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Die Wahrheit · 1908-06-19 · Heft 24 (19.6.1908) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 24 (19.6.1908)
Date
1908-06-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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OeKtn.-ungar. Lantoml Zkitung. Inbilänms-Knntorentug. Die geehrten Herren Wiener Kollegen werden höflichst ersucht, bei der Montag, den 22. d. M., 11 Uhr vormittags im großen Sitzungssaale der Wiener Kultnsgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock stattfindenden Festsitzung möglichst vollzählig und im Festkleide zu erscheinen. Sonntag, den 21. d. M-, 8 Uhr abends, findet zur Begrüßung der bereits in Wien anwesenden Gäste eine Zusammenkunft im Restaurant Sohr, II., Zirkusgasse 3, statt. 50jähriges Tempeldienst-^ubiläum von Julius Heim a n n. Chordirigent am Leopoldstädter Tempel in Wien. Von I. Löwit, Kantor und Chordirigent der türkischen Gemeinde. Fünfzig Jahre S a n g e s d i e n st e in einer Synagoge, in einem Chore — das ist ein wahres, echtes und seltenes Jubiläum, ja sogar in diesem Stande noch nicht Dagewesenes. Julius H e i m a n n, der als achtjähriger, putziger Knabe vor 50 Jahren in den Leopoldstädter Tempelchor trat, wurde nach seiner Mutation als erster Bassist in den damals bei Gottesdiensten mitwirkenden Gesangsverein „Zion" berufen, bei welchem er durch seine schöne Baritoustimme die Aufmerksamkeit des fungierenden Kantors, späteren Oberkantors Josef G o l d st e i n auf sich lenkte, welcher ihn in das Männerquartett des Tempelchores einreihte. Nun wirkt der junge Julius H e i m a n n ununterbrochen unter den bereits verstorbenen Chordirigenten Julius.S u l z e r, Motzen, L ö w e n st e i n, Läufer und Singe r, bis er selbst durch besonderen Eifer, seltene Pflichttreue, Gewissenhaftigkeck und infolge der durch die vielen Jahre erworbenen Fachkeuutnisse an die Spitze des Chores gestellt wurde, wo es ihm gegönnt ist. nach den Intentionen des jetzigen Chormeisiers Professor Josef Sulz er den meisterhaft geschulten Chor zu leiten. Der Jubilar, welcher heute noch in jugendlicher Kraft und Stimmfrische seine Obliegenheiten versieht, hat sich im Laufe des halben Jahrhunderts seiner Wirksamkeit die besondere Anerkennung seiner Vorgesetzten, des jeweiligen Vorstandes, der jeweiligen Funktionäre, die Liebe seiner Kollegen und die aufrichtige Sympathie der Tempelbesucher in bedeutendem Maße erworben, was in zahlreichen Zuschriften zum Ausdruck kam und an seinem goldenen Jubelfeste besonders zu Tage treten wird. Nicht unerwähnt darf es bleiben, daß der Jubilar 35 Jahre in der k. k. Hof-Oper wirkte und auch in diesem Hosinstiture durch seine persönlichen und gesanglichen Eigenschaften sich besonderer Anerkennungen erfreute. — Möge es dem Jubilar' gegönnt sein, noch viele Jahre sein Amt versehen zu können zur Ehre Gottes, zur Ehre der Gemeinde, zur Zierde des Standes und zur Freude seiner lieben Familie und seiner zahlreichen Freunde. Glück und Segen bringe dieser Tag dem Jubilar. Gin Knntorjnbiliinm. In den heiligen Hallen des festlich geschmückreu Gotteshauses der Grvßbecskereker Gemeinde wurde am zweiten Tage Schewuor ein Fest begangen, wie dies nur selten vorgekommen sein mag. Der Tempel war bis ans das letzte Plätzchen nicht bloß von sämtlichen Gemeindemitgliedern, sondern auch von vielen christlichen Bewohnern unserer Stadt gefüllt, und das imposante