Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1908-08-07 · Heft 31 (7.8.1908) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 31 (7.8.1908)
Date
1908-08-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3062972-3063418-3063449--05598-3072533
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 31. Die Wahrheit. Sete 9. -das den Menschen zieren.. die körperlichen Vorzüge, die äußere Erscheinung ins rechte Licht setzen soll. Ja. schöne, prächtige Kleider vermögen auch oft auf den inneren Menschen zurückzuwirken, indem dadurch ein Gefühl geweckt wird, von dem so Hur Schau getragenen Luxus und Ueberfluß Notleidenden etwas abzngeben. Sie selber kannte solche nicht zu unterschätzende Einflüsse aus Erfahrung. Wie wundervoll würde ihre blonde Mirjam in Toiletten, wie Frau Stahlberg sie trug, aussehen! In welch schönem Eifer würde Mirjams Herz unter so glücklichen Verhältnissen, wie Josef Slahlberg sie ihr schaffen konnte, von vererbter, echt jüdischer Wohltätigkeit und Nächstenliebe überfließen . . . Diese Vorstellungen waren von so eindringlicher Gemalt, diese- Bilder, die vor ihrem Geiste aus dem Schoße der Zukunft emporstiegen, so licht und hell, daß sie sich in ihren Gedanken sagte, es sei doch kein leerer Wahn um den Reichtum, wenn er in die richtigen, wie rechten Hände käme. Wohl, Stahlbergs Großvater war nur ein armer Haudwerksmann gewesen, aber ehrlich Handiverk schändet nicht, und schließlich wer frägt nach dem Urgroßvater. Josefs Großvater aber war ja auch schon der Sofer, also zweifellos ein Mann von einigem Wissen und Gelehrsamkeit und bedeutete doch auch schon etwas wie ein Stückchen Jichus.-Mit dieser Erwägung waren denn auch endlich die Würfel gefallen. Und aus ihren Gedanken heraus sagte die Rebezin auf einmal ganz unvermittelt: „Michuten!" (übliche Benennung für den Schwiegervater der eigenen Kinder). Stahlberg war verblüfft. Das hätte er jetzt nicht mehr erwartet. Wahrlich, diese Rebezin verstand es, ihn ebenso zu überraschen als auch ihm zu imponieren. Beinahe etwas wie Verlegenheit wars, was ihn überkam. Bloß ein einziges Wort hatte sie gesprochen und ihre Einwilligung war damit gegeben, seine Zugehörigkeit zu ihrer Familie dokumentiert. Er mußte jetzt unwillkürlich denken, welchen Schwall von Worten Madame Stahlberg bei solcher Veranlassung verschwendet hätte. Und was ihm vielleicht noch nie widerfahren war, er wußte in diesem Augenblick nicht, wie er sich benehmen, noch was er tun oder lassen sollte? ' Die Hand ihr entgegenstrecken? Einschlagen? Nein — das widerstrebte ihm. Was jetzt geschah, war kein Handelsvertrag, kein Pakt, der mit Handschlag besiegelt werden sollte! Die Präliminarien für das Zukunftsglück zweier Menschenkinder waren eröffnet worden. Doch wars der Zukunft noch Vorbehalten, das letzte Wort zu sprechen. „Ich kann es nur lebhaft denken, um wieviel schwerer es für die Mutter einer Tochter sein mag, ein annähernd entscheidendes Wort zu sprechen, wenn es sich um deren Lebensglück handelt," sagte Stahlberg endlich, und die Rebezin mußte sich gestehen, feiner, diplomatischer hätte er ihr Zögern nicht deuten und entschuldigen können. Ja, der Mensch Stahlberg war ihr wert. Doch fand sie es klüger, darauf nichts zu antworten. Sollte sie ihm sagen, was in ihrer Seele vorgegangen war? Und als sie jetzt nur wiederholte: „Michuten!" hörte Stahlberg aus einem gewissen Unterton etwas Zartes, wie Familienherzlichkeit heraus, das ihn wohltuend berührte. Er blickte sie verehrungsvoll an, eine Verehrung, die so deutlich in seinen Augen zu lesen war, und wie ihrer Befehle gewärtig. „Sie verzeihen," begann die Rebezin, die sich auf seine stumme Sprache sehr gut verstand, „aber wer weiß, wann ich Gelegenheit Hütte, Sie wieder zu sprechen, und aufrichtig gesagt," es kam etwas stockend als sie jetzt langsam fortfuhr, „ich würde es auch vorziehen, Sie nicht sobald wieder zu stören. Ja, ein Jahr oder noch länger ist zwar ein großes Stück Zeit, wenn auch im allgemeinen, fürs Universum kaum eine Spanne bedeutend, indes für unsereinen, fürs Menschendasein doch auch wieder viel Zeit" — — Stahlberg