Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 19 (15.5.1908)
- Date
- 1908-05-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Sfü Nr. 19. Oesterr.-ungar. Kantoren-Zeitung. Seite 9. InbUiinms-Kantorentag. Die geehrten Herren Kollegen werden neuerdings aufmerksam gemacht, daß zur Abhaltung des anläßlich des 25jährigen Vereinsjubiläums in Wien stattfindenden Kantorentages die Tage vom 22. bis 24. Juni d. I. endgiltig bestimmt sind. Das Hauptgewicht wird ans ernste Beratungen von aktuellen Standesfragen gelegt werden und werden im Anschluß an die am ersten Tage vormittags stattfindende Festsitzung Referate über die soziale und materielle Lage des Kantorenstandes und über die Mittel zur Hebung derselben erstattet werden. Diesbezügliche Anträge sind spätestens 14 Tage vorher, also bis zum 8. Juni d. I. beim Vereinsvorstaude, I., Seitenstettengasse 4, anznmelden und werden die geehrten Herren Kollegen, die am Kantorentage teilzunehmen gedenken, gleichzeitig ersucht, ihre Anmeldungen rechtzeitig an den Vereinsvorstand gelangen zu lassen. 40jährige» Amtsjubilänm. — Fühlend, daß er das Bewußtsein verliere, preßte er das Bild seiner geliebten Schwester in die Hand, um es so bis zu seinem letzten Atemzuge, den er so nahe wähnte, zu behalten. Doch als er im Feldlazarett zum Bewußtsein gekommen, hatte er es nicht mehr, er mußte es während des Transportes verloren haben. „Oder ein Leichenräuber, odereine Schlachtfeldhyäne mußte es Ihnen geraubt haben," schaltete Goldenkron ein. „Wohl möglich, Herr Doktor," meinte Karl, „es ist furchtbar, was aus diese Weise an den armen Verwundeten gefrevelt wird. Ludwig fürchtete, daß das Gespräch auf ein aufregendes Thema übergehen würde, was er im Interesse der Damen sowohl, als auch des kaum genesenen Erzählers vermeiden wollte, da es doch nicht in seiner Absicht gelegen, als er im Uebermute jene Worte hingeworfen; drum ries er lachend aus: ..Wissen Sie, Karl, wer diese Schlachtseldhyäne, dieser freche Leichenräuber gewesen?" „Nein!" ’f'X :?''■ Am Sonntag, den 3. Mai l. I., beging Herr Leopold S t ö ß l e r, > Oberkantor und Sekretär der Gemeinde Neu-Naußnitz, das Jubiläum seiner i 40jährigen Amtstätigkeit. Die Sympathie und hohe Wertschätzung, deren j sich der Jubilar in allen Kreisen der Bevölkerung ohne Unterschied erfreut, kamen bei diesem Anlasse in wahrhaft erhebender Weise zum Ausdrucke. Schon wochenlange vorher befaßte sich die Gemeinde und ein hiesür einj gesetztes Komitee mit den Vorbereitungen, um den Verlauf des Festes würdig zu gestalten.! Um 1II26 Uhr abends hatte sich in dem mit Reisig und Blumen, , Fahnen und Emblemen herrlich geschmückcen, festlich beleuchteten Tempel! ein zahlreiches distinguiertes Publikum eingefnnden. welches denselben in allen Räumen dicht füllte. Anwesend waren: die Vertreter der politischen Orts- und Knltusgemeinden, die Synagogenvorstünde, der Vorstand der Chewra Kadischa und Gemillas Chasadim, der Kommandant der freiwilligen Feuerwehr, die Vorsteherinnen des Frauenvereines nebst den Vertretungen anderer Vereine und Korporationen, dann die Vertretungen der Nachbargemeinden Austerlitz, Butschowitz, Wischan. In Vertretung des mährischen Kantorenvereines waren anwesend : Oberkantor Heller- Brünn als Präsident. L ö w e n s o h n - Eibenschitz. Steiner- Gr.-Meserilsch. G o l dm a u n und Meist- Brünn; ferner waren erschienen Lehrer, Honoratioren und sämtliche Angehörige des Jubilars. Die Feier begann mit einem solennen Gottesdienste, welchen Herr Oberkantor Heller mit einem Männerquartett vollzogen hat. .Nach Beendigung des Mincha- und Maariwgebeles wurde der Jubilar in das Gemeindehaus geleitet, ivoselbst Herr Bürgernleister und Kultusvorsteher Richard L o e w in einer gediegenen Ansprache auf die trefflichen, verdienstvollen Leistungen des Jubilars während seiner vierzigjährigen Amtstätigkeir in der Gemeinde und Synagoge hinwies, in deren wohlverdienter Anerkennung demselben das künstlerisch ausgestattete Diplom als Ehrenbürger und eine große goldene Denkmünze, begleitet von den besten Segenswünschen, überreicht wurden. Hierauf folgten Ansprachen und Gratulationen seitens der obbezeichneten Korporationen und Vereine unter Ueberreichnug von Ehrengeschenken, die einen namhaften Wert repräsentieren. Auch Herr Oberkantor Heller gratulierte und überreichte iw Namen des mährischen Kautorenvereines dem Jubilar, der seit zehn Jahren Vizepräsident dieses Vereines