Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 30 (31.7.1908)
- Date
- 1908-07-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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im nur Kemerlmngen ans der Ferne. Von B. Singer. (Schluß.) Selbstverständlich liegt es uns ferne, alle Seligkeit bloß im staatlichen Schutze zu suchen, vielmehr müssen wir bestrebt sein, immer das richtige Verhältnis zu unseren Gemeinden zn finden. Wir dürfen auch gegen unsere Vorstände nicht ungerecht sein, zumal nicht wenige unserer Fachgenossen sich schon wiederholt über die besonders leutselige Behandlung, die ihnen von dieser Seite zuteil wurde, lobend ausgesprochen haben. Ja, ich möchte behaupten, daß es unter den Gewaltigen der Knltusgemeinden auch ein Mäcenatentum gibt, das viel zum Heile unseres Standes beigetragen und sich durch besondere Herzeusgüte bei manchen unserer Kollegen dauernde Liebe und Dankbarkeit erworben hat. Es wäre daher höchst undankbar, hier zn generalisieren und wegen einzelner Unholde die Führer der jüdischen Gemeinden im allgemeinen zu verurteilen. Wir finden, Gott sei Dank, unter den Vorstandsmitgliedern noch genug Männer von Einsicht, hoher Bildung und Intelligenz, welche dem Berufe, den Aufgaben und der Stellung des Kantors großes Verständnis entgegenbringen, tlnd das dünkt uns zumeist wertvoller, als bloße materielle Förderung, weil diejenigen, welche uns mit einigem Nebeneinkommen besser zn stellen glauben, eine gewisse Macht über uns erlangen, deren man sich oft beim besten Willen nicht erwehren kann. So gibt es verschiedene Kategorien von Freunden des Kantorenstandes, und diese Beziehungen sind oft so interessant, daß es sich lohnt, darüber Studien zu machen. Allerdings gehört dazu eine gewisse Erfahrung, und nur derjenige, der seine Gemeinde bereits kennt, wird ein sicheres Urteil haben. Auf den Neuling aber, der sich in die Verhältnisse der Gemeinde erst einleben muß, wirkt das kaleidoskopartige Bild von so verschiedenen Charakteren oft sehr verwirrend, und er wird manche Enttäuschungen erleben, wenn er beim Eintritt in seine neue Wirkungssphäre bloß nach den ersten Eindrücken urteilt. Die ihm leutselig entgegenzukommen scheinen, sind oft seine größten Gegner, und die ihm schmeicheln, suchen ihn zu verderben. Der Nörgler und Kritiker gibt es immer genug, und wenn der Funktionär sich noch so sehr an seine Pflicht hält, im Dickicht steckt der Feind, der bei irgend einer Gelegenheit, wo sich gerade die Schwäche des erwählten Opfers erweist, mit einem Satz hervorspringt und ihn öffentlich bloßzustellen bereit ist. Jede Gemeinde hat solche Subjekte und sie sind der breiten Oeffentlichkeit zumeist nicht unbekannt, so daß auch von Seiten des Kantorenvereines zum Schutze der Kollegenschaft planmäßig gegen dieselben vorgegangeu werden könnte, indem derselbe, gleich dem -Lehrerverein in Böhmen, eine Auskunftsspalte im Fachorgan als Warnungstafel errichtet. Diese Warnungstafel als Wahrzeichen unseres Solidaritätsgefühles gilt auch für solche Gemeinden, welche, wie es auch in einer auf dem letzten Kantorentage beschlossenen Resolution mißbilligt lvurde, für viele Aemter einen Hungerlohn ausschreiben, so daß das Ausschreiben eines Konkurses für einen Rabbiner, Lehrer, Kantor, Kore re., die den Hillul haschem verbreiten sollen, ein Chillul haschem bedeutet. Hier muß unbedingt