und bezeichnet demgemäß den Zusarnmenschluß der großen jüdischen Organisationen zu einer Gesamtorgauisation mit einer ständigen Zentrale, unbeschadet der selbständigen Betätigung jeder einzelnen Organisation auf ihrem Sondergebiel, als dringend geboten. Der Gesamtorgauisation wird es obliegen, Aufgaben des Judentums, deren Lösung, die Organisationen in ihrer Vereinzelung nicht herbeiführen können, nach gemeinsamer Verständigung ans Grund einheitlicher Gesichtspunkte in Angriff zu nehmen. Die Versammlung erklärt es als Notwendigkeit, daß an dieser Gesamtorganisation alle großen jüdischen Körperschaften mit entsprechenden Zielen Anteil nehmen und es wird, zugleich zu erstreben sein, daß alle Länder, in denen ein reges jüdisches Leben vorhanden, in dieser Gesamtorganisation vertreten sind. Schließlich spricht die Versammlung die Hoffnung und den dringenden Wunsch ans, daß die noch abseits stehenden Organisationen sich baldigst anschließen. Mit den Verhandlungen zu diesem Zwecke, insbesondere auch zur Herbeiführung eines Ausgleiches zwischen den heutigen Beschlüssen und den ein verwandtes Ziel verfolgenden Vorschlägen der ,Jca<, sowie mit den detaillierten vorbereitenden Festsetzungen über die Zusammensetzung ulid über den Arbeitsmodus der Gesamtorganisation wird ein permanentes Komitee mit dem Rechte der Kooptation eingesetzt, das alsdann erneut Bericht zu erstatten hat. Das permanente Komitee ergänzt sich aus den Vertretern derjenigen großen jüdischen Organisationen, die bereit sind, in das Komitee eiuznireten." Als permanentes Komitee wurde das bisher vorbereitende Komitee eingesetzt. Die Versammlung sprach ferner e i n st i m m i g i h r W o h l w o l l e n für den weiteren Ausbau und die tatkräftige Förderung der Kolonisation, insbesondere auch i m O r i e n t, a u s u n d ' ü b e rw i e s die A n g e l e'g e n h e i t dem permanenten Komitee zur weiteren Veranlassung. Resterionen. Von M. Mandl, Religionslehrer, Dux. Wir sind es gewöhnt, alljährlich einer würdigen, dem jüdischen Lehrerstande in Böhmen stets nur zur Ehre gereichenden Haupt- und Generalversammlung des israel. Laudeslehrervereines in Prag anzuwohnen. Und, aufrichtig gesagt, wir freuen uns schon immer auf diese Zusammenkunft, bei welcher Fach- und Leidensgenossen mit Ernst und Würde zusammentreten, hier arbeiten, aber auch bei gemütlicher Geselligkeit einander näher rücken, und so Jahr für Jahr ihre Solidarität und Verbrüderung in herzlichster Weise manifestieren. Ein frohes Wiedersehen gab es auch in diesem Jahre bei der am Montag, den 7. September, in der Toynbee-Halle zu Prag stattgehabten 35. ordentlichen Generalversammlung. Ueber deren würdigen Verlauf, die rege Teilnahme seitens der Mitglieder aus allen Teilen des Landes, Beratungen und Beschlußfassungen, sowie über die glänzenden Ausführungen einzelner Referenten, insbesondere unseres unermüdlichen Schriftführers, dessen fein pointierter Jahresbericht seine Wirkung auf die Zuhörerschaft nicht verfehlte, ferner die trefflichen und stets sachlichen Ausführungen des wertgeschätzten Obmannes und dessen Stellvertreters, soll an dieser Stelle nicht ausführlich berichtet werden, zumal dies bereits in Tagesblättern und sonst auch von berufener Seite gewürdigt wurde. Was ich hier als Mitglied des Vereines mit besonderer Freude hervorheben und dem segensreich wirkenden Vereine der israel. Religionslehrer an den Mittelschulen in Böhmen zur besonderen Ehre anrechnen will, ist die von letzterem ins Leben gerufene Institution der Ferialkurse, die Heuer in Anschluß an die Generalversammlung ihren Anfang nahmen und am 8., 9. und 10. September programmäßig abgehalten wurden. Leider war es mir nur am ersten Tage gegönnt, die Vorlesungen anzuhören, da ich am Weiterbleiben beruflich verhindert war, trotzdem bin ich in der angenehmen Lage behaupten zu können, daß die veranstalteten Ferialkurse, welche übrigens zu Weihnachten fortgesetzt