ist, ebenfalls ein künstlerisch ausgestatteres Diplom als Ehrenmitglied und ein Geschenk in Silber. Tief ergriffen dankte der Jubilar für so viele herzliche Beweise von Wohlwollen, für die Ehrungen und Auszeichnungen zunächst den Vertretern seiner Gemeinde, dann den Vereinen, Korporationen und Honoratioren, die sich an dieser Feier beteiligten und schloß seine gehaltvolle Rede mit der Versicherung, seine schwachen Kräfte auch weiterhin, so lange ihm Gott das Leben schenkt, seiner Gemeinde zu widmen. Eine illustre Gesellschaft fand sich am Abend zu dem vom Gemeindevorstande veranstalteten Festbankette ein, bei welchem zahlreiche Toaste ausgebracht, deklamatorische und Gesangsvorträge gehalten und die in großer Menge emgelaufenen Glückwunschtelegramme, unter welchen die vom ersten Vizebürgermeister der Landeshauptstadt Brün«, Herrn Rudolf M. Roh rer, und von den Sparkaffedirektoren Dr. Scholz, Fux und Dr. E n g e l m a « n, vom österr.-ungar. Kantorenverein in Wien u. a. besonders zu erwähnen sind, verlesen wurden. Zum Schluffe sei noch speziell betont und besonders hervorgehoben, daß die Raußnitzer Gemeinde mit dem Arrangement dieses mit nicht unbedeutenden Opfern an Zeit, Mühe und Geld verbundenen Festes und mit der Ehrung ihres langjährigen und verdienstvollen Beamten sich selbst geehrt habe. J. St. HZ er söhnte Keinde. Von Babette Fried. (Fortsetzung. Als sich sein teilnehmender Kamerad zn ihm niederbeugte, hatte er noch die Kraft, ihm das Päckchen mit den Worten zu übergeben: „Rette Dich, Kamerad, wenn Du einst glücklich nach Hause kommst, so bringe , dieses meinem Vater." „Nun — ich selber! — — Und wissen Sie, wer mir diese schmeichelhaften Beinamen zngelegt? Ihre Schwester Rosa!" „Unmöglich!" ries Karl ungläubig ans. „Unmöglich und doch wahr!" Aus allgemeines Verlangen erzählte nun Ludwig, wie er zu dem Bilde gekommen, auf welche Weise es wieder in Rosas Hände gelangte, den daraus folgenden Austritt, kurz alles, was er bisher aus mehrfachen Gründet! wohlweislich verschwiegen. So war für die Freunde der Winter vergangen. Karl hatte inzwischen die Krücke entbehren gelernt, und auf den Arm seiner treuen, unermüdlichen Pflegerin Deborah gestützt, konnte er mit Hilse eines Stockes hernmgehen. Mit Vater und Schwester führte er eine regelmäßige Korrespondenz, an die sich später, nach eingeholter Erlaubnis,, anch Ludwig beteiligte. Während es im Familienkreise als ausgemachte Sache galt, daß Karl vor seiner Abreise in die Heimat in aller Form um die Hand der schönen, tapferen Dora unhalten werde, da das aufrichtige Mädchen, dem jede Verstellung fremd war, ihm unverholen zeigte, daß sie seine Zuneigung erwidere, betrieb wieder Ludwig seine Werbung um Rosa aus schriftlichem Wege. Ans ihren Briefen hatte er den Schluß gezogen, daß er keinen Korb von ihr zu befürchten habe, in welcher Annahme er anch nicht getäuscht wurde. Der lange, rauhe Winter, der diesesmal dem glücklichen Familienkreise in dem alten Giebelhanse zu Breslau aufs angenehmste verstrichen war, mußte endlich dem Frühling weichen, welcher den strengen, rauhen Gesellen recht energisch heimzuschicken verstanden. Das Osterfest stand vor der Türe. Die Pforten der Schulen hatten sich hinter den unzähligen Lehrenden und Lernenden geschlossen, welche freudig die Ferienzeit als Erholung nach ernster Arbeit begrüßten. Sie strömten hinaus nach allen Richtungen hin, um das Fest entweder bei den aus dem Lande lebenden Angehörigen oder auf Reisen zu verleben, so daß die Bahnhöfe überfüllt waren und die vermehrten Züge kaum die Zahl derjenigen fassen konnten, welche hinaus wollten aus dem betäubenden Getriebe der Stadt. Elftes Kapitel. Karl hatte seine Freiheit wieder erlangt, was um so leichter ward, als er durch seine Verwundung zum ferneren Kriegsdienste für untauglich befunden wurde. Nun stand seiner Heimreise nichts mehr im Wege. In Begleitung seines treuen Arztes, der es kaum erwarten konnte, das schriftlich erhaltene Jawort seiner Rosa mündlich im wahren Sinne des Wortes bestätigt zu erhalten, trat, er die längst ersehnte Reise in die Heimatan, und es waren zwei glückliche Bräutigame, welche den mit Menschen vollgepfropften Bahnhof betraten. Karl, der noch etwas hinkte, führte seine geliebte Dora am Arm, oder wurde vielmehr von ihr geführt, recht sorgsam und behutsam. Sie hatten sich noch viel zu sagen und der Ab Wed „schien beiden recht schwer zn werden. (Fortsetzung folgt.) .*« ■ I Hl