Fest galt unseren Oberkantor L e w i n, der in voller Ma«neskraft fein vierzigjähriges A m t s j u b i l ä u m feierte. Mir Bewunderung horchte die andächtige Menge den Gesängen dieses wackeren Gottesdieners und als der Gefeierte zur Hastorah gerufen wurde, da richteten sich alle Blicke der heiligen Stätte zu, denn in diesem Momenr betrat Oberrabbiner Dr. Moriz K l e i n die Kanzel, um mit einer tiefempfundenen Ansprache den Gefeierten zu begrüßen. Er schilderte L e w i n als den Meistersänger des hohen Liedes und berief sich auf deu Psalmiflen, besten Gesänge und Lieder L e w i n in herzerhebender Weise verdolmetschte. Mit einem tiefinnigen Segen schloß der illustre Kanzelredner sein Gebet, welches die andächtig lauschende Menge so sehr ergriff, das kaum ein Auge tränenleer blieb. Es waren dies Freudentränen. Die Feierlichkeit im Tempel fand in der Wohnung des Oberkantors ihre Fortsetzung. Schon der Vorabend des Festes gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung für L e w i n, denn sein tüchtiger Chor ließ es sich nicht nehmen, der erste unter den Gratulanten zu sein. Unter der Leitung des Chordirigenten A. S. N ü r o z s n i erschien er und in einer tief vom Herzen kommenden Ansprache beglückwünschte der Dirigent den Jubilanten. Narozsnis Verdienst ist es, daß während des Mußaf-Gottesdienstes der Chor mit ausgezeichneter Präzision den von ihm einstudierten Händels „Hallelujah" in erhebender Weise zum Vortrage brachte. Die Wohnung des Jubilanten war am zweiten Festtage der Wallfahrtsort der ganzen Bevölkerung. Die Gemeinde, geführt vom Präsidenten Dr. Samu Mangold, beglückwünschte L e w i n aufs herzlichste. Nicht das wertvolle Ehrengeschenk ist es, sagte der Präsident, was die aufrichtige und ehrenvolle Anhänglichkeit der Gemeinde an L e w i n mit dankbarem Herzen bindet, sondern die allgemeine Achtung und Verbindlichkeit der Gemeinde, denn L e w i n war es ja, der in der Gemeinde den Gottesdienst in andächtiger Weise regelte und erhob. L e w i n s Gesänge wirkten magnetisch auf seine Hörer, und außer den rituellen Gesängen waren es auch die nationalen Lieder, welche so oft im Tempel erklangen. In Würdigung dieser und vieler anderer Verdienste blickt die Gemeinde mit Stolz ans dies so ehrenvolle Jubiläum. Mit der Bitte, der Allgütige möge ihm noch unzählige Jahre m dieser Weise zum Stolze der Gemeinde fernerhin wirken lassen, schloß der Präsident die wirkungsvolle Rede. Diese fand ein warmes Echo in der Ansprache des Präsidenten der Chewra-Kadischa, Jsidos Weis z. Auch er überreichte ein imposantes Geschenk an den Gefeierten. Unterstützt wurden diese Ansprachen vom Präses des Maski!-El- Dol-Vcreines, Emanuel Geiger, mit Ueberreichung eines Silberbechers, mit dem heißen und innigen Wunsche, daß er ungezählte Jahre den Becher als Trinkglas des Propheten Elias benütze. In warmen Worten verdolmetschte die Präsidentin des ifrael. Frauenvereines, Frau Katharina Winter, die Gefühle des Bereiiies mit Uebergabe eines Ehrengeschenkes. Angenehm überraschte die Begrüßung des Präsidenten des philharmonischen Vereines, welche der Kvinitats-Obernotär Boltiiar F i l k o v i c s verdolmetschte. Die Feder ist zu schwach, die tiefrührenden Antworten L e w l n s zu rekapitulieren. Die Herzensfreude über diese vielseitige Ehrung überwältigte ihn so sehr, daß hier die stumme Sprache mehr sagte, als die Worte des besten Redners. Ja selbst sein Sohn, Dr. Geza L e w i