und' für die-Dauer stabilisiert werden sollen, eine neue Etappe in der steten Entwicklung unseres Vereines ansmachen. Wir erhalten jetzt liebst der materiellen Interessen-Förderung, als welche die Generalversammlung, anzilsehen ist, auch eine g e i ft i g e Nahrung, um uns auf dem Gebiete ■ des Wissens weiterbilden und voll entwickeln zu können. Aber auch noch einen moralischen Erfolg weisen diese Veranstaltungen auf. Uns sind die früheren Mißverhältnisse zwischen Rabbiner -und Lehrer nicht entgangen; es bildeten sich im Laufe der Zeit unhaltbare Zustände heraus, mannigfache Umstände und nicht in letzter Reihe Amts-Eiferiüchteleien brachten diese beiden zueinandergehörigen Stünde immer mehr auseinander, bis endlich einige besonnene, erleuchtete Männer sich in die Bresche stellten und im letzten Augenblicke die Ehre des Rabbiners und die des Lehrers retteten. Dieser beherzten, echt jüdischen Tat verdankt der neue Verein seine Entstehung. Es wurde somit eine Brücke geschlagen, deren Tragfähigkeit in den abgehaltenen Ferialkursen glänzend erprobt wurde. Was Wunder auch? Hat sie doch drei mächtige Pfeiler zu Trägern. Wir können nun mit Simson ausrufen: „Ans dem Verzehrenden kam Zehrnng und ans dem Starken Süßes"; ehrwürdige Rabbinen wurden unsere Verbündete, unsere Freunde, sie geben von ihrem Lichte, ihrem Wissen auch uns ab, ziehen uns empor, machen uns stark, selbstbewußt. Und wir missen ihnen Dank. Unser Fleiß, unsere Aufmerksamkeit bei diesen Kursen war der Summe der anfgewandten Mühe und selbstlosen, hingebungsvollen Vorträgen wert; es wirkte patriarchalisch-erhebend, wenn wir, Kollegen aller Altersstufen, mit einem wahren Wissensdurst den interessanten und lehrrelchen Ausführungen dieser gelehrten Herren lauschten; wir alle sühlten uns verjüngt, in unsere Studienjahre zurückversetzt. Aber auch nach einer anderen Richtung, nach außen hin, ist die Institution der Ferialkurse, die harmonisches Zusammenwirken zwischen Rabbiner und Lehrer zur Voraussetzung haben, geeignet, Segen zu stiften. Das Verhältnis zwischen Rabbiner und Kantor ist in der Jetztzeit ein vielfach getrübtes. Ich will heute nicht nach der Quelle dieses Uebels forschen, auch nicht Nachweisen, ans wessen Seite das Recht ist, bemerken will ich nur, daß. während diese unleidlichen Fehden früher in einzelnen Gemeinden bestanden und die Allgemeinheit davon unberührt blieb, jetzt der Funke zur hellodernden Flamme wird, die das Ansehen beider gottesdienstlichen Funktionäre zu zerstören droh t; unter dem Titel „Rabbiner und Kantor" werden gegenwärtig in Blättern, die jüdische Interessen nach Außen vertreten sollen, die häßlichsten gegenseitigen Angriffe publiziert. Es wird die öffentliche Meinung angernsen — und doch, glaube ich, ist nur die Achtung des einen Standes vor dem andern imstande, die Gegensätze anszugleichen. Angeblich soll das Sturmlausen vieler Rabbiner gegen die Kantoren dadurch entstanden sein, weil letztere einen Nachweis der abgelegten Fachstudien und den gesetzlich geschützten Titel „Kantor" in einer Wiener Resolution beanspruchten. . . Wir Lehrer streben auch ein höheres Niveau an, wollen auch, daß n u r Berufene zugelassen und von der Behörde bestätigt werden, und siehe da, w i r wurden nicht mißverstanden; unser ernstes Streben bildete das Entgegenkommen auf halbem Wege.... Wenn wir jetzt von einem erfolgreichen Zusammenwirken von Rabbiner und Lehrern anläßlich der stattgehabten Ferialkurse aller Welt berichten können, so wollen wir jenen Kreisen als leuchtendes Beispiel dienen, die auf der Suche eines Einigungsmittels sind und den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen: für uns aber gilt der Satz —! .-N2Q maa ->2V ' Liberales Judentum. Bon Claude G. Moutefiore. VII. Und dann hat — in anderer Weise — das nationalistische I Gefühl viele liberale Inden beeinffnßt. Es hat einen frischen

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