Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 33 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seile 8. Die Wahrheit Nr. 33. Sr. Majestät des Kaisers bot. Nach der Rede kam eine Huldigung-Hymne ,u hebräischer Sprache, versaßt vom Sekretär der Badener Kultusgemeinde. Herrn I. I u s e l d, und vertont vom Oberkantor M. Seifert, zum Vortrage, worüber dem Verfasser und dem Komponisten viel Lob gespendet wurde. Den Schluß dieses solennen Festgottesdienstes bildete die Absingung der Volkshymne durch Oberkantor und Chor. Der Kultuspräsident, Herr Moriz Lettner, dankte allen Funktionären, wie auch dem Sekretär, Herrn I n f e l d, für ihre ausgezeichneten Leistungen. Stockerau. Aus Anlaß des allerhöchsten Geburtsfestes unseres geliebten Kaisers fand im hiesigen, festlich beleuchteten Gotteshause ein Festgottesdienst statt, zu welchem der Vorstand Herrn Rabbiner Dr. Reich aus Wien als Festredner berief. Dem wahrhaft patriotischen Feste wohnten zahlreiche Andächtige mit dem Gesamtvorstande, sowie eine Deputation aus Korueuburg mit ihrem Lehrer Herrn Z e l i n k a und Soldaten der hiesigen Garnison bei. Nach einem einleireuden Gesänge, vorgetragen durch Herrn Kantor Werdisheim mir dem Chor, hielt Rabbiner Dr. Reich eine formvollendete, patriotische Festrede und trug vor offener Bundeslade ein eigens für das diesjährige Fest verfaßtes Kaisergebet vor. Nach Absingung der Volkshymne schloß die schöne Feier. Dankenswert sei noch erwähnt, daß der h esige, überaus wohltätig wirkende Frauen-Verein zur Erinnerung an das 60jährige Regiernngsjubiläuin eine wertvolle gestickte Draperie für das Innere der Bundeslade gewidmet hat. Groß-Enzersdorf Am 29. d. M. feiert der Kantor und Religionslehrer. Herr Samuel Eigner, das Barmizwahfest seines jüngsten Sohnes Alois und zugleich sein 25jähriges Amtsjubiläum in Groß-Enzersdorf. Berlin. Nachdem im April d. I. die staatliche Prüfung von zwölf Schülerinnen des „Verein für jüdische Kraiikenvflegerinnen zu Berlin" zum erstenmal nach dem Ministerial-Erlaß vom 10. Mai 1907, betreffend Vorschriften über die staatliche Prüfung von Krankenpflege-Personen stattgesunden har, ist nunmehr auch seitens des Herrn Polizei-Präsidenten den sämtlichen, dem genannten Verein angehörenden 52 Schwestern, welche bereits vor dem Erlaß ausgcbildet waren, das Zeugnis als staatlich anerkannte Krankenpflegerin übermittelt worden. An der nächsten, im November d. I. starlfiiidenden Prüfung, welche im hiesigen jüdischen Krankenhause in Gegenwart der ausbildenden Aerzte, der Herren Professoren Dr. Israel und Dr. Lazarus vorgenommen wird, werden elf Schülerinnen beteiligt sein. Neumeldungen von Schülerinnen sind schriftlich an den Vorstand des „Verein für jüdische Krunkenpflegerinnen" oder auch persönlich an die Oberin Fräulein Rose Blau im Schwesternheim, Auguststr. 17 I zu richten. Köln. (Die z i o n i st i s ch e I a h r e s k o n s e r e n z.) Dienstag, den 11. August, begann in Köln a. Rh. die zionistische Jahreskouferenz ihre Sitzungen, an denen etwa 40 Vertreter des Großen Aktionskomitees der zionistischen Organisatiou aus Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Rußland, Rumänien, Belgien, Niederlande, Frankreich. Schweiz, Nordamerika, Südafrika und Palästina teilnahmen. Aus dem. Bericht des Engeren Aktionskomitees ergibt sich, daß die Zionisten seit dem letzten Kongreß eine rege Tätigkeit sowohl in ihrer Propaganda wie auch in der praktischen Arbeit in Palästina entfaltet haben. Der Kasienbericht des Kölner Zentralbureaus für das Berichtsjahr bilanziert mit 150.139-70 Mark. Einen wichtigen Punkt der Beratungen bildete natürlich die Aenderung der Verhältnisse in d e r Tü r kei, die ja für die Bestrebungen des Zionismus von ausschlaggebender Bedeutung sein kann. Zu