Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 24 (19.6.1908)
- Date
- 1908-06-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 24. Schöpfung gelaugt sei. Ein Komitee hat sich durch mehr als zwei Jahre mit den Vorbereitungen und Vorarbeiten beschäftigt, deren Ergebnisse der Versammlung unterbreitet werden. Als Huldignngswerk für den Monarchen, getreu dessen Intentionen, übergibt das Ferienheim das begonnene Werk dem nun zu wählenden Vorstand, welcher bereits einen Betrag von fast 100.009 K als Grundstein vorfindet. Namens des Proponentenkomitees erstattet nun Sekretär Guido Fuchsgelb den Bericht, in welchem er zunächst, anknüpfend au die von allerhöchster Stelle für das Jubeljahr ansgegebene Devise, aus die im Vereine „Ferienheim" schon längst erkannte Dringlichkeit einer derartigen Institution hinwies und dann in folgender Weise fortfährt: Ein aus der Mitte der Vorstandsmitglieder und Beiräte des Vereines „Ferienheim" konstituiertes Komitee begann nun die erforderlichen Vorarbeiten zur Begründung eines Seehospizvereines. Nach eingehenden Erwägungen kam das Komitee zu dem Schlüsse, daß der zu gründende Verein seine Wirksamkeit nicht allein auf in Wien wohnhafte Kinder, sondern auf Schützlinge aus allen Ländern unserer Monarchie erstrecken soll. Dazu war es zunächst notwendig, mit den Hauptstädten in Fühlung zu treten und zu ermitteln, ob und inwieweit die zu schaffende Institution von auswärts auf materielle Förderung rechnen könne. Diese Fühlungnahme hat günstige Aussichten eröffnet. Unsere Delegierten, welche in dieser Angelegenheit mehrfache Reisen unternommen haben, fanden allseits bei den berufenen Faktoren die freundlichste Aufnahme. Ein besonders reges Interesse für die Sache konnte in Triest wahrgenommen werden, woselbst durch die Tatkraft der Herren Komm. Edmund Richetti Edler von Teralba, Rabbiner Doktor U. Brettholz und Dr. Julius Graf, ein Lokalkomitee sich der Aktion annahm und bis znm heutigen Tage eine ansehnliche Summe von Spenden für das zu schaffende Seehospiz erzielte. In Wien selbst, aber auch in der Provinz fand unsere Idee zahlreiche Gönner, so daß ein Betrag von fast 90.000 K teils erlegt, teils gezeichnet erscheint, obwol die offizielle, große Werbeaktion nunmehr erst beginnen soll. Das vorbereitende Komitee har seine Aufgabe auch darin erblickt, Schritte zur- Erlangung eines geeigneten Bauplatzes an der Adria einzuleiten. Auch zu diesem Zwecke wurden kommissionelle Reisen unternommen, wobei darauf Gewicht gelegt wurde, daß an jeder Besichtigung nebst einem ärztlichen und einem technischen auch ein juristischer Berater teilnehme. Wenn das vorbereitende Komitee auch augenblicklich noch auf keine positiven Erfolge in der Platzsrage Hinweisen kann, so wird doch das reiche gesammelte Material dem Kuratorium des österreichischen Seehospizes ein wertvoller Arbeitsbehelf sein. Das vorbereitende Komitee hat in zahlreichen Sitzungen und nach Erwägung aller in Betracht kommenden Umstände und Verhältnisse ein Statut für den zu gründenden österreichischen Seehospizverein ausgearbeitet, welches mit Erlaß der k. k. niederösterreichischen Statthalterei vom 27. Februar d. I. die Genehmigung gefunden hat. Da es ausgeschlossen erschien, schon im Jubeljahre Schützlinge in ein eigenes Heim entsenden zu können, da jedoch anderseits darauf Gewicht gelegt wurde, daß der Verein leine positive Tätigkeit schon in diesem Jahre beginne, har das vorbereitende Komitee die nötige Vorsorge getroffen, damit schon im Jahre 1908, 30 arme, kranke, jüdische Kinder im Seebade Grado entsprechend nntergebracht werden können. Eine geräumige Wohnung wurde gemietet, eine Vereinbarung mit dem Görzer Seehospizverein wegen Benützung seiner Badeanstalt getroffen, Arzt und Pflegerin gewonnen und was gewiß für viele der Schützlinge von Bedeutung ist, rituelle Verköstigung sichergestellt. Die Kosten, welche aus dem Betriebe erwachsen, sollen teils durch die Zinseuerträge der bisher eingegangenen Seehospizspenden, teils aus einem Beitrage des Vereines Ferienheim gedeckt werden. Im Vormonate hat in Wien der allgemeine österreichische israelitische Bund getagt, an dessen Versammlung die Vertreter der meisten Kultusgemeinden Oesterreichs teilgenommen haben. In Erfüllung