Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 23 (12.6.1908)
- Date
- 1908-06-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Gesten-Ungar. Lantarkn-Zeitung. Inbiianms-Kantorrntag. In Beantwortung verschiedener Anfragen sei im Nachstehenden mitgeteilt, daß das offizielle Programm des Kantorentages in folgender Weise festgesetzt ist: Montag, den 22. Juni, 11 Uhr vormittags: Festsitzung im großen Sitznngssaale der israelitischen Knltusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, in welcher auch der Bericht über die 25jährige Tätigkeit des Vereines erstattet werden wird. Dienstag, den 23. Juni, 10 Uhr vorm.: Erstattung der Referate und Beratung von Slandessragen, die, falls nötig, Mittwoch den 24. Juni vormittags fortgesetzt wird. In den freien Nachmittags- und in den Abendstunden sind ein Gräberbesnch am Zeutralsriedhose, gesellige kollegiale Zusammenkünfte, Theaterbesuch re. in Aussicht genommen und als Abschluß am letzten Abend ist ein gemeinsames Bankett geplant. Für die bereits Sonntag, den 21. Juni in Wien anwesenden Kollegen und Gäste findet am Abend eine Zusammenkunft statt, bei welcher die gegenseitige Vorstellung der Teilnehmer des Kantorentages vermittelt werden soll. Das Lokale wird noch rechtzeitig bekannt gegeben werden. Im Uebrigen werden im Redaktionsbnrean der „Wahrheit" alle nötigen Auskünfte bereitwilligst erteilt werden. Die geehrten Herren Teilnehmer des Kantorentages, welche sich noch nicht Logis gesichert haben, werden neuerdings aufmerksam gemacht, daß für sie im Hotel Guth, Wien, IL, Stesaniestraße 14, Zimmer zu mäßigen Preisen reserviert werden, jedoch sind vorherige Anmeldungen bei der Vereinsleitnng, bei der Redaktion der „Wahrheit" oder beim Hotelier selbst erwünscht. Meyerdeer als Synagogenkomponist. Mit welch großem Interesse sich Meyerbeer auch der Pflege des Synagogengesanges widmete, davon gibt ein bisher unbekannter Brief des Komponisten Zeugnis, den Herr L. Horwitz in Cassel jüngst mit begleitenden Bemerkungen in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" veröffentlicht hat. Daselbst heißt es: In der Geschichte der Reform des Gottesdienstes wird der vom ehemaligen Königlichen Westfälischen Konsistorialpräsidenten und Geheimen Finanzrat Israel Jacobson in Berlin eingerichtete Privatgottesdienst nicht unbeachtet bleiben. Es ist hinlänglich bekannt, daß Meyerbeer und Bellermann die zur Feier bestimmten Gesänge schufen. Aus den zeitgenössischen Veröffentlichungen ist aber nicht zu ersehen, daß Meyerbeer der Komponist der Lieder für die Einweihung des Jacobsontempels in Seesen 1808 gewesen war. Dieses möge nachstehender, an Jacobson gerichteter Brief beweisen, dessen Original im Seesener Archiv sich befindet: Hochzuverehrender Herrl „Schon seit geraumer Zeit habe ich im stillen den Mann verehrt, der mit unermüdetem Eifer und mit rastloser Tätigkeit so weife und zweckmäßig das Wohl feiner Mitbürger zu befördern und zu begründen sucht, und ich wünschte daher sehnlichst eine schickliche Gelegenheit, meine Achtung und meine Liebe gegen ihn an den Tag legen zu können. Der Zufall hat mir endlich durch den Herrn Cohn ein Mittel zngesührt, Ihnen einen kleinen Beweis davon durch mein schwaches Talent zu geben. Dieses, und das Bewußtsein, zu Ihrem großen und erhabenen Zwecke der Veredlung unseres Gottesdienstes, auch mein kleines Scherflein mit beigetragen zu haben, sind nicht nur hinlängliche Belohnung für meine geringe Mühe, sondern zugleich auch Aufmunterung. mich