hätte ihr gerne helfen mögen, er merkte sie holte etwas weit aus, ohne zum eigentlichen Zweck gelangen zu können. Aber er hatte keine Ahnung, worauf sie hinzielte, noch was ihre Absicht sein mochte. In seinem Blick jedoch, den er jetzt auf sie gerichtet hielt — als sie verlegen sekundenlang inne hielt — lag die Bitte, ihm Vertrauen zu schenken. „Ja," meinte sie, als beantworte sie auch diese stumme Aufforderung und schwieg doch gleich wieder. Da sagte Stahlberg mir einem Lächeln: „Rebezin. wir beide haben ja eigentlich schon immer nach Männerart mit einander verkehrt, ohne Rückhalt, kurz und bündig uns stets gesagt, was zu sagen war, und gerade jetzt, da wir uns nühertreten, sollte es Ihnen schwerer sein, über etwas, das Ihnen am Herzen zu liegen scheint, sich zu äußern. Ich hoffe. Sie sind überzeugt." setzte er mit großer Herzlichkeit hinzu, „daß ich freudig jeden Ihrer Wünsche zu erfüllen, mir Mühe geben würde." (Fortsetzung folgt). Austritte ans dem Judentum. Wcnhard Julie, geb. 15. April 1879, Wien, Modistin, V., Bacherplatz 6. Verlikanev Wäriha. geb. 14. Marz 1885, Wien, XIX.. Pyrkerg. 31. fPUNÄU Emanuel, geb. 7. November 1867, Ätrirefch, Mähren. Schuhmacher. IX., Althauvlatz 2. Reach Felix De., geb. 1872, Prag, Arzt. IX., Berggasse 25. Schneider Max. geb. 23. August 1887, Wien, Knnstzeichner, IX., Liechlensteinstraße 80. Schrick Charlotte. geb. 9. März 1875, Kralitz. Mähren, Private, XU., Pohlgasse 29.' Schwacc; Maximilian M.. geb. 2. September 1847, Kecskemer, Ungarn, Ingenieur. XVIII., Cottagegasse 10. Siebenschein Hugo aeb. 9. Dezember, Olmütz, VII.. Halbgasse 27. Welleminski Jgna; Michael, geb. 7. Dezember 1882, Prag, Böhmen, Musikalienhändler, IV., Johann Straußgasse 34. Zoller Johann, geb. Oktober 1876, Sereth, Bukowina, Ingenieur. IX.. Schlagergasse 10. Nopluu Josef, geb. 4. November 1879, Wien, verheiratet. Disponent. XIII. , Weiglgasse 17. Hirsch Rudolf. geb. 21. Dezember 1889, Wien, ledig, Student, XIII., Trantmansdorfgasse 5. Grohmann Rudolf, geb. 16. April 1882, Wien, ledig, Schriftsteller, XIV. , Goidschlagstraße 90. Schivar; Johanna geb. Milion, geb. 29. November 1879, Pfarre St. Jakoo. Brunn, verheiratet, IV., Wehringergasse 37. Strauber Leiblich. geb. 2. Mai 1883, Piocrüw, Galizien, ledig, II.. Sebastian Kneipp,;asse 9 Golioig Arnold, geb. 6. September 1865, Wien, ledig, Fabrikant, VI.. Rahlgasse 1. Fehl Gertruda, geb. 13. Juni 1888, Wien, ledig, Schauspielerin, IX., Zervitengasse 5. Sandner Karolina geb. Töwy. geb. 31. März 1866, Petzenkirchen, Böhmen, verheiratet. XIV., Sechshauserstraße 5. Seidler Rudolf, geb. 25. September 1882, Wez, Bezirk Deutschbrod, Böhmen, ledig, Bnchbindergehilse, VIII., Strozzigasse 20. Golivig Jakob Wans, geb. 23. März 1876, Wien, ledig, Kaufmann, VI.. Rahlgasse 1. Stiasny Nlanka, geb. 2. März 1886, Wien, ledig, Private, III., Erdbergerlünde 12. Neubauer Therese, geb. 2. Juni 1867, Wien, verwitwet, Privare, II.. Zirknsgaß'e 52. Marbach Josef, geb. 19. November 1875, Stockerau, ledig, technischer Beamter, Am Tabor 28. Kran; Julius, geb. 6. Okt. 1874, Bielitz, verheiratet. VII., Bandg. 32. Schivoney Oskar, geb. 1882, Wien, Privatbeamter, XVIII., Dittesg. 3. Meis Hermine, geb. 1885, Kimpolung, Bukowina. Studentin, VI.. Gumpenborferstraße 35. Weih Nnna. geb. 1882, Budapest, ohne Beruf, XVI., Hippgasie 18. Schioartz Leopold, geb. 1889, Jassy, Rumänien, IX., Nnßdvrferstraße lHotel Union). Dickes Ndolf, geb. 1859, Wien, Straßenkehrer, II., Untere Angartenstraße 31. Kam Richard, geb. 1887, Wien. Hochschüler, II., Glockengasse 2. Felicia v. Kuh geb. Rapoport Edle v. Porada, geb. 1873, Krakau, k. k. Bauratsgattm, IV., Theresianumgasse 6. Heinrich Ritter d. Kuh, geb. 1869, Wien, k. k. Baurat, IV., Theresianumgasse 6. Danksagung. Für die Beweise inniger Anteilnahme an unserem tiefen Schmerze, den wir durch den Verlust unseres teueren 7-jührigen Kindes Marianne P e t e r s e l k a erlitten haben, bitten wir vorläufig auf diesem Wege unseren Dank entgegenzunehmen. Hauptkafsier Josef P e t e r s e l k a und Frau. Wien, 3. August 1908.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.