einer vom vorbereitenden Komitee vorgebrachten Bitte, hat der Vorsitzende des Bundestages, der'Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Wien Herr Dr. Alfred. <5 t e r ix, den Vertretern der auswürtigetl Gemeinden von der bevorstehenden Errichtung des Seehospizes für jüdische Kinder Mitteilung gemacht und die Gemeinden zur tatkräftigen Förderung dieses Unternehmens anfgefordert. Von der Erwägung geleitet, daß die geplante Aktion nur unter Mitwirkung erprobter Berater und nur unter Förderung aller jener Körperschaften, - die im Hinblick ans den Zweck hiezu kompetent erscheinen, dnrchgeführt werden kann, hat sich das vorbereitende Komitee sowohl an die Staatsbehörden, als auch an die Knltnsgemeinde und an die größeren jüdischen Korporationen um Namhaftmachung von Delegierten für den zu bildenden Zentralausschuß gewandt. Als eine Anerkennung der Wichtigkeit und Dringlichkeit des geplanten Unternehmens ist es zu betrachten, daß diese Schritte von dem besten Erfolge begleitet waren und daß die gewünschten Delegierungen tatsächlich vorgenommen wurden. Was die finanziellen Erfolge des vorbereitenden Komitees anbetrifft, wird bemerkt, daß zu Händen des Vereines Ferienheim Zuwendungen im Gesamtbeträge von K 89.136-98, zu Händen des Triester Komitees K 11.476*70 eingelansen sind. Ueberdies steht die Uebertragung einer beim Vereine Ferienheim errichteten Widmung für die Skrofulosenkolonie per K 10.000 an das Seehospiz bevor und von einem bekannten Wohltäter ist für den Fall des Zustandekommens der Betrag von K 30.000 gezeichnet worden. Die Gesamtanslagen während der zweieinhalbjährigen Vorarbeiten für Drncksorten, Porti, Propaganda ilnd Reisen beziffern sich insgesamt ans K 2345.— und werden aus dem Zinsenerträgnisse der eingelaufenen Spenden gedeckt. Das vorbereitende Komitee gibt der sicheren Erwartung Ausdruck, daß Patriotismus, Opferwilligkeit, und Nächstenliebe Zusammenwirken werden, damit im Jubeljahre der Grundstock gelegt werden könne znm ersten österreichischen Seehospiz für arme jüdische Kinder. Nunmehr ergriff der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Herr Dr. Alfred Stern das Wort. In herzlicher, schwungvoller Rede würdigt derselbe die Bedeutung dieser neuen Institution und gibt seiner Freude Ausdruck, daß gerade in diesem Saale, in welchem vor wenigen Wochen seitens der Kultusgemeinde die Errichtung eines jüdischen Knabenwaisenhauses als Iubiläumshuldignngswerk beschlossen wurde, nun auch diese neue Institution ihre gründende Sitzung abhält. Der Präsident gibt seiner Bewunderung Ausdruck, für die Tatkraft und die bedeutenden Leistungen der Vorsitzenden, der er namens der ganzen Gemeinde den innigsten Dank ausspricht. Die herauf vorgenommenen Wahlen hatten folgendes Ergebnis: I n den Z e n t r a l - A n s s ch n ß iv u r den gewühlt: Der Vertreter des hohen k. k. Ministeriums des Innern, der Vertreter des hohen k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht, der Vertreterdes hohen k. k. Finanzministeriums, als Delegierter der hohen k. k. n.-ö. Statthalterei der Landes- Sanitätsreferent Herr k. k. Statthaltereirat Dr. August Netol i tz k y. als Delegierter der k. k. Polizei-Direktion Herr . k. k. Oberkommissär Viktor Pichler; ferner Dr. Alfred Berge r, Hof- und Gerichtsadvokat; Dr. S. Ehr m a n n, k. k. Universitätsprofessor; Max F r a n k, Kaufmann; Egon Frankl, Großindustrieller; Frau Adele Friedman n, Arztensgattin; Dr. Julius Graf, Sekretär der „Asscinrazioni Generali“; Frau Sophie Grünfeld, Arztensgattin; Dr. Moriz G ü d em a n n, Oberrabbiner; Rudolf Herr m a n n, k. k. Baurat; Friedrich Herrnfel d, Redakteur; Benno K a h a n e, Prokurist; Dr. Edmund Kohn, prakt. Arzt; kais. Rat Johann Li ch t e n st a d t, Redakteur; Univ.-Doz. Dr, Artur Mahler, Reichsrat^-Abgeordneter; Philipp P o r g e s, Generaldirektor; Dr. Benno R a p p a p o r t, k. k. Hofrat; kais. Rat Leopold Sachs, Prokurist; Dr. I. S a m u e l y, prakt. Arzt; Doktor Moriz Schnabl, Hof- und Gerichtsadvokat; Univ.-Professor Dr. Julius Schnitzle r, k. k. Primarius; Dr. Alfred Stern, Präsident der israel. Knltnsgemende; Dr. Luzins Stolper, prakt. Arzt; Univ.-Priv.-Dozeut Dr. Julius Z a p p e r t; Frau Adele Zins. Zn Revisoren: Karl F r e n n d, Privatier;