auch in der Folge allen dergleichen Arbeiten mit Vergnügen zu unterziehen. Ich habe übrigens ans Ew. Wohlgeboren geehrtem Schreiben ersehen, daß Sie die Solos für ihre Gebete nicht tauglich Hallen, und habe demzufolge solches sogleich dem Herrn Cohn augezeigt. Er hat auch bereits die zu Solostimmen eingerichteten Verse dem Chore anpassend gemacht, und sich dieser mißlichen Arbeit mit der ihm eigenen Gewandtheit so geschickt entledigt, daß ich auch nicht die geringste Aeudernng in der Komposition zu machen habe. Nur wünschte ich, daß die erste Hülste der vierten Strophe, welche in allen übrigen Versen stark gesungen wird, im vierten Verse pianissimo vorgetragen werde. Genehmigen Sie, hochzuverehrender Herr, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung und Ehrfurcht, mit welcher ich verbleibe Ew. Wohlgeboren Berlin, den 7. April 1808. ergebenster Meyer Beer. Meine Großeltern und Eltern empfehlen sich Ihnen bestens." Der in dem Briese genannte S. I. Cohn erhielt für Anfertigung der Sabbathgesäuge 25 Taler (Brief an Jacobson vom 1. April 1808). Dieser Mann suchte sich gern an Jacobsons Rockschöße zu hängen. Am 5. Mai 1808 schreibt Scholaum Cohn aus Berlin an Jacobson, er habe ihn seit acht Tagen in Braunschweig erwartet uitb für ihn „eine musikalische Note für den vierten Wochentag" gearbeitet, und möchte wissen, auf welche Art er in der Anfertigung der Gebete fortsahren soll. „Das große musikalische Talent in Berlin" habe für Cohn bereits „einige gelungene Versuche in der Musik gemacht", darum wünscht er einen „Schir Channckass habbajis“ anzusertigen. Cohn bittet Jacobson ferner, ihm eine Stelle beim Konsistorium der Israeliten in Cassel zu verschaffen; 25 Jahre habe er bei den Gedaule hadclaur studiert und eifrig gelernt. Der Geist der Aufklärung hielt ihn jedoch ab, sein Glück in diesem Studium zu finden. Durch Fleiß habe er es dahin gebracht, in anderen Wissenschaften bei den Chachme umos sich nicht zu schämen. Acht Jahre habe er sein Brot bei einer öffentlichen Schule verdient. „Berlin ist aber zerrüttet." In Cassel wäre die Stelle, wo er sich entwickeln und feiner Nation nützlich sein könnte. Für eine Stelle im Konsistorium sei er geschaffen; er ist bereit, „alle ordentlichen Proben abzulegen, die er schon vor mehreren Jahren, als die preußische Regierung mit einem ähnlichen Plan umging, bewiesen". Es ist aus den Akten des Konsistoriums nicht zu ersehen, daß Cohn eine Stelle erhielt. Richtigstellung. In voriger Nummer dieses Blattes vom 5. Juni, Seite 10 berichtete Herr Rabbiner Grün über meine Exhorte — der er übrigens nicht beigewohnt hat — und bemerkte, daß der selige Herr Emanuel B a u m g a r c e n „Ruth" „ins Deutsche ü b e r t r u g". Das ist unrichtig. Tie vier Kapitel ins Deutsche zu übersetzen ist keine K u n st. Ich erwähnte vielmehr die h e b r ä i s ch e p o er isch e Bearbeitung der Rolle Ruth — eine treffliche Arbeit — die der Verewigte in herrlichen hebräischen Versen seinen Eltern widmete und das sonstige verdienstvolle Wirken Baumgartens namentlich im Interesse der Jugend und deren religiöser Belehrung rc. iXl. A. Austritte ans dem Judentum. Franzos Stefanie, IX., Servitengaffe 9, geb. 1886 in Wieu. Korn Tili Jacqueline, Private, VIII., Piaristengaffe 46, geb. 1891 in Wien. Popper Leopold, Hilfsarbeiter, XII., Schönbrunnerstraße 140, geb. 1876 m Austerlitz (Mähren). Mahler Marie, Bürgerschülerin, XVIII., Martiustraße 26, geb. 1894 in Wien. Hahn Adele» Lesina, geb. 1875 in Wien.