Wandel geschaffen werden, und kein Bewerber sollte sich beim Stellenwechsel voreilig benehmen, sondern sich in jedem Falle vorerst bei der Auskunftsstelle informieren. Er wird auch jene Gemeinden meiden müssen, deren Konkursausschreibung die bekannte Beifügung enthalten, daß nur dem Akzeptierten die Reisekosten vergütet werden. Diese kleinliche und mit merkwürdiger Zähigkeit festgehaltene Auffassung wird und muß fallen, wenn jeder Bewerber es sich schon im vorhinein zur Bedingung macht, nicht eher eine Probefahrt anzutreten, bevor ihm nicht die Gewißheit wird, daß er auch bei Nichtaufnahme für seine Auslagen entschädigt wird. Eine größere Gemeinde, welche Anspruch aus Solidität erhebt, wird ohnehin diese Kulanz nicht außeracht lassen und auch den Berufenen, jedoch Nichterwählten die Auslagen ersetzen; aber auch die kleinere Gemeinde, wenn sie sich schon den Luxus erlaubt, mehrere Kandidaten zu berufen, muß neben ihrer unnatürlichen Noblesse auch wirkliche Noblesse zeigen und darf niemanden unhonoriert davon ziehen lassen. In dem Worte Honorar steckt schon das Honorige, also, das Ehrenhafte, und das wollen sich die Herren Vorstände doch gewiß nicht nehmen lassen, wenn sie Anspruch machen, zu den Vornehmen der Gemeinde 31t gehören!? Hoffen wir, daß es auch hierin besser werden wird. Aber als erste Voraussetzung für diese Besserung gilt die Solidarität und die Eintracht der Bernssgenossenschast, die 25 Jahre hindurch angeregt und gepflegt zn haben, ein unleugbares Verdienst des „Oesterr.-ungar. Kautoren-Vereines" ist. Den Dank für diese Tat kann die Kollegenschast nur durch zahlreichen Anschluß an diese Vereinigung quittieren, und sie wird hiermit den ersten Schritt zur Wahrung ihrer eigenen Interessen getan haben. KONKUR8. Die hiesige isr. Kultusgemeinde benötigt einen Aushilfskantor für die Feiertage. Geneigte Bewerber, welche mit guten Stimmitteln begabt sind, wollen sich unter Angabe ihrer Ansprüche bis 15. August 1908 an den gefertigten Kultusvorstand wenden und ihre Berufung abwarten. Trebitsch, den 20. Juli 1908. Vorstand der isr. Kultusgemeinde Trebitsch: Josef Taussig Präses. Konkurs. Bei der Königswarter-Stiftung in Meran ist ab 1. September die Stelle eines Kantors und Kore zu besetzen. Die Stelle ist mit einem Fixum von K 1800 und Nebeneinkommen von K 600 dotiert. Bewerber müssen stimmbegabt sein, die 1. und 2. Volksschulklasse in Religion unterrichten und die Schechita im Bedarfsfälle versehen können. Gewünscht wird ledige Persönlichkeit von Repräsentation und Verwendbarkeit in der Asylkanzlei. Bewerber, die österreichische Staatsbürger und körperlich vollständig gesund sein müssen, wollen ihre Gesuche samt Curriculum vitae, Zeugnisabschriften und Photographie 1 bis zum 15 August a. c. an Herrn MUDr. M. Koref, [ derzeit Johannisbad, Böhmen, richten. MUDr. M. Koref, (Nachdruck wird nicht honoriert.) Obmann. Konkurs. Tenorist und Bassist, welche musikalisch sind, werden aufgenommen. Gehalt 70 Kronen per Monat und Nebeneinkommen. Anmeldungen an David Tenner, PrLernysl, Dworskigasse 14. Erster Tenorist musikalisch gebildet, mit klangvoller Stimme, wird per 15. August 1. J. beim Synagogen-Vereine „Beth Israel“ nach polnisch-jüdischem Ritus in Wien, II., Leopoldsgasse 29, aufgenommen. Monatsgehalt K 60—70. Gesuche samt Zeugnissen sind an das Sekretariat obigen Vereines zu richten.