n, konnte vor Rührung kaum das ergänzen, was dem geliebten Barer beseelte. Und wenn wir noch hinzufügen, daß auch vom In- und Auslande zahlreiche Gratulationsdepeschen und -Briefe anlanglen, haben wir nur in kurzen Skizzen ein Fest geschildert, wie es für einen L e w i n nur würdig verlief. Dieses Jubiläum hat in eklatanter Weise -bewiesen, daß wir. Gott sei Dank, noch Inden haben, welche für das Judentum und für seine religiösen alten Gebräuche Herz und Sinn haben, und hegen nun den innigsten Wunsch, daß dies auch für immer bliebe. Moriz Fischer. 2»jiihriges Jubiläum. Die jüdische Kultnsgemeinde zu Abony begrüßte und überhäufte ihren Oberkantor Leovold R o s e n z w e i g, der 25 Jahre hindurch in ausgezeichneter Weise sein Amt versah, mit ganz besonderen Ausdrücken der Verehrung und Liebe. Am 1. Schewuorrage zählte Herr Rabbiner Dr. Naftali Blum g r u n d in seiner Rede die vielen Verdienste des Jubilars aus, seine musikalische Begabung, seine Mühewaltung beim Unterricht im Gesänge, der einer der Hanprfaktoren der Erziehung ist. seinen außerordentlichen Eiscr und würdigte besonders den Umstand, daß Oberkantor R o s e n z w e i g ein Vierteljahrhnndert hindurch in einer Gemeinde ununterbrochen tätig lvar. Nach dem seelenerhebenden Gottesdienste, welchen der Jubilar selbst exekutierte, wobei er wie immer mit seinem Gesänge und mit seinem Vortrage die andächtigen Zuhörer entzückte, begaben sich die Gemeindemitglieder in Begleitung vieler Damen, mit dem Herrn Rabbiner und dem Vorstand an der Spitze, in die Wohnung des Oberkantors, in welcher der zweite Teil der Feier abgehalten wurde. Der unermüdliche Obmann unserer Gemeinde, Herr Julius P i n t e r, begrüßte in einer schönen Rede den durch sein außerordentliches Wissen der Anerkennung werten Oberkantor und übergab als Ehrengeschenk einen schönen silbernen Becher 'und ein aus eine größere Summe lautendes Svarkassabuch Tief ergriffen nahm der Gefeierte deu Becher mit den Psalmenmorten : „Den Becher des Heiles erbebe ich und im Namen des Ewigen rufe ich" in die Hand nnb dankte zunächst dem Allmächtigen, daß er ihn diesen Tag erleben ließ. Hernach bedankte er sich, indem er sich zu den Führern der Gemeinde wandte, für diese unerwartete Ehrung und schloß seine Rede mit dem Versprechen, daß er der ehrwürdigen Gemeinde, welche immer mit Liebe. Güte und Opferwilligkeit für ihre Beamten gesorgt harte, immer seine ganze Kraft widmen werde. Nach weiteren Gracnlationsansprachen fand diese schöne Feier, mir welcher die Gemeinde auch sich selbst geehrt hat, ihr Ende. Im Laufe des Tages laugten viele Telegramme ein. Uerschiedrne Nachrichten. Liesing. Samstag, den 13. d. M. beging der Bücgerichüler Heinrich Glückselig aus Jnzersdorf bei Wien, ein Enkelkind des ieligen Oberkaurors B r a n d w e i n e r in Austerlitz, im Kaiser-Franz-Josefs-Jnbilänms- Temvel zu Liesing seine Barmizwah. Der Konfirmand, an welchen Herr Kantor und Religiouslehrer M. G. Allenberg eine gehaltvolle und ergreifende Ansprache richtete, rezitierte die Segenssprüche und die Haftarah mit vielem Verständnis und großer Präzision. Nach dem Gottesdienste wurden die Eltern, Adolf und Cäcilie Glückselig geb. Brandweiner allgemein beglückwünscht. Schüttenhofen. Fräulein Bella S a m e k, Tochter unseres allgemein beliebten Kantors Herrn G. S a m e k, hat sich mit Herrn Moritz B o d n e r in Düsseldorf verlobt.

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