Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 26 (3.7.1908)
- Date
- 1908-07-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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N». 26 Oester».-ungar. Kantorell-Zeitung. Leite 9. Im Interesse der Erhaltung des Fachblattes werden die geehrten Herren Kantoren dringendst ersucht, den Abonnementsbetrag für das laufende und eventuell rückständige Quartal einzuseuden. dem Kanlorentag. Bei dem großen Interesse, das begreiflicher Weise allen ans dem letzten Kantoreutage diskutierten Standesfragen mib insbesondere der Frage der Kantorenschnle in »veitesten Bernfskreisen entgegengebracht wird, werden wir die Debatte über die Kantorenschnle, insosern sie nicht im letzten ausführlichen Berichte wiedergegeben wurde, sowie den vom Bereinsvorstande entworfenen Lehrplan in einer der nächsten Nummern veröffentlichen. Z»un Berichte über den Kantorentag in voriger Nummer dieses Blattes sei noch nachzntragen, daß in der Liste der Teilnehmer der Namen des Vorstandsmitgliedes I. S ch l e s i n g e r, Wien, X. Bezirk gefehlt har. Wahrscheinlich hat derselbe seine Eintragung in die aufgelegte Präsenzliste unterlassen. Mit Rücksicht daraus, daß das Erträgnis der F e st s ch r i f t zur Unterstützung von Witlveu und Waisen bestimmt ist, werden die P. T. Bernssgenossen ersucht, dieselbe nicht nur selbst zu beziehen, soitder»» auch in ihren Gemeinden für den Bezug desselben zu agitieren. Die vom Sekretär Dr. L ö w y redigierte Festschrift enthält als Einleitung die von diesem geschriebene Geschichte des Vereines und anßerdein ansgezeichnete literarische Beitrüge von Singer- Wien, F r i e d m a n n - Berlin, Lazarus- Budapest, K i r s ch n e r - München, H e n l e - Hamburg, Zivi -Elberfeld, Singer -Jnngbnnzlau, S i n g e r- Kattowitz. Die Festschrift ist für Kantoren zn dein Preise von K 2.—, für Gemeinden und Private um X 5.—, in Prachteinband K 10.— beim Vereinssekretär Dr. M. Lölvy, .II., Haidgasse 4, erhältlich. Gin WegSelbsthilfe. Sehr geehrter Herr Redakteur! In meinem Eingesendet vom Mai l. I. habe ich dafür plädiert, daß die Knltnsgemeinde-Augestellten es nicht verabsäumen mögen, den verschiedenen Wohlsahrtsvereinen als Mitglied beizntreten, weil in absehbarer Zeit kaum eine definitive Regelung der Pensionsversichernngs-Angelegenheit erfolgen dürfte. Ich habe hierbei ziffernmäßig nachgewiesen. daß selbst bei günstiger Lösung dieser obschwebenden Frage, in Anbetracht der in den meisten Gemeinden normierten geringen fixen Gehaltsbezüge die Pensionsbemessuug kaum hinreichen würde, um selbst die wesentlichsten Bedürfnisse eines bescheidenen Haushaltes zn decken. Ermuntert durch meine Anregung, haben mehrere Herren Kollegen an mich das Ersuchen gestellt, einige dieser Wohlfahrtsanstalten namhaft zu machen und die Tendenz derselben in leichter und faßlicher Weise darzulegen. Ich komme dieser Aufforderung umso bereitwiller nach als ich von dem Bewußtsein durchdrungen bin, d»rß bei reiflicher Erwägung der großen Vorteile, welche insbesondere die in Wien bestehenden Wohlfahrtsvereine jedem Mitgliede bieten, jeder Knttnsbeamte es sich gewiß zur Pflicht ^machen wird, einem solchen Vereine beizntreten, und an erster stelle gestatte ich mir hier auf die humane Tätigkeit des in Wien bestehenden Wohlfahrts-Vereines, (L, Wipplingerstraße 12) hinzuweisen. Unser Wiener Kantoren-Verein hat ja gleichfalls vor circa 25 Jahren die Gründung eines solchen Gegenseitigkeitsvereines ins Auge gefaßt mib wurde auch ein solcher Verein ins Leben gerufen. Bei dem beklagenswerten Umstande jedoch, das diesem Vereine trotz aller eingeleiteten Aktionen und wohlbegründeten Aufrufe bloß wenige beitragende Mitglieder angehören, ist der Kantoren-Vereilt leider nicht in der glücklichen Lage, seinen Mitgliedern gegebenen Falles jene materiellen Vorteile zn bieten, die er seit Jahren dnrchznführen bestrebt war. Es ist deshalb höchste Zeit — und dies möge anläßlich des