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Die Wahrheit · 1908-05-15 · Heft 19 (15.5.1908) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 19 (15.5.1908)
Date
1908-05-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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abfheit Ulfbndion u. Sldmiiiijl, »non : Wien, 13/, NvvaiaqaiN' 27. Tflflibmi der Dinckirc: 1531)2 K. k. österr. Postsparkafla- Scheck-Konto Nr. ivv.918. Inser-Äte Die viermal geivnUcil- Aonvareille-Zeile 25 Heller. rldoilUcMclllS» u. JillerllouLbeträqe und in atiieii zoirloa: und fUltfÖlU. «abhängige Heitschrift für jnöische IniereAeir. Erscheint jeden Kreitng. Motto : „Das Siegel (lottes ist Wahrheit!“ Rerntzs-rnkei»: Ganzjährig . . . 51. U.— H.ildjährlg K 7 — Für ILiUtuskeiiintk:!> ‘IWilMtiitJvtu it- >» »Vitr NiiSlmid: (UtnijtiiiDviit . s UKuvt n Dlubtl oder >6 \fc*. |U. 19 Wie»», 15. Mai 1908. Inhalt: Aus der Wvche. — Zu beit Beschlüssen des jüdischen Gemeiiidelages. — Ein Vorschlag zur Kinderbekleidung. — Das Leben und Wirken der Juden in Oesterreich in vorinärzl.chen Zeiten. — Die Erforschung der Falaschas. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Jubilümns- Kantorentag. — 40 jähriges Aintsjubiläum. — Feuilleton: „Versöhnte Feinde." Ans der Die Zeilen sind Gott sei dank vorüber, dn man es in den führenden jüdischen Kreisen für gut fand, den Angriff auf unsere Rechte nur auf den Hintertreppen abznwehren und namentlich unsere jüdischen Abgeordneten scheuen sich jetzt nicht, auf der Tribüne des Parlamentes eine offene und rücksichtslose Sprache zu führen. So hat auch der Abgeordnete Hofrat K u r a n d a, um den lügenhaften Verbreitern des Ritualmordmärchens ihr Handwerk zu legen, in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 12. d. M. an den Präsidenten nachfolgende Anfrage gerichtet: In der Osterzeit dieses Jahres wurde in einem Walde zwischen Zwittau und Policka die Leiche eines zehnjährigen Knaben gefunden, welcher, wie wenigstens die zuerst in die Oeffentlichkeit gelaugten Gerüchte bezeugen, die sich ans die gerichtsärztliche Obduktion stützen, dem Tode des Verhungerns und Erfrierens erlegen war. Am 18. April brachte die in Zwittau erscheinende „Grenzpost" einen Artikel, durch welchen unter vollständiger Verdrehung des Tatbestandes der Anschein erweckt werden sollte, als wäre dieser Knabe einem rituellen Morde zum Opfer gefallen. Hieran wurden Aenßernngen und Konsequenzen des blutrünstigsten konfessionellen, nicht Rassenhasses geknüpft. Der Artikel wurde konfisziert. In der Sitzung vom 5. d. haben Abgeordneter Budig und zwanzig Genossen diesen Artikel durch wörtliche Aufnahme in eine Interpellation immunisiert, welche anstandslos in öffentlicher Sitzung vorgebracht und im Anhang zum Protokoll dieser Sitzung publiziert wurde. Die Immunisierung hatte zur Folge, daß sowohl die in Wien erscheinenden antisemitischen Blätter wie sämtliche judeufeindlichen Provinzorgane — und er wisse wenige, die es nicht wären (Heiterkeit) — diesen Artikel weiterverbreitet haben. Abg. E. v. Stransky: Es muß ein Grund vorhanden sein, daß wenige nicht antisemitisch sind! Abg. Kuranda: Die ganze Oeffentlichkeit steht infolgedessen unter d em E in d ru ck e d i e s es gefälschten Tatbestandes. Es liegt mir ferne, den tiefen Entrüstungsschrei und den in mir vibrierenden Schmerz in eine Anfrage ausklingen zu lasten, warum im zwanzigsten Jahrhundert in einer westeuropäischen Legislative 21 Menschen sich gefunden haben, dieses v e r g i f t e n d e M ä r ch e n, das s e i t I a h r h u nd e r t e n Tausenden meiner Glaubensgenossen den Feuer-und denWasfertod eingetragen hat, von neuem zu verbreiten. (Lachen bei den Deutfchradikalen und Christlichsozialen.) Lachen Sie nur! Das Jahrhundert lacht über Sie! Die Regierung aber darf nicht durch längeres Schweigen den Satz auf sich beziehen lassen, daß derjenige, der schweigt, zustimmt, und dadurch den Anschein erwecken, als wenn der dargestellte Tatbestand nur den geringsten Schein der Wahrheit an sich Hütte. Es liegt vielleicht nicht im Interesse des Interpellanten, die Beantwortung dieser Interpellation zu beschleunigen. Es ist vielleicht in seinem Interesse, sie gar nicht beantwortet zu sehen. Infolgedessen aber stelle Redner nicht nur im eigenen Namen, sondern auch, ermächtigt von sämtlichen Mitgliedern mosaischer Konfession, welche die Ehre haben, dem Hause anzugehören, die Anfrage an den Präsidenten, ob er geneigt sei, den Justizm i n i ft e r zu e r s u ch e n, biefe Interpellation m 11 tu n li ch st e r B e s ch l e u n i g u n g zu b e a n t w o rt e n. (Beifall.) * * In derselben Sitzung des österr. Abgevrdnetenhmpes nahm der sozialdemokratische Abgeordnete Tr. L i e b e r m a n u bei der Debatte über die Einführung des Landwehrkontingentes Gelegenheit, in sehr scharfer Weise die Ungerechtigkeiten zu verurteilen, den die jüdischen Soldaten, besonders in Galizien, seitens der Offiziere und Unteroffiziere ausgesetzt sind. Ich weiß sehr wohl, sagte Redner, daß ich nicht gut daran thue, wenn ich in einem Hanse, dessen Majorität im Bud getaussch usse eine so feindliche S te l luu g gegen die Juden e i n g e n o m m e n h a t, m i ch d e r jüdischen Soldaten a n n e h m e. Wir Sozialdemokraten, mögen Sie uns hundertmal Judenpartei schimpfen, werden dem jüdischen Volke und der jüdischen Jugend treu zur Seite stehen, sooft es gelten wird, ihre staatsbürgerlichen Rechte gegen Ranbzüge zu verteidigen. * Das von den Abgeordneten des jüdischen Klubs unterstützte Streben der jüdischnationalen Studentenschaft die A ne r k e n n u n g der jüdischen N a t i o n a l t t ä t an sämtlichen österreichischen Hochschulen durchzusetzen, hat einen neuerlichen Erfolg, und zwar an der Wiener Universität erreicht. Einer am 9. d. M. beim Universitütsrektor erschienenen Deputation, bestehend aus Delegierten der „Jwria" (Jurist Löw), „Kadima" (Jurist Kugel), „Makkabäa" (Techniker Freundlich) und „Unitas" (Jurist Theodor Kohn) wurde die Mitteilung gemacht, daß es den Studenten gestattet werde, als ihre Muttersprache im Nationale „jüdisch" anzugeben, und daß jene, deren Umgangssprache das Deutsche oder irgend eine andere Sprache sei, dieser Angabe „jüdischer Nationalität" beisetzen können. Der Rektor Hofrat von Ebner sagte der Deputation heute zu, daß diese

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