diesem Punkt nahm die Jahreskonferenz folgende Resolution an: „Die in Köln versammelte Jahreskonferenz begrüßt freudig die von Sr. Majestät, dem Sultan, gewährte Neuordnung der Verhältnisse im Türkischen Reiche, indem sie der Hoffnung und dem Wunsche Ausdruck gibt, daß diese zur Festigung des Reiches beitragen und das Wohl aller seiner Völker fördern wird." Die Berichte der Vertreter der einzelnen Landesorganisationen legen Zeugnis ab von dem Wachstum der Bewegung in den verschiedenen Ländern. Nur in England ist ein Stillstand zu verzeichnen, der hauptsächlich auf Zwistigkeiten der englischen Führer der Bewegung zurückzuführen ist. Zu großen Auseinandersetzungen gab die Finanzlage der Organisation Anlaß. Das Engere Aktionskomitee hat nämlich vorgeschlagen, die verschiedenen Institutionen und Fonds der Partei, wie die Jüdische Kolonialbank, den Jüdischen Nationalfonds u. a. zu gewiffen mäßigen Beiträgen an die Organisation, der sie ja ihr Entstehen und ihre dauernde Weiterentwicklung verdanken, heranzuziehen. Dagegen wurden indessen von verschiedenen Seiten Bedenken geltend gemacht, sodaß schließlich eine Finanzkommiffion von sechs Mitgliedern eingesetzt wurde, die einen Plan zur Umgestaltung der Finanzen der Organisation als solcher ausarbeiten soll. Weiter beschloß die Jahreskonferenz einen „Palästina-Kulturfonds" zu begründen, der erst dann praktische Arbeit leisten soll, wenn er die Summe von 100.000 Mark erreicht hat. Die einzelnen Beiträge zu diesem Fonds muffen sich auf wenigstens 100 Mark belaufen. Zu diesen, eisernen Fonds dürfen nur die Zinsen verbraucht werden. Neben diesem ersten soll noch ein zweiter Fonds aus den eingehenden Beträgen inner 100 Mark gebildet werden, von welchem 50 Prozent der jährlichen Eingänge verbraucht werden dürfen. Die zionistische Jahreskonferenz beschäftigte sich außerdem mit einer großen Anzahl interner Fragen, wie Bildung neuer Federationen, zionistische Presse. Schekel-Sammlung, Parteifonds usw., ferner mit der Stellungnahme der zionistischen Partei zu der geplanten alljüdischen Kolonisationsorganisatiou u. a. Die zu gleicher Zeit in Köln tagende Generalversammlung der Jüdischen Kolonialbank beschloß die Verteilung einer Dividende von 6 Pence pro Pfund-Aktie, d. h. von 2% Prozent für das letzte Geschäftsjahr. In dem Bericht des Aktionskomitees werden auch die vielfachen übertriebenen Mirteilungeu berichtigt, die über die Höhe der Kosten des Bankprozesses (Abänderung des Memorandums: Einschränkung der Tätigkeit auf Palästina und seine Nachbarländer) m Umlauf gesetzt worden waren. Tatsächlich betragen die Gesamtkosten des Prozesses 1661 Pfund — etwa 33.000 Mark. Frankfurt a. M. Daß die Konfession nicht ohne Einfluß auf die Entstehung der Geisieskrankheiten ist, hat die Statistik nachgewiesen. Vielfach wurde beobachtet, daß bei den Katholiken relativ am wenigsten Geisteskrankheiten Vorkommen, bei den Israeliten am meisten, die protestantische Bevölkerung steht in der Mitte zwischen beiden. Eine interessante Zusainmeusiellung wurde jüngst aus der Frankfurter Irrenanstalt von Dr. Sichel veröffentlicht, die sich besonders ans die israelitische Bevölkerung bezieht. Es ist daraus zu entnehmen, daß in den letzten beiden Jahren die Israeliten 6'5% sämtlicher Anfgenommenen bildeten, lind zwar waren es bei den Männern 4-7%, bei den Frauen 10-6%. Da die Frankfurter Juden 6-8% der ganzen Bevölkerung ansmachen, so entspricht auch die Zahl der aufgenommeneu Juden ziemlich genau ihrem Anteil an der Gesamtbevölkeruug. Erhebliche Unterschiede ergaben sich aber, wenn man die Art der Geisteskrankheit, wesivegen die Anfnahmen erfolgten, ins Auge faßt. Während bei der nichljüdischen Bevölkerung 32% sämtlicher Aufnahmen wegen auf Aikvholismus beruhender Geistesstörung erfolgten, war dies bei .den Juden nur in 1'5% der Fall. Auch wegen Epilepsie erfolgten Aufnahmen bei den Juden nur halbmal so häufig, wie bei der nichtjüdischen Bevölkerung. Dafür waren natürlich Geisteskrankheiten anderer Art um so häufiger bei den Juden vertreten. Mit den Strafgesetzen waren in Konflikt gekommen 14-80/0 der Ausgenommenen bei den Juden, dagegen 42% bei der nichtjüdischen Bevölkerung. Auch das Geschlecht der Aufgenvinmenen zeigte andere Zusammensetzung bei den Inden wie bei den Nichtjuden. Während bei erstereu unter 100 Aufgenommenen 51% Männer und 49% Frauen waren, entfielen bei den aufgenommenen Nichtjuden auf 72 Männer nur 28 Frauen. Petersburg. Der Ausweisnng der jüdischen Künstler aus Petersburg. wie überhaupt ans allen Orten außerhalb des Ansiedlungs-Royons ist nnu eine weit radikalere Maßregel gefolgt. Wie soeben bekannt wird, beabsichtigt man im Ministerium die Theateranfführnngen im Jargon (jüdisch-dentschcr Mundart) ganz zu verbieten. Es sollen bereits Anweisungen an die Gouverneurs ergangen sein. Man braucht die Jargontheater nicht sür einen Knltnrfaktor zu halten und muß doch dieses Verbot sehr bedauern, denn es macht eine große Zahl von Schauspielern brotlos und beraubt die ohnehin gedrückte jüdische Bevölkerung ihrer fast einzigen Zerstrenung und Erholung. Koustautinopel, den 17. August, lMitteilung des Deutschen Bureaus der Alliance Israelite Universelle.) Als Nachfolger Moise Levy's ist Nahoum, Professor am hiesigen Rabbiner-Seminar der Alliance Israelite Universelle, zum Kainiakam Chacham Baschi der Türkei, d. i. zum geistlichen Oberhaupt der Israeliten in den Landen des Sultans gewühlt worden. Herr Nahoum. der den Ruf großer Gelehrsamkeit genießt, ist erst vor wenigen Wochen aus Abessinien znrückgekehrt, wohin er im Auftrag der Alliance Israelite Universelle eine Expedition zur Ermittlung der Lage des jüdischen Falascha-Stamines mit ausgezeichnetem Erfolg geleitet halte. Austritte uns dem Judentum. Blumenthal Elsa geb. Gutmann, Private, geb. 9. Februar 1861, Wien, XIII., Einsiedeleigasse 9. Vodensteiu Alfred, geb. 12. April 1875, Wien, VII., Zollergasse 36. Buchsbaum Teb, Infanterist, geb. 31. Dezember 1882 zu Rozhadow, Galizien, XIII., Jnfanterie-Kadettenschnle Breiteuiee. Klein Edith. Private, geb. 3. Dezember 1883, Wien, I.. Graben 28. Kohn Sigmund, Kaufmann, geb. 6. April 1870, Wien, XVUI., Schwendeilweingasfe 6. Shenen Saldakorr Maximilian De., Privat, geb. 25. Februar 1872 zu Körmend, Komitat Bas, Ungarn, XII., Rosenhügelgasse 3. Wengraf Naruline, öffentliche Gesellschafterin der Firma Wrngraf- Wlatzer, VI., Schmalzhofgasse 1a. Furcht Bernhard, geb. 3. Juni 1679 zu Brunn, ledig, Schneidergehilfe 111., Stanislausgasse 17. Klempfneh Eugen rekte Klemperev, geb. 30. August 1879 zu Prag, verheiratet, Ledergalanteriewaren-Erzeuger, VI., Brauergasse 6. Tampl Hermine, geb. 5. Dezember 1878 zu Preßburg, ledig, Private, 11., Hofenedergasse 6. Taub Gisela, geb. 5. Juni 1889 zu Jaroslau, ledig, Private. V., Margaretenstraße 122. Zelenka Ivfef, geb. 12. Februar 1870 zu Miskowitz, ledig, Buchhalter, XIII.. Sechshauferstraße 126. Schrank Oskar, geb. 14. Juli 1866 zu Neutra, ledig. Redakteur, U.. Im Werd 3. Schwager Ernst Otto, geb. 31. Jänner 1882 zu Budapest, ledig. Advokaturs-Kanzlist. II., Czeruingaffe 4. Perl Salomon. geb. 28. Jänner 1681 zu Wischau, ledig, Journalist, VIII., Hamerlingplatz 8. Nosenthal Friedrich, geb. 9. Juni 1889 zu Wien, ledig, Privatier. XIX., Prinz Eugenstraße 20. Tssch Margarete, geb. 25. März 1884 zu Leitrneritz, ledig, Private, 1., Grabeil 26. Tuschak Felix, geb. 22. Mai 1894 zu Wien, ledig, VII., Neubaugürtel 20. Ndlev Helene, geb. 26. Mai 1881 zil Wien, Land» in der Pfalz. Mayer Raroline, geb. zu Wien, Mauer, Rosenhügelpark 1. .