bevorstehenden Kantorentages besonders hervorgehoben werden — daß unser Stand endlich aus dem Jndifferentismus heranstrete, sich enger und fester zusammenschließe zur Verteidigung unseres Ansehens, unserer Stellung, unseres Amtes nnd unserer beruflichen und materiellen Interessen. Wir sind — wenigstens zum großen Teile — keine unqnalifizierten Funktionäre, »vir müsse»» nur das tu»», »vas unser Recht »ind unsere Pflicht ist, »vc»s unser Amt von uns als einem berufenen geistlichen Stand verlangt. Zun» Schlüsse »vill ich noch er»vähnen, daß ich über die Täligkeil des in Prag bestehenden Vereines betreffend die Auszahlung eines seinerzeitigen Heira»sg»»tes an israel. Mädchen späterhin ausführlich berichten »verde. Arnold S t ö ß l e r, Sekretär u. Kantor der israel. Killtusgemeiilde Olinütz. Dem Verdienste die Krone. Der Bericht ans Nagy-Kanicsa in Nummer 23 der „Wahrheit", der über den Verlauf des 25jährigen J»»bilänms des Herrn Rabbiner Dr. Nenmanu referierte, er»veckte bei mir ein Befremden, dem ich öffentlichen Ausdruck zil verleihen nicht unterlassen kann. Der Berichterstatter ergeht sich in seinen» Referate ins kleinste Detail, schildert in umständlicher Weise den »vürdigen Verlauf des Jnbilänmsfestes »md schreitet in nonchalanter Weise über den gesanglichen Teil der Tempelfnnktion mit der. bloßen Bemerkung „nach der musikalischen Einleit»»ng" hiniveg, ohne »vie es bei ähnlichen Fällen üblich, ja schicklich ist, sowohl des Programmes, als auch der Fltnkrionäre zu er»vähnen, »vie auch den Erfolg zn registrieren. Als Kantor einer Nachbargemeinde, der das Wirken des aus den» Gebiete des Kantorales als Koryphäe bekannten Oberkantors, Herrn Leon Kartschmaroff, wie auch das Wirken des verdienstvollen Chorleiters, Herrn Mor. Eckstein, seit beinahe vier Jahrzehnten zu beobachten Gelegenheit hatte, und da es überha»»pt allgemein bekannt ist, daß diese auf dem Höheptinkte ihres Amtes stehe»»den Herren bei allen Funktionen, besonders »vo es gilt asm SH,?1? den jüdischen Gottesdienst bei Andersgläubigen zu Ehren z»» bringen, stets bestrebt sind, den Gottesdienst in exakter »tnd musterhafter For»n barzustellen, »rahm ich die oberrvühnte glatte Bemerkung über den gesanglichen Theil des Gottesdienstes mit der z»veifelhaften Berm»lrung auf. daß da vielleicht ein Fiasko oder ein anderer Unrstand vorliege, »vas mich veranlaßte, dieser Angelegenheit der Negierung der Ambition auf die Spur z»» komrnen. Da ich dieser Tage behrrfs Erledigung einer Angelegenheit in Nagy-Kanicsa weilte, konnte ich nicht umhin, in erster Linie über den Erfolg des gesanglichen Teiles der abgehaltenen Jubiläumsfeier bei unparteiischen »»nd authentischen Personen mich eingehend zn erkundigen. Zn meinem Erstaunen »vurde mir allenthalben die Auskunft erteilt, daß über den Erfolg des Gesanges in der ganzen Gen»e»nde ein »»»»geteilter Beifall »»nd eine allgemeine Begeisterung unter den an»vesenden Honoratioren der Stadt herrschte. Der Kurialgerichtspräsident trat nach Vollendung der Funktion gratulierend dem Vorstände und den Funktionären zn nnd äußerte sich mit Begeisterung dahin, daß er »vohl im Leben viel und schön singen hörte, aber »vie der Chor heute gesungen, fingen die Engel im Himinelreiche. Gemeindepräses Grnnhnt, der nichts »veniger als splendid in der Beifallsbezengnng zu sein pflegt, »»»nschlang mit den» Arm den in treuer Pflichterfüllung ergrauten Bassisten und Chordirigeuten Herrn Mor. Eckstein nnd gratulierte ihm in herzlichster Weise mit dem Versprechen, daß die Gemeinde alsbald auch sein 40jühriges Jubilärtin in anerkennender Weise zu feiern die Gelegenheit nehmen werde. Die exquisite Wahl des Jubiläumsprogrammes spricht auch für den Höhep»»nkt des kantoralen Teiles, indem hiezu 1. der „Ma towu“. 2. der „Hineh borcliu es adonaj“ und 3. der „Seh hajomtf von unserem in Gott ruhenden und unsterblichen Altmeister Snlzer vorgetragen w»»rden. K e s z t h e l y, 25. Juni 1908. Josef Löwinger Oberkantor. K